Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung

Symposium „Kunst am Bau in der DDR“

"Die Wirtschaft der DDR unter dem Zeichen des Friedens" von 1964, ein Werk des Künstlers Fritz Kühn im ehemaligen Staatsratsgebäude der DDR in Berlin Kunst am Bau in der DDR "Die Wirtschaft der DDR unter dem Zeichen des Friedens" von 1964, ein Werk des Künstlers Fritz Kühn im ehemaligen Staatsratsgebäude der DDR, heute European School of Management and Technology, in Berlin Quelle: BBR / Cordia Schlegelmilch

Die ausgebuchte Veranstaltung des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat und des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung zur Kunst am Bau der DDR war eine Kooperation mit der Akademie der Künste, Berlin, der die Begrüßung durch Prof. Dr. Wulf Herzogenrath zufiel. In dem mit über 250 Gästen voll besetzten Plenarsaal am Pariser Platz erläuterte Staatssekretärin Anne Katrin Bohle für das Bundesbauministerium die baukulturelle Bedeutung der Kunst am Bau in der DDR sowie die gesamtstaatliche Verantwortung für die Erforschung und den Erhalt des kunsthistorisch sowie kulturgeschichtlich bedeutenden Bestandes an Kunstwerken. Mit dem ersten Symposium zu diesem Thema werde eine fundierte Grundlage für die weitere wissenschaftliche Auseinandersetzung geschaffen, so die Staatssekretärin. Die Präsidentin des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung, Petra Wesseler, ging auf die gesetzlichen Grundlagen für die künstlerische Ausstattung im Rahmen von staatlichen Neu- und Umbauten ein, die seit 1950 sowohl in der Bundesrepublik als auch nur sechs Wochen später in der Deutschen Demokratischen Republik beschlossen wurden und die die Basis für das langjähre, kontinuierliche Engagement beider deutscher Staaten und des wiedervereinigten Deutschlands bilden.

Der Kulturwissenschaftler und ehemalige Kultursenator Dr. Thomas Flierl zeigte in seinem Vortrag "Das sozialistische Gesellschaftsmodell. Stadtplanung, Architektur und Kunst am Bau in der DDR" anhand von Beispielen den Entwicklungsbogen der politischen Einflussnahme auf das Bildprogramm von Kunst am Bau. In den Aufbaujahren der jungen Republik wirkten Politiker direkt an den künstlerischen Entwürfen mit, um die parteiideologische Bildprogrammatik sicherzustellen. Es folgten neue Bauaufgaben, die mit der staatlich verordneten Industrialisierung der Architektur und entsprechend neuen Themen für Wandbilder einhergingen. Ein Wandel in der staatlichen Auftragspolitik erfolgte in den 1980er-Jahren im Kontext eines Perspektivverlusts des sozialistischen Gesellschaftsmodells mit dem zeitgleichen Aufkeimen einer Gegenkultur.

Die staatlichen Direktiven zu Typisierung und Industrialisierung des Bauens als Vorbedingung für die Entwicklung der Ostmoderne nahm der Architekturhistoriker Dr. Roman Hillmann in den Fokus seines Vortrags "Ostmoderne. Ein Staat gestaltet die Architektur". Eine wesentliche Qualität der sozialistischen Baukunst sah er in der Variation der vorgefertigten Bauteile und der Gestaltung der Umgebung durch eine differenzierte Platzierung der Baukörper sowie in der Akzentuierung markanter Plätze durch Kunst am Bau.

Der Direktor des Dresdner Instituts für Kulturstudien, Dr. Paul Kaiser, verfolgte in seinem Beitrag "Kunst am Bau in der DDR. Auftrag, System und Wandel" Chancen und Restriktionen staatlicher Auftragskunst, die in der DDR ohne einen privatwirtschaftlich organisierten Kunstmarkt die Funktion der Künstlerförderung inne hatte. Für das letzte Jahrzehnt der DDR konstatierte er eine Zunahme der künstlerischen Freiheiten bei der Interpretation politisch vorgegebener Themen ebenso wie die Möglichkeit zur Umsetzung von Bildinhalten jenseits der sozialistischen Propaganda. Ein Bildersturm nach der Wiedervereinigung sei weitgehend ausgeblieben, Verluste von Kunst am Bau gingen in der Mehrzahl der Fälle eher auf Vandalismus und Verfall sowie auf energetische Sanierungsmaßnahmen zurück.

"Künstler*innen als Repräsentant*innen des Staates" untersuchte die Leiterin des Kunstfonds der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Silke Wagler. In der Betrachtung von baubezogener Kunst im Zusammenhang mit den zentralen Bauaufgaben der DDR–Wiederaufbau und Herstellung der Funktionsfähigkeit der Gesellschaft sowie Wohnungsneubau – erkannte sie eine örtliche Verlagerung der Kunst am Bau zunächst von den repräsentativen Außenwänden in den Innenraum und dann weiter in den öffentlichen Raum der Wohnbezirke. Zudem konstatierte sie eine Unterrepräsentanz von Künstlerinnen bei repräsentativen Bauaufgaben, während sie bei der Ausgestaltung von Schulen und Kitas öfter berücksichtigt wurden.

Nicht nur der zunehmende Verfall an Bausubstanz und Vandalismus an Bauten der DDR-Zeit verlangen nach einer Diskussion zum "Umgang mit baubezogener Kunst der DDR nach 1990", wie der Titel des Vortrags der Landeskonservatorin von Sachsen-Anhalt, Dr. Ulrike Wendland, lautete. Der Erhalt von DDR-Kunst-am-Bau im Kontext eines Baudenkmals ist inzwischen allgemein akzeptiert. Eine besondere Herausforderung hingegen sei die Konservierung von architekturbezogener Kunst, wenn das zugehörige Bauwerk, keine Denkmaleigenschaften aufweise. Denn dann komme für diese Werke mitunter nur eine Translozierung in Betracht. Jeder Einzelfall werde aber in Bezug auf seine Eigenschaft als historisches Zeugnis der Geschichte, der Kunst und der gesellschaftspolitischen Zeitumstände geprüft.

Die Referentin für Kunst am Bau des Bundes im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, Dr. Ute Chibidziura, lenkte den Blick auf das Engagement des Bundes bei Pflege und Erhalt des historischen Erbes der Kunst am Bau in der DDR. Im zweiten Teil ihres Vortrags zu "Kunst am Bau in Ostdeutschland vor und nach 1990" stellte sie Kunst-am-Bau-Projekte vor, die im Rahmen der Kunstkonzepte für den Bundestag beziehungsweise die Regierungsbauten in der neuen Hauptstadt Berlin entstanden sind und von Künstler*innen mit einer ostdeutschen Biografie geschaffen wurden. Zum Abschluss der Präsentation thematisierte sie Kunst-am-Bau-Werke, die seit 1990 im Zuge des föderalen Umstrukturierungsprozesses an Bundesinstitutionen in den östlichen Bundesländern entstanden sind.

Durch den Tag führte der Kunsthistoriker und Architekturkritiker Prof. Dr. Arnold Bartetzky vom Leibnitz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO), Leipzig. Seine fachkundige Moderation verknüpfte die vielfältigen Vorträge mit dem Podiumsgespräch am Ende der Veranstaltung. Aus der praktischen Erfahrung des Rostocker Architekten Michael Bräuer mit stadtraumbezogener Kunst am Bau in Wohngebieten der 1970er Jahre und des Leipziger Malers Prof. Sighard Gille mit der Ausführung des zentralen Deckengemäldes für das Neue Gewandhaus in Leipzig 1981 wurden die ideologischen Vorgaben der jeweiligen Auftraggeber, aber auch die künstlerischen Freiheiten mit der Marburger Kunsthistorikerin Prof. Dr. Sigrid Hofer diskutiert. Die Kulturjournalistin Swantje Karich, die auch Mitglied im Sachverständigenkreis Kunst am Bau beim Bundesbauministerium ist, stellte fest, dass die ideologischen Sichtweisen auf die Ostmoderne dreißig Jahre nach der Wiedervereinigung an Boden verloren haben und damit ein unvoreingenommener Blick auf die künstlerisch-formalen Leistungen von Architektur und Kunst am Bau in der DDR möglich sei.

Die Dokumentation des Symposiums erscheint im Sommer 2020.

Weitere Informationen

Kunst am Bau Dokumenttyp Artikel

Museum der 1000 Orte Dokumenttyp Artikel

Wo die Bundesrepublik Deutschland als Bauherrin auftritt, wird auch Kunst am Bau realisiert. Viele der Kunstwerke sind jedoch nicht für jedermann zugänglich, weil sie sich an geografisch weit entfernten Orten oder in Bauten mit besonderen Sicherheitsanforderungen befinden. Um diese Kunst trotzdem allgemein zugänglich zu machen, ist ein virtuelles "Museum der 1000 Orte" entstanden, das die Kunst am Bau in ihrem architektonischen Umfeld vorstellt.

Informationen zum Symposium

Kunst am Bau in der DDR Dokumenttyp Artikel

2020 begeht der Bund ein besonderes Jubiläum: 70 Jahre Kunst am Bau in Deutschland. Gleichzeitig jährt sich die Wiedervereinigung zum 30. Mal. Dies soll Anlass sein, sich dem Thema mit mehreren Veranstaltungen zu nähern. Den Auftakt bildet ein Symposium zur Kunst am Bau in der DDR, das am Freitag, den 24. Januar 2020, in der Akademie der Künste in Berlin stattfinden wird.

Programm des Symposiums Dokumenttyp Artikel

Einladungskarte Dokumenttyp: Download

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