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Grundsanierung des 2. Dienstsitzes des Bundeskanzleramtes
Seit dem Entscheid Konrad Adenauers im Jahre 1949 ist das Palais Schaumburg in Bonn Dienstsitz des Bundeskanzleramtes.
Das Palais Schaumburg in Bonn wurde 1858 bis 1860 errichtet und bis zum Ende des 19. Jahrhunderts mehrfach erweitert. Als Sitz des Bundeskanzleramts in Bonn bildet es ein einzigartiges Zeugnis der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Von 1949 bis zur Fertigstellung des benachbarten Neubaus des Bundeskanzleramts im Jahr 1976 war das Palais Schaumburg 1. Sitz des Bundeskanzlers der Bundesrepublik Deutschland. Seit dem Regierungsumzug nach Berlin 1999 ist es der 2. Dienstsitz. Zudem wurde das Gebäude über viele Jahre bis 2013 durch die Stiftung Haus der Geschichte für museale Zwecke und regelmäßige Besucherführungen genutzt.
Gemeinsam mit dem Kanzlerbungalow sowie dem seit 2001 sanierten sogenannten 76er-Bau – dem heutigen Sitz des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) – ist das Palais in eine großzügige denkmalgeschützte Parkanlage eingebettet.
Das Palais Schaumburg wird unter der Leitung des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung (BBR)) – Referat III B 4 –von Grund auf denkmalgerecht instandgesetzt. Dabei sind auch umfangreiche Arbeiten im konstruktiven Bereich notwendig. Bei der Grundinstandsetzung werden die heutigen Anforderungen an Brandschutz, Denkmalschutz und Arbeitsschutz berücksichtigt. Wichtige Sanierungs- und Sicherungsmaßnahmen hierfür fanden von 2018 bis 2021 als sogenannte vorgezogene Maßnahmen statt.
Sanierungsbedarf
Das Palais Schaumburg wurde mit Beginn der Nutzung als Bundeskanzleramt in den 1950er-Jahren umgebaut und erweitert sowie in den 1970er-Jahren innen und außen grundlegend renoviert, jedoch nie von Grund auf instandgesetzt.
Das aktuell laufende Sanierungsvorhaben war ursprünglich als brandschutz- und gebäudetechnische Sanierung sowie barrierefreie Erschließung des Gebäudes geplant. Dabei sollten im Sinne des Denkmalschutzes die bestehenden Oberflächen überwiegend erhalten und restauriert werden. Wesentliches Ziel war es, die äußere und innere Gebäudegestalt, insbesondere der repräsentativen Räume und historischen Einbauten, zu erhalten. Unter diesen Vorzeichen erfolgte 2015 die erste haushaltsmäßige Anerkennung des Projektes.
Denkmalpflegerische Bestandserfassung
Grundlage für die haushaltsmäßige Anerkennung des Projektes 2015 war eine vorangegangene denkmalpflegerische und bautechnische Bestandsuntersuchung mit bauhistorischer Einordnung. Entsprechend den ursprünglichen Sanierungszielen fanden diese Untersuchungen weitgehend „zerstörungsfrei“, also ohne Rückbau oder Öffnungen von Decken und Wänden statt.
Durch Tachymetrie, ein rechnergestütztes Vermessungsverfahren von hoher Genauigkeitsstufe, erfolgte die digitale Bestandserfassung. Unter Verwendung moderner Tachymeter wurden automatisch sämtliche erforderlichen Messwerte durch elektrooptische Entfernungsmessung ermittelt und aufgezeichnet.
Bestandsuntersuchungen zur Ausführungsplanung
Zur detaillierteren Planung der Bauleistungen wurden mit Beginn der sogenannten Ausführungsplanung ab 2016 weitergehende Bestandsuntersuchungen vorgenommen. Dabei bestätigte sich auch der Verdacht auf das Vorliegen von Asbest in Putzen, Klebern und Spachtelmassen im gesamten Gebäude. Es zeigte sich, dass der ursprünglich geplante Sanierungsumfang bei weitem nicht dem tatsächlichen Gebäudezustand entsprach.
Beim Freilegen der Wände traten die Folgen von rund 90 Jahren reger Umbautätigkeit zutage: An zahlreichen Stellen wurden Schädigungen durch nachträgliche Einbauten oder durch Umbaumaßnahmen im Verlauf der jahrzehntelangen Nutzungsgeschichte entdeckt. Bei Bodenuntersuchungen wurde in einigen Bereichen eine unzureichende Gründung der Innen- und Außenwände festgestellt.
Oberste Priorität hatten an dieser Stelle die Schadstoffsanierung sowie die konstruktive Sicherung des Gebäudes. Diese fanden als sogenannte vorgezogene Maßnahmen statt.
Schadstoffsanierung und Bestandssicherung
Der Schadstoffrückbau mit aufwändiger Asbestsanierung sämtlicher Decken und Wände begann 2018. Da sich Asbest in gebundener Form praktisch im gesamten Gebäude befand, musste hier Raum für Raum inner-halb abgeschlossener Bereiche saniert werden. Verputzte Wände wurden bis auf das Mauerwerk freigelegt. Von den Decken wurde die asbestbelastete Farbe aufwändig abgeschliffen, um den wertvollen Stuck zu erhalten. Die Schadstoffsanierung wurde 2021 abgeschlossen.
Direkt im Anschluss begannen die dringend erforderlichen umfangreichen Ertüchtigungsmaßnahmen am Mauerwerk, den Holztragwerken in Wänden und am Dachstuhl. Rohbauarbeiten und Zimmer-, Klempner- sowie Dachdeckerarbeiten fanden in großem Umfang statt. Die Kappendecken über dem Untergeschoss im Bereich der Terrasse mussten komplett abgebrochen und durch eine Stahlbetonkonstruktion ersetzt werden. Ferner wurde das Kranzgesims am Dachrand einschließlich der darin befindlichen Kastenrinne aufgrund weitreichen-der Feuchteschäden aufwändig saniert.
Der damit 2022 erreichte Gebäudezustand ist frei von Schadstoffen und relevanten Feuchteschäden, die bestehenden Mauerwerks- und Holzkonstruktionen sind weitestgehend ertüchtigt und verbleiben bis zur Fortführung der Sanierungsarbeiten im Rohbauzustand. Auch die neue Anbindung des Gebäudes an die öffentlichen Versorgungsnetze ist abgeschlossen. Trotz zwischenzeitlicher Kapazitäts- und Materialengpässe im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie und der Ahrtal-Katastrophe konnten die wichtigen Arbeiten am Gebäudebestand damit erfolgreich abgeschlossen werden.
Parallel zu diesen Rettungsmaßnahmen begannen die Planungen für die grundsätzliche Neuausrichtung des Projekts – inklusive aller damit verbundenen Planungs- und Genehmigungsschritte. Die beauftragten Planungspartner mussten an den geänderten Anforderungen und Eignungskriterien ausgerichtet und relevante Planungsleistungen neu ausgeschrieben und vergeben werden.
Nächste Schritte: Angepasste Ausführungsplanung und Fortsetzung der Bauarbeiten
Die örtlichen Bauarbeiten sollen so zeitnah wie möglich fortgesetzt werden. Die Ausführungsplanung wird dafür 2024 abgeschlossen und die erforderlichen Ausschreibungen werden auf den Weg gebracht. Die Vergabe der Bauleistungen erfolgt nach Bereitstellung der Haushaltsmittel.
Die Grundsanierung des Palais Schaumburg wird nach aktuellem Stand voraussichtlich nach zwei Jahren Bauzeit baulich abgeschlossen werden können. Nach der sich anschließenden Inbetriebnahme kann das Gebäude dann zur Nutzung übergeben werden. In Abhängigkeit von der Genehmigung und Bereitstellung der Haushaltsmittel ist dies für 2027 avisiert.
Damit soll das Palais Schaumburg wieder seine ursprüngliche Funktion als zweiter Dienstsitz des Bundeskanzleramts erfüllen. Daneben sollen einzelne Räumlichkeiten wie auch bereits vor der Sanierung, der Stiftung Haus der Geschichte als Ausstellungsflächen und für Besucherführungen zur Verfügung stehen.
Baugeschichte des Palais Schaumburg
Das Palais Schaumburg, hier auf einer Aufnahme von 1962, ist Teil des Bonner Rundweges „Weg der Demokratie“.
Die Bauausführung der von 1858 bis 1860 erbauten Stadtvilla oblag zunächst dem Baumeister Josef Porcher und wurde von Wilhelm Loeschigk als zweitem Bauherren fertiggestellt. 1890 erwarb Prinz Adolf Wilhelm Victor zu Schaumburg-Lippe das Anwesen, welches zuvor dem Tuchfabrikanten Aloys Knops gehörte. Vier Jahre darauf erweiterte der Kaiserliche und Geheime Oberhofbaurat Ernst von Ihne die Villa.
Im Jahr 1949 entschied sich Konrad Adenauer für das Palais Schaumburg als Sitz des Bundeskanzleramtes. Daraufhin wurde der Bau 1949/50 von Hans Schwippert (Düsseldorf) saniert. Mit den im rechten Winkel einander zugeordneten Baukörpern (Haus 2 und Haus 3) 1954 durch die Bundesbaudirektion erweitert, diente es bis 1976 der Unterbringung der Kanzleramtsverwaltung und wurde als Repräsentationsbau genutzt. Bis 2009 war das Palais Schaumburg der 2. Dienstsitz der Bundeskanzler beziehungsweise der Bundeskanzlerin
Architektonische Gestaltung des Palais
Das Bauwerk weist zwei Geschosse sowie ein Mezzanin auf und ist mit einem flachen Walmdach gedeckt. Der kubische Ursprungsbau auf rechteckigem Grundriss ist in sieben Längs- und fünf Querachsen gegliedert und entspricht in Größe und Raumdisposition der Anlage eines barocken Lustschlosses. Ernst von Ihne erweiterte das Gebäude nach Norden um einen L-förmigen Baukörper von neun Achsen und glich die Fassaden in Formen des Klassizismus aneinander an. Dabei ist die Baunaht zwischen Erweiterungs- und Ursprungsbau an der Straßenseite durch einen runden Treppenturm verborgen.
Zur Straße hin ist das Palais Schaumburg mit einem dreiachsigen Mittelrisalit in Kolossalordnung ausgestattet. Die neue Gartenfront ist über eine dreifache Rundbogenloggia im Obergeschoss an den Altbau angeschlossen. Vom Umbau aus den Jahren 1949 bis 1950 stammen die Überdachung der Vorfahrt und das anschließende Vestibül mit Treppe sowie alle Türen und Beschläge.
Die Gestaltung der Parkanlage erfolgte durch Hermann Mattern.
Erhaltenswerte Details im Inneren des Palais
Ein Messpunkt wurde über einem kleinen Fenster im Palais festgelegt.
Die ursprüngliche Raumaufteilung ist trotz der in den 1930er-Jahren vollzogenen Umbauten zu Wohnungen sowie der Änderung zum Kanzleramt noch weitgehend erhalten und ablesbar. 1950 richtete Adenauer sein Arbeitszimmer im 1. Obergeschoss zur gartenseitig gelegenen Nordostecke des Altbaus ein. Der darunter liegende große Salon wurde zum Kabinettssaal. Eine Wendeltreppe mit Zwischenpodest aus Intarsien-Parkett und Messinggeländer blieb unverändert.
Die Decke im Flur des Palais ist reich mit Stuckatur verziert.
Einzelne ortsfeste Ausstattungsstücke aus der Entstehungszeit bis 1890 wie der Marmorkamin, Deckenstuckaturen im Flur und Stuckdetails einer gewölbten Flurdecke blieben erhalten. Auch die mächtige dunkle Deckentäfelung im Ecksalon, dem sogenannten Hallsteinzimmer, sowie entsprechende Tafelparkettböden im Erdgeschoss und im 1. Obergeschoss zieren das Innere der Villa seit deren Entstehung. Die hohen, doppelflügeligen Türen aus Kirschbaumholz wurden nach Entwürfen Schwipperts 1950 eingebaut. Die bewegliche Ausstattung besteht größtenteils aus Leihgaben von privater Seite, zum Teil aus Museen.