Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung

Planungswettbewerb Sanierung und Ersatzneubau eines Labor- und Verwaltungsgebäudes für das Umweltbundesamt (UBA) in Berlin am Dahlemer Dreieck

Nicht offener, einphasiger Wettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerberverfahren

  • Status Entschieden
  • Veröffentlichung 26.08.2020
  • Entscheidung 27.05.2021
  • Adresse Thielallee 88–92 in Berlin-Dahlem

Entscheidung des Preisgerichtes

Das Preisgericht tagte am 27. Mai 2021 unter dem Vorsitz von Markus Hammes im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung in Berlin in folgender Zusammensetzung:

Fachpreisrichterinnen und Fachpreisrichter (stimmberechtigt)

  • Nicole Kerstin Berganski, NKBAK, Frankfurt
  • Markus Hammes, hammeskrause architekten, Stuttgart
  • Silvia Schellenberg-Thaut, Atelier St., Leipzig
  • Georg Unterhohenwarter, SWAP Architekten, Wien

Sachpreisrichterinnen und Sachpreisrichter (stimmberechtigt)

  • Dr. Lilian Busse, Vizepräsidentin Umweltbundesamt
  • Lothar Giese, Hauptstellenleiter Facility Management, Bundesanstalt für Immobilienaufgaben
  • Petra Wesseler, Präsidentin des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (BBR)

Stellvertretende Fachpreisrichterinnen und Fachpreisrichter

  • Christine Steimle, Steimle Architekten, Stuttgart
  • Carsten Venus, Blauraum Architekten, Hamburg

Stellvertretende Sachpreisrichterinnen

  • Juliane Popp, Bundesanstalt für Immobilienaufgaben
  • Eva Jedelhauser, Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung

Sachverständige

  • Denkmalschutz: Björn Schmidt, Landesdenkmalamt Berlin
  • Bauordnungsrecht: Daniel Wappler, Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, Referat VS3
  • Technische Gebäudeausrüstung: Hannes Engelbrecht, Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung
  • Kosten: Taner Gözalan, DGS Ingenieurgesellschaft für Projektmanagement

Koordination und Durchführung

  • Karen Behrendt, Gesa Petersen Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, Referat A2 (Projektleitung)
  • Beate Hückelheim-Kaune, Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, Referat A2 (Referatsleitung)

 Vorprüfung

  • Birgit Dietsch, Architektin
  • Stefan Mathey, Architekt

Es wurden ein erster, ein zweiter und ein dritter Preis sowie drei Anerkennungen vergeben. Das Preisgericht empfahl einstimmig, die Arbeit 1622 des ersten Preisträgers der Realisierung zugrunde zu legen unter Berücksichtigung der Hinweise in der schriftlichen Beurteilung.

Preisträger

1. Preis – 1622

rw+ Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin

Entwurfsverfasser: Daniel Haarmann
Mitarbeiter: Moritz Alexander Klimburg, Philipp Guse

Fachberater: bloomimages Visualisierung

1. Preis 1622

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Perspektivansicht des Entwurfes eines Labor- und Verwaltungsgebäudes für das Umweltbundesamt in Berlin-Dahlem 1. Preis 1622 Perspektivansicht des Entwurfes eines Labor- und Verwaltungsgebäudes für das Umweltbundesamt in Berlin-Dahlem

Beurteilung durch das Preisgericht

Ein eigenständiger, klar gegliederter Neubau wird direkt an den Altbau angebaut. Durch die geschickte skulpturale Komposition der Volumina, bestehend aus einem zweigeschossigen Sockel, einem darauf ruhenden, feinteiligen strukturierten Aufbau und einem klar abgesetzten Technikbauteil, reagiert dieser in selbstbewusster Art auf den Altbau.

Die drei horizontal geschichteten Volumina sind so zueinander verschoben, dass zu den Haupteingängen „Unter den Eichen“ und zum Campus hin eine zweigeschossige Fuge die Zugänge markieren. Mittels Lufträume wird diese räumliche Qualität auch im Innenraum, am Übergang von Bestand- zum Neubau, erlebbar.

Im Westen generiert das Versetzen der Volumina eine Terrasse mit hoher Aufenthaltsqualität und der Neubau reagiert damit städtebaulich auf die niedrigere Nachbarbebauung.

Die mittlere Baukörperschicht nimmt in der Höhe die Traufenkante und die Proportionen des Bestandes auf.

Das Technikvolumen ist eine zeitgemäße Interpretation des Bestandsdaches und unterstreicht mit der PV- Fassade weithin sichtbar den nachhaltigen Ansatz.

Der Neubau ist größtenteils als Beton- Konstruktion projektiert. Die Fassade besteht aus Holz- Verbund- Modulen mit vorgesetzten Stahlbeton- Fertigteilen als Wetterschutz.

Dadurch finden CO2-arme Rohstoffe nur teilweise im Bereich der Fassade eine Verwendung. Hier wäre ein höherer Anteil an nachwachsenden Rohstoffen wünschenswert!

Die Grundrisse sind klar und übersichtlich strukturiert, mit fassadenseitigen Laborräumen und einer zentralen Nebenraum-Schiene. Die beiden Treppenhäuser sind gut positioniert und geschickt mit Aufenthaltszonen kombiniert. Eine einfache Umbildung für die Anforderungen zukünftiger Nutzer ist gegeben.

Das Raumprogramm wird im Wesentlichen erfüllt. Bei den Technikflächen ist eine Unterschreitung vorhanden.

Sowohl die Investitionskosten als auch die Lebenszykluskosten werden im Vergleich als höher bewertet.

Seitens des Denkmalamtes und der Stadtplanung bestehen Bedenken bezüglich der städtebaulichen Einfügung des Gebäudes u.a. auf Grund der Massivität des Technikgeschosses und hinsichtlich der Konkurrenz zwischen Neu- und Altbau. Im Sinne der Genehmigungsfähigkeit muss der Entwurf – insbesondere das  Technikvolumen - im Zuge der vertiefenden Planung in Zusammenarbeit mit den Fachplanern und in Abstimmung mit Denkmalamt und Stadtplanung überabreitet  werden, ohne dass der Entwurf seine Qualitäten verliert.

Kontrovers diskutiert wurden bei diesem Projekt die Wahl der Baustoffe in Bezug auf ein nachhaltiges und ressourcenschonendes Bauen. Gemäß dem Leitspruch des Umweltbundesamtes „Für Mensch und Umwelt“ soll der Neubau identitätsstiftend wirken. Eine Überprüfung der Materialwahl könnte die Qualitäten des Entwurfes weiter stärken. Durch den hohen Vorfertigungsgrad wird eine zügige Umsetzung der Bauaufgabe gewährleistet.

Die Eigenständigkeit und signifikante Adressbildung des UBA durch den Neubau wird vom Preisgericht außerordentlich positiv bewertet. Im Inneren gelingt es der Arbeit, trotz des rigiden Raumprogramms, eine angenehme Arbeitsatmosphäre zu erzeugen. Somit verbinden sich Innen und Außen zu einem überzeugenden Gesamtkonzept für ein Innovation und Zukunft ausstrahlenden Laborgebäude.

2. Preis – 1602

Nickl Architekten Deutschland GmbH, Berlin

Entwurfsverfasser: Prof. Hans Nickl, Prof. Christine Nickl-Weller
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: Arndt Sänger, Doug Stechschulte, Fatima Benkherfallah, Marjhonelly Concepcion

Fachberater: Süss Beratende Ingenieure GmbH & Co. KG, Nürnberg (Technische Gebäudeausrüstung); B+G Ingenieure Bollinger und Grohmann GmbH, München (Tragwerksplanung)

2. Preis 1602

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Perspektivansicht des Entwurfes eines Labor- und Verwaltungsgebäudes für das Umweltbundesamt in Berlin-Dahlem 2. Preis 1602 Perspektivansicht des Entwurfes eines Labor- und Verwaltungsgebäudes für das Umweltbundesamt in Berlin-Dahlem

Beurteilung durch das Preisgericht

Der Entwurf schlägt einen eigenständigen Erweiterungs-bau vor, der niveaugleich über eine Glasfuge an den Altbau angebunden wird. Der kubische Baukörper mit seinen zwei umlaufenden Staffelgeschossen bezieht dabei eine eigen-ständige architektonische Haltung und nimmt klar Stellung zum Bestandbaukörper. Dieser soll weiter erlebbar sein in seinem Erscheinungsbild und in seiner ursprünglichen Kubatur.

Der Entwurf respektiert in angemessener Weise die vorhandene Bausubstanz, positioniert sich jedoch selbstbewusst und klar ablesbar in Kubatur und Gestaltung. Daraus schöpft er seine architektonische Qualität und Kraft.

Die gleichwertig durchgesteckten Haupteingänge von „Unter den Eichen“ und vom „Campus“ aus erfolgen niveaugleich im Mittelrisalit des Altbaus. Der somit zentral gelegene Eingang zum Gesamtensemble wird sehr begrüßt, schafft er doch eine adäquate adressbildende gemeinsame Zugangssituation, die gleichzeitig auch die barrierefreie Erschließung bedient. Das zentral geschaffene Foyer wird aus architektonischer und nutzungsspezifischer Sicht begrüßt, die Neuorganisation der Erschließungsebene im Mittelrisalit wird jedoch aus denkmalpflegerischer Sicht eher kritisch gesehen.

Die modulare Holz-Hybrid-Fassade wirkt angenehm in ihrer Proportion und Erscheinung. Die Fassade orientiert sich an dem Hauptraster und den Fassadenlinien des Alt-baus und wird als Holz-Glasfassade vorgeschlagen. Die schmalen opaken Lüftungselemente gehen auf eine spätere Nutzung (z. Bsp. Büro) ein und werden positiv zur Kenntnis genommen. Die Gleichbehandlung der Fassade im Staffelgeschoss für das Technikgeschoss wird jedoch kritisch hinterfragt.

Die durchgehenden Geschosse von Alt- und Neubau lassen eine gute Orientierung und barrierefreie geschossübergreifende Erschließung zu. Die Anbindung von Alt-und Neubau erfolgt lediglich partiell über die Glasfuge mittels Stege und Plattformen, die Außenwand vom Altbau wird dadurch erlebbar. Die zentrale Positionierung der Teeküchen lassen eine hohe Aufenthaltsqualität erwarten und werden vom Nutzer sehr begrüßt. Die Dreibunderschließung sowie die Umsetzung des Raumprogrammes sind im Wesentlichen vollständig und solide gelöst.
Die Verfasser schlagen eine Glas-Holz-Hybrid-Konstruktion mit einem massiven UG sowie einer modularen Bauweise vor. Alle Laborgeschosse sind sinnfällig gleich aufgebaut und können unterschiedliche Raumkonstellationen aufnehmen und lassen eine große Nutzungsflexibilität erwarten.

Die geschossweise Teilbarkeit ist gegeben. Der überwiegende Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen wird sehr begrüßt und der Aufgabenstellung sowie den Anforderungen des Nutzers gerecht.

Brandschutztechnisch entspricht der Entwurf derzeit nicht den gesetzlichen Vorgaben. Durch die übergroßen Nutzungseinheiten und die Holz-Hybrid-Bauweise bedarf es einer konzeptionellen Überarbeitung im weiteren Planungsverlauf. Die vorgeschlagenen Flurbreiten mit 1.5m sind hinsichtlich der verbleibenden Rettungswegbreite teilweise zu gering ausgebildet.

Das Gebäude wird in die Gebäudeklasse 5 eingeordnet, wo keine brennbaren Materialien als Außenfassade zulässig sind. Das vorgeschlagene Fassadenmaterial Fichte wird somit als problematisch eingestuft.

Die Investitionskosten werden niedriger gegenüber der Kostengrenze bewertet, die Lebenszykluskosten niedrig bis durchschnittlich. Der große Fensterflächenanteil ist hin-sichtlich des sommerlichen Wärmeschutzes zu prüfen.

Insgesamt zeichnet sich die Arbeit durch ihre sehr eigen-ständige architektonische Lösung aus, der gleichwohl das Denkmal in angemessener Weise respektiert. Er bietet so-mit einen sehr wertvollen Wettbewerbsbeitrag.

3. Preis – 1620

TRU Architekten Part mbB, Berlin

Entwurfsverfasser: Karsten Ruf, Sandra Töpfer
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: Laura Pfarr, Samuel Habel

Fachberater: Büro Stanek (Brandschutz); Winkels / Pudlik (Gebäudetechnik); Pichler Ingenieure (Tragwerksplanung); Dr. Uwe Ortmann (Laborplanung); Transsolar (Klimakonzept und Nachhaltigkeit knp.bauphysik, Bauphysik)

3. Preis 1620

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Perspektivansicht des Entwurfes eines Labor- und Verwaltungsgebäudes für das Umweltbundesamt in Berlin-Dahlem 3. Preis 1620 Perspektivansicht des Entwurfes eines Labor- und Verwaltungsgebäudes für das Umweltbundesamt in Berlin-Dahlem

Beurteilung durch das Preisgericht

Es wird ein funktionales Laborgebäude nach heutigen Anforderungen und innovativer Bauweise vorgeschlagen. Die Essenz des denkmalgeschützten Gebäudes wird aufgenommen und es entsteht ein spannendes Ensemble aus Alt und Neu.

Die Interpretation von Sockel, Gebäudekörper, Traufkante und Dach führt zu einem nach rationalen, heutigen Gesichtspunkten konzipierten Gebäude, dessen Fassade sensibel ausgeformt ist. Im Spannungsfeld von funktionalen Anforderungen und denkmalpflegerischen Aspekten entsteht ein diskussionswürdiger Beitrag.

Das Grundrisslayout, die Positionierung der vertikalen Erschließung und der Kernschächte sind in einem überzeugenden Gesamtkonzept dargestellt.

Der Nachweis des 2. Rettungswegs aus dem Technikgeschoss ist nicht geführt.

Die Übersetzung der klaren Grundkonzeption in ein System zur elementierten Bauweise wird wohlwollend zur Kenntnis genommen.

Die Anforderungen an den Brandschutz für den konstruktiven Holzbau gilt es nachzuweisen (Kapselung, Kompensation).

Ebenso sind die Anforderung der Gebäudeklasse V für den Brandschutz der Holzfassade zu erbringen.

Der hohe Anteil des Baustoffes Holz in der Baukonstruktion und die Verwendung einer Holzrahmenbauweise für die Fassade erfüllt in vorbildlicher Weise die Erwartungen an das Nachhaltige Bauen.

Die Technikgeschosse sind nicht als Staffelgeschosse ausgeführt, dies hat zur Folge, dass die Abstandsflächen auf der Westseite zum Haus 2 überschritten werden.

Die Ziele hinsichtlich der Flächenanforderungen, Flächeneffizienz werden eingehalten. Das Raumprogramm wird erfüllt.

Die konsequente Ausrichtung auf das elementierte Bauen (hoher Vorfertigungsanteil) und die strukturelle Vereinfachung der Erschließung und Haustechnik-Konzeption führen zu einer positiven Wirtschaftlichkeit.

Sowohl die Investitionskosten als auch die Lebenszykluskosten werden als durchschnittlich bewertet.

Der Entwurf stellt einen interessanten Beitrag hinsichtlich der Kombination eines Neubaus mit einem denkmalgeschützten Bestandsgebäude dar. Zudem zeigt der Entwurf einen hohen Grad an gestalterischer Sicherheit bei der Ausformung der Fassade eines elementierten Holzhybridgebäudes.

Anerkennung 1605

Behnisch Architekten Partnerschaft mbB, Stuttgart

Entwurfsverfasser: Stefan Behnisch
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: David Hovarth, Quinn Mc Cormic, Angie Müller-Puch, Anastasiia Soshnikova

Fachberater: PEG – Planungsgesellschaft für Einrichtungen des Gesundheitswesens mbH, Karlsruhe (Laborplanung); Transsolar Energietechnik, Stuttgart (Energiedesign); Knippers Helbig GmbH, Stuttgart (Tragwerksplanung); BrandschutzPlus, Berlin (Brandschutz)

Anerkennung 1605

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Perspektivansicht des Entwurfes eines Labor- und Verwaltungsgebäudes für das Umweltbundesamt in Berlin-Dahlem Anerkennung 1605 Perspektivansicht des Entwurfes eines Labor- und Verwaltungsgebäudes für das Umweltbundesamt in Berlin-Dahlem

Beurteilung durch das Preisgericht

„Ein dem Umweltbundesamt angemessenes Konzept“ ist der Grundgedanke dieses Gebäudes. Diese Interpretation bezieht sich sowohl auf die Ressourcen sparende Bauweise, wie auch auf den Anspruch auf ein gesundes, zeitgemäßes Arbeitsumfeld.

Aus dem Leitgedanken des Weiterbauens heraus werden die 3 untersten Vollgeschosse des 60er Jahre Gebäudebestandes als Rohbaustruktur erhalten. Daraus ergibt sich die Kubatur des Gesamtgebäudes. Mit dem Kunstgriff der „Fassaden-Transformation“ wird eine neue Hüllfläche aus Fassade und Dach um den Rohkörper gebildet. Damit wird ein Zwischenraum erzeugt, der sowohl die städtebaulichen wie funktionalen Fragen in der Überführung einer alten Gebäudestruktur in einen neue Nutzung beantwortet.

Das Dach wird zu einer eigenständigen polygonalen Form entwickelt. Die bisher einseitige Gebäudeanlage wird als  Gesamtanlage ergänzt.

Der Zwischenbereich vor dem ertüchtigten Rohbaukörper führt zu einer ganz eigenen Grundrisskonfiguration durch die Entwicklung eines Umganges mit den Qualitäten eines Wintergartens hinter einer vollständig verglasten Fassade.

Um das Raumprogramm vollständig abbilden zu können, wird der neu entstandene Umgang als Erschließung, Aufenthaltsfläche und informeller Arbeitsplatz gestaltet.

Zudem wird ein fehlendes Untergeschoss durch die geschickte Nutzung des DG-Volumens für Technikflächen aktiviert. Hierbei ist die Positionierung der Kälteanlage im Dachgeschoss kritisch zu hinterfragen.

Resultierend aus der geringen Gebäudetiefe des Bestandes ist ein etwas uneindeutiges Grundrisslayout entstanden, welches keinen durchgängigen Dreibund darstellt. Die Flurbreiten sind für gegenüberliegende Türen zu gering.

Das Treppenhaus 1 erfordert einen direkten Zugang ins Freie.

Der Grundgedanke, vorhandene Rohbaustruktur zu erhalten und in die Neu-Nutzung einzufügen, wurde lobend zur Kenntnis genommen. Die Fortführung der Baukonstruktion in Holz-Modulbauweise ist dann ein schlüssiges Konzept und ergibt dadurch auch eine sichtbare, für den Nutzer nachvollziehbare Geschichte des Gesamtansatzes zum Weiterbauen.

Hierbei scheint der Brandschutz der Holzbaukonstruktion noch überarbeitungsbedürftig (Kapselung oder Kompensationsmaßnahmen).

Ebenso ist die Fassade für die Anforderungen in der Gebäudeklasse V konstruktiv zu überarbeiten (Brandschutz der Holz-Glasfassade).

Durch den hohen Anteil an Verwendung von bestehender Baukonstruktion (Stahlbeton) in Kombination mit dem vorgeschlagenen Holz-Modulbau wird ein gutes CO2-Äquivalent in der Gebäudeerstellung erreicht.

Durch die ausgeprägte Dachform mit der sehr steilen Mansarddach zur Westfassade werden die Abstandsflächen zum Haus 2 erheblich überschritten. Hier besteht Überarbeitungsbedarf.

Die Ziele hinsichtlich der Flächenanforderungen und Flächeneffizienz werden eingehalten, lediglich das A/V Verhältnis liegt ca. 10% über dem Mittelwert der eingereichten Arbeiten.

Die Investitionskosten werden niedriger gegenüber der Kostengrenze bewertet, die Lebenszykluskosten niedrig bis durchschnittlich.

Der Entwurf stellt einen wichtigen Beitrag hinsichtlich des Umganges und den Möglichkeiten der Weiterentwicklung des Gebäudebestandes dar. Zudem eröffnen sich daraus Potentiale zur Entwicklung neuer Arbeitswelten.

Anerkennung 1609

Franz und Sue ZT GmbH, Wien (Österreich)

Entwurfsverfasser: Harald Höller
Mitarbeiterinnen: Darija Malesevic, Sindi Como

Anerkennung 1609

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Perspektivansicht des Entwurfes eines Labor- und Verwaltungsgebäudes für das Umweltbundesamt in Berlin-Dahlem Anerkennung 1609 Perspektivansicht des Entwurfes eines Labor- und Verwaltungsgebäudes für das Umweltbundesamt in Berlin-Dahlem

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Verfasser schlagen einen schlichten Anbau vor, der sich durch seinen Rücksprung vom Mittelrisalit des Bestandsbaus klar zurücknimmt.

Durch die Aufnahme der Trauf- und Firsthöhen und die strenge Fassadenrasterung wirkt er als natürliche Erweiterung des Bestandsgebäudes. Die Anordnung der Eingänge im Übergang zum Altbau ist sinnvoll, die Platzierung der beiden Fluchttreppen und des Lastenaufzuges ermöglichen vielfältige Teilungsoptionen. 

Die geforderten baurechtlichen Anforderungen sind grösstenteils eingehalten. Die konstruktiven Holzbauteile sind in der weiteren Bearbeitung konzeptionell zu betrachten.

Die vorgeschlagene Holzhybridbauweise in Kombination mit Recyclingbeton werden positiv bewertet und lassen durch den hohen Vorfertigungsgrad eine schnelle Errichtung erwarten. Die Wahl der Holzmassivbauweise für die Aussenfassaden, die vertikale Holzschalung der Fassaden und das Solardach entsprechen dem Nachhaltigkeitsgedanken des Umweltbundesamtes.

Durch die subtile Übernahme der Sockelstruktur in der Holz-Schalung fügen sich Alt und Neu harmonisch zusammen. Durch die strenge Rasterung der Fassaden wirken sie jedoch insgesamt etwas zu monoton.

Die Dachfläche mit der Solardacheindeckung wirkt im Gesamtbild etwas dunkel.

Die Grundrissorganisation folgt einer klaren und wirtschaftlichen Struktur und die Flächen lassen sich flexibel unterteilen. Teilweise wären zusätzliche Aufenthaltsqualitäten bzw. Querungen im Bereich der Mittelspange wünschenswert. 

Das Raumprogramm wird im Wesentlichen erfüllt. In den Technikflächen ist eine Unterschreitung vorhanden. Alle Bereiche sind barrierefrei erschlossen. 

Die Investitionskosten werden durchschnittlich gegenüber der Kostenobergrenze bewertet. Die Lebenszykluskosten liegen ebenfalls im durchschnittlichen Bereich. Die Flächenkennwerte liegen im wirtschaftlichen Bereich.

Insgesamt stellt der Entwurf eine angemessene Lösung dar, die allerdings eine identitätsstiftende Eigenständigkeit vermissen lässt.

Anerkennung 1617

Peter Zirkel Gesellschaft von Architekten mbH, Dresden

Entwurfsverfasser: Peter Zirkel
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: Josephine Galiläer, Björn Suchantke

Anerkennung 1617

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Entwurf eines Labor- und Verwaltungsgebäudes für das Umweltbundesamt in Berlin-Dahlem Anerkennung 1617 Entwurf eines Labor- und Verwaltungsgebäudes für das Umweltbundesamt in Berlin-Dahlem

Beurteilung durch das Preisgericht

Der mutige Ansatz, die Laborgrundrisse von einem klassischen Dreibund zu lösen und eine alternative Konzeptidee mit einer umlaufenden Erschließung der Labore vorzuschlagen, überrascht und stößt in der angeregten Diskussion auf Interesse.

Der Baukörper orientiert sich an der Tiefe des Mittelrisaliten und nimmt die Firsthöhe des Bestands auf. Die städtebauliche Setzung ist nachvollziehbar und bietet das Potential für die innenräumliche Idee.

Ein Rankgerüst bildet die Großform, welches im Laufe der Jahre bewachsen wird. Die Profilierung der Geschossdecken durch umlaufende Pflanzkübel zeichnet sich in der Fassadenansicht ab. Versetzt angeordnete, großflächige Verglasungen in dem Rankgerüst schaffen Blickbeziehungen in die Umgebung.

Eine ausreichende Belichtung der Arbeitsplätze wäre nachzuweisen.

Die Grünfassade schafft zwar durch die filternde Lichtwirkung eine naturnahe Beziehung der Aufenthaltszone, sie wird jedoch in Fortführung des denkmalgeschützten Bestandes kritisch gesehen.

Die Eingänge in den Bestand und den Neubau sind voneinander getrennt vorgesehen. Die geplante Erschließung überzeugt nicht.

Die vorgeschlagenen Laborgrundrisse werden ausgiebig kontrovers diskutiert. Die Raumschicht entlang der Fassaden überzeugt in der dargestellten Perspektive mit der einladenden, atmosphärischen Aufenthaltszone. Der Entwurf liefert jedoch keine schlüssigen Antworten für das derzeitige kleinteilige Raumprogramm. Lange Wege wären die Folge innerhalb der derzeitigen Laborflächen. Das Raumprogramm einschließlich der Technikflächen wird im Wesentlichen erfüllt.

Um möglichst stützenfreie, flexibel nutzbare Grundrisse zu realisieren, wurde eine Mischkonstruktion mit drei Stützenreihen vorgeschlagen. Dadurch finden CO2-arme Rohstoffe nur teilweise im Bereich der Decken und der Fassade eine Verwendung.

Die hohe Anzahl an Schächten ist nicht nachvollziehbar.

Die Investitionskosten werden durchschnittlich gegenüber der Kostenobergrenze bewertet. Einen höheren Ansatz gibt es in der Kostengruppe 340, da Glastrennwände zwischen den Laborräumen und dem umlaufenden Flur vorgesehen sind. Die Lebenszykluskosten werden auf Grund des höheren Glasflächenanteils sowie der äußeren Berankung höher bewertet.

Der Entwurf ist ein Gewinn für die Diskussion um zukünftige, flexible Laborlandschaften. Allerdings findet er für die derzeitigen Bedürfnisse keine adäquate Antwort.

Informationen zum Wettbewerb

Auslober, Koordination und Durchführung

Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) vertreten durch das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) im Geschäftsbereich des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat (BMI)

Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung
Referat A2 – Projektentwicklung, Wettbewerbe, Zuwendungsbau, Landschafts- und Innenarchitektur, Kunst am Bau

Koordination und Durchführung:

Beate Hückelheim-Kaune (Architektin / Referatsleiterin)
Gesa Petersen (Architektin / Projektleiterin)
Karen Behrendt (Architektin / Projektleiterin)

Vorprüfung

Birgit Dietsch, Architektin

Stefan Mathey, Architekt


Wettbewerbsaufgabe

Auf der bundeseigenen Liegenschaft Thielallee 88-92 in Berlin soll ein Labor- und Verwaltungsgebäude für das Umweltbundesamt realisiert werden, welches als Zwischenunterbringung für die Beschäftigten des Standorts 2 / 6 Corrensplatz dienen soll. Für den Umzug soll der unter Denkmalschutz stehende Altbau auf der Liegenschaft grundsaniert werden und der Erweiterungsbau von 1961 durch einen Neubau ersetzt werden.
Es soll ein nachhaltiges Konzept für die Unterbringung von modernen Laboren und Büroflächen entwickelt werden. Die wesentlichen Grundvorgaben in Bezug auf die Grundrissgestaltung sowie der technischen Konzeption werden der Wettbewerbsaufgabe bereits zugrunde gelegt. Die Neuorganisation des Haupteingangs für beide Gebäudeteile ist unter Einbeziehung des Mittelrisalits des Altbaus Teil der Wettbewerbsaufgabe. Hierbei sind die Anforderungen an Denkmalschutz, Brandschutz und Barrierefreiheit auch unter Beachtung einer späteren Teilbarkeit zu berücksichtigen. Der gestalterischen Ausformulierung der baulichen Verbindung (‚Gebäudefuge‘) zwischen Alt und Neubau kommt dabei eine besondere Bedeutung zu.
Aufgrund der Notwendigkeit zeitnah eine Zwischenunterbringung bereit zu stellen, ist ein besonderes Augenmerk auf die zügige Fertigstellung zu legen. Die mögliche Realisierung des Neubaus im Wege industrieller Bauweisen mit hohem Vorfertigungsgrad ist dabei mit zu betrachten.
Angesichts des großen Einflusses von Gebäuden auf den Klima- und Ressourcenschutz sollen die Gebäude besondere Anforderungen an nachhaltiges und ressourceneffizientes Bauen erfüllen. Dies soll durch die Bevorzugung von Baustoffen mit niedrigen Treibhausgas-Emissionen aus der Herstellungsphase sichergestellt werden und mit Abschluss der Baumaßnahme durch Erlangen einer Zertifizierung in BNB-Silber nachgewiesen werden.
Ziel des Wettbewerbs ist es, ein geeignetes Architektenteam zu finden sowie das beste Vorentwurfskonzept für die Bauaufgabe zu ermitteln. Es wird ein Vorschlag erwartet, der in gestalterischer und funktionaler Qualität überzeugt und in hervorragender Weise die Ziele des nachhaltigen Bauens wirtschaftlich umsetzt.
Die Fachplanungsleistungen werden in separaten VgV-Verfahren vergeben. Wünschenswert ist, dass sich das im Wettbewerb gefundene Planungsteam mit den übrigen am Bauvorhaben Beteiligten zu einer partnerschaftlichen Projektabwicklung bekennt.
Gegenstand des Wettbewerbs ist der Ersatzneubau sowie die Anbindung an den denkmalgeschützten Altbau. Es wird empfohlen, sich durch einen Fachplaner der technischen Ausrüstung beraten zulassen. Die Kostenobergrenze für die KG 300-500 liegt im Wettbewerb bei rd. 30 Mio. EUR brutto.
Zusätzlich umfassen die nach dem Wettbewerb zu vergebenen Planungsleistungen auch die Instandsetzung des gesamten denkmalgeschützten Bestandsgebäudes. Die Kostenobergrenze für die Gesamtkosten liegt für die KG 300-500 bei ca. 39.500.000 € brutto.
Weitere Beauftragung nach dem Wettbewerb:
Die Ausloberin beabsichtigt, der Empfehlung des Preisgerichts folgend mit dem 1. Preisträger Verhandlungen aufzunehmen mit dem Ziel, nach haushaltsmäßiger Anerkennung die LP 2 (Vervollständigung) bis mind. 5 nach HOAI § 34 (Honorarzone IV) zu beauftragen, sofern kein wichtiger Grund der Beauftragung entgegensteht und der Auftragnehmer ein wirtschaftliches Angebot einreicht. Die Ausloberin behält sich eine stufenweise Beauftragung sowie die Beauftragung weiterer Leistungsphasen vor. Ein Rechtsanspruch auf eine Beauftragung der weiteren LPs besteht nicht.
Sollten die Verhandlungen mit dem 1. Preisträger aus wichtigen Gründen scheitern, wird die Ausloberin unter den verbliebenen Preisträgern ein Verhandlungsverfahren nach (VgV) durchführen.

Wettbewerbsverfahren

Nichtoffener, einphasiger anonymer Planungswettbewerb für Architekten nach den RPW 2013 mit vorgeschaltetem offenen Bewerberverfahren.

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Kontakt

  • Gesa Petersen (Architektin | Projektleitung)
    Karen Behrendt (Architektin | Projektleitung)
    Referat A 2 - Projektentwicklung, Wettbewerbe, Zuwendungsbau, Landschafts- und Innenarchitektur, Kunst am Bau
    Straße des 17. Juni 112
    10623 Berlin

    Tel.: +49 30 18401-9201
    Fax: +49 30 18401-9209
    E-Mail: uba-wbw@BBR.Bund.de

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