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Neubau
Offene, begrünte Innenhöfe prägen die Südfassade des Paul-Löbe-Hauses. Nach Westen hin ist das Gebäude komplett verglast.
Der Parlamentsneubau wurde zwischen 1997 und 2001 unter der Leitung der Bundesbaugesellschaft Berlin erbaut und nach Paul Löbe, dem letzten demokratischen Reichstagspräsidenten der Weimarer Republik, benannt. Er liegt im Inneren des Berliner Spreebogens.
Das Paul-Löbe-Haus wird auf dem nordöstlichen Spreeufer durch das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus baulich fortgesetzt. Beide Gebäude sind über eine Brücke miteinander verbunden. Sie bilden einen Teil des 1992 von den Architekten Axel Schultes und Charlotte Frank konzipierten „Band des Bundes“, dem städtebaulichen Leitkonzept zur neuen Anordnung von bedeutenden Regierungsbauten entlang der Spree.
Entworfen und geplant hat den zweiteiligen Parlamentskomplex das in München ansässige Büro Stephan Braunfels Architekt. Es war aus dem 1994 ausgelobten Realisierungswettbewerb als 1. Preisträger hervorgegangen.
Gebäudebeschreibung
Das Paul-Löbe-Haus liegt am Ufer des Spreekanals in Berlin-Mitte.
Das Paul-Löbe-Haus dient vorrangig der Unterbringung von Funktionsbereichen, die den Parlamentsbetrieb im nahen Reichstagsgebäude unterstützen. Hierzu zählen 510 Räume für 170 Abgeordnete, 21 Sitzungssäle für Parlamentsausschüsse und etwa 450 Büros für Ausschusssekretariate sowie Restaurants für Abgeordnete, Mitarbeiter und Besucher. Ferner ist hier die zentrale Besucherbetreuung mit acht Seminarräumen untergebracht. Alle weiteren Service-Bereiche des Parlamentes – wie Bibliothek, Anhörungssaal und den wissenschaftlichen Fachdienst – beherbergt das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus. Die Anbindung beider Baukörper ist seit Mai 2001 über eine Brücke mit je einem Steg für den öffentlichen Verkehr sowie auf der Höhe des 5. Stockwerkes für die hausinterne Verbindung gegeben.
Zwei Stege verbinden das Gebäude mit dem gegenüberliegenden Marie-Elisabeth-Lüders-Haus, dem wissenschaftlichen Dienstleistungszentrum des Bundestages.
Wesentliches Merkmal des Paul-Löbe-Hauses ist die regelmäßige Kammstruktur mit den nach Norden und Süden offenen, begrünten Außenhöfen und den von außen durch die Höfe einsehbaren Rotunden, in denen je drei doppelstöckige Ausschusssitzungssäle untergebracht sind.
Einen weiteren Beitrag zur angestrebten baulichen Transparenz leistet die achtgeschossige Halle mit gläsernem Rasterdach, die den Gebäudekomplex von West nach Ost durchzieht. Im Paul-Löbe-Haus gibt es auf sieben Ebenen offene Galerien, die nördlich und südlich der Halle die aneinandergereihten Bürotrakte und Sitzungssäle verbinden.
Im Westen und Osten öffnen sich jeweils große Glasfassaden, die durch die zentrale Halle zwischen den beiden Gebäudehälften einen freien Blick vom Forum über die Spree bis zur Parlamentsbibliothek gewähren und so den baulichen Zusammenhang zwischen dem Paul-Löbe- und dem Marie-Elisabeth-Lüders-Haus verdeutlichen.
Ein großzügiges Vordach markiert den Haupteingang und Vorfahrtsbereich des Paul-Löbe-Hauses im Westen, während ein weiterer Zugang den südlichen Gebäudeteil in unmittelbarer Nähe zum Reichstagsgebäude am Spreeufer erschließt.
Die Sichtbetonfassade des Paul-Löbe-Hauses ist akkurat geplant und erzeugt einen schönen Kontrast zu den Glaselementen.
Die Ostseite des Gebäudes am Spreeplatz wird dominiert von einer freigestellten Rotunde, die zur betont orthogonalen Struktur des Haupthauses und zur doppelwandigen Abschlussmauer im Süden in deutlichem Kontrast steht. Die Rotunde mit einem Durchmesser von 26 Meter bietet im unteren Bereich Raum für zwei voneinander getrennte Restaurants: Der ebenerdige Speiseraum mit seinen 150 Sitzplätzen, der aus Sicherheitsgründen nur von innen zugänglich ist, steht ausschließlich Abgeordneten und Mitarbeitern zur Verfügung, während das darüber gelegene Restaurant für die Besucher des Parlamentsbaus und der dort tagenden Ausschüsse offen steht. In der oberen Hälfte des Baukörpers ist der große Europasaal mit rund 260 Quadratmetern untergebracht, in dem später der Europaausschuss des Bundestages und – situationsabhängig – andere Fachausschüsse mit großem Raumbedarf tagen werden. Ihm zugeordnet sind an der Rückwand Dolmetscherkabinen und Technikräume und zur Spreeseite hin eine weiträumige Terrasse.
Das Haustechnikkonzept
Wie alle Parlamentsbauten ist auch das Paul-Löbe-Haus mit innovativer und umweltschonender Haustechnik ausgestattet. So nutzt das Blockheizkraftwerk ausschließlich regenerierbare Primärenergien wie Biodiesel und gewährleistet durch das System einer Kraft-Wärme-Kopplung gleichzeitig eine verbesserte Wirtschaftlichkeit und geringen Schadstoffausstoß.
Rasterdach mit integrierter Photovoltaikanlage
Um das vom Bundestag und der Bundesregierung vorgegebene Energiesparkonzept umzusetzen, wurde für das Paul-Löbe-Haus eine 3.230 Quadratmeter umfassende Photovoltaikanlage vorgesehen, deren Solarmodule in die Architektur des Rasterdaches integriert sind und zugleich als Verschattungselemente die direkte Sonneneinstrahlung dämpfen. Der von den Zellen photovoltaisch erzeugte Strom kann jedoch nur einen kleinen Teilbedarf Elektroenergie decken. Die Stromgrundversorgung erfolgt weiterhin durch das Blockheizkraftwerk und in Spitzenzeiten über das öffentliche Netz.