Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung

Ergebnis des Wettbewerbs

  • Status ??????
  • Veröffentlichung 12.10.2009

1. Preis: Ulrich Brüschke, Nürnberg
Sonderfachleute: Dr.-Ing. Swibert Greiner, Ayhan Onay


"0 Grad Breite" – Der Titel der Arbeit steht "für Ferne, für exotische Länder und fremde Kulturen. Er meint auch den Äquator, von dem aus alle Längengrade die gleiche Distanz beschreiben".

Für den Bereich der Terrassen und Höfe werden auf unterschiedlicher Höhe zwei 22 Meter hohe künstliche Palmen mit grünem Stamm und grüner Krone vorgeschlagen, die die architektonische Situation wie einen Bühnenraum bespielen. Auf der Terrasse sind die "radialen Flachwurzeln" der Palme sichtbar. "Der Grad des Realismus soll auf der Kippe bleiben, eine Kulisse, die auf Distanz funktioniert und bei näherer Betrachtung deutlich werden lässt, worum es sich im Detail handelt. Gleich einem getarnten Funkmast in Form einer Palme." Bei Dunkelheit soll ein von innen fluoreszierendes Licht die Künstlichkeit der Objekte verstärken und einen deutlichen Akzent setzen.

Der Stamm kann aus Schleuderbeton, Stahl oder Holz hergestellt werden. Die Krone soll aus flexiblem Kunststoff-Material (Palm-Fronds) mit kleinteiligen, spiegelnden Reflektoren gefertigt werden.

Beurteilung durch das Preisgericht
"0 Grad Breite" nimmt die gegebene architektonische Situation der Terrassen als Bühnenraum wahr, indem zwei  Palmen vor der strengen Rasterfassade des Bundesnachrichtendienst platziert werden, die die vorgesehenen Pflanzungen der Gartenarchitektur weithin sichtbar überragen. Das Versprechen von Exotik und Fremdheit anderer Länder wird oberflächlich suggeriert, was auf dem zweiten Blick nicht eingehalten wird, da sie bewusst künstlich und konstruiert wirken sollen. Trotzdem geben die Palmen dem Gebäude eine seltsame Ortlosigkeit, die irgendwo im Niemandsland zwischen Wüste und Shopping Mall Momente der Verschiebung und Dislozierung schafft.
Artifizielle, künstliche und tatsächliche Natur werden auf irritierende Weise ins Verhältnis gebracht. Zunächst eher unauffällig eingesetzt, fallen dann doch die künstlichen Materialien ins Auge. Wenngleich die Idee, wie der Verfasser vorgibt, realen als Palmen getarnte Funkmasten entlehnt ist, ist die Konstruktion hier grober, konstruierter und kulissenhafter.
Die räumliche Fernwirkung, Leichtigkeit und Höhe der Palmen setzen einen starken Kontrapunkt zur Strenge und Monumentalität der Fassade. Die getarnten Palmen stehen zwischen Architektur und dem angrenzenden Pankepark und werden von der Jury konzeptionell als hervorragende Ergänzung oder Klammer zur künstlerischen Lösung der zentralen Auffahrt im vorderen straßenseitigen Bereich des Bundesnachrichtendienstes (BND) gesehen. Auch die Idee der vorgeschlagenen nächtlichen Beleuchtung hat die Jury überzeugt.


2. Preis: Alexander Laner, München
Berater: Stefan Hering

"Arbeitstitel Agenten" - Auf den vier Terrassen zum Pankepark sollen an statischen Türmen beziehungsweise Masten aus Stahlgitterkonstruktionen stilisierte Parabolantennen installiert werden, welche über zwei Achsen beweglich, von Elektromotoren angetrieben und einzeln ansteuerbar sind. Dabei entsteht eine Komposition der Bewegungen, gleich einer Choreographie. Die Antennen werden personalisiert und zu einem Gegenüber mit menschlichen Zügen.

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Arbeit "Agenten" choreographiert auf faszinierende Art vier Stahlgitterkonstruktionen mit Parabolantennen. Wie eine Theaterbühne nutzen die vier aufragenden Antennenskulpturen das weite Feld vor der Rückfassade des Neubaus des BND. Aus den konstruktiven, stählernen Gebilden werden durch ihre teils synchronisierten, teils gegenläufigen Bewegungen, Charaktere, die miteinander zu kommunizieren oder auch Ereignissen der Umgebung zu verfolgen scheinen. Als Skulptur löst sich die vierteilige Arbeit von der klassischen Monumentalskulptur und wird zu einem Schauspiel, das auf eine freie, spielerische Art die Passanten im Pankepark verblüffen würde. Gleichwohl wird sie mit dem unmittelbar lesbaren Thema Sender oder Empfänger von Informationen auch zum Symbol für den "Dienst", das heißt den Bundesnachrichtendienst werden. Bemängelt wurde, dass Passanten die Konstruktionen missverstehen könnten und die Bewegungen für die Mitarbeiter des BND, die diesem Synchrontheater dauerhaft ausgesetzt seien, tendenziell stören könnten. Dennoch wurde aber die ungewöhnliche, innovative Idee üblicher skulpturaler Lösungen hervorgehoben und den Agenten der zweite Platz zugesprochen.


3. Preis: Holger Beisitzer, Berlin
Berater: Karl Heinz Urban, Daniel Michalker, Christoph Rödig


"Die Dynamik der Schwerkraft" – Vorgeschlagen wird ein um 5 Grad zur Seite geneigter Turm mit einer Grundfläche von 6,75 mal 6,75 Meter, der das Raster, die Materialen und die Höhe des Hauptgebäudes aufnimmt. Im Gegensatz zum Hauptgebäude sollen die Fassade, insbesondere die Konstruktion und die Fenster vereinfacht ausgeführt werden. Die Arbeit will der Architektur ein dynamisches Element hinzufügen, welches "der statischen Architektur etwas Lebendiges verleiht".

Beurteilung durch das Preisgericht

"Die Dynamik der Schwerkraft"  - In Analogie zur Architektur steht ein bedenklich geneigter Turm vor dem mächtigen Bau des BND. Er nimmt die Strenge der symmetrischen und rechtwinklig gestalteten Fassade auf, neigt sich allerdings so bedrohlich, dass der Eindruck der Instabilität und des drohenden Fallens assoziiert wird. Die beim Betrachter entstehende Symbolik könnte vom schiefen Turm zu Pisa bis zu den Twin-Towers in New York reichen und wird in diesen möglichen positiven und negativen Deutungen von der Jury sehr kontrovers diskutiert. In seiner monumentalen Form und Gestalt hat er das Potenzial eines Wiedererkennungszeichens für das Gebäude und nähme ihm mit seiner "eingefrorenen" Dynamik sogar etwas von der unverrückbaren Statik und Gleichförmigkeit. Ob sich diese Idee allerdings über einen langen Zeitraum bewähre, wird kontrovers gesehen. Gewisse Zweifel, an einer überzeugenden Realisierung im vorgegebenen Kostenrahmen können in der Diskussion nicht ausgeräumt werden.

Weitere Teilnehmer der 2. Phase

  • Via Lewandowsky, Berlin; Berater: Firma Zumthobel, Firma Lichtbau
  • Andreij Herzog, München; Mitarbeiter: Angelika Hagen
  • Andreas Lorenschat, Karlsruhe; Mitarbeiter: jjoo design- J. Marmon & J. Müller
  • Benjamin Bergmann, München
  • Daniela Waitzmann, Pliezhausen; Mitarbeiter: U. Klaila, Berater: B. Wilhelm, K.Sytthus, A. Bernhard
  • Wolfgang Weileder, UK Newcastle; Berater: Martin Wellnhofer
  • Alexander Rogl, Regensburg

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