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Walther-Meißner-Bau

Neubau eines Tieftemperaturlabors für die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB)

Neubau Walther-Meißner-Bau, 3D-Modell, Blick von Süs-OstNeubau Walther-Meißner-Bau, 3D-Modell, Blick von Süd-Ost Quelle: Rohdecan Architekten GmbH

Nutzung / NutzerPhysikalisch-Technische Bundesanstalt Berlin
AdresseAbbestraße 2-12, 10587 Berlin
ArchitektRohdecan Architekten GmbH, Dresden
ProjektleitungBundesamt für Bauwesen und Raumordnung, Referat V6
Gesamtkosten*rund 37 Millionen Euro
Wettbewerb und Ergebnisse 2014: nichtoffener Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem offenen Bewerberverfahren
Baubeginn / Fertigstellung September 2017 / 2020
Bruttogrundflächerund 6.560 Quadratmeter
Nutzflächerund 2.880 Quadratmeter

*Stand der haushaltsrechtlich anerkannten Kosten einschließlich der Honorare. Aufschläge für allgemeine Risiken und zwischenzeitliche Preisindexsteigerungen sind nicht enthalten.

Das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung plant für die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) am Standort Fraunhoferstraße/ Abbestraße in Berlin-Charlottenburg den Neubau eines Tieftemperaturlabors, den Walther-Meissner-Bau. Baubeginn ist im September 2017, geplante Fertigstellung und Übergabe an die Nutzerin im Jahr 2020.

Nutzung

Im zukünftigen Walther-Meißner-Bau werden Mitarbeiter zweier Fachbereiche der PTB Forschungs-, Entwicklungs- und Kalibrierarbeiten auf dem Gebiet der Thermometrie und Messtechnik in einem Temperaturbereich von 0°C bis in die Nähe des absoluten Nullpunkts bei zirka -273°C durchführen. Dabei kommen komplexe Kryo-Anlagen und Diagnoseeinrichtungen zum Einsatz. Für deren Betrieb sind kryogene Flüssigkeiten, Hochvakuum-Systeme, hochreine Gase, hochfrequenzgeschirmte Messkabinen und im Besonderen eine schwingungsoptimierte Bauweise des Gebäudes erforderlich.

Neben den erforderlichen Büro-, Labor- und Messräumen (teilweise mehrgeschossig) sind ein Grau- und Reinraumbereich mit einer Halbleiterlithographie im 2. Obergeschoss sowie ein auch für externe Besucher zugänglicher Seminar- und Vortragsraum im 1. Obergeschoss als besondere Merkmale hervorzuheben. Das Gebäude ist mit einem Untergeschoss, Erdgeschoss und drei Obergeschossen geplant. Die Außenabmessungen betragen 48,7 x 27,2 Meter, die Höhe zirka 18,35 Meter über Gelände. Das Gebäude wird mittels Bodenplatte flach gegründet. Zur Trockenhaltung der Baugrube während der Herstellung des Untergeschosses ist eine Trogbaugrube mit einer Tiefe von etwa 5,30 Meter und einzelnen Vertiefungen bis 6,20 Meter erforderlich.

Städtebau und Baukörper

Der Neubau gliedert sich in das PTB-Gelände gemäß dem Masterplanentwurf von 2009 als ergänzender Baustein des Campus ein und nimmt mit seiner Ausrichtung die Fluchten der Abbestraße sowie der Nachbarbebauung auf. Die viergeschossige Ausbildung des Walther-Meißner-Baus vermittelt zwischen den geringen Gebäudehöhen des gegenüberliegenden Gästehauses und Hermann-von-Helmholtz-Baus sowie dem höheren Wilhelm-Förster-Bau. Die Fassadengestaltung mittels einer differenzierten Ziegelfassade unterstützt das Vorhaben, sich in das Umfeld auf dem Campus einzugliedern. Die bestehende Zaunanlage auf der Ost- und Südseite des Grundstücks wird zurückgebaut und in neuer, zeitgemäßer Art wieder aufgebaut.

Konstruktion

Bei der statischen Auslegung der Bauteile wurde höchste Priorität auf die Umsetzung der Schwingungsanforderungen gesetzt, um der PTB ein baulich optimales Arbeitsumfeld zur Verfügung zu stellen. Das Gebäude wird aus diesem Grunde als schwingungsarmer Massivbau ausgeführt.

Die Deckenstärken sowie die Stärke der Bodenplatte sind entsprechend den Anforderungen massiv dimensioniert. Sowohl die Außenwände als auch die inneren Längs- und Querwände sind grundsätzlich tragend ausgeführt und stellen damit die erforderliche hohe Steifigkeit in horizontaler Richtung sicher. Erhöhte schwingungstechnische Anforderungen an Räume (zum Beispiel im Reinraumbereich) können durch die gewählte Ausbildung ohne zusätzliche konstruktive Maßnahmen erfüllt werden.

Fassade

Die Fassade des Walther-Meißner-Baus ist als Vormauerschale aus Ziegelsteinen konzipiert und nimmt mit ihren ausgeprägten Deckenbändern Bezug auf die Horizontalität der Gesimse der historischen Nachbargebäude auf dem Campus. Die im Läuferverband flächig gemauerten Deckenbänder stehen geringfügig vor und bilden die unterschiedlichen Geschosshöhen ab.

Dazwischen sind auf einem Grundraster aus schmalen und breiten Elementen die Öffnungen und Wandscheiben jeweils in zwei verschiedenen Ausprägungen angeordnet. Die Wandscheiben sind streifenförmig abgesetzt und unterscheiden sich neben ihrer Breite auch in Farbton, Tiefe und Oberflächenstruktur. Die Fensteröffnungen folgen dieser Analogie und sind entweder als einteiliges Element mit vorgesetzten feststehenden Streckmetallelementen oder als zweiteiliges Element mit zusätzlicher seitlicher Festverglasung ausgebildet. Anhand dieser Anordnung können die Büro- und Kommunikationsbereiche am mittlerem Öffnungsanteil, die Laborbereiche am geringen Öffnungsanteil, die Lüftungszentrale ohne Öffnungsanteil abgelesen werden.

Bereiche mit besonderen Funktionen wie Eingangsbereich, Seminarraum und Kommunikationsbereich vor dem Seminarraum werden mit großformatigen Öffnungen abgebildet.

Haustechnik

Die Nutzungsanforderungen im Gebäude machen die Ausbildung von zwei technischen Hauptzentralen erforderlich. Die Lüftungszentrale im 3.Obergeschoss ist mit direkter Anbindung an den Grau- und Reinraumbereich angeordnet um die hohen Anforderungen sowie den großen Luftmengenbedarf sicherstellen zu können. Die allgemeine Lüftungszentrale für alle anderen Bereiche des Gebäudes befindet sich zentral im Untergeschoss. In diesem ist der Neubau an den unterirdischen Medientunnel angebunden, welcher vom nördlich gelegenen Technikum angedient wird.

Die mittlere Funktionsspange des Obergeschosses wird durch einen zentralen, vertikalen Installationsschacht versorgt, der in Größe dem Bedarf der anliegenden Räume entspricht. Weitere Installationsschächte befinden sich jeweils in der Reinraum- und Bürospange des Dreibundes, sodass jede Spange über einen räumlich direkt erreichbaren Installationsschacht
angedient wird. Die Installationsführung in den Laboren und Lagern erfolgt offen; für den Grau- und Reinraumbereich ist fassadenseitig eine vorgelagerte Funktionszone zur Installationsführung vorgesehen.

Die Objektplanung Gebäude, Tragwerksplanung und Technische Gebäudeausrüstung wird als BIM-Pilotprojekt geplant. Für das gemeinsame 3D-Modell der Planer wurde ein verbindliches Austauschformat (ifc) festgelegt. Die 3D-Planung und Kollisionsprüfung dient der Qualitätssicherung in hochinstallierten Bereichen.

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