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Umbau mit neuer Kuppel und Neugestaltung der Außenanlagen
Seit seiner Sanierung krönt eine von Foster + Partners entworfene Glaskuppel das Reichstagsgebäude.
Das Reichstagsgebäude im Zentrum des neu gestalteten Regierungsviertels ist nach seiner Übergabe an den Deutschen Bundestag im April 1999 zum herausragenden Wahrzeichen der Bundeshauptstadt Berlin geworden.
Den Realisierungswettbewerb für die architektonische Neugestaltung des Reichstagsgebäudes konnte nach einem aufwendigen Auswahlverfahren das Londoner Büro von Lord Norman Foster für sich entscheiden. Foster und sein Team leiteten auch die technisch komplizierten Entkernungsarbeiten im mittleren Gebäudebereich und der Wiederaufbau von 1995 bis 1999.
Architektonisches Konzept
Die Sandsteinmauern im Inneren des Gebäudes blieben teilweise erhalten.
Architektonisch wurde das Reichstagsgebäude auf die Erfordernisse eines zeitgerechten Arbeitsparlamentes ausgerichtet: Funktional sowie haus- und energietechnisch erfuhr das Gebäude eine grundlegende Erneuerung, jedoch unter der Maßgabe, die ursprüngliche Architektur von Paul Wallot zu respektieren.
Bewusst entschied sich das Planungsteam auch dafür, historische Spuren aus den wechselvollen Epochen des Reichstages zu bewahren. Beispielgebend dafür sind etwa die Sandsteinornamente und Risalite aus der Zeit des Wilhelminismus, im Krieg beschädigte Innenmauern und die kyrillischen Inschriften der russischen Soldaten aus dem Jahre 1945.
Unter Betonung eines Spannungsverhältnisses zwischen historischen Stilformen und innovativer Umwelttechnik entwarfen Foster + Partners ein transparentes, für Abgeordnete und Besucher einladendes Plenargebäude der kurzen Wege. Übersichtlichkeit, Offenheit und Nutzerorientierung waren dabei wesentliche Planungskriterien.
Im Plenarsaal des Reichstagsgebäudes tagt der Deutsche Bundestag.
Während das Zentrum des Gebäudes mit dem sich über alle Geschosse erstreckenden Plenarsaal und der Presselobby im 3. Obergeschoss einen „Neubau“ im Altbau darstellt, sind die Nord- und Südflügel im Wesentlichen historischer Bestand. Das architektonische Gesamtkonzept setzt im „Neubaubereich“ auf zeitgenössische Materialien wie Sichtbeton, Glas, Stahl und hellen Naturstein für die Böden. Im Altbaubereich sorgen sanfte Farben für Atmosphäre. Hier fiel die Materialwahl auf einen leicht getönten Jura-Kalkstein als Bodenbelag und auf einen beigefarbenen Sandstein für die Wandverkleidung.
Der insgesamt leichte Eindruck, den das Reichstagsgebäude trotz des wuchtigen Mauerwerkes vermittelt, entsteht außer durch die Wahl heller Materialien und die großflächig gestalteten, lichtdurchfluteten Glaswände insbesondere durch die zentrale Kuppel und ihr integriertes Spiegelsystem.
| Weitere Projektdaten | Angaben |
|---|---|
| umbauter Raum | rund 400.000 Kubikmeter |
| Brutto-Grundfläche | rund 61.200 Quadratmeter |
| Gesamthöhe | 47 Meter |
| Fläche des Plenarsaales | rund 1.200 Quadratmeter |
Die Kuppel des Reichstages
Nach dem Entwurf von Lord Foster und in enger Kooperation mit Fachingenieurinnen und -ingenieuren wurde der umgestaltete Parlamentssitz mit einem ebenso eleganten wie kühnen Dachaufbau gekrönt. Die rund 23,5 Meter hohe und im Durchmesser 40 Meter große Kuppel aus Stahl und Glas dient vor allem der natürlichen Belichtung und Belüftung des Plenarbereiches.
Für die Besucherinnen und Besucher des öffentlich zugänglichen Glasdomes geht jedoch die größte Faszination von den spiralförmigen Wandelgängen im Kuppelinneren aus. Aus über 40 Metern Höhe eröffnet sich ein weiter Ausblick über das städtische Zentrum und zugleich ein freier Einblick ins Innere des Gebäudes.
Die tragenden Teile der Kuppelkonstruktion bestehen aus 24 vertikalen Stahlrippen, die an der Basis auf einem Ringträger ruhen. Die horizontale Versteifung leisten 17 Stahlringe, zwischen denen wiederum 17 schuppenförmig angeordnete Glasreihen mit Scheiben von 24 Millimeter Stärke die einzelnen Kuppelsegmente bilden.
An der Innenseite des Glasgewölbes winden sich – in Form einer Doppelhelix – zwei gegenläufige Wandelrampen empor, auf denen die Besucherinnen und Besucher bis zur Aussichtsplattform im Scheitelpunkt der Kuppel gelangen. Die Vertikalachse des Kuppelinneren beherrscht ein trichterförmiger Lichtreflektor (Konus) mit 360 Einzelspiegeln, die diffuses Tageslicht in den zehn Meter tiefer gelegenen Plenarsaal lenken.
Um direkte Sonneneinstrahlung zu vermeiden, werden die jeweils der Sonne zugewandten Spiegel bei Bedarf durch ein mitfahrendes Sonnenschutzelement verdeckt. Das Element besteht aus einem umlaufenden Stahlrahmen sowie Aluminiumlamellen. Die computergestützte Steuerung für die Ausrichtung des Sonnenschutzelementes gewährleistet, dass die jeweiligen Einstrahlwinkel entsprechend der unterschiedlichen Jahreszeiten berücksichtigt werden.
Bauverlauf
| Meilenstein | Datum |
|---|---|
| Beginn des Umbaus | Juli 1995 |
| Dauer der Hochbauarbeiten | März 1996 bis Juni 1998 |
| Richtfest | 18. September 1997 |
| Innenausbau | März 1998 bis April 1999 |
| Fertigstellung | April 1999 |
| Schlüsselübergabe | 19. April 1999 |