Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung

Bauprojekt Deutscher Bundestag – Schadowstraße 4

Rückbau von Bestandsgebäuden und Neubau eines Büro- und Verwaltungsgebäudes

Die Grafik zeigt ein sechsgeschossiges Bürogebäude in städtischer Umgebung. Neubau Dorotheenstraße 85 / Schadowstraße 4-6 Der Wettbewerbsentwurf von CODE UNIQUE Architekten wurde im Wettbewerb für die Schadowstraße 4 mit dem 1. Preis ausgezeichnet.

Projektdaten

  • Nutzer Deutscher Bundestag
  • Adresse Schadowstraße 4, 10117 Berlin, Deutschland
  • Architektur CODE UNIQUE Architekten BDA, Dresden
  • Landschafts­architektur Tremp Landschaftsarchitekten, Zürich
  • Wettbewerb 2014, nichtoffener Realisierungswettbewerb (Architektur), offener einphasiger Realisierungswettbewerb (Freianlagen)
  • Projektleitung Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, Referat BB I 5
  • Gesamtkosten rund 131 Millionen Euro
  • Baubeginn 2017 (Beginn Abbrucharbeiten)
  • Fertigstellung geplant 2026
  • Brutto-Grundfläche rund 23.500 Quadratmeter
  • Nutzungsfläche rund 11.400 Quadratmeter

Projektbeschreibung

Unter der Leitung des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (BBR) – Referat BB I 5 – wird auf dem Eckgrundstück Schadowstraße / Dorotheenstraße in Berlin-Mitte ein Neubau für den Deutschen Bundestag errichtet. Seit dem 2019 abgeschlossenen Rückbau der bisherigen Bebauung entsteht ein neues Verwaltungsgebäude, in dem neben mehr als 300 Büros unter anderem auch eine Kantine mit Cafeteria sowie eine betriebsärztliche Praxis untergebracht werden. Zudem entsteht als Teilprojekt die sogenannte SHEZ – eine unterirdische Energiezentrale, über die mehrere Liegenschaften des Deutschen Bundestags mit Strom versorgt werden sollen – in direktem baulichen Zusammenhang mit dem Projekt.

Die Liegenschaft für dieses Bauprojekt befindet sich in der historischen Dorotheenstadt im Berliner Bezirk Mitte als nordöstliche Eckbebauung des Stadtblockes Wilhelmstraße, Dorotheenstraße, Schadowstraße und Unter den Linden. Sie wird von zwei bedeutenden Baudenkmälern eingefasst:

  • in der Dorotheenstraße 93 von dem 1933–37 von Konrad Nonn erbauten ehemaligen Reichsministerium des Innern und späteren Justizministerium der DDR sowie
  • in der Schadowstraße 10–11 von dem ältesten erhaltenen klassizistischen Gebäude in der Dorotheenstadt, dem 1805 erbauten Schadowhaus – dem Wohn- und Atelierhaus des preußischen Hofbildhauermeisters Johann Gottfried Schadow.

Bisher befand sich auf dem Grundstück ein Fertigteilbau aus DDR-Zeiten des Konstruktionssystems „SK Berlin 1972“, wobei SK für Skelettbauweise steht. Dieser wurde von 1973 bis 1974 als Verwaltungsgebäude für ausländische Vertretungen vom Architekten Roland Korn erbaut. Das sechsgeschossige Bürogebäude war unterkellert und der gesamte Innenhof mit einer eingeschossigen Tiefgarage überbaut. Das Gebäude wurde nach der Wende als Bürogebäude für verschiedene Behörden des Bundes und des Landes Berlin genutzt.

Projektverlauf

Konzept für den Neubau

In dem 2014 ausgelobten Architektenwettbewerb für die neue Bebauung des Eckgrundstücks Schadowstraße / Dorotheenstraße konnte sich das Dresdener Büro CODE UNIQUE Architekten mit seinem Entwurf durchsetzen. Das Preisgericht hob in seinen Erläuterungen zu der einstimmigen Entscheidung insbesondere den respektvollen Umgang mit den an den Neubau angrenzenden denkmalgeschützten Gebäuden, die logische Gliederung und die Schaffung eines großen, gut nutzbaren Innenhofes hervor.

Abbruch der Bestandsgebäude

Zum Ende des Jahres 2017 wurden die Vorbereitungen für den Abbruch des Bestandsgebäudes aus der DDR-Zeit getroffen. Der oberirdische Abbruch wurde Mitte 2019 abgeschlossen.

Spezialtiefbau und Rohbau

An den Rückbau des Bestandsgebäudes schlossen sich im Sommer 2019 nahtlos die Spezialtiefbauarbeiten an. Für die Errichtung der Untergeschosse wurde die Baugrube aufgrund des anstehenden Grundwassers als wasserdichter Trog hergestellt. Im Sommer 2020 wurde mit dem Rohbau begonnen, im Sommer 2022 konnte Richtfest gefeiert werden.

Baugrube Schadowstraße 4

Bild / Video 1 von 3

Die Fotografie zeigt eine große Baugrube, an die sich im Hintergrund fünfstöckige Gebäude mit hellgrauer Fassade anschließen. Hinter der Baugrube stehen zwei Bagger. Baugrube Schadowstraße 4 Die vorbereitete Baugrube – hier im Juni 2020 – lässt die großen Dimensionen des Neubauprojekts erahnen.

Nächste Schritte: Ausbau

Am 27. September 2022 wurden die Fortschritte auf der Baustelle und der Abschluss der Rohbauarbeiten mit einem Richtfest gefeiert. In Kürze beginnen die Montage der Fassade und die Dachabdichtungsarbeiten. Die bauliche Fertigstellung ist für 2025 geplant.

Projektdetails

Entwurf

Der städtebauliche Entwurf von CODE UNIQUE Architekten orientiert sich in der Dorotheenstraße sowohl an der Bauflucht als auch in der Traufhöhe am ursprünglichen Bestand und dem Eckgebäude an der Dorotheenstraße / Wilhelmstraße. In der Schadowstraße wird auf das historische Schadowhaus mit einem seitlichen Abstand und einer differenzierten Höhenabwicklung reagiert – die Bauflucht des Schadowhauses wird mit einem fünfgeschossigen Neubauteil aufgenommen, um dann im Bereich der Ecke Dorotheenstraße auf die durchgehende sechsgeschossige Flucht des Gesamtgebäudes zurückzuspringen. Dadurch entsteht in der Schadowstraße ein Vorplatz, welcher die Lage des Haupteingangs unterstreicht. An der Brandwand des Schadowhauses wird ein neuer sechsgeschossiger Seitenflügel errichtet, der den Innenhof mit einer weiteren Bürofassade fasst.

Nutzungsstruktur

Der Neubau ist über eine Pforte mit Personenschleuse direkt vom Vorplatz in der Schadowstraße zugänglich. Das zentrale Foyer erschließt die Kantine mit Cafeteria und die Arztpraxis des Betriebsärztlichen Dienstes. Die Büros und Besprechungsräume der Obergeschosse sind vom Foyer aus über Aufzüge und eine große Treppenanlage im Atrium zu erreichen. In den am Atrium gelegenen Kommunikationszonen werden vom 1. bis zum 5. Obergeschoss Kunst-am-Bau-Werke ihren Platz finden. Die Büroräume in den beiden Straßenflügeln sind als dreibündige Anlage angeordnet, um den Anteil tagesbelichteter Nutzungsfläche bestmöglich auszunutzen. Das einheitliche Büroraster von 3,75 Metern gewährleistet die hohe Flexibilität, die der Deutsche Bundestag als Nutzer benötigt.

Fassade

Die Fassade ist im Entwurf für den Neubau in die drei Bereiche Sockel (Erdgeschoss), Regelgeschosse (1. bis 5. Obergeschoss) und Staffelgeschoss gegliedert. Das Erdgeschoss mit seinen zentralen Nutzungen wirkt durch seine größtenteils raumhohe Verglasung sehr offen und transparent und erlaubt Durchblicke in den begrünten Innenhof. Die Künstlerin Sabine Hornig, die mit ihrem Entwurf 2017 den hierfür ausgelobten Kunst-am-Bau-Wettbewerb für sich entscheiden konnte, wird die Pfosten-Riegel-Fassade im Bereich von Cafeteria und Kantine künstlerisch ausgestalten. Die Fassade der Obergeschosse mit den Büroräumen orientiert sich an der ruhigen und homogenen Fassadengliederung des Vorgängerbaus. Sie wird durch eine plastisch ausgebildete Doppelfensterkonstruktion als Kastenfenster neu interpretiert.

Konstruktion

Der Neubau ist als Stahlbetonskelettbau mit Stützen, Stahlbetonflachdecken und aussteifenden Stahlbetonwänden und -kernen konzipiert. Er gründet auf einer fugenlosen Bodenplatte. Entsprechend den einwirkenden Lasten wurde diese in Teilbereichen verdickt ausgeführt. Bodenplatte und Kelleraußenwände wurden als sogenannte WU-Konstruktion ausgeführt. Das heißt konkret, dass für diese Bereiche wasserundurchlässiger Beton zum Einsatz gekommen ist. Wegen des heterogenen Baugrundes mit teils wenig bis nicht tragfähigen Auffüllungen und einer quer über das Baugrundstück verlaufenden organischen Rinne haben die angrenzenden Bestandsbauten differenzierte Gründungen wie Flach-/Pfahlgründung oder Einzelfundamente, die bei der Ausführung des Neubaus berücksichtigt werden mussten: Es galt daher beim Abbruch, bei der Herstellung der Baugrube und bei der Gründung des Neubaus, Setzungen und Erschütterungen aus der Bautätigkeit auf ein Minimum zu reduzieren.

Energiezentrale

2016 wurde beschlossen, den Bau einer Energiezentrale mit rund 2.500 weiteren Quadratmetern Brutto-Grundfläche in das Bauvorhaben zu integrieren. Die Energiezentrale stellt ein eigenständiges Projekt dar, das aber planerisch eng mit dem Büro- und Verwaltungsneubau zu koordinieren ist und parallel durchgeführt wird. Sie wird elf Liegenschaften des Deutschen Bundestages als Verteiler für die Allgemeine Stromversorgung dienen und ist in der Lage, bei Störung der externen Versorgung, selbst Strom zu erzeugen. Die unterirdisch platzierte Energiezentrale wird im Hofbereich lediglich durch ein eingeschossiges Zugangsbauwerk sichtbar sein.

Freianlagen

Die Hofeinfahrt für die Anlieferung von Küche und Verwaltung sowie die rückseitige Vorfahrt für Fahrdienste des Deutschen Bundestages wird sich beim Neubau wie schon beim Bestandsgebäude in der Dorotheenstraße befinden. Für die Gestaltung des großzügigen Innenhofes wurde ein offener Wettbewerb für Freianlagen durchgeführt, aus dem das Schweizer Büro Tremp Landschaftsarchitekten im September 2016 als 1. Preisträger hervorging. Das Freiraumkonzept sieht grüne Inseln mit einer Bepflanzung aus Traubeneichen und Kiefern sowie waldtypischem Untergehölz vor.

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