Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung

Bauprojekt Deutscher Bundestag – Reichstagsgebäude

Umbau mit neuer Kuppel und Neugestaltung der Außenanlagen

Die Fotografie zeigt ein großes Gebäude mit Glaskuppel und einem Portikus, auf dem der Schriftzug „Dem Deutschen Volke“ zu lesen ist. Frontalansicht des Reichstagsgebäudes Seit seiner Sanierung krönt eine von Foster + Partners entworfene Glaskuppel das Reichstagsgebäude.

Projektdaten

  • Nutzer Deutscher Bundestag
  • Adresse Platz der Republik 1, 11011 Berlin, Deutschland
  • Architektur Foster + Partners Ltd.
  • Projektleitung Bundesbaugesellschaft Berlin
  • Gesamtkosten rund 319 Millionen Euro
  • Baubeginn 1995
  • Fertigstellung 1999
  • Brutto-Grundfläche rund 61.000 Quadratmeter
  • Nutzungsfläche rund 11.000 Quadratmeter

Projektbeschreibung

Das Reichstagsgebäude im Zentrum des neu gestalteten Regierungsviertels ist nach seiner Übergabe an den Deutschen Bundestag im April 1999 zum herausragenden Wahrzeichen der Bundeshauptstadt Berlin geworden.

Den Realisierungswettbewerb für die architektonische Neugestaltung des Reichstagsgebäudes konnte nach einem aufwendigen Auswahlverfahren das Londoner Büro von Lord Norman Foster für sich entscheiden. Foster und sein Team leiteten auch die technisch komplizierten Entkernungsarbeiten im mittleren Gebäudebereich und der Wiederaufbau von 1995 bis 1999.

Projektdetails

Architektonisches Konzept

Architektonisch wurde das Reichstagsgebäude auf die Erfordernisse eines zeitgerechten Arbeitsparlamentes ausgerichtet: Funktional sowie haus- und energietechnisch erfuhr das Gebäude eine grundlegende Erneuerung, jedoch unter der Maßgabe, die ursprüngliche Architektur von Paul Wallot zu respektieren.

Bewusst entschied sich das Planungsteam auch dafür, historische Spuren aus den wechselvollen Epochen des Reichstages zu bewahren. Beispielgebend dafür sind etwa die Sandsteinornamente und Risalite aus der Zeit des Wilhelminismus, im Krieg beschädigte Innenmauern und die kyrillischen Inschriften der russischen Soldaten aus dem Jahre 1945.

Unter Betonung eines Spannungsverhältnisses zwischen historischen Stilformen und innovativer Umwelttechnik entwarfen Foster + Partners ein transparentes, für Abgeordnete und Besucher einladendes Plenargebäude der kurzen Wege. Übersichtlichkeit, Offenheit und Nutzerorientierung waren dabei wesentliche Planungskriterien.

Während das Zentrum des Gebäudes mit dem sich über alle Geschosse erstreckenden Plenarsaal und der Presselobby im 3. Obergeschoss einen „Neubau“ im Altbau darstellt, sind die Nord- und Südflügel im Wesentlichen historischer Bestand. Das architektonische Gesamtkonzept setzt im „Neubaubereich“ auf zeitgenössische Materialien wie Sichtbeton, Glas, Stahl und hellen Naturstein für die Böden. Im Altbaubereich sorgen sanfte Farben für Atmosphäre. Hier fiel die Materialwahl auf einen leicht getönten Jura-Kalkstein als Bodenbelag und auf einen beigefarbenen Sandstein für die Wandverkleidung.

Der insgesamt leichte Eindruck, den das Reichstagsgebäude trotz des wuchtigen Mauerwerkes vermittelt, entsteht außer durch die Wahl heller Materialien und die großflächig gestalteten, lichtdurchfluteten Glaswände insbesondere durch die zentrale Kuppel und ihr integriertes Spiegelsystem.

Weitere ProjektdatenAngaben
umbauter Raumrund 400.000 Kubikmeter
Brutto-Grundflächerund 61.200 Quadratmeter
Gesamthöhe47 Meter
Fläche des Plenarsaalesrund 1.200 Quadratmeter

Die Kuppel des Reichstages

Nach dem Entwurf von Lord Foster und in enger Kooperation mit Fachingenieurinnen und -ingenieuren wurde der umgestaltete Parlamentssitz mit einem ebenso eleganten wie kühnen Dachaufbau gekrönt. Die rund 23,5 Meter hohe und im Durchmesser 40 Meter große Kuppel aus Stahl und Glas dient vor allem der natürlichen Belichtung und Belüftung des Plenarbereiches.

Für die Besucherinnen und Besucher des öffentlich zugänglichen Glasdomes geht jedoch die größte Faszination von den spiralförmigen Wandelgängen im Kuppelinneren aus. Aus über 40 Metern Höhe eröffnet sich ein weiter Ausblick über das städtische Zentrum und zugleich ein freier Einblick ins Innere des Gebäudes.

Die tragenden Teile der Kuppelkonstruktion bestehen aus 24 vertikalen Stahlrippen, die an der Basis auf einem Ringträger ruhen. Die horizontale Versteifung leisten 17 Stahlringe, zwischen denen wiederum 17 schuppenförmig angeordnete Glasreihen mit Scheiben von 24 Millimeter Stärke die einzelnen Kuppelsegmente bilden.

An der Innenseite des Glasgewölbes winden sich – in Form einer Doppelhelix – zwei gegenläufige Wandelrampen empor, auf denen die Besucherinnen und Besucher bis zur Aussichtsplattform im Scheitelpunkt der Kuppel gelangen. Die Vertikalachse des Kuppelinneren beherrscht ein trichterförmiger Lichtreflektor (Konus) mit 360 Einzelspiegeln, die diffuses Tageslicht in den zehn Meter tiefer gelegenen Plenarsaal lenken.

Um direkte Sonneneinstrahlung zu vermeiden, werden die jeweils der Sonne zugewandten Spiegel bei Bedarf durch ein mitfahrendes Sonnenschutzelement verdeckt. Das Element besteht aus einem umlaufenden Stahlrahmen sowie Aluminiumlamellen. Die computergestützte Steuerung für die Ausrichtung des Sonnenschutzelementes gewährleistet, dass die jeweiligen Einstrahlwinkel entsprechend der unterschiedlichen Jahreszeiten berücksichtigt werden.

Bauverlauf

MeilensteinDatum
Beginn des UmbausJuli 1995
Dauer der HochbauarbeitenMärz 1996 bis Juni 1998
Richtfest18. September 1997
InnenausbauMärz 1998 bis April 1999
FertigstellungApril 1999
Schlüsselübergabe19. April 1999

Die Kuppel des Reichstagsgebäudes aus der Ferne

Bild / Video 1 von 4

Die Fotografie zeigt den Portikus eines Gebäudes mit darüberliegender Glaskuppel. Die Kuppel des Reichstagsgebäudes aus der Ferne Die neue Kuppel wurde als Stahlkonstruktion mit über 3.000 Quadratmetern Verglasung gefertigt.

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