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Münzwettbewerb

200. Geburtstag Franz Liszt

Am 3. Dezember 2009 entschied eine siebenköpfige Jury unter Vorsitz des Stuttgarter Künstlers Ulrich Böhme den Wettbewerb zur Gestaltung einer 10-Euro-Gedenkmünze für das Jahr 2011. Zu diesem einstufigen Wettbewerb wurden 15 Künstlerinnen und Künstler eingeladen. Prämiiert und zur Ausführung empfohlen wurde der Entwurf des in Rodenbach ansässigen Künstlers Michael Otto.

1. Preis 1044 Michael Otto, Rodenbach

Michael Otto

Der Entwurf besticht durch den riskanten Kontrast zwischen dem Gesichtsrelief und dem Schichtrelief des Flügels im Hintergrund.
Der Widerspruch ist formal gelungen und spiegelt das überaus widerspruchsreiche Leben und Werk Franz Liszts (etwa europäischer Starvirtuose contra zurückgezogen lebender Abbe als Symbol für Veräußerlichung und Verinnerlichung).
Das Gesicht weist auf den unbändigen Gestaltungswillen des Komponisten in der Nachfolge Beethovens hin. Es ist handwerklich fein und nuancenreich modelliert, hält sich nicht durchweg an die überlieferten Bildvorlagen, spricht aber eben von einem wachen und willensstarken Charakter in der Mitte des Lebens.
Die Komposition übergreift teilweise den inneren Ring und kehrt in der Wertseite durch die asymmetrische Anordnung des Adlers und das Übergreifen der 10 vom inneren Rund in den äußeren Spiegelglanz-Rand wieder. Der Adler ist heraldisch richtig und in seiner konzentrierten Dynamik der Bildseite adäquat gestaltet. Die Verteilung von Schrift und Sternen folgt der Rundbeschriftung der Bildseite.

Randschrift: * GENIE OBLIGE – GENIE VERPFLICHTET *
(Wahlspruch Franz Liszts -französisch-deutsch)

2. Preis 1036B Agatha Kill, Ilbesheim

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Die Bildseite trägt ein Portrait des Dargestellten im mittleren Alter, seiner maß-geblichen Schaffensphase als Komponist, vor allem in Weimar.
Die recht konventionelle Darstellung des Kopfes ist authentisch angepasst, wobei die Gesichtszüge des Meisters den uns überlieferten Charaktereigenschaften entsprechen.
In ihrer markanten Deutlichkeit bringen sie Willen und Streben Liszts zum Ausdruck. Der Blick schaut energisch in die Weite, wofür ein Teil der Bildfläche frei geblieben ist. Darunter sind seine eigenhändigen Schriftzüge, vom Gestalter adäquat nachgebildet.
Das qualitative Niveau der Bildseite findet auf der Wertseite nicht ganz die entsprechende Fortsetzung. Adler, Schrift und Bild für sich sind künstlerisch ansprechend gearbeitet, aber der Zusammenhang fehlt.

3. Preis 1031 Carsten Theumer, Höhnstedt

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Die Bildseite ist gekennzeichnet durch ein Dreiviertelportrait mit Schulterstück des jüngeren Franz Liszt. Die Darstellung lenkt den Blick auf seine beiden Hände, die aus verschränkten Armen heraus ragend den Vordergrund bestimmen.

Die fein ausgearbeiteten Finger symbolisieren den charakteristischen Lebensabschnitt seiner jungen Jahre, sie sind buchstäblich seine Handwerkszeuge als einzigartiger, erfolgreicher und gefeierter Klavier-Virtuose in ganz Europa, dessen Technik des Klavierspiels bis heute keine nennenswerten Neuerungen hinzugefügt wurden. Dem Portrait mangelt es freilich an typischen Wesens- und Gesichtszügen des Künstlers, es bleibt vage. Die gestalterische Kraft der raumgreifenden Hände scheint überzeichnet. Die Wertseite, mit einem ausgewogenen, konventionellen Adler korrespondiert mit der Bildseite; allerdings wirkt der aus dem Kreis heraustretende Adler nicht ausreichend motiviert.

4. Preis 1040 Erich Ott, München

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Der Entwurf überzeugt durch klassische Schlichtheit. Das Liszt-Profil zeigt den Komponisten in reiferen Jahren in handwerklich perfekter Ausarbeitung.
Die sachliche, serifenlose Schrift und die harmonische, mittelaxiale Komposition verbinden Bild- und Wertseite.
Die Darstellung des Adlers erreicht nicht die Perfektion und Subtilität der Bildseite, stellt jedoch ein würdevolles Hoheitszeichen dar.
Die Jury hätte es begrüßt, wenn der Entwurf etwas mehr innovative Kraft entwickelt hätte.

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