Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung

Bauprojekt Vereinte Nationen – UN Campus Bonn

Erweiterungsneubau „Klimaturm“

Die Fotografie zeigt ein vielstöckiges Gebäude mit Glasfassade am Rhein. Erweiterungsbau des UN-Campus in Bonn, Februar 2020 Der Erweiterungsbau auf dem Bonner UN Campus setzt aufgrund seiner Höhe einen neuen städtebaulichen Akzent.

Projektdaten

  • Nutzer Vereinte Nationen (UN)
  • Adresse Platz der Vereinten Nationen 1, 53113 Bonn, Deutschland
  • Bauherrin Bundesanstalt für Immobilienaufgaben
  • Architektur ARGE UNE aus Stefan Lippert Architekten GmbH sowie big Architekten und Ingenieure GmbH
  • Projektsteuerung BMP Baumanagement GmbH
  • Projektleitung Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, Referat III B 1
  • Gesamtkosten rund 84,1 Millionen Euro
  • Wettbewerb 2013, offener, internationaler, interdisziplinärer, zweiphasiger Realisierungswettbewerb
  • Baubeginn Dezember 2016
  • Fertigstellung Januar 2022
  • Brutto-Grundfläche rund 13.500 Quadratmeter
  • Nutzungsfläche rund 8.400 Quadratmeter

Projektbeschreibung

Um Raum für zusätzliche 330 Arbeitsplätze der Vereinten Nationen auf dem bestehenden UN Campus zu schaffen, wurde unter der Leitung des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (BBR) – Referat III B 1 – ein Neubau auf einer Grundfläche von etwa 20 mal 30 Metern als Hochhaus mit 17 Ober- und 3 Untergeschossen errichtet. Der Grundstein für den Erweiterungsbau wurde am 6. Oktober 2016 gelegt. Am 10. Februar 2022 wurde das fertige Gebäude an die Vereinten Nationen zur Nutzung übergeben. Seitdem wird es auch als „Climate Tower“ oder „Klimaturm“ bezeichnet.

Vorzeigeprojekt für nachhaltiges Bauen

Ein außerordentlich niedriger Energieverbrauch, viel Aufenthaltsqualität und ein hohes Maß an Barrierefreiheit sind drei wesentliche Aspekte, die den nachhaltigen Charakter des Climate Towers in Bonn ausmachen. Seit April 2023 ist der Erweiterungsbau für das Klimasekretariat der Vereinten Nationen offiziell BNB-Gold zertifiziert. Der Videorundgang führt durch das Gebäude und über die Außenanlagen.

Quelle: BBR

2013 wurde für den Erweiterungsbau und die Gestaltung der Außenanlagen ein Realisierungswettbewerb ausgelobt und vom BBR durchgeführt. Die Arbeitsgemeinschaft des Berliner Büros Stefan Lippert Architekten, die für den Hochbauentwurf verantwortlich zeichnen, und ANNABAU für die Konzeption der Außenanlagen ist daraus als Sieger hervorgegangen. Das im September 2013 unter dem Vorsitz der Kölner Architekturprofessorin Dörte Gatermann tagende Preisgericht hatte sich vor allem wegen der Kompaktheit am gewählten Standort einstimmig für den letztlich auch realisierten Gesamtentwurf entschieden.

Die Jury begründete dies unter anderem folgendermaßen: „Durch die Positionierung eines relativ schlanken 17-geschossigen Gebäudes auf knappem rechteckigem Footprint in die Reihung von Pumpenhaus, Wasserwerk und Vizepräsidentenbau gelingt es, der UN zum Stresemannufer hin Präsenz zu verleihen. Gleichzeitig wird der grüne Raum zwischen Wasserwerk, Altem Abgeordnetenhochhaus und Langem Eugen von Bebauung freigehalten und in der Nutzung angemessen zurückhaltend weiterentwickelt. Standort und Proportion sind so gewählt, dass die Silhouette der Rheinseite in einer angemessenen Maßstäblichkeit weiterentwickelt wird, ohne den kraftvollen Ausdruck des Langen Eugen zu beeinträchtigen.“

Projektverlauf

Projektziele und Nutzungskonzept

Neben der Einbindung des vorgegebenen Raumprogramms in die denkmalgeschützte bauliche Umgebung mit dem alten hochwertigen Baumbestand waren auch die weiteren Projektziele herausfordernd. So soll der Erweiterungsbau als Pilotprojekt den Goldstandard im „Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen“ (BNB) für Bundesgebäude erreichen. Er muss deshalb hohe ökonomische, ökologische und soziokulturelle Kriterien erfüllen. Zudem orientiert sich das Gebäude am energiesparenden Passivhausstandard. Deshalb beläuft sich der Energiebedarf zum Heizen und Kühlen des Neubaus auf lediglich acht Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr. Dieser Wert liegt deutlich unter dem, der laut Energieeinsparverordnung (EnEV), also der rechtlichen Vorgabe, zum Zeitpunkt der Planung maximal möglich gewesen wäre. Entsprechend hoch waren die bauphysikalischen Anforderungen an die gläserne Außenhaut des Büroturms.

Wesentlicher Bestandteil des umfassenden Energiekonzepts ist die Nutzung eines geothermischen Brunnens als regenerative Energiequelle. Ausschließlich dieses Brunnenwasser wird über Wärmetauscher zur Kühlung und Beheizung des Gebäudes genutzt. Die Verteilung der Heizwärme im Gebäude erfolgt hauptsächlich über eine sogenannte Betonkerntemperierung. Die dafür nötigen, mit einer Wärmeträgerflüssigkeit gefüllten Leitungen sind in den Decken verlegt und geben die Wärme gleichmäßig an den Raum ab. Neben dieser energetisch nachhaltigen Nutzung wird das Brunnenwasser zusätzlich noch für die Spülung der Toiletten verwendet, um die wertvolle Ressource Trinkwasser zu schonen. Ebenfalls in den energetischen Kreislauf eingebunden wird die entstehende Abwärme der EDV-Systeme des etwa 100 Quadratmeter großen Serverraums.

Das Bild zeigt eine digital erstellte Simulation des am Rhein gelegenen Erweiterungsbaus auf dem UN Campus in Bonn. Erweiterungsbau auf dem UN Campus in Bonn Die Arbeitsgemeinschaft aus Stefan Lippert Architekten und ANNABAU gewann das 2013 ausgelobte Wettbewerbsverfahren zum Neubau für die UN und die Gestaltung der Außenanlagen.

Nach den Bedürfnissen des Nutzers werden bis in die haustechnische Infrastruktur hinein flexible Bürostrukturen geschaffen, die sowohl die Ausbildung klassischer Einzel- als auch offener Gruppenbürolandschaften ermöglichen. Die Büroflächen werden durch im Gebäudeinneren liegende Kombizonen und auf die Gebäudeecken verteilte zweigeschossige Wintergärten um qualitative Flächen zum informellen Austausch und der Begegnung ergänzt.

Wie schon bei der ersten Campuserweiterung mit dem hergerichteten „Alten Abgeordnetenhochhaus“ waren auch bei diesem Ausbau des Bonner UN Campus die Belange des Hochwasserschutzes, der Sicherheit und einer barrierefreien inneren Erschließung zu berücksichtigen. So wurde beispielsweise vor dem Gebäude der Deutschen Welle eine neue, zusätzliche Überflutungsfläche (sogenannte Retentionsfläche), geschaffen. Dies galt auch für die übrigen Gebäude und Freiflächen, die zeitgleich dem exterritorialen Gebiet des UN Campus hinzugefügt wurden.

Vorbereitungen für die Gründung

Im Herbst 2017 wurden die vorbereitenden Arbeiten zur Erstellung der zwei Meter dicken Bodenplatte des Erweiterungsbaus abgeschlossen. Zur Gründung des Hochhauses wurde zunächst eine etwa 13 Meter tiefe Baugrube aus überschnittenen, etwa 22 Meter langen Bohrpfählen erstellt.

Rohbau

Im Frühjahr 2018 war der Erweiterungsneubau aus der Baugrube herausgewachsen, Anfang November 2018 standen bereits acht der insgesamt 17 Obergeschosse. Etwa ein halbes Jahr später waren die Rohbauarbeiten schließlich nahezu abgeschlossen.

Erweiterungsbau auf dem UN Campus in Bonn

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Stand der Arbeiten am Erweiterungsgebäude auf dem UN Campus in Bonn im Frühsommer 2019 Erweiterungsbau auf dem UN Campus in Bonn Die Fassade wird an den Erweiterungsbau des UN-Campus in Bonn angebracht.

Abschluss von Fassadenarbeiten und Innenausbau

Mit den weitestgehend abgeschlossenen Fassadenarbeiten präsentierte sich der UN-Erweiterungsneubau im Bonner Stadtbild bereits 2021 wie ein fertiges Hochhaus. In den Bildern zeichnet sich auch der vom Architekten Stefan Lippert angestrebte städtebauliche Dreiklang des Neubaus mit seinen „großen Brüdern“ – dem „Langen Eugen“ und dem Posttower – deutlich ab.

Während der letzten Monate der Bauausführung wurde der Innenausbau abgeschlossen. Die verbleibenden Restleistungen und Feininstallationen wurden für die baldige Fertigstellung zusammengeführt. Dabei wurden die technischen Anlagen bereits schrittweise auf die Inbetriebnahme vorbereitet. In den Außenanlagen wurde die neue Sicherheitslinie des UN Campus zum World Conference Center Bonn fertiggestellt.

Die Fotografie zeigt drei Bürotürme des UN Campus in Bonn am Rhein. Der UN Campus in Bonn im März 2020 Mit ihrem Entwurf gelang es Stefan Lippert Architekten, sehr viel Grünfläche zu erhalten.

Projektabschluss

Die Übergabe des fertiggestellten Erweiterungsbaus an die BImA als Bauherrin sowie die Vereinten Nationen als Nutzer fand am 10. Februar 2022 statt. Nach der Übernahme teilten die Vereinten Nationen mit, das Gebäude künftig als „Climate Tower“ (zu Deutsch: „Klimaturm“) bezeichnen zu wollen. Im April 2022 bezogen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Sekretariats der UN-Klimarahmenkonvention das Gebäude.

Erweiterungsbau auf dem UN Campus in Bonn mit Altem Wasserwerk und Langem Eugen

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Das Bild zeigt den Teil einer hohen Glasfassade vor Teilen eines eingeschossigen Gebäude mit Giebeldach und Sandstein-Putz-Fassade vor einem Hochhaus. Erweiterungsbau auf dem UN Campus in Bonn mit Altem Wasserwerk und Langem Eugen Ein neuer Nachbar: der Erweiterungsbau auf dem UN Campus (rechts) neben Altem Wasserwerk (links) und dem Langen Eugen (Hintergrund)

Projektdetails

Der Klimaturm als Erweiterungsbau auf dem UN Campus in Bonn ist im Rahmen eines Nutzungskonzepts für das Gesamtareal entstanden und mit weiteren baulichen Vorhaben verbunden. Als Teil der Gesamtbaumaßnahme wurden die beiden in der Zeit von 1986 bis 1992 provisorisch als Plenarsaal und Besucherzentrum des Deutschen Bundestages genutzten historischen und denkmalgeschützten Gebäude – das „Alte Wasserwerk“ und das „Pumpenhaus“ – in das Nutzungskonzept einbezogen. In enger Abstimmung mit der oberen Denkmalschutzbehörde bei der Bezirksregierung Köln werden diese zur Nutzung durch die Vereinten Nationen zunächst von außen renoviert. In einer Folgemaßnahme ist die Ertüchtigung der Haus- und Konferenztechnik geplant.

Eine neue Landmarke am Bonner Rheinufer

In eindrucksvollen Drohnenflug-Aufnahmen zeigt das Video, wie sich der fertiggestellte „Climate Tower“ in das Ensemble des UN Campus einfügt.

Quelle: Nicole Compère / Andreas Schwann

Alle drei Gebäude werden zukünftig über den von ANNABAU konzipierten Campusboulevard an die ehemalige Herrmann-Ehlers-Straße und den bestehenden Campus angebunden. Ergänzend zum Boulevard werden die Außenanlagen insgesamt gestalterisch zu einem Campus zusammengeführt. Die bestehende äußere Sicherheitslinie der Liegenschaft wurde entsprechend erweitert.

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