Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung

Meldung 04.05.2020 250 Jahre öffentliches Bauen: Am 6. Mai 1770 setzte Friedrich II. offiziell den Grundstein der staatlichen Bauverwaltung

Mit einer Kabinettsorder vom 6. Mai 1770 wurde das Oberbaudepartement offiziell ins Leben gerufen. Für die Gründung der Baubehörde, welche die öffentlichen Bauvorhaben in Preußen zentral überwachen und steuern sollte, hatte Friedrich II. am 17. April 1770 höchstpersönlich die schriftliche Anweisung erteilt. Damit begründete der König eine Traditionslinie, die sich bis zum heutigen Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung verfolgen lässt, und setzte den Grundstein für die staatliche Bauverwaltung in Deutschland.

Dass das öffentliche Bauen von Anfang an eng verbunden war mit zentralen staatlichen Verwaltungsaufgaben, zeigte sich schon in der erstmaligen Ressort-Zuordnung der Bauverwaltung: Mit der Kabinettsorder zur Stiftung des Oberbaudepartements vom 6. Mai 1770 wurde dieses offiziell eine nachgeordnete Behörde des sogenannten Generaldirektoriums. Dabei handelte es sich um die zentrale preußische Behörde für die Innen- und Finanzverwaltung, die mit vollem Titel General-Ober-Finanz-Kriegs- und Domänen-Direktorium hieß.

Nicht einmal drei Wochen zuvor, am 17. April 1770, hatte Friedrich II. die Gründung des Oberbaudepartements angewiesen. Sein Schreiben kann als die Geburtsurkunde der institutionalisierten Bauverwaltung in Deutschland verstanden werden, wie die 2007 erschienene Chronik Bau und Raum aufzeigt, in der auch die weitere Geschichte der Bauverwaltung zusammengetragen und historisch eingeordnet ist.

Praktisch bedeutete die Gründung des Oberbaudepartements, dass bei der Errichtung von Staatsbauten nun einheitliche Standards Einzug hielten. Auch die Ausbildung von Baubeamten sollte von nun an, mit der Gründung der ersten technischen Oberbehörde Preußens, einheitlichen Regeln folgen.

Sich wandelnde Aufgaben gehörten im Laufe der Jahrzehnte ebenso zur Geschichte der Behörde wie Umstrukturierungen und Umbenennungen. Bedeutende Baumeister wie Karl Friedrich Schinkel oder David Gilly wirkten in der Bauverwaltung und der 1799 ins Leben gerufenen und ihr unterstellten Bauakademie. Dabei lässt sich an den Aufgaben der Bauverwaltung auch der Bedeutungszuwachs Preußens im 18. und 19. Jahrhundert ablesen. So erweiterten sich mit dem Erwerb Westpreußens schon 1772 die Aufgaben des Oberbaudepartements durch den territorialen Zuwachs erheblich. Mit der Reichsgründung 1871 wurden die Kompetenzen der preußischen Baubehörde sogar auf die staatliche Bautätigkeit im gesamten Kaiserreich ausgedehnt.

Eine grundlegende Reform erfuhr die Bauverwaltung in der Weimarer Republik, wo sich, parallel zur Gründung der ersten Reichsministerien, auch eine eigene Reichsbauverwaltung aus den preußischen Wurzeln entwickelte. Im Jahr 1930 erhielt die Reichsbauverwaltung, die inzwischen für viele Bauangelegenheiten der Ministerien zuständig war, den Namen Reichsbaudirektion. Während der NS-Diktatur unterstand die Behörde Reichsbauinspektor Albert Speer, der nicht zuletzt mit den Plänen zum Umbau Berlins zur monumentalen Reichshauptstadt „Germania“ betraut war. Für die Realisierung der von den Nationalsozialisten geschätzten Beeindruckungsarchitektur verantwortlich, spielte die Reichsbaudirektion in dieser Zeit eine nicht unbedeutende Rolle bei der faschistischen Selbstinszenierung.

1945 aufgelöst, wurde die Bauverwaltung 1950 auf Betreiben von Bundeskanzler Konrad Adenauer als Bundesbaudirektion neu gegründet. Organisatorisches Vorbild war die Reichsbaudirektion der Weimarer Republik. In der Nachkriegszeit bestand die dringlichste Aufgabe der jungen Bundesbaudirektion im Ausbau Bonns zum provisorischen Regierungssitz. Heute leistet die Bauverwaltung ihren Beitrag zur Demokratie, indem sie angemessene Arbeitsorte für deren Organe schafft und das baukulturelle Erbe pflegt und erhält.

Mit der Gründung des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (BBR) wurden die staatliche Bauverwaltung (Bundesbaudirektion) und die auf Raumordnung bezogene Ressortforschung (Bundesanstalt für Landeskunde und Raumforschung) unter einem Dach vereint. Die Eingliederung weiterer Ämter und Institute in den Jahren 2004 und 2009 rundeten das Aufgabenspektrum weiter ab. Heute ist das BBR eine Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat (BMI). Es betreut die Bundesbauten in Berlin, Bonn und im Ausland und unterstützt die Bundesregierung durch fachlich-wissenschaftliche Beratung in den Politikbereichen Raumordnung, Städtebau, Wohnungs- und Bauwesen.

Quelle: Kübler, Andreas: Chronik Bau und Raum. Berlin. Ernst Wasmuth Verlag. 2007

Weitere Informationen

Die Geschichte des BBR Dokumenttyp Artikel

Chronik Bau und Raum Dokumenttyp Artikel

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