Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung

Bauprojekt Palais Schaumburg

Grundsanierung des 2. Dienstsitzes des Bundeskanzleramtes

Das Bild zeigt das Palais Schaumburg in Bonn im Jahr 1971. Palais Schaumburg Das Palais Schaumburg im Jahr 1971 Quelle: Bundesregierung / Fotograf: Detlef Gräfingholt

Projektdaten

  • Nutzer Bundeskanzleramt
  • Adresse Adenauerallee 139 - 141, 53113 Bonn, Deutschland
  • Architektur Sting Architekten ELW GmbH & Co. KG, Berlin
  • Projektleitung Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, Referat III B 3
  • Gesamtkosten rund 17 Millionen Euro
  • Baubeginn 2019
  • Fertigstellung voraussichtlich 2023
  • Bruttogrundfläche rund 4.120 Quadratmeter
  • Nutzfläche rund 1.660 Quadratmeter

Projektbeschreibung

Das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) leitet die Grundsanierung des denkmalgeschützten Palais Schaumburg, welches das Bundeskanzleramt als 2. Dienstsitz nutzt.

Das Palais Schaumburg ist gemeinsam mit dem Kanzlerbungalow sowie dem seit 2001 sanierten ehemaligen Kanzleramt (heute BMZ) in eine großzügige Parkanlage eingebettet. Es bildet neben der benachbarten Villa Hammerschmidt ein wichtiges Zeugnis vormaliger Repräsentationsbaukunst am Bonner Rheinufer.

Die ursprünglich fünfachsige Stadtvilla im spätklassizistischen Stil wurde von 1858 bis 1860 für den Tuchfabrikanten Aloys Knops nach Plänen des Aachener Architekten Andreas Hansen gebaut. Im Jahr 1949 entschied sich Konrad Adenauer für das Palais Schaumburg als Sitz des Bundeskanzlers. Für ihre neue repräsentative Funktion wurde die Villa im gleichen Jahr saniert und erweitert. Die abwechslungsreiche "Baugeschichte des Palais Schaumburg" ist im gleichnamigen Absatz aufgeführt.

Das Palais Schaumburg ist ein eingetragenes Baudenkmal des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) und wird ebenfalls in der Denkmalliste der Stadt Bonn geführt.

Seit Oktober 2018 wird das Palais grundlegend und denkmalgerecht saniert.

Projektverlauf

Anhand einer  Schwachstellenanalyse im Oktober 2008 wurden zahlreiche Gründe zur Sanierung des Palais Schaumburg ermittelt, darunter erhebliche Brandschutzdefizite. Aufgrund dieser Erkenntnisse konnte einer weiteren Nutzung des Gebäudes seitens der zuständigen Behörden nicht zugestimmt werden.

Daraufhin entschied das Bundeskanzleramt, seine Tätigkeiten dort einzustellen und  den 2. Dienstsitz Ende 2010 als Interimslösung in das benachbarte Bundespresseamt zu verlegen. Ferner machten weitere Schäden an der Bausubstanz eine Instandsetzung und Sanierung des Denkmals unumgänglich.

Im Zuge der Grundsanierung soll das Gebäude für einen neuen Bestandszyklus modernisiert und den baurechtlichen Anforderungen entsprechend hergerichtet werden. Nach Fertigstellung der Maßnahme erhält es seine ursprüngliche Funktion als 2. Dienstsitz des Bundeskanzleramtes (BK) zurück. Einzelne Räumlichkeiten des Palais Schaumburg werden vom Haus der Geschichte (HdG) nach der Sanierung als Ausstellungsflächen genutzt.

Denkmalgerechte Sanierung sowie Modernisierung

Ausgangspunkt der Planung und Umsetzung ist eine, im Jahr 2013 begonnene und bis März 2014 abgeschlossene, umfassende denkmalpflegerische und bautechnische Bestandsuntersuchung und Dokumentation. Für die Dauer der Planung und Baudurchführung wurde das Gebäude geräumt.

Die historische Bausubstanz wird anhand der vorgenannten Bestandsuntersuchung auf Grundlage ermittelter Schadenskartierungen und Befunde ertüchtigt und bleibt somit weitestgehend in seiner jetzigen Erscheinung erhalten.

Die Büroflächen für etwa 20-25 Mitarbeiter im 2. OG werden umgebaut und modernisiert. Auch die sanitären und haustechnischen Anlagen erhalten eine Erneuerung. Das Untergeschoss und die Fensterscheiben werden im Rahmen der denkmalgerechten und bauphysikalischen Möglichkeiten energetisch optimiert. Maßnahmen zur Erfüllung der Anforderungen an Brandschutz, Denkmalschutz und Arbeitsschutz sind ebenso geplant wie die barrierefreie Erschließung der Geschossebenen und diverse nutzerspezifische Sicherheitseinrichtungen.

Die stilprägenden und in Teilen farblich dominierenden Gestaltungsmerkmale aus der Regierungszeit Adenauers werden planerisch aus der Bestandserfassung heraus aufgearbeitet und umgesetzt. Hierfür wurde ein entsprechend abgestimmtes Farb- und Materialkonzept erarbeitet.

Mit dem Planungsauftrag und der dienstlichen Veranlassung für eine denkmalpflegerischen Bestanderfassung folgte nach Aufstellung des Raumbuchs, der Baualters,- und Bindungspläne und Handlungsempfehlungen die Erstellung einer ES-Bau in Qualität einer EW-Bau.

Digitale Bestandserfassung

Durch Tachymetrie, einem rechnergestützten und verformungsgerechtem Aufmaß der Genauigkeitsstufe III, erfolgt die digitale Bestandserfassung. Hierbei werden dringend erforderliche Korrekturen von vorhandenen Plangrundlagen der letzten Jahrzehnte vorgenommen und aktualisiert. Unter Verwendung moderner Tachymetern werden automatisch sämtliche erforderlichen Messwerte durch elektrooptische Entfernungsmessung ermittelt und aufgezeichnet.

Baugeschichte des Palais Schaumburg

Die Bauausführung der von 1858 bis 1860 erbauten Stadtvilla oblag zunächst dem Baumeister Josef Porcher und wurde von Wilhelm Loeschigk als zweitem Bauherren fertiggestellt. 1890 erwarb Prinz Adolf Wilhelm Victor zu Schaumburg-Lippe das Anwesen, welches zuvor dem Tuchfabrikanten Aloys Knops gehörte. Vier Jahre darauf erweiterte der Kaiserliche und Geheime Oberhofbaurat Ernst von Ihne (Berlin) die Villa.

Im Jahr 1949 entschied sich Konrad Adenauer für das Palais Schaumburg als Sitz des Bundeskanzlers. Daraufhin wurde der Bau 1949/50 von Hans Schwippert (Düsseldorf) saniert. Mit den im rechten Winkel einander zugeordneten Baukörpern (Haus 2 und Haus 3) 1954 durch die Bundesbaudirektion erweitert, diente es bis 1976 der Unterbringung der Kanzleramtsverwaltung und wurde als Repräsentationsbau genutzt. Heute bildet das Palais Schaumburg den zweiten Dienstsitz der Bundeskanzlerin in Bonn.

Architektonische Gestaltung des Palais

Das Bauwerk weist zwei Geschosse sowie ein Mezzanin auf und ist mit einem flachen Walmdach gedeckt. Der kubische Ursprungsbau auf rechteckigem Grundriss (Hansen / Porcher) ist in sieben Längs- und fünf Querachsen gegliedert und entspricht in Größe und Raumdisposition der Anlage eines barocken Lustschlosses. Ernst von Ihne erweiterte das Gebäude nach Norden um einen L-förmigen Baukörper von neun Achsen und glich die Fassaden in Formen des Klassizismus aneinander an. Dabei ist die Baunaht zwischen Erweiterungs- und Ursprungsbau an der Straßenseite durch einen runden Treppenturm verborgen.

Zur Straße hin ist das Palais Schaumburg mit einem dreiachsigen Mittelrisalit in Kolossalordnung ausgestattet. Die neue Gartenfront ist über eine dreifache Rundbogenloggia (im Obergeschoss) an den Altbau angeschlossen. Vom Umbau aus den Jahren 1949 bis 1950 stammen die Überdachung der Vorfahrt und das anschließende Vestibül mit Treppe sowie alle Türen und Beschläge.
Die Gestaltung der Parkanlage erfolgte durch Hermann Mattern.

Erhaltenswerte Details im Inneren des Palais

Die ursprüngliche Raumaufteilung ist trotz der in den 1930er-Jahren vollzogenen Umbauten zu Wohnungen sowie der Änderung zum Kanzleramt noch weitgehend erhalten und ablesbar.1950 richtete Adenauer sein Arbeitszimmer im ersten Obergeschoss zur gartenseitig gelegenen Nordostecke des Altbaus ein. Der darunter liegende große Salon wurde zum Kabinettssaal. Eine Wendeltreppe mit Zwischenpodest aus Intarsien-Parkett und Messinggeländer blieb unverändert.

Einzelne ortsfeste Ausstattungsstücke aus der Entstehungszeit bis 1890 wie der Marmorkamin, Deckenstuckaturen im Flur und Stuckdetails einer gewölbten Flurdecke blieben erhalten. Auch die mächtige dunkle Deckentäfelung im Ecksalon, dem sogenannten Hallsteinzimmer, sowie entsprechende Tafelparkettböden im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss zieren das Innere der Villa seit deren Entstehung. Die hohen, doppelflügeligen Türen aus Kirschbaumholz wurden nach Entwürfen Schwipperts 1950 eingebaut. Die bewegliche Ausstattung besteht größtenteils aus Leihgaben von privater Seite, zum Teil aus Museen.

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