Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung

Presseinformation zur Grundinstandsetzung der Neuen Nationalgalerie in Berlin

Ausgabejahr 2020
Datum 16.09.2020

Seit 2016 wird die Neue Nationalgalerie in Berlin unter der Leitung des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (BBR) von Grund auf instandgesetzt. Inzwischen ist das Projekt auf der Zielgeraden: Die Schlüsselübergabe ist trotz Störungen durch die Covid-19-Pandemie wie geplant im Jahr 2020 vorgesehen. Aufgrund aktueller Nachfragen gibt das BBR folgende Information zum Projektstand.

Im Auftrag der Stiftung Preußischer Kulturbesitz führt das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung die denkmalgerechte Grundinstandsetzung der Neuen Nationalgalerie durch. Mit der Planung wurde das Büro David Chipperfield Architects beauftragt.

Die feierliche Schlüsselübergabe ist trotz Covid-19-Pandemie wie geplant im Jahr 2020 vorgesehen. Sie wird am 14. Dezember erfolgen. Hieran schließt sich die mehrmonatige Phase der Inbetriebnahme und Ersteinrichtung an. Die Wiedereröffnung des Ausstellungsbetriebes durch die Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz wird demnach 2021 stattfinden.

Ausgangslage und Projektverlauf

Seit der Eröffnung der Neuen Nationalgalerie 1968 wurde keine umfassende Sanierung vorgenommen. Im täglichen Betrieb des Hauses traten zunehmend deutliche Sicherheitsmängel zutage und die Nutzbarkeit war aufgrund vermehrt auftretender Schäden deutlich eingeschränkt. Die Schäden und Mängel hatten ein derartiges Ausmaß erreicht, dass nicht nur die bauliche Substanz bedroht, sondern auch die Sicherheit akut gefährdet war. Nach wiederholten Überbrückungsmaßnahmen erlaubte die Gefährdungslage für Besucher und Kunstgüter es nicht mehr, den Betrieb des Hauses länger aufrecht zu erhalten. Die Neue Nationalgalerie musste zum Jahresende 2014 für den Publikumsverkehr geschlossen werden.

Hierauf folgte die zirka einjährige Beräumung des Hauses, welche unter anderem die Auslagerung der über 1.400 hochwertigen und einzigartigen Gemälde und Skulpturen in extra dafür eingerichteten Interimsdepots beinhaltete. Vor dem Verpacken und Transportieren der Kunstobjekte waren restauratorische Sicherungsmaßnahmen zwingend erforderlich. Außerdem waren Arbeitsplätze für Mitarbeiter der Neuen Nationalgalerie andernorts herzurichten und auszustatten.

Im Frühjahr 2016 wurde mit der ersten Phase der Baumaßnahme begonnen. Dazu gehörten das Verlegen von Leitungen, Maßnahmen zur Schadstoffbeseitigung sowie der Abbruch von nicht schützenswerten Bauteilen. Wichtig bei der gesamten Sanierung: Die originalen Interieurs und Materialien bleiben erhalten, um dem Denkmalwert als „Ikone der Moderne“ Rechnung zu tragen. Ein wesentlicher Bestandteil dieser Phase war daher die Demontage von rund 35.000 einzelnen Bauteilen, beispielsweise Leuchten, Holzeinbauten und Türen, die wieder einzubauen waren. Entsprechend sorgfältig wurden daher sämtliche Stücke ausgebaut, kartiert, inventarisiert und eingelagert.

Mitte 2017 begann in dem bis auf den Rohbau zurückgebauten Haus die eigentliche Instandsetzung der Konstruktion. Diese zweite große Phase des Projekts umfasste unter anderem die aufwändige Sanierung des im Bestand extrem schadhaften Stahlbetons inklusive des Abbruchs und Neubaus der Wände des Skulpturengartens im Außenbereich. Derzeit werden die restaurierten originalen Bestandsbauteile wieder in den ursprünglichen Bereichen eingebaut.

Hintergründe zu den Kosten der Grundinstandsetzung

Mit Erstellung der Haushaltsunterlage im Jahr 2014 hat das BBR für die Grundinstandsetzung Kosten in Höhe von 140 Millionen Euro prognostiziert. Das Gebäude wurde dazu so umfangreich untersucht und analysiert, wie es bei laufendem Betrieb und ohne ein komplettes Zerlegen aller Bauteile möglich war. Bauen im Bestand ist grundsätzlich geprägt vom Risiko des unabwendbaren Befundes bei der vorhandenen Bausubstanz. Der Umfang der möglichen Voruntersuchungen hat seine Grenzen dort, wo er weitgehende Demontagen voraussetzt und damit schon einer Sanierung gleichkommt. Daher können auch sorgfältige Voruntersuchungen nie mit letzter Sicherheit den genauen, tatsächlich erforderlichen Umfang der Baumaßnahmen aufzeigen.

Das BBR hat mit Aufstellung der Haushaltsunterlage bestehende Risiken sowie eine Steigerung des Baupreises im weiteren Projektverlauf mit rund 40 Millionen Euro prognostiziert und monetär bewertet. Auf Grundlage des geltenden Haushaltsrechts des Bundes wurden die ermittelten Risikokosten und Baupreissteigerungen bei der Genehmigung der Haushaltsunterlage 2015 nicht berücksichtigt. Ein Großteil der in 2014 ermittelten und prognostizierten Risiken ist mittlerweile eingetreten. Nachträge wurden aufgestellt und im Haushalt bewilligt. Die aktuell im Haushalt veranschlagten Mittel entsprechen in Summe den 2014 prognostizierten Kosten in Höhe von 140 Millionen Euro. Die Mittel stehen im Haushalt der Stiftung zur Verfügung.

Bei der Grundsanierung der Neuen Nationalgalerie wurden Mehrkosten im Projektverlauf der Baumaßnahme klassisch über aufzustellende Nachträge zum Zeitpunkt des Eintretens von unabwendbaren Mehrkosten geregelt. Zur Verbesserung von Transparenz und Qualität von Planung und Bauausführung werden im Bundesbau inzwischen die zu erwartenden Risikokosten und Baupreissteigerungen nachrichtlich benannt und mit Projektbeginn auch frühzeitig öffentlich kommuniziert.

Beispiele für Unwägbarkeiten im Projektverlauf

Folgende Beispiele stehen exemplarisch für Unwägbarkeiten, Anlässe für Planungsänderungen und unabsehbare Befunde, die zu bewältigen waren. So mussten die schadhaften Zuluftkanäle im Erdreich unter dem Gebäude komplett abgebrochen und neu gebaut werden. Diese Zuluftkanäle verlaufen unter der Bodenplatte der Ausstellungsräume und konnten daher erst nach Einstellung des Besucherbetriebs und vollständigem Rückbau auf die Rohbaukonstruktion begutachtet werden. Des Weiteren war der Zustand der bestehenden Schweißnähte an der Stahlfassade deutlich schlechter, als die ersten Untersuchungen zu Beginn des Projekts noch vor dem kompletten Sandstrahlen der Stahlkonstruktion erkennen ließen. Wahrscheinlich ist, dass diese unzureichenden Verbindungen bei dem Bau des Gebäudes nur oberflächlich erstellt und durch die Beschichtung der Stahlprofile verdeckt wurden. Die Schweißverbindungen der Stahlfassade mussten weitestgehend erneuert werden.

Der Umfang der Stahlbetonsanierung war planmäßig erst vollständig nach kompletter Freilegung der Rohbaukonstruktion des Gebäudes festzulegen. Der Sanierungsaufwand überstieg die vorangegangenen Annahmen in wesentlichem Maße. Zu diesen zum großen Teil so auch prognostizierten Bau- und Bestandsrisiken kommt die derzeit boomende Baukonjunktur mit damit einhergehender Preisentwicklung und Fachkräftemangel.

Die Baupreise in Berlin sind seit Erstellung der Haushaltsunterlage für die Grundinstandsetzung der Neuen Nationalgalerie im Jahr 2014 um 27 Prozent gestiegen. Trotz aufwändiger Hygienemaßnahmen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie auf den Baustellen des Bundes konnte der Baustellenbetrieb im Bundesbau weitgehend aufrechterhalten werden.

Alle diese Herausforderungen konnten dank des großen Engagements und der guten Zusammenarbeit aller Beteiligten zum Erhalt dieses außergewöhnlichen und weithin berühmten Bauwerks bewältigt werden.

Material zum Download

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Kontakt

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

E-Mail: pressestelle@bbr.bund.de

Telefon: +49 30 18401-8334/-1578

Dokumenttyp: Kontaktinformationen

Weitere Informationen

Neue Nationalgalerie Dokumenttyp Bauprojekt

Standort: Berlin Typ: Sanierung Nutzung: Kultur und Bildung

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