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Münzwettbewerb

125. Geburtstag Franz Kafka

Am 14. Juni 2007 entschied eine siebenköpfige Jury unter Vorsitz des Künstlers Hans Joa Dobler den Wettbewerb zur Gestaltung einer 10-Euro-Gedenkmünze für das Jahr 2008. Zu diesem einstufigen Wettbewerb wurden 15 Künstlerinnen und Künstler eingeladen. Prämiiert und zur Ausführung empfohlen wurde der Entwurf des in Hamburg ansässigen Künstlers Frantisek Chochola.

1. Preis: Frantisek Chochola, Hamburg

 1. Preis: Bild- und Wertseite der MünzeBild- und Wertseite der Münze von Frantisek Chochola

Die Bildseite ist senkrecht aufgeteilt in eine linke, schmalere Hälfte und eine rechte, breitere. Die rechte Seite zeigt das Portrait Kafkas wie in das Textgeflecht eingesenkt und zugleich tauchen die Gesichtszüge aus dem Text hervor und treten dem Betrachter entgegen. Diese Doppeldeutigkeit (zwischen Hervorheben und Versinken) thematisiert in gelungener Form, das gerade auch für Kafka wichtige, gespannte Verhältnis des Autors zu seinem Text.

Auch wenn das Portrait sich durch seine Position auf den Betrachter zu bewegt, weicht der Blick ihm aus - dies verstärkt noch die divergierende Ambivalenz dieses Entwurfs. Der Entwurf ist plastisch außerordentlich fein durchgeformt und lässt die Gesichtszüge nicht erstarren, sondern zwischen Ausdrucksmöglichkeiten wie Versonnenheit oder Aufmerksamkeit spielen.

Die linke Seite zeigt auf dem Münzgrund den Prager Dom, nicht nur als ein Kennzeichen dieser Stadt und als Verweis auf diesen Ort, sondern vor allem als Schauplatz Kafkas, auch als Andeutung des historisch-kulturellen Hintergrunds von Kafkas Lebensgeschichte. Denn an seiner Biographie sind auch die Spuren und Brüche bürgerlich-jüdischer Emanzipation im späten 19. Jahrhundert ablesbar, in der katholisch geprägten, sich liberalisierenden, habsburgischen Welt.

Die Wertseite korrespondiert in ihren Gewichten der Bildseite - senkrechte Aufteilung in zwei ungleiche Flächen. Außerdem nimmt sie das Motiv der Ambivalenz auch in der ungewöhnlichen, lebendigen Form des Adlers auf. Auch diese Seite, vor allem der Adler, ist gut durchgestaltet.

Randschrift: EIN KÄFIG GING EINEN VOGEL SUCHEN

Erklärung:
Der berühmte Satz Kafkas "Ein Käfig ging einen Vogel suchen" ist eine Anspielung auf die tschechische Bedeutung seines Namens (Kavka = Dohle).

2. Preis: Erich Ott, München

 2. Preis: Bild- und Wertseite der MünzeBild- und Wertseite der Münze von Erich Ott

Der Entwurf besticht durch die souveräne Setzung eines fein gearbeiteten, nahezu En-face-Portraits mit einem ungewöhnlich schlanken Brustbildansatz. Dieses Kompositionselement drittelt das Münzrund, das durch eine graphisch überzeugende Umschrift gerahmt wird.

Zu dieser unprätentiösen, aber delikaten Gestaltung steht die Wertseite in harmonischer Kongruenz. 

3. Preis: Heinz Hoyer, Berlin

 3. Preis: Bild- und Wertseite der MünzeBild- und Wertseite der Münze von Heinz Hoyer

Der Entwurf löst sich von der traditionellen und gewohnten Darstellung eines Portraits und wählt als inhaltlichen Ausgangspunkt die Befindlichkeit und das Gefangensein des Autors Kafka im Labyrinth der Einflüsse und Deutungen. Er liefert eine formal interessante und originelle Lösung durch Flächen eines die Seite ausfüllenden Labyrinths aus Raumwänden, die in ihrer Mitte das von einer Kafka-Zeichnung übernommene Motiv des an einem Tisch zusammengesunkenen Schriftstellers umschließen. Ohne den umlaufenden Schriftzug ergäbe sich allerdings keine eindeutige Zuordnung der Bildmetapher auf den Schriftsteller Franz Kafka.
Die Wertseite fällt gegenüber der Motivseite eher konventionell aus.

4. Preis: Werner Mebert, Filderstadt

4. Preis: Bild- und Wertseite der MünzeBild- und Wertseite der Münze von Werner Mebert

Hohe Portraitähnlichkeit, schöne plastische Wirkung. Verwendet ist das so genannte "Promotions-Foto" (1906), das einen ungewohnten Kafka zeigt: einen dreiundzwanzigjährigen, selbstbewussten Juristen, zwar noch mit "Vatermörder", aber ganz der neuen Zeit zugewandt: ein Autor der Moderne. Der Künstler/die Künstlerin hat keine Angst vor der leeren Fläche, auf der das Portrait förmlich "schwimmt", mit einem sehr schönen Abschluss nach unten.
Vorder- und Rückseite korrespondieren, wodurch sich allerdings auf der Wertseite Gestaltungsprobleme ergeben.

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