Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung

Meldung 15.08.2018 Das Pergamonmuseum bleibt Tageslichtmuseum

Neues von der Baustelle Pergamonmuseum

Die Glasdächer und die Lichtdeckenkonstruktion im Mittelbau-Nord des Pergamonmuseums sind fertig montiert. Damit ist bei einem der zentralen Elemente des Museums ein wichtiger Meilenstein erreicht.

Schon seit seiner Errichtung zwischen 1907 und 1930 durch Alfred Messel und Ludwig Hoffmann zählt das Pergamonmuseum auf der Berliner Museumsinsel zu den weltweit bedeutendsten Tageslichtmuseen. Das Museum präsentiert seine architektonischen Großexponate unter nahezu durchgehender natürlicher Beleuchtung. Lichtdecke und Glasdach, die zentralen Elemente für das Tageslichtkonzept, sind im ersten Bauteil nun vollständig erneuert. Die Montage der neuen Stahlträger sowie der Lichtdecken- und Glasdachkonstruktion dauerte in diesem 1. Bauabschnitt über zwei Jahre, einschließlich der notwendigen Vorbereitungsschritte, wie der Werk- und Montageplanung, der Stahlbaustatik, der Vorfertigung der Elemente in der Werkstatt und der Sanierung der Stahldachträger.

Das Bild zeigt den Blick zwischen Lichtdecke und der neuen Glasdachkonstruktion. Zwischen Lichtdecke und Glasdachkonstruktion Zwischen neuer Lichtdecke und der neuen Glasdachkonstruktion eröffnen sich interessante Perspektiven.

Ablauf der Sanierung

Die Sanierungsarbeiten in der Dachraumebene fanden in verschiedenen Teilschritten statt: Zunächst musste die alte Lichtdecke zurückgebaut werden, ebenso wie die bisherige Glasdachkonstruktion. Für den Schutz der Innenräume vor Witterungseinflüssen war es vor Beginn der Rückbauarbeiten außerdem notwendig, Wetterschutzdächer zu errichten. Wegen der Denkmalschutzanforderungen wurden die historischen Stahltragwerke kartiert und, wo es möglich war, auch saniert. Wo eine Sanierung nicht mehr durchführbar war, kamen neue Stahlträger zum Einsatz.

Der Einbau der Lichtdecke vollzog sich in zwei Schritten: Zunächst wurden die Lichtdeckengitterraster an den Stahlträgern des Daches montiert, danach wurden die Glaselemente in die Rahmen der Lichtdecke eingesetzt. Die Verglasung der Dachkonstruktion im letzten Schritt bildete den Abschluss dieses Sanierungs- und Neubauabschnittes oberhalb des Hellenistischen Saales im Mittelbau-Nord des Pergamonmuseums.

Grundinstandsetzung des Glasdaches

Für die Grundinstandsetzung des Glasdaches wurde die historische Verglasung einschließlich Sparren und waagerechten Trägern (Pfetten) ausgebaut. Die historischen Fachwerkbinder, die für die Stabilität der Dachkonstruktion sorgen, wurden – wo es möglich war – saniert. Auf neuen Sparren und Pfetten aus eckigen Stahl-Hohlprofilen wurde dann in ein Pfosten-Riegelsystem eine neue Isolierverglasung eingebaut. Die neue Zweifach-Isolierverglasung besitzt Innenscheiben aus Verbund-Sicherheitsglas (VSG) und Außenscheiben aus Einscheiben-Sicherheitsglas (ESG-H).

In der Vergangenheit wurden über den Glaselementen Leitern oder Arbeitsgerüste in Halterungen eingehängt und als Arbeitsplattform für Arbeiten am und auf dem Dach genutzt. Dies ist mit dem modernen Arbeitsschutz nicht mehr vereinbar. Daher musste die neue Dachverglasung so gestaltet werden, dass sie direkt betreten werden kann. Mit den neuen Glaselementen werden zum einen die aktuellen Sicherheitsanforderungen erfüllt, zum anderen sorgt die neue Isolierverglasung für eine deutlich verbesserte Energiebilanz des Museumsgebäudes.

Um Beanspruchungen und Schäden durch unterschiedliche Spannungen in der Konstruktion zu vermeiden, besitzt die Stahlkonstruktion außerdem Dehnungsfugen, die vor allem Temperaturschwankungen ausgleichen sollen. Die Fugenbewegung wird auch von der Glasdachkonstruktion aufgenommen: Ein beweglicher Anschluss der Riegelprofile an die Dachsparren macht diese Übertragung möglich.

Hintergrund: die Ausgangslage

Der Dachraum des Pergamonmuseums gliedert sich in zwei Ebenen: die Dachebene und die darunterliegende Ebene der Lichtdecken. Die Lichtdecken sind über Zugelemente und Traversen an den Tragwerken des Daches angehängt, beide Ebenen sind so unmittelbar miteinander verbunden.

Die tragenden Elemente des Daches bestehen aus einer Stahlkonstruktion mit einem Fachwerk aus genieteten Haupt- und Nebenträgern, das dem Dach die nötige Stabilität verleiht. Diese Konstruktion des historischen Dachtragwerkes ist die planerische Leistung des Ingenieurs Otto Leithof. Aus denkmalpflegerischer Sicht war grundsätzlich das gesamte historische Dachtragwerk von Interesse. Daher sollten bei der Grundinstandsetzung des Daches die historischen Stahlträger möglichst erhalten und gegebenenfalls verstärkt werden. Diese Maßnahmen hatten Vorrang gegenüber einer kompletten Erneuerung.

Gleichzeitig gab es allerdings starke Schäden sowohl im Dachtragwerk als auch in der Lichtdeckenkonstruktion: Die Bombenschäden des Zweiten Weltkrieges und auch eingedrungene Feuchtigkeit sind an den Elementen des Daches nicht spurlos vorübergegangen. Diese Schäden in der Bausubstanz und die heutigen Anforderungen an ein Museum hinsichtlich Haustechnik, Brandschutz, Bauphysik und Lichtplanung machten auf beiden Konstruktionsebenen – Dachebene und Lichtdecken – auch komplett neue Bauteile notwendig.

Montage eines Lichtdeckenfeldes

Bild / Video 2 von 7

Das Bild zeigt die Montage eines Lichtdeckenfeldes. Montage eines Lichtdeckenfeldes Montage eines Lichtdeckenfeldes

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