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Nicht offener, einphasiger Wettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerberverfahren
Das Preisgericht unter Vorsitz der Architektin Prof. Regine Leibinger hat am 24. Januar 2014 drei Preise und eine Anerkennung vergeben. Der Wettbewerbsentwurf von Rohdecan Architekten GmbH Dresden wurde mit dem ersten Preis ausgezeichnet und zur Realisierung empfohlen. Der zweite Preis wurde dem Entwurf von Glass Kramer Löbbert Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin zuerkannt, der dritte Preis dem Entwurf von Kleyer Koblitz Letzel Freivogel Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin. Die Anerkennung erhielten Reimar Herbst Architekten BDA aus Berlin.
1. Preis - 1681
Rohdecan Architekten GmbH, Dresden
Eckart Rohde, Canan Rohde-Can
MA: - / Carolin Sämisch, Tracy Adrian
Innius GTD GmbH, Dresden (TGA)
Leonhard Andrä und Partner, BI VDI AG, Dresden (TWP)
Auszug aus der Bewertung des Preisgerichts
Das viergeschossige Gebäude nutzt das erweiterte Baufeld. Die Gebäudehöhe von 17,34 Meter und die durch Gesimsbänder horizontal klar gegliederte Fassade fügen sich harmonisch in das Ensemble der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt Berlin (PTB) ein.
Die Belebung der Fassade erfolgt mit vergleichsweise einfachen Mitteln (Steinvorsprünge etc.), die sich aber wirkungsvoll darstellen. Die Unterschiedlichkeit der Elemente innerhalb einer Ebene erlaubt eine flexible Gestaltung, die den vielfältigen Ansprüchen der unterschiedlichen Nutzungsarten zugeordnet werden kann (Fenster, Lüftung, etc.) Sogar nachträgliche Anpassungen erscheinen möglich. Die Assoziation von Messreihen in horizontaler Richtung entspricht in dezenter Weise inhaltlichen Kernaufgaben der PTB.
Der Eingang an der Nordfassade Ecke Abbestraße orientiert sich am Publikumsverkehr und ist damit richtig gewählt, allerdings etwas zu unauffällig gestaltet. Die Kommunikationszonen entsprechen den Anforderungen der PTB (…). Der Grundriss ist klar strukturiert. Im Untergeschoss ist Haustechnik dort angeordnet, wo die Medienanbindung erfolgt.
Die Gebäudestruktur ist dank der geschlossenen Wandflächen sehr gut ausgesteift. Die Deckenstärken sind den baudynamischen Erfordernissen genau angepasst. Durch den langen Baukörper werden langwellige Bodenerschütterungen gut abgeschwächt. Damit entfallen intensive Maßnahmen zur Erhöhung der Erschütterungsfreiheit. Die Besucherführung zum Seminarraum ist günstig und belastet wegen der räumlichen Trennung nicht die Messungen.
Im 2. OG ist die Anordnung der Schleuse optimal gelöst. Die interne Gestaltung des Rein- und Grauraums ermöglicht eine maximale Flexibilität der Einrichtung. Sogar die Grenze zwischen Grau- und Reinraum kann nachträglich äußerst einfach verschoben werden. Die Reinraumtechnik ist optimal direkt über dem Grau- und Reinraumbereich untergebracht.
Weil die Lagerräume belichtet sind, ist eine nachträgliche Umnutzung denkbar.
Die unterschiedlichen Geschosshöhen spiegeln exakt die Anforderungen der Nutzung wider, so dass die Gebäudehöhe optimal ausgenutzt wird. Dadurch, und durch die Gestaltung der Gesimsbänder entsteht eine interessante Fassadengliederung, die die Funktionalität des Gebäudes von außen widerspiegelt.
Insgesamt erscheint der Entwurf sehr durchdacht und zeugt von einem großen Verständnis der Anforderungen, die sich aus der täglichen Arbeit der Nutzer ergeben. Die hohe Funktionalität und die Nutzung einfacher, aber wirkungsvoller Gestaltungselemente fügen sich hervorragend in das Selbstverständnis der PTB ein. (…)
2. Preis - 1682
Glass Kramer Löbbert Ges. v. Architekten mbH, Berlin
Johannes Löbbert, Johan Kramer
MA: Julia Heilmeier, Patrick Lau, Hanna Rohrbach
Auszug aus der Bewertung des Preisgerichts
(…) Der viergeschossige Baukörper fügt sich in die Maßstäblichkeit der Umgebung ein, überschreitet das vorgegebene Baufenster allerdings an der Nordseite im Bereich der Eingangsanlage. Der vorgeschlagene Niveauversprung des Erdgeschosses gegenüber dem Außenbereich bedingt die Anordnung einer Rampen- und Treppenanlage, was im Preisgericht kritisch diskutiert wird. Hinterfragt wird auch die Ausdehnung des Portikus’, da die hierdurch suggerierte Gleichwertigkeit zwischen Haupteingang und Präsentationsfläche für Forschungsinhalte aufgrund der geringen Dimension Letzterer nur eingeschränkt gegeben ist.
Die Eingangssequenz erscheint im Übrigen gut gelöst; die Verbindung zum Seminarraum und den Kommunikationsbereichen an der Südseite ist direkt und konsequent. (…)
Die Aufteilung der Geschosse erscheint schlüssig und funktional (…).
Die Tatsache, dass Räume an der Fassade liegen, die keine natürliche Belichtung benötigen, erhöht die Flexibilität für mögliche spätere Umnutzungen. Die vorgeschlagene Flächenheizung sollte im Zusammenhang mit der Notwendigkeit, Geräte am Boden der Labore zu befestigen, hinterfragt werden.
Die Fassade nimmt in Materialität, Gliederung und durch die Einführung eines Sockels Bezug auf die Nachbarbauten, ohne diese direkt zu zitieren. Das um alle vier Seiten herumgeführte, regelmäßige Fassadenraster trägt zur Beruhigung der städtebaulichen Situation bei. Es wird durch die unterschiedlich abgeschrägten Leibungen in ein lebhaftes Spiel von Licht und Schatten, offener und geschlossener Anmutung transformiert. Die Aufteilung der verglasten Elemente in Sturzpaneel und Verbundfenster stellt ein im Detail noch zu lösendes entwurfliches Problem dar, das wiederum Ansatzpunkte für die Behandlung derjenigen Bereiche, die wie das optische Labor keine Fenster haben dürfen, bietet. (…) Der Entwurf besticht durch die sich einfügende, aber dennoch eigenständige Interpretation der städtebaulichen Situation und eine unaufgeregte und konsequente Durcharbeitung. Im Ergebnis strahlt er eine Großzügigkeit aus, die das Gebäude und damit den Campus der Physikalisch-Technische Bundesanstalt an der Südseite nobilitiert.
3. Preis - 1692
Kleyer Koblitz Letzel Freivogel Ges. v. Arch. mbH, Berlin
Alexander E. Koblitz, Timm Kleyer
MA: Stefan Schreck, David Land, Philipp Werner
sinai / Ges. v. Landschaftsarchitekten mbH, Berlin
Auszug aus der Bewertung des Preisgerichts
Die Entwurfsverfasser haben einen fünfgeschossigen kompakten Baukörper in gelbem Ziegelmauerwerk konzipiert. Sie beabsichtigen damit die historische Backsteinarchitektur, die für den gesamten Physikalisch-Technischen Bundesanstalt Campus prägend ist, in der Gegenwart fortzusetzen und gleichzeitig modern zu interpretieren. Die Ziegelfassade zeigt ein facettenreiches und plastisches Bild.
Es werden regelmäßige Relieffelder und tiefe, horizontale Fenster- und Türelemente gebildet. Insgesamt wird ein kraftvoller Mauerwerksbau an der südlichen Grundstücksecke vorgeschlagen, der durch die Fünfgeschossigkeit in der städtebaulichen Achse der Abbestraße eine gewisse Dominanz erreicht.
Das Gebäude wird über den Campus an der Nord-Ost-Ecke betreten. Im Gebäudeinneren ordnen sich die Funktionen um das zentrale „Herz“ mit den Kryostaten an: Messräume und Labore an der Süd- und die Büros an der Nordfassade.
Der Seminarraum liegt im 2. Obergeschoss. Die funktionale Anordnung der dreibündigen Anlage wird durch Fluraufweitungen gelockert. Diese Treff- und Kommunikationsräume werden durch raumhohe Öffnungen belichtet, deren Bedeutung auch nach außen durch aufweitende Rahmungen in der Fassade sichtbar gemacht wird. Damit erfährt die Fassadengestaltung im Inneren ihre konsequente Umsetzung.
Die Deckenstärken sind aus baudynamischer Sicht nicht ausreichend; die Lage des Reinraums im 3. Obergeschoss wird in Verbindung mit dem kürzeren Baukörper als ungünstig bewertet. Überdies fehlen die Einbringöffnungen in die Grau- und Reinräume. Das 4. Obergeschoss ist als reines Technikgeschoss geplant.
Insgesamt ein gut durchdachter und weitgehend funktionaler Entwurf, dessen Gebäudehöhe und Wirkung im städtebaulichen Kontext im Preisgericht allerdings kontrovers diskutiert wurden.
Anerkennung - 1683
Reimar Herbst Architekten BDA, Berlin
Reimar Herbst, Angelika Kunkler
MA: Sebastian Oertel, Janina Schlüter
R&P Ruffert Ing.ges. mbH, Berlin (TWP)
B4-Plan Ing.ges. mbH, Berlin (TGA)
Bauphysik@integrierte Planung GbR, Dresden
Auszug aus der Bewertung des Preisgerichts
Durch die Ausnutzung des verlängerten Baufeldes können die Funktionen auf vier Geschossen untergebracht werden. Das Gebäude fügt sich so gut in das Gesamtensemble der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt ein.
Der Eingangsbereich sowie die Erschließung sind zweckmäßig angeordnet. Die Qualität des angrenzenden innenliegenden Seminarraums wird kritisch betrachtet. Die räumliche Anordnung der Büros im Süden und der Labore im Norden folgt durchgängig der klaren Dreibundstruktur.
Der vorgesehene Lichtschacht führt in Teilen an zu verdunkelnden Räumen vorbei und wirkt somit etwas beliebig.
Die an der Ostseite angeordneten Aufenthaltszonen integrieren die Teeküchen der Arbeitsgruppen und fördern so den kommunikativen Austausch. Die großformatigen Öffnungen zu angrenzenden Arbeitsbereichen erscheinen nicht sinnvoll. Die geforderte schwingungsarme Nutzung kann gut mit dem vorgeschlagenen Lösungsansatz umgesetzt werden.
Aus statischer Sicht müssten allerdings die Deckenstärken erhöht werden. Nicht optimal ist die Lage des e-beam-Systems über dem Eingang. Die Materialität der Fassade entspricht den Vorgaben des Masterplans. Die Öffnungen der Nordfassade wirken in Größe und Anordnung zufällig. Kritisch werden dadurch die ausreichende Belichtung der dahinter liegenden Arbeitsplätze, aber auch der Charakter des Gebäudes am repräsentativen Zugang zum Hermann-von-Helmholtz-Bau. (…) Trotz struktureller Klarheit vermag die gestalterische Ausprägung des Entwurfs nicht gänzlich zu überzeugen. Dies gilt insbesondere für das Zusammenspiel der vier Fassaden.
Die PTB ist das metrologische Staatsinstitut der Bundesrepublik Deutschland. Sie nimmt gesetzliche Aufgaben wahr wie die Darstellung und Bewahrung physikalischer Einheiten und die Prüfung von Messgeräten.
So müssen zum Beispiel die Fachbereiche 7.2 – Kryophysik und Spektrometrie und 7.4 – Temperatur der PTB jederzeit die nationale Temperaturskala der Bundesrepublik Deutschland realisieren, weitergeben, und deren Genauigkeit entsprechend der industriellen Anforderungen verbessern. Emittierende Infrastruktur von Trafoanlagen und ähnlichem wird zukünftig mit Errichtung des Technikums an der Guerickestraße konzentriert sein.
Die Arbeiten am Tieftemperaturbereich werden an der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Berlin derzeit im 1911 errichteten Warburgbau durchgeführt. Der Warburgbau weist jedoch erhebliche konstruktive, funktionale und brandschutztechnische Mängel auf.
Im Rahmen der Masterplankonzeption für die PTB von 2009 wurde der zukünftige Walther-Meißner-Bau als Temperaturlabor vorgesehen und von den Störfaktoren, die derzeit im Warburgbau vorherrschen, entlastet. Der Walther-Meißner-Bau soll so Labor-, Mess- und Reinräume für höchst genaue Messungen der Temperatur und für Forschungsarbeiten rund um supraleitende Sensorik bieten. Für diese High-Tech-Aufgaben wird das Gebäude mit besonders hochwertiger Bau- und Gebäudetechnik versehen. Durch diese Rahmenbedingungen sollen die Messbedingungen im Neubau erheblich verbessert werden, um ein Vordringen in den Nano-Kelvin-Bereich zukünftig zu ermöglichen.
Der Wettbewerb für Architekten wurde am 14.01.2014 ausgelobt gemäß der VOF 2009 und den Richtlinien für Planungswettbewerbe (RPW 2013). In einem vorgeschalteten offenen Bewerberverfahren wurden 19 Wettbewerbsteams ausgewählt.
Referat A2 – Projektentwicklung, Wettbewerbe, Zuwendungsbau,
Landschafts- und Innenarchitektur, Kunst am Bau
Straße des 17. Juni 112
10623 Berlin
Tel.: +49 30 18401-9202
Fax: +49 30 18401-9209
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