Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung

Deutscher Hochschulbaupreis Deutscher Hochschulbaupreis 2024

Preis

  • Status Entschieden
  • Veröffentlichung 31.07.2023
  • Entscheidung 23.01.2024

Entscheidung des Preisgerichts

Das Preisgericht hat am 23. Januar 2024 unter dem Vorsitz der Münchner Architektin Birgit Rudacs getagt.

Preisträger

Deutscher Hochschulbaupreis 2024

Projekt: Umbau des Fritz-Foerster-Baus zur zentralen Verwaltung der TU Dresden
Architektur: CODE UNIQUE Architekten GmbH, Dresden
Bauherr: Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement, Dresden
Hochschule: Technische Universität Dresden

Technische Universität Dresden - Fritz-Foerster-Bau

Bild / Video 1 von 3

Das Bild zeigt das in dem Landschaftspark eingebettete rote Backsteingebäude. Die grauen modernen Treppen zum Haupteingang fungieren als Sitzgelegenheit und Kontrast zur historischen Fassade. Technische Universität Dresden - Fritz-Foerster-Bau

Jurybeurteilung

Bauen im Bestand ist das Thema der Zukunft

Der Umbau des Fritz-Foerster-Baus der TU Dresden und Preisträger des Hochschulbaupreises 2024 ist ein exzellentes Beispiel, wie mit historischen Gebäuden umgegangen werden kann. Maximal möglicher Erhalt des Bestandes ist nicht nur dem Kulturdenkmal, sondern auch der Nachhaltigkeit geschuldet.

Der durch die markante Dreiflügelanlage räumlich gefasste Hof wurde von Baracken, Parkplätzen und Versiegelung befreit und das Gebäude wieder in einen neu geschaffenen begrünten Freiraum eingebettet. Die städtebaulich wichtige Rekultivierung der Freifläche führt im Zusammenspiel mit den großzügigen, neu angelegten Sitztreppen nicht nur zu einer hohen Aufenthaltsqualität für Lehrende und Studierende, sondern stärkt damit auch den repräsentativen Auftritt des Universitätsgebäudes. Der Park fungiert als verbindendes Element über den Universitätscampus hinweg.

Im Inneren wird das durch die frühere Nutzung als Chemiefakultät kontaminierte Gebäude aufwendig von Schadstoffen befreit und auf technische und baurechtliche Standards gebracht. Im Mittelbau, im Zentrum der symmetrischen Anlage wird der historische Vorlesungssaal auf zwei Geschosse zurück- gebaut. Dieser kluge strukturelle Eingriff ermöglicht erstmals die Anordnung eines Foyers zur Südstadt hin, welches die beiden Ebenen Stadt und Hof geschossüber- greifend verbindet und die wichtige öffentliche Durchwegung des Gebäudes ermöglicht.

Bestehende Treppenhäuser werden verlängert, um alle Ebenen miteinander zu verbinden. Am historischen Treppenabsatz wird dabei unvermittelt und zeitgenössisch weitergebaut. Der Bruch und die Zeitschichten werden so erlebbar gemacht. Umbau wird bei neuen architektonischen Eingriffen über die Farb- und Materialwahl sichtbar gemacht. Alle Maßnahmen ordnen sich sowohl in Struktur als auch in der sachlichen architektonischen Sprache dem 1920er-Jahre-Bau unter. Feine sensible Maßnahmen geben der Baumaßnahme den eigenen Charakter und eine neue gestalterische Identität. Das Alte bleibt erhalten und das Neue wird subtil zurückhaltend lesbar. Die Qualität der Details und die Materialwahl überzeugen die Jury.

Der Mut des Unterordnens einhergehend mit sensiblen, aber präzisen Maßnahmen lässt das Projekt zu einem nachhaltigen Beitrag mit hoher baukultureller Qualität werden.

Auszeichnung

Projekt: Texoversum, Reutlingen
Architekturbüro: allmannwappner, München in Kooperation mit Menges Scheffler Architekten, Frankfurt am Main und Jan Knippers Ingenieure, Stuttgart
Bauherr: Südwesttextil e.V.
Hochschule: Hochschule Reutlingen

Hochschule Reutlingen - Textoversum

Bild / Video 1 von 2

Das Bild zeigt die Frontansicht des Textoversums. Kohlenstoff- und Glasfasern wurden mithilfe eines Wickelprozesseses zusammengefügt und bilden die Fassade. Diese erinnert an einen gehäkelten Textilstoff. Hochschule Reutlingen - Textoversum

Jurybeurteilung

Innovation sichtbar machen

Die Jury bewertet den ganzheitlichen und konsequenten Umgang mit dem Entwurfsthema Textil in allen Bereichen des Projekts als gelungen. Vor allem der experimentelle Ansatz in der Fassade als Beispiel für das sichtbar machen der Arbeit in Forschung und Lehre ist hier beispielhaft umsetzt.

Das äußere Erscheinungsbild wird dabei entscheidend durch die identitätsstiftende Gebäudehülle aus Kohlenstoff- und Glasfasern geprägt. Die in einem robotischen Wickelprozess entstandenen Fassadenelemente wurden individuell an die Erfordernisse der Nutzung angepasst und übernehmen die Funktion des außen liegenden Sonnenschutzes. Für diesen Zweck sind die Elemente je nach Himmelsrichtung dichter bzw. weniger dicht gewebt. Auf Abstand zur Glasfassade angeordnet übernehmen sie darüber hinaus die Funktion der Absturzsicherung des umlaufenden Balkons, wobei Sie sich selbst tragen und ohne zusätzliche Konstruktion auskommen.

Durch die Orientierung der Nutzflächen entlang der beiden Längsseiten und deren Anordnung als Split-Level entsteht eine räumliche Verwebung in der Gebäudemitte über alle Geschosse hinweg, welche vielseitige Blickbeziehungen zulässt und im Erdgeschoss durch die Anordnung einer Sitztreppe zusätzliche Aufenthaltsqualität schafft. Links und rechts des Luftraums sind davon abgetrennt weitere teilweise geschossübergreifende Räume als Kommunikationszonen angeordnet, welche über den räumlichen Zusammenhang hinaus in der sonst sehr zurückhaltenden Farb- und Materialauswahl deutliche farbliche Akzente setzen. Hier wird als Oberflächenmaterial sowohl am Boden als auch an der Wand in Anlehnung an die spezifische Nutzung erneut auf textile Materialien zurückgegriffen. Die vertikale Organisation über Split-Level lässt zudem eine Dachterrasse entstehen, welche den Studierenden zusätzliche Aufenthaltsmöglichkeiten bietet.

Kontrovers diskutiert wird die tatsächliche Aufenthaltsqualität hinter mit dem starren Textil sowie die Übertragbarkeit der speziell für das Textoversum entwickelten Gebäudehülle auf zukünftige Gebäude.

Auszeichnung

Projekt: Studierendenhaus der TU Braunschweig
Architekturbüro: Gustav Düsing & Max Hacke, Berlin
Bauherr: TU Braunschweig Technische Universität Braunschweig
Hochschule: Technische Universität Braunschweig

Technische Universität Braunschweig - Studierendenhaus

Bild / Video 2 von 3

Das Bild zeigt einen Lageplan, unterschiedliche Aufnahmen aus dem Inneren des Gebäudes und Studenten bei der Nutzung der Räumlichkeiten. Es zeigt Fotos aus der Vogelperspektive, vom Modell und des Gebäudes im Vordergrund der Braunschweiger Innenstadt. Technische Universität Braunschweig - Studierendenhaus

Jurybeurteilung

Ein Manifest wie Lernen und Lehre in der Zukunft aussehen könnte

Die Jura des Deutschen Hochschulbaupreises zeichnet dieses Projekt als vorbildhafte Weiterentwicklung neuer Raumgefüge zum Lernen aus.
Das Studierendenhaus der TU Braunschweig ist eine Aufforderung zur Aneignung. Ein Ort, wo Planen und Bauen neu gedacht wird. Wo Erhalt und Rückbau selbstverständlicher Bestandteil des ganzheitlichen Konzepts darstellt. Das Gebäude bietet einen Ort, der einladende Leichtigkeit und Optimismus ausstrahlt, wo Austausch und Inspiration interdisziplinär gelebt werden können. Das Haus fügt sich sehr selbstverständlich in den innerstädtisch dichten Kontext des Campus, neben dem Hauptgebäude. Die dadurch entstehende stadträumliche Verdichtung führt zu einem räumlichen und inhaltlichen Mehrwert für den Ort und für die Studierenden.

Das offene Raumkonzept ist von allen vier Seiten zugänglich und gibt hinsichtlich der Nutzung und Benutzung keine Bewegungsrichtung im Gebäude vor. Zufallsbegegnungen sind über freie Wahl der Treppennutzung auch hier vorprogrammiert. Der hierarchiefreie Grundriss bietet situative Durchlässigkeit und ein hohes Maß an Flexibilität für unterschiedliche Lernkonstellationen. Das Projekt stellt einen wertvollen Beitrag dar, wie in Zukunft Lernorte für Studierende konzipiert sein können.

Die Konstruktion des Gebäudes basiert konsequent auf einem sparsamen Einsatz von Material und Standards. Teilweise experimentelle Bauweisen sind dabei zukunftsweisend hinsichtlich effizientem Materialwahl und -einsatz zum Beispiel durch die sehr schlanken, vorgefertigten Stahlbauteile. Diese trifft sowohl auf das Tragwerk, wie auf die Fassade als auch auf den Innenausbau zu. Eine sortenreine Rückbaubarkeit der Holz-Stahl-Hybrid-Konstruktion wurde durch den alleinigen Einsatz von Verschraubungen erreicht.

Das Studierendenhaus ist insgesamt sehr kommunikationsfördernd mit einem sehr guten Bezug zum Außenraum. Die Skelettbauweise weist eine sehr gute Anpassungsfähigkeit auf, welche auch durch die Verortung der Nebenflächen nage der treppenhauskerne begünstigt. Die geplante noch nicht realisierte Dachbegrünung wäre wünschenswert. Durch die Erstellung eines Lebenszykluskonzepts (insbesondere der Schutz der Fassadenbauteile durch Auskragungen) werden einfache Wartungsmöglichkeiten begünstigt.

Informationen zum Wettbewerb

Auslober, Koordination und Durchführung

Auslober, Schirmherrschaft

Deutsche Universitätsstiftung unter der Schirmherrschaft des Bundesbauministeriums

Koordination, Durchführung und Vorprüfung

Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR)
Referat A 2 – Projektentwicklung, Wettbewerbe, Zuwendungsbau,
Landschafts- und Innenarchitektur, Kunst am Bau
Straße des 17. Juni 112
10623 Berlin

Gesa Petersen, Anuschka Müller, Falko Drutschmann

Wettbewerbsaufgabe

Die Deutsche Universitätsstiftung lobt unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) den Deutschen Hochschulbaupreis 2024 aus. Der Preis wird durch ein Preisgeld der Eberhard-Schöck-Stiftung in Höhe von 25.000 Euro unterstützt.

Mit dem Preis werden beispielhafte Hochschulgebäude, -ensembles oder deren Innenarchitektur ausgezeichnet, sei es als Neubau, Sanierung oder Modernisierung, die eine besondere baukulturelle Qualität aufweisen bzw. von vorbildlichem Umgang mit historischer Bausubstanz zeugen.

Sie sollen in herausragender Weise ästhetische und funktionale Gesichtspunkte vereinen, als Hochschulgebäude für Studierende und Hochschullehrende attraktiv sein und dem nachhaltigen Bauen in ökologischer, ökonomischer und soziokultureller Hinsicht verpflichtet, positiv zur Gestaltung des öffentlichen Raumes beitragen. Bauliche Lösungen, die in besonderem Maße die Zugänglichkeit und Nutzbarkeit für alle Menschen ermöglichen, sind wünschenswert.

Im Zuge der weltweiten Bemühungen um eine Verringerung der CO2-Emissionen und der Notwendigkeit eines Ressourcen schonenden Bauens sollen ganzheitliche Konzeptionen aus-gezeichnet werden, die eine zukunftsweisende architektonische Gestalt- und Nutzungsqualität mit einem hohen Maß an Nachhaltigkeit vereinen. Damit sollen Anregungen für zukünftige Planungen gegeben und eine breite Öffentlichkeit auf die heutigen und künftigen Belange nachhaltigen Bauens im Sinne der Baukultur aufmerksam gemacht werden.

Zugelassen sind Hochschulgebäude- oder -ensembles als Neubau, Sanierungs- oder Modernisierungsmaßnahme, die nach dem 1. Januar 2021 in Deutschland fertig gestellt und ihrer Bestimmung übergeben wurden.

Zur Einreichung berechtigt sind alle staatlichen und staatlich anerkannten privaten Hochschulen in Deutschland in Kooperation mit den hauptverantwortlich für den Entwurf zeichnenden Architekten/Architektinnen bzw. Innenarchitekten/Innenarchitektinnen.

Der Wettbewerb wird vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung betreut.

Jedes Objekt kann nur einmal eingereicht werden.

Beurteilung
  • Die eingereichten Arbeiten werden beurteilt hinsichtlich ihrer:
  • Funktionalität für Studierende, Lehrende und Forschende
  • Entwurfsidee und Gestaltungsqualität
  • gestalterischen, konstruktiven, technischen und sozialen Innovationsstärke
  • Nachhaltigkeit, insbesondere energetische Qualität, hohem Nutzerkomfort, Flexibilität, ökologische Aspekte
  • Einbindung in das räumliche Umfeld
Die Jury
  • Dr. Yvonne Dorf, Präsidiumsmitglied Deutsche Universitätsstiftung, Geschäftsführerin Deutscher Hochschulverband
  • Dirk Scheinemann, Abteilungsleiter Baupolitik Bauwirtschaft Bundesbau, Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB)
  • Prof. Dr. Klaus Sedlbauer, Fraunhofer Institut für Bauphysik, Valley (für die Eberhard-Schöck-Stiftung, Baden-Baden)
  • Univ. Prof. Dr.-Ing. Wolfram Ressel, Rektor, Universität Stuttgart
  • Felix Fritz, Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten (Gewinner des Deutschen Hochschulbaupreises 2022)
  • Birgit Rudacs, Burger Rudacs Architekten, München
  • Elise Pischetsrieder, Weberbrunner Architekten, Berlin
  • Stephanie Kaindl, as-if Architekten, Berlin
  • Martin Bez, bez+kock Architekten, Stuttgart
Stellvertretende Jurymitglieder
  • Carsten Wiewiorra, Wiewiorra Studio, Berlin
  • Robert Härtl, Hirner & Riehl Architekten und Stadtplaner, München
  • Petra Wesseler, Präsidentin des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung
Preis und Auszeichnungen

Die Gesamtpreissumme beträgt 25.000 Euro.

Der Deutsche Hochschulbaupreis ist mit 15.000 Euro dotiert. Für bis zu zwei weitere Auszeichnungen à 5.000 Euro stehen weitere 10.000 Euro zur Verfügung.

Die Jury kann einstimmig die Gesamtpreissumme anders aufteilen oder, falls nicht genügend preiswürdige Objekte eingereicht werden, reduzieren.

Ausgezeichnet werden jeweils die Bauherren und Entwurfsverfasser/innen mit einer Urkunde und der Hälfte des Geldpreises.

Die Entscheidung der Jury wird am 25. März 2024 auf der Gala der Deutschen Wissenschaft in Berlin bekannt gegeben. Alle Teilnehmende sowie die Presse und Fachpresse werden über das Ergebnis informiert.

Veröffentlichung der Ergebnisse

Die Deutsche Universitätsstiftung, das BMWSB, der Hauptsponsor und das BBR sowie ihre Beauftragten haben das Recht, die prämierten Arbeiten mit allen eingereichten und weiteren Unterlagen (Fotos, Planmaterial, etc.) im Rahmen von Ausstellungen, in Publikationen sowie im Internet zur Dokumentation des Deutschen Hochschulbaupreises 2024 honorarfrei unter Namensnennung der Verfasser/innen zu veröffentlichen.

Die Teilnehmenden bestätigen mit ihrer Einreichung, dass sie und ihre Bauherren, bzw. Hochschule sowie die Urheber der Fotografien mit den oben genannten Veröffentlichungen einverstanden sind und stellen die hierfür notwendigen Unterlagen honorar- und kostenfrei zur Verfügung.

zum Thema

Kontakt

  • Referat A 2 – Projektentwicklung, Wettbewerbe, Zuwendungsbau,
    Landschafts- und Innenarchitektur, Kunst am Bau
    Straße des 17. Juni 112
    10623 Berlin

    Tel.: +49 30 18401-9201
    Fax: +49 30 18401-9209
    E-Mail: dhbp@bbr.bund.de

Diese Seite