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Querauswertung zentraler Verbundvorhaben des Bundes zur Anpassung an den Klimawandel mit Fokus Stadt- und Regionalentwicklung

Ergebnisse

Das Wissen zu Klimafolgen und Anpassung an den Klimawandel stärker zu bündeln, war Ziel dieses vom Bundesumwelt- und -bauministerium angestoßenen Forschungsvorhabens. Es wertete 12 Forschungsprogramme und -projekte mit Bezügen zur Stadt- und Regionalentwicklung aus den Jahren 2014 und 2015 aus – mit über 50 Vorhaben aus fünf Ressorts. Ein fachübergreifender Projektbeirat begleitete das Vorhaben. Das Ergebnis zeigt: Die Kooperation der verschiedenen Bundeseinrichtungen bündelt Wissen für die Praxis.

Broschüre "Anpassung an den Klimawandel in Stadt und Region"

Eine Broschüre stellt die Forschungserkenntnisse und Werkzeuge zur Unterstützung von Kommunen und Regionen vor. Kaum etwas ist besser als überzeugende Beispiele: 23 kommunale Beispiele und 31 praktisch anwendbare Werkzeugen zeigen, wie Planerinnen und Planer in Kommunen und Regionen bei der Klimaanpassung schon heute unterstützt werden können. Die Beispiele sind aufbereitet nach fünf Phasen des Planungsprozesses zur Klimaanpassung: Betroffenheit, Gefährdung, Maßnahmen, Umsetzung und Monitoring. Tabellarische Übersichten zu Arbeitshilfen, Forschungsberichten, Wissensportalen und interaktiven Web-Tools erleichtern den Zugang zum geeigneten Werkzeug.

Sonderpublikation BBSR Anpassung an den Klimawandel in Stadt und RegionBroschüre "Anpassung an den Klimawandel in Stadt und Region" Quelle: BBSR

Die Broschüre zielt darauf ab, Planerinnen und Planern der öffentlichen Verwaltung in Kommunen und Landkreisen sowie Personen aus dem Regionalmanagement und der Regionalentwicklung im Prozess zur Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen. Idealerweise lassen sich im Planungsprozess fünf verschiedene Phasen unterscheiden:

  1. Betroffenheit: Klimawandel verstehen und beschreiben
  2. Gefährdung: Gefahren erkennen und bewerten (Klimafolgen und Vulnerabilitäten)
  3. Maßnahmen: Maßnahmen entwickeln und vergleichen
  4. Umsetzung: Maßnahmen planen und umsetzen
  5. Monitoring & Evaluation: Anpassung beobachten und bewerten

Zu jeder der fünf Phasen präsentiert die Broschüre ausgewählte Werkzeuge zur Bearbeitung der notwendigen Schritte, Beispiele zum möglichen Einsatz der Werkzeuge und zentrale Erkenntnisse aus den Bundesforschungsvorhaben mit Bezug zur Stadt-, Raum- und Regionalplanung und zu den Themen Bauwesen, Industrie/Gewerbe, Küstenschutz, menschliche Gesundheit, Raum-, Regional- und Bauleitplanung, Verkehr und Verkehrsinfrastruktur, Wasserwirtschaft und Hochwasserschutz. Die Broschüre stellt keine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Entwicklung von regionalen, kommunalen oder sektoralen Anpassungsstrategien dar, sondern bietet Unterstützung in der Planung und Umsetzung der verschiedenen Phasen des Anpassungsprozesses. Jede Kommune bzw. Region kann sich im Prozess der Anpassung verorten und je nach Ausgangslage auf Informationen und Werkzeuge in der jeweiligen Phase zurückgreifen.

Bericht "Querauswertung zentraler Verbundvorhaben des Bundes zur Anpassung an den Klimawandel mit Fokus Stadt- und Regionalentwicklung"

Dieser Bericht stellt als BBSR-Online-Publikation 04/2016 die fachlichen Ergebnisse umfassend dar. Dazu wurden zwischen 2014 und 2015 12 Forschungs- und Förderprogramme mit 55 Einzelvorhaben aus dem Zuständigkeitsbereich von fünf Ressorts analysiert und hinsichtlich zentraler fachübergreifender und fachspezifischer Erkenntnisse und Werkzeuge ausgewertet. Ziel der Ergebnisaufbereitung war eine übergreifende, komprimierte und systematische Querauswertung dieser Forschungsergebnisse. Zentrale Erkenntnisse und Botschaften, Werkzeuge, Defizite, Verbesserungspotenziale, Forschungsbedarf und Handlungsempfehlungen dieser Forschungsvorhaben sollten so sichtbar gemacht werden. Schwerpunkt der Querauswertung bildeten handlungsfeldübergreifende und handlungsfeldspezifische Aspekte, die für Kommunen und Regionen sowie deren institutionalisierte Planung von besonderer Relevanz sind.

Die Schaffung von Handlungsgrundlagen für Regionen und Kommunen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels sind durch die Analyse belastbarer geworden. Dies gilt insbesondere für diejenigen Regionen und Kommunen, die als Fallstudien in den Bundesforschungsvorhaben eingebunden waren. Sie verfügen nun über bessere Informationsgrundlagen zu den Betroffenheiten, potenziellen Klimafolgen, zur Bewertung der Vulnerabilität, zu den Prozessen der Klimaanpassung, zu formellen und informellen Instrumenten und nicht zuletzt über eine gute Anpassungspraxis. Aus den Erfahrungen und den identifizierten Erfolgsfaktoren und Hindernissen können nun erfolgversprechende Handlungsansätze auf andere Kommunen und Regionen übertragen werden. Damit soll Klimaanpassung breitenwirksam bei den Akteuren und Planungsprozessen verankert und in der planerischen Abwägung wie auch der politischen Abstimmung gestärkt werden.

Handlungsfeldübergreifende Erkenntnisse im Hinblick auf Stadt und Region

Die Querschnittsauswertung der untersuchten Forschungs- und Förderprogramme erbrachte folgende übergreifende Aussagen und Schlussfolgerungen:

  • Die Anschlussfähigkeit von Klimaanpassung ist vorhanden. Klimafolgenprävention wird vielerorts bereits betrieben, ohne dass es als Anpassung an den Klimawandel bezeichnet wird. Beispiele hierfür sind der Hochwasserschutz, die Grünentwicklung in Städten, Entsiegelungsmaßnahmen und die Hitzevorsorge.
  • Klimaanpassung wird als Querschnittsaufgabe verstanden. Anpassung an den Klimawandel wird dort, wo sie aktiv aufgegriffen wird, als Querschnittsaufgabe verstanden und als eine langfristige Investition zur Risikominderung und Verbesserung der Lebensqualität in den Kommunen angesehen.
  • Ein Handeln unter Unsicherheit ist möglich. In den Projekten und Modellvorhaben ist die Entwicklung, Planung und Umsetzung von Anpassungsmaßnahmen auch unter Unsicherheiten gelungen (v.a. über "no-regret" bzw. "low-regret" Strategien und Maßnahmen).
  • Der Handlungsdruck ist noch gering. In den meisten Regionen Deutschlands besteht (noch) kein starker Handlungsdruck nach Anpassungsmaßnahmen. Die Vorstellung einer geringen Betroffenheit führt zu mangelndem Problembewusstsein zur Anpassung bestehender Strategien, Normen, Überzeugungen und Verhaltensweisen.
  • Ein idealtypischer Anpassungsprozess existiert nicht. Einen idealtypischer Anpassungsprozess ("one size fits all") gibt es für Regionen und Kommunen nicht, da diese sehr unterschiedliche Ausgangs- und Rahmenbedingungen besitzen. Dennoch lassen sich grundlegende Phasen zur Klimaanpassung unterscheiden: Klimawandel verstehen, Betroffenheit ermitteln und Klimafolgen bewerten, Maßnahmen entwickeln und umsetzen, Umsetzung von Maßnahmen verbessern und beobachten.
  • Für viele Handlungsbereiche der DAS liegen gute Beispiele zur Klimaanpassung vor. Für viele Handlungsbereiche der DAS wurden in den Bundesforschungsvorhaben zahlreiche gute Beispiele zur Anpassung an den Klimawandel identifiziert, systematisiert und umgesetzt, beispielweise im Küsten- und Hochwasserschutz sowie im Umgang mit Extremereignissen, wie Starkregen, Hitzewellen und Trockenheit. Deren Erkenntnisse sind sowohl in themenspezifischen wie auch handlungsfeldübergreifenden Broschüren für Kommunen und Regionen zusammengestellt.
  • Kleinen Kommunen fehlt es an Ressourcen. Während große Städte in der Lage sind, zeit- und kostenaufwendige Klima- und Vulnerabilitätsanalysen durchzuführen, fehlt es kleinen Kommunen oft an den finanziellen und personellen Ressourcen zur Initiierung eines Anpassungsprozesses.
  • Angebote des Bundes werden angenommen: Die Förderprogramme und Modellvorhaben des Bundes zur Klimaanpassung wurden von den beteiligten Akteuren angenommen. Klimaanpassung spielt in der Planungspraxis, außer in den Modellvorhaben und -kommunen, dennoch eine bisher eher untergeordnete Rolle.

Handlungsfeldspezifische Erkenntnisse

Wurden für die Themen Raum-, Regional- und Bauleitplanung, Bauwesen, menschliche Gesundheit, Wasserwirtschaft und Hochwasserschutz, Küstenschutz, Industrie und Gewerbe und Verkehr und Verkehrsinfrastruktur erarbeitet und sind in der Zusammenfassung der Online-Publikation kurz beschrieben.

Erkenntnisse über Methoden und Werkzeuge zur Anpassung an den Klimawandel

Tabelle zeigt Produkte zur Unterstützung einzelner Phasen des Politikzyklus Anpassung Produkte zur Unterstützung einzelner Phasen des Politikzyklus AnpassungProdukte zur Unterstützung einzelner Phasen des Politikzyklus Anpassung Quelle: BBSR

Eine umfangreiche Anzahl an Werkzeugen, Leitfäden und Methodenhandbüchern wurden in den Bundesforschungsvorhaben für die verschiedenen Phasen des Anpassungsprozesses entwickelt. Damit können die Regionen und Kommunen bei der Ermittlung von Klimaänderungen und Klimafolgen, Anpassungsmöglichkeiten und Implementations- sowie Umsetzungsstrategien unterstützt werden (z.B. Tatenbank, Klimalotse, Stadtklimalotse, Klimanavigator). Insgesamt wurden 64 Werkzeuge identifiziert. Werkzeuge können in verschiedenen Formaten und Typen vorkommen (z.B. Leitfaden, Handbuch, Expertise, Fallstudie, Checkliste, online-Tool). Es gilt, die Ergebnisse aus den vielen Bundesforschungsvorhaben über zentrale Plattformen zu bündeln, bereit zu stellen und Initiativen für einen Transfer des Wissens zu schaffen. Die Werkzeuge können die Anpassungsplanung und entsprechende Entscheidungsprozesse unterstützen, aber nicht ersetzen.

Es wurden Forschungsempfehlungen zur Weiterentwicklung der Aktivitäten und Empfehlungen für den Bund formuliert, u.a.

Verbesserungspotenziale in Kommunen und Regionen

  • Verwaltungskooperation verbessern
  • Klimaanpassung institutionell verankern
  • Verbindliche Regeln und Entscheidungen formuliere
  • Kommunale Kooperationsnetzwerke verstetigen
  • Investive Mittel für die Umsetzung von Maßnahmen bereitstellen
  • Risiken und Chancen des Klimawandels kommunizieren
  • Hotspots identifizieren
  • Klimaanpassung ist in alle kommunalen und regionalen Handlungsbereiche zu integrieren (mainstreaming)

Forschungsempfehlungen zur Weiterentwicklung der Aktivitäten

  • Forschungsergebnisse in die kommunale und regionale Praxis überführen
  • Zugang zu Anpassungswissen erleichtern
  • Grenzen der Anpassung und Kosten-/Nutzenaspekte beachten
  • Grenzwerte/Schwellenwerte ermitteln
  • Soziale Implikationen berücksichtigen
  • Zielführende Partizipationsformate und -formen umzusetzen
  • Fortschritte der Anpassung beobachten und bewerten
  • Existierende Werkzeuge verbessern und neue Tools entwickeln

Empfehlungen für den Bund im Hinblick auf Stadt und Region

  • Das Klimawissen anwendungsorientiert aufbereiten und bündeln
  • Wissenstransfer und das voneinander Lernen unterstützen
  • Klimaanpassung und Klimaschutz zusammen denken
  • Strategische Ziele entwickeln und Nutzungs- und Zielkonflikte offenlegen
  • Klimachecks für die integrierte Planung einsetzen
  • Klimaanpassung in die Städtebauförderung integrieren
  • Kleine Kommunen unterstützen
  • Anpassung mit anderen Aufgaben der Stadt- und Raumentwicklung abstimmen
  • Formelle und informelle Instrumente ergänzen und überarbeiten

Zusatzinformationen

Kontakt

Dr. Fabian Dosch
Referat I 6 - Stadt-, Umwelt- und Raumbeobachtung
Tel.: +49 228 99401-2160

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