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Offener, zweiphasiger Wettbewerb
Auszug aus Erläuterungsbericht
"Für das im Souterrain des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses gelegene Selbstbedienungsrestaurant soll mittels zweier großformtaiger LED-Screens ein optischer Bezug zur angrenzenden Spree hergestellt werden."
Vier Kameras filmen die Spree und übertragen die Filme in Echtzeit auf zwei Monitore. Beide Monitore richten ihren Blick ausschließlich auf die Spree, ohne die weitere Umgebung zu zeigen. Das Wasser dient dabei als "Reflektor, Spiel der Realität: ob der Himmel blau oder grau ist, ob es Wolken gibt, ob es stürmisch ist oder windstill ist; alles lässt sich auf der Wasseroberfläche ablesen. Der reduzierte Bildausschnitt öffnet Horizonte; die Projektionen der Wirklichkeit potenziert diese in ungeanhnter Weise."
Beurteilung durch das Preisgericht
Es handelt sich um eine mehrteilige closed-circuit-Video-Installation. Die Aufnahme durch Kameras verbindet in Realzeit den Innenraum mit dem Außenraum. Es entsteht die Illusion eines Fensters, die dem Betrachter zeigt, was er in Wirklichkeit nicht sehen kann. Er wird zum Beobachter ständiger Veränderungen ohne darauf Einfluss zu haben.
Vielmehr wird der Zufall zum Ereignis, je nachdem was sich auf der Oberfläche des Wassers zeigt.
Das in Realzeit im Innenraum präsentierte Bild hat unterhaltenden aber auch meditativen Charakter, weil der Blick auf Wasser ohne Horizont unerreichbare Sehnsüchte evoziert.
Die Arbeit überzeugt die Jury, da sie in einer poetischen Weise die politische Rolle der Spree als innerdeutsche Grenze thematisiert.
Empfehlung des Preisgerichts
Das Preisgericht empfiehlt mit 7:2 Stimmen (pro/contra), den ersten Preisträger mit der Realisierung zu beauftragen. Die Arbeit bedarf einer Beschlussfassung des Kunstbeirats des Deutschen Bundestages zur Realisierung.
PERSPEKTIVE.BLICKWINKEL.STANDORT
Auszug aus Erläuterungsbericht
"Perspektive bedingt einen Standort. Der Blickpunkt, von dem aus man auf etwas schaut, bedingt das Blickfeld, das man erfassen kann. Für die Mitglieder des Bundestages sind Fragen der Perspektive, des Standortes und des Blickfeldes solche, an denen sich ihre Arbeit beständig ausrichtet. Die Besucher des Bundestages werden ebenfalls mit diesen Fragen konfrontiert, wenn sie sich über die Arbeit der MdBs informieren."
"Raster aus XY-Achsen, die im Innen- und Hofbereich jeweils auf einen eigenen Fluchtpunkt … hinauslaufen, werden den Boden, die Wände sowie die Glaswand, die den Besucherbereich abtrennt, in neue räumliche Beziehung zueinander setzen."
Beurteilung durch das Preisgerichts
Gegenüber allen anderen Entwürfen besticht diese Arbeit durch die Fokussierung auf den Innenraum und hinterfragt auf Grund eines räumlichen Perspektivwechsels die architektonische Setzung.
Darüber hinaus laden die gewählten Tischgrößen zu einem kollektiven Dialog und Miteinander ein und die Arbeit verbindet in überzeugender Weise den Gastraum mit dem Besuchergruppenraum und den Innenhof, und zwar gleichwertig.
Die Jury folgt der Einschätzung der Entwurfsverfasser: "Der Besucher wird die Dimension und Relationen des Raumes, in dem er sich befindet, neu erfahren – je nach dem wo er seinen Sitz wählt oder wo er gerade steht und die Fluchtlinien an den Wänden und am Boden im Blickwinkel hat: die Dynamik des Raumes bewirkt einen Wahrnehmungsprozess." (Zitat aus dem Erläuterungsbericht der Entwurfsverfasser).
Das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus als dritter Parlamentsneubau wurde 2003 eingeweiht. Hier sind u.a. die Bibliothek und die Wissenschaftlichen Dienste des Parlaments untergebracht. Das Haus soll nun mit dem geplanten Erweiterungsgebäude komplettiert werden und führt damit gleichzeitig das „Band des Bundes“ östlich der Spree fort.
Nach Fertigstellung des Erweiterungsbaus wird das Gebäude vorrangig durch Abgeordnete und deren Mitarbeiter genutzt. Hier werden circa 350 Büroräume eingerichtet, ergänzt durch Besprechungsräume verschiedener Größen, einen multifunktionalen Saal für 199 Personen sowie den Kunstausstellungsbereich des Deutschen Bundestages. Zwei gastronomische Einrichtungen finden im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus ihren Platz – das öffentliche Bistro und das Selbstbedienungsrestaurant für die Abgeordneten, deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Besuchergruppen
des Deutschen Bundestages.
Der repräsentative Eingang des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses befindet sich nach Fertigstellung der Erweiterung an der Luisenstraße. Von Norden zieht sich das Niveau des Eingangshofes in die Halle hinein. So gelangen Abgeordnete und Mitarbeiter durch den Eingangsbaukörper in die Halle, die hier als Foyer, Treffpunkt und Verteiler dient. Unmittelbar unterhalb des Eingangsbaukörpers und der großzügigen Eingangstreppe befindet sich zukünftig das Selbstbedienungs-Restaurant.
Ziel des Wettbewerbs war es, angemessene Entwürfe für den Standort „Selbstbedienungs-Restaurant“ zu erhalten, die der täglichen Nutzung sowohl durch Abgeordnete, Beschäftigte und deren angemeldete Besuchergruppen als auch allen funktionalen Anforderungen gerecht werden und gleichzeitig dem Anspruch dieses Standortes angemessen sind.
Durch die künstlerische Gesamtkomposition sollte dem Innenraum eine besondere Atmosphäre verliehen und eine Aufwertung des tiefer gelegenen Bereichs erreicht werden.
Für das Selbstbedienungsrestaurant in der Erweiterung des Marie-Elisabeth-Lüders-Haus sollte ein gesamtkünstlerisches Konzept entwickelt werden. Es konnten dabei die Wände, die Decken und der Boden des Restaurants einbezogen werden sowie die Möblierung des Restaurants. Der angrenzende Hof konnte Teil der gesamtkünstlerischen Bearbeitung sein.
Bei der Materialwahl und Ausarbeitung für die künstlerische Arbeit war auf Beständigkeit und geringen Pflegeaufwand beziehungsweise geringe Folgekosten im Unterhalt zu achten.
Der Wettbewerb wurde als offener, zweiphasiger Realisierungswettbewerb ausgelobt. Aus den eingereichten 145 Beiträgen der 1. Phase wählte das Preisgericht 10 Teilnehmer für die 2. Phase aus. Das Verfahren war anonym. Zugelassen zum Wettbewerb waren professionelle Künstler/-gruppen aus der Bundesrepublik Deutschland und der EU.
Referat A2 – Projektentwicklung, Wettbewerbe, Zuwendungsbau,
Landschafts- und Innenarchitektur, Kunst am Bau
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