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Offener, zweiphasiger Wettbewerb
Das Preisgericht tagte unter dem Vorsitz von Susanne Titz, Direktorin des Museums Abteiberg Mönchengladbach am 21.09.2022 im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung. Für die Kunststandorte Koenigsallee (Innen- und Außenraum) und Bismarckplatz (Innenbereich) wurden jeweils ein 1. und ein 2. Preis vergeben.
Claudia Scheffler und Anne Sevenich, Dresden
„mutuum“
Beurteilung durch das Preisgericht
Die Arbeit „mutuum“ ist als Feldforschungsprojekt angelegt und bezieht sich auf zwei anthropozäne Problemstellungen. Seit 2020 überwiegt erstmalig in der Menschheitsgeschichte die Masse der künstlich erzeugten Materialien gegenüber den natürlichen Materialien. Zum anderen gibt es eine Bedrohung der heimischen Ökosysteme durch invasive Arten. Beides führt zu einem Ungleichgewicht und einer Unwucht.
Die daraus entstehenden Fragestellungen wollen die Verfasserinnen nutzen, um aus dem Ungleichgewicht eine Handlungsebene zu schaffen. In mehreren Phasen werden invasive Pflanzen als Ressource und mögliches Baumaterial genutzt, verarbeitet und veredelt. In einem zweijährigen Forschungsprozess wird u.a. der japanischen Knöterich intensiv untersucht und einer Einsatz- und Belastungsprobe zugeführt. Aus diesem Untersuchungsprozess werden Materialien entnommen und als Sezierproben wie Präparate zwischen Glasscheiben im Gebäude ausgestellt.
Daneben werden acht geometrische Objekte für eine dauerhafte Präsentation im Außenbereich entlang des Weges zum Haupteingang hergestellt. Diese kristallinen Objekte zeigen das Ausgangsthema der „Unwucht“ durch biobasierte Zusatzstoffe, verschiedene Materialien, Farben und Oberflächen.
Das Konzept versteht sich als ein künstlerisches Projekt zur Schnittstelle in der Wissenschaft. Die Ergebnisse werden kommuniziert und weitergegeben und im besten Fall entsteht ein neuartiger Baustoff und "Kunst am Bau" wird auf diese Weise neu interpretiert.
Das Preisgericht empfiehlt eine enge Begleitung der Forschungsarbeit durch Fachleute des Umweltbundesamtes und weist daraufhin, dass eine Prüfung der Materialität der Skulpturen im Außenbereich auf Beständigkeit erfolgen müsse.
Christian Illi und Seulbi Kim, Berlin
„PURE LIFE“
Beurteilung durch das Preisgericht
Die Arbeit positioniert sich als ein markanter Kontrapunkt zur denkmalgeschützten Heimatarchitektur der 1930er Jahre, dem heutigen Sitz des Umweltbundesamtes. Mit einer Höhe von 14 Metern hat die Konstruktion des metallenen Wasserturms eine fast gebäudehohe Präsenz und entfaltet ihre popartige Wirkung auf der waldähnlichen Vorfläche des Eingangsbereichs Königsallee. Ihre ikonisch wirkende Form ist inspiriert vom schräg gestellten historischen Wasserturm in Britten/Texas. Der Wasserturm stellt sich kritisch gegen die Weltanschauung der industriellen Zivilisation, die die Natur als Ressource ausnutzte und sie bis heute nicht „als vernetztes System des Lebens“ versteht – mit der Klima- und Ressourcenkrise unserer Gegenwart als unvermeidlichem Ergebnis. Die zunehmende Wasserproblematik in Deutschland und speziell in Brandenburg macht aus dem technoid wirkenden Behälter des Wasserreservoirs mitsamt seiner Kippung ein sehr konkretes und beinahe einer Filmszene ähnliches Bild. Die spiegelpolierte Oberfläche des Wassertanks reflektiert die Umwelt und erzeugt bei Sonnenschein eine gleißende Signalwirkung. Wassermangel und Klimaerwärmung verbinden sich in diesem Objekt auf drastische Weise. Der gedankliche Import texanischer Hitze gibt einen Vorgeschmack auf die zu erwartende Klimaentwicklung der Zukunft in Deutschland. Das Preisgericht weist darauf hin, dass die Verkehrssicherheit sicherzustellen ist; die Standsicherheit nachgewiesen werden muss und in Bezug auf die Materialität der Einsatz von recycelten Materialen zu prüfen ist.
Felix Kiessling,Berlin
„Erdkreis“
Beurteilung durch das Preisgericht
Das runde Wandobjekt mit einem Durchmesser von 160 cm im Eingangsbereich am Bismarckplatz bezieht sich auf die sogenannte Schumann-Resonanz. Sichtbar bereits im Außenraum geht man nach Betreten des Gebäudes direkt auf den gelb leuchtenden „Erdkreis“ zu. In dem mit dunklem Natursteinsockel gefassten Foyer ist der Lichtkörper nicht sichtbar horizontal-mittig an der Wand positioniert und ebenso mit Strom und technischen Elementen versorgt. Mit kontinuierlich sich langsam verändernden Helligkeitsgraden (eine Reaktion auf in Echtzeit übertragene Schumann-Frequenzen) leuchtet das Objekt in warmem Gelb. Der Energieverbrauch ist sehr gering. Die Installation birgt Rätselhaftigkeit und macht neugierig, physikalisch wie ökologisch die Zusammenhänge zu entdecken. Die positive Atmosphäre lädt dazu ein, im Gebäude zu verweilen.
Patricia London Ante Paris, München
„APPARITON (Erscheinungen)“
Beurteilung durch das Preisgericht
Die mehrteilige Wandmalerei « Apparitions » (Erscheinungen) stellt auf jeder Wand des Treppenhauses fünf ideale Landschaften dar, die indessen in realiter fünf Messstationen des Umweltbundesamtes zeigen und somit direkten Bezug zu einer Umgebung herstellen. Den einzelnen abstrakten Darstellungen realer Landschaften fügt der Künstler/die Künstlerin jeweils ein Molekül, ein Obital und eine Formel hinzu, die jeweils spezifische Bezüge zum Umwelt- und Klimaschutz herstellen. Sie können, wie z.B. das Kohlenstoffdioxidmolekül und Methan, auf die fossile Vergangenheit der Energieerzeugung verweisen, oder auf die zukünftige Energieerzeugung, wie z.B. das Wasserstoffmolekül. Es tauchen zudem in der Darstellung der Ostsee bei Zingst wolkenförmige Polypeptide auf, die auf neuartige und noch unerforschte Gebiete des Umweltschutzes verweisen. Je länger diese Arbeit betrachtet wird, umso mehrschichtiger eröffnen sich einem die Themen. Neben den komplexen chemischen Fragestellungen, die von den Mitarbeitenden erkannt werden und auch zu Debatten führen werden, stellt sich durch die Art der Darstellung eine leichte Zugänglichkeit ein, so dass die Arbeit auch für die verschiedenen Besuchergruppen lesbar ist. Die Arbeit « Apparitions » stellt die Frage: Ist das noch eine paradiesische Landschaft oder schon die postapokalyptische Situation?
Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA)
Umweltbundesamt (UBA)
Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung
Referat A 2 – Projektentwicklung, Wettbewerbe, Zuwendungsbau, Landschafts- und Innenarchitektur, Kunst am Bau
Straße des 17. Juni 112, 10623 Berlin
Beate Hückelheim-Kaune (Referatsleitung), Lena Weiß (Projektleitung)
Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung
Referat V 5
Klaus Fudickar (Referatsleiter), Robert Vieweg, Serhat Gedik (Projektleitung)
Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) am Bismarckplatz in Berlin soll für die Nutzung des Umweltbundesamtes (UBA) umgebaut und erweitert werden.
Nach einem nicht-offenen Realisierungswettbewerb wurde der erste Preisträger, das Büro Gerkan Marg und Partner (gmp), mit der Planung des Umbaus und der Sanierung des Gebäudeensembles beauftragt. Die Umsetzung erfolgt durch das Büro PASD Feldmeier Wrede, die Planung und Ausführung der Landschaftsarchitektur durch Stefan Bernard Landschaftsarchitekten.
Ein wichtiges Projektziel der Sanierung beziehungsweise des Umbaus des Gebäudes ist die Wahrung des Denkmalschutzes und die stärkere Außenwahrnehmung des UBA als bürgernahe Behörde und damit einhergehend das Öffnen und Sichtbarmachen der Eingangsbereiche im Stadtraum.
Der Eingang Bismarckplatz und der neu zu schaffende Eingang an der Koenigsallee sollen eine einladende Geste erhalten, den Blick von Passanten sowie Besucherinnen und Besuchern auf das Gebäude und die jeweiligen Eingänge lenken sowie für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine identitätsstiftende Wirkung mit dem Gebäude und den Belangen des UBA erzielen.
Ziel des Kunst-am-Bau-Wettbewerbsverfahrens ist es, Kunstschaffende zu finden, denen es gelingt mit einem Kunst-am-Bau-Beitrag eine eigenständige Sichtweise auf das Bauwerk, seine Geschichte und die Aufgaben des UBA zu entwickeln.
Es werden zwei Wettbewerbe (Standort 1 und Standort 2) im Rahmen dieses Verfahrens ausgelobt.
Gegenstand der beiden Wettbewerbe ist die Erarbeitung von künstlerischen Konzepten für die Kunststandorte „Koenigsallee – Außen- und Innenbereich“ (Standort 1) und „Bismarckplatz – Innenbereich“ (Standort 2). Die Teilnehmenden können für einen Wettbewerb (Standort 1 oder 2) ein künstlerisches Konzept einreichen oder auch für beide Wettbewerbe (Standort 1 und 2).
Realisierungssummen:
Standort 1: 235.000 Euro (inkl. MwSt.)
Standort 2: 95.000 Euro (inkl. MwSt.)
Offenes, anonymes, zweiphasiges Kunst-am-Bau-Verfahren für zwei Standorte.
Das Wettbewerbsverfahren erfolgt gemäß Leitfaden Kunst am Bau (2012) und in Anlehnung an die Richtlinie für Planungswettbewerbe (RPW 2013). Die Wettbewerbssprache ist deutsch. Für die 2. Phase werden ca. 15 Künstler/-innen/-gruppen ausgewählt.
Fachpreisrichter und Fachpreisrichterinnen:
Helga Franz, Künstlerin
Stellvertretende Fachpreisrichterinnen:
Ricarda Mieth, Künstlerin
Sachpreisrichter und Sachpreisrichterinnen:
Stellvertretende Sachpreisrichter und Sachpreisrichterinnen:
Stefan Bernard, Stefan Bernard Landschaftsarchitekten
Honorar 2. Phase
Für die 2. Phase des Verfahrens erhalten die ausgewählten Teilnehmenden bei Einreichung einer prüffähigen Wettbewerbsarbeit eine Aufwandsentschädigung für Standort 1 in Höhe von 1.500 Euro (inkl. MwSt.) und für Standort 2 in Höhe von 1.300 Euro (inkl. MwSt.).
Preisgeld
Es wird zusätzlich eine Preissumme für Standort 1 von insgesamt 10.000 Euro (inkl. MwSt.) ausgelobt. Diese teilt sich wie folgt auf: 1. Preis: 6.000 Euro, 2. Preis: 4.000 Euro für Standort 2. Die Preissumme für Standort 2 von insgesamt 7.000 Euro (inkl. MwSt.) teilt sich wie folgt auf: 1. Preis: 4.500 Euro, 2. Preis: 2.500 Euro.
Referat A2 – Projektentwicklung, Wettbewerbe, Zuwendungsbau,
Landschafts- und Innenarchitektur, Kunst am Bau
Straße des 17. Juni 112
10623 Berlin
Tel.: +49 30 18401-9202
Fax: +49 30 18401-9209
E-Mail:
architektur@bbr.bund.de