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Rückbau von Bestandsgebäuden und Neubau eines Büro- und Verwaltungsgebäudes
Der Wettbewerbsentwurf von CODE UNIQUE Architekten wurde im Wettbewerb für die Schadowstraße 4 mit dem 1. Preis ausgezeichnet.
Unter der Leitung des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (BBR) – Referat BB I 5 – wird auf dem Eckgrundstück Schadowstraße / Dorotheenstraße in Berlin-Mitte ein Neubau für den Deutschen Bundestag errichtet. Seit dem 2019 abgeschlossenen Rückbau der bisherigen Bebauung entsteht ein neues Verwaltungsgebäude, in dem neben mehr als 300 Büros unter anderem auch eine Kantine mit Cafeteria sowie eine betriebsärztliche Praxis untergebracht werden. Zudem entsteht als Teilprojekt die sogenannte SHEZ – eine unterirdische Energiezentrale, über die mehrere Liegenschaften des Deutschen Bundestags mit Strom versorgt werden sollen – in direktem baulichen Zusammenhang mit dem Projekt.
Die Liegenschaft für dieses Bauprojekt befindet sich in der historischen Dorotheenstadt im Berliner Bezirk Mitte als nordöstliche Eckbebauung des Stadtblockes Wilhelmstraße, Dorotheenstraße, Schadowstraße und Unter den Linden. Sie wird von zwei bedeutenden Baudenkmälern eingefasst:
Bisher befand sich auf dem Grundstück ein Fertigteilbau aus DDR-Zeiten des Konstruktionssystems „SK Berlin 1972“, wobei SK für Skelettbauweise steht. Dieser wurde von 1973 bis 1974 als Verwaltungsgebäude für ausländische Vertretungen vom Architekten Roland Korn erbaut. Das sechsgeschossige Bürogebäude war unterkellert und der gesamte Innenhof mit einer eingeschossigen Tiefgarage überbaut. Das Gebäude wurde nach der Wende als Bürogebäude für verschiedene Behörden des Bundes und des Landes Berlin genutzt.
Konzept für den Neubau
In dem 2014 ausgelobten Architektenwettbewerb für die neue Bebauung des Eckgrundstücks Schadowstraße / Dorotheenstraße konnte sich das Dresdener Büro CODE UNIQUE Architekten mit seinem Entwurf durchsetzen. Das Preisgericht hob in seinen Erläuterungen zu der einstimmigen Entscheidung insbesondere den respektvollen Umgang mit den an den Neubau angrenzenden denkmalgeschützten Gebäuden, die logische Gliederung und die Schaffung eines großen, gut nutzbaren Innenhofes hervor.
Abbruch der Bestandsgebäude
Zum Ende des Jahres 2017 wurden die Vorbereitungen für den Abbruch des Bestandsgebäudes aus der DDR-Zeit getroffen. Der oberirdische Abbruch wurde Mitte 2019 abgeschlossen.
Im Zuge der Rückbaumaßnahmen wurde in dem Innenhof der Liegenschaft in der Schadowstraße 4 auch die alte Tiefgarage abgebrochen.
Spezialtiefbau und Rohbau
An den Rückbau des Bestandsgebäudes schlossen sich im Sommer 2019 nahtlos die Spezialtiefbauarbeiten an. Für die Errichtung der Untergeschosse wurde die Baugrube aufgrund des anstehenden Grundwassers als wasserdichter Trog hergestellt. Im Sommer 2020 wurde mit dem Rohbau begonnen, im Sommer 2022 konnte Richtfest gefeiert werden.
Nächste Schritte: Ausbau
Neben Bauleuten und weiteren Beteiligten feierten Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Kubicki, BBR-Projektleiterin Anja Krichbaum-Nölken, BBR-Präsidentin Petra Wesseler, Architekt Martin Boden-Peroche und der Parlamentarische Staatssekretär Sören Bartol (v. l. n. r.) den Meilenstein auf der Baustelle.
Am 27. September 2022 wurden die Fortschritte auf der Baustelle und der Abschluss der Rohbauarbeiten mit einem Richtfest gefeiert. In Kürze beginnen die Montage der Fassade und die Dachabdichtungsarbeiten. Die bauliche Fertigstellung ist für 2025 geplant.
Entwurf
Der Siegerentwurf des Wettbewerbs für die Schadowstraße 4 fügt sich in das städtebauliche Gesamtbild ein.
Der städtebauliche Entwurf von CODE UNIQUE Architekten orientiert sich in der Dorotheenstraße sowohl an der Bauflucht als auch in der Traufhöhe am ursprünglichen Bestand und dem Eckgebäude an der Dorotheenstraße / Wilhelmstraße. In der Schadowstraße wird auf das historische Schadowhaus mit einem seitlichen Abstand und einer differenzierten Höhenabwicklung reagiert – die Bauflucht des Schadowhauses wird mit einem fünfgeschossigen Neubauteil aufgenommen, um dann im Bereich der Ecke Dorotheenstraße auf die durchgehende sechsgeschossige Flucht des Gesamtgebäudes zurückzuspringen. Dadurch entsteht in der Schadowstraße ein Vorplatz, welcher die Lage des Haupteingangs unterstreicht. An der Brandwand des Schadowhauses wird ein neuer sechsgeschossiger Seitenflügel errichtet, der den Innenhof mit einer weiteren Bürofassade fasst.
Nutzungsstruktur
Der Neubau ist über eine Pforte mit Personenschleuse direkt vom Vorplatz in der Schadowstraße zugänglich. Das zentrale Foyer erschließt die Kantine mit Cafeteria und die Arztpraxis des Betriebsärztlichen Dienstes. Die Büros und Besprechungsräume der Obergeschosse sind vom Foyer aus über Aufzüge und eine große Treppenanlage im Atrium zu erreichen. In den am Atrium gelegenen Kommunikationszonen werden vom 1. bis zum 5. Obergeschoss Kunst-am-Bau-Werke ihren Platz finden. Die Büroräume in den beiden Straßenflügeln sind als dreibündige Anlage angeordnet, um den Anteil tagesbelichteter Nutzungsfläche bestmöglich auszunutzen. Das einheitliche Büroraster von 3,75 Metern gewährleistet die hohe Flexibilität, die der Deutsche Bundestag als Nutzer benötigt.
Fassade
Die Fassade ist im Entwurf für den Neubau in die drei Bereiche Sockel (Erdgeschoss), Regelgeschosse (1. bis 5. Obergeschoss) und Staffelgeschoss gegliedert. Das Erdgeschoss mit seinen zentralen Nutzungen wirkt durch seine größtenteils raumhohe Verglasung sehr offen und transparent und erlaubt Durchblicke in den begrünten Innenhof. Die Künstlerin Sabine Hornig, die mit ihrem Entwurf 2017 den hierfür ausgelobten Kunst-am-Bau-Wettbewerb für sich entscheiden konnte, wird die Pfosten-Riegel-Fassade im Bereich von Cafeteria und Kantine künstlerisch ausgestalten. Die Fassade der Obergeschosse mit den Büroräumen orientiert sich an der ruhigen und homogenen Fassadengliederung des Vorgängerbaus. Sie wird durch eine plastisch ausgebildete Doppelfensterkonstruktion als Kastenfenster neu interpretiert.
Konstruktion
Der Neubau ist als Stahlbetonskelettbau mit Stützen, Stahlbetonflachdecken und aussteifenden Stahlbetonwänden und -kernen konzipiert. Er gründet auf einer fugenlosen Bodenplatte. Entsprechend den einwirkenden Lasten wurde diese in Teilbereichen verdickt ausgeführt. Bodenplatte und Kelleraußenwände wurden als sogenannte WU-Konstruktion ausgeführt. Das heißt konkret, dass für diese Bereiche wasserundurchlässiger Beton zum Einsatz gekommen ist. Wegen des heterogenen Baugrundes mit teils wenig bis nicht tragfähigen Auffüllungen und einer quer über das Baugrundstück verlaufenden organischen Rinne haben die angrenzenden Bestandsbauten differenzierte Gründungen wie Flach-/Pfahlgründung oder Einzelfundamente, die bei der Ausführung des Neubaus berücksichtigt werden mussten: Es galt daher beim Abbruch, bei der Herstellung der Baugrube und bei der Gründung des Neubaus, Setzungen und Erschütterungen aus der Bautätigkeit auf ein Minimum zu reduzieren.
Energiezentrale
2016 wurde beschlossen, den Bau einer Energiezentrale mit rund 2.500 weiteren Quadratmetern Brutto-Grundfläche in das Bauvorhaben zu integrieren. Die Energiezentrale stellt ein eigenständiges Projekt dar, das aber planerisch eng mit dem Büro- und Verwaltungsneubau zu koordinieren ist und parallel durchgeführt wird. Sie wird elf Liegenschaften des Deutschen Bundestages als Verteiler für die Allgemeine Stromversorgung dienen und ist in der Lage, bei Störung der externen Versorgung, selbst Strom zu erzeugen. Die unterirdisch platzierte Energiezentrale wird im Hofbereich lediglich durch ein eingeschossiges Zugangsbauwerk sichtbar sein.
Freianlagen
Der Entwurf des Schweizer Büros Tremp Landschaftsarchitekten ging als Sieger aus dem Wettbewerb für die Gestaltung der Freianlagen hervor.
Die Hofeinfahrt für die Anlieferung von Küche und Verwaltung sowie die rückseitige Vorfahrt für Fahrdienste des Deutschen Bundestages wird sich beim Neubau wie schon beim Bestandsgebäude in der Dorotheenstraße befinden. Für die Gestaltung des großzügigen Innenhofes wurde ein offener Wettbewerb für Freianlagen durchgeführt, aus dem das Schweizer Büro Tremp Landschaftsarchitekten im September 2016 als 1. Preisträger hervorging. Das Freiraumkonzept sieht grüne Inseln mit einer Bepflanzung aus Traubeneichen und Kiefern sowie waldtypischem Untergehölz vor.