Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung

Kunst-am-Bau-Wettbewerb Deutscher Bundestag
Dorotheenstraße 97 / Wilhelmstraße 65/66, Berlin
Foyer und Tunnel

Einladungswettbewerb

  • Status Abgeschlossen
  • Veröffentlichung 24.03.2010
  • Entscheidung 24.06.2010
  • Kunststandort(e) Foyer und Tunnel

Entscheidung des Preisgerichtes

Das Preisgericht trat am 24. Juni 2010 in der folgenden Zusammensetzung unter Vorsitz von Frau Leonie Baumann zusammen

Tunnel

Das Preisgericht empehlt einstimmig die Arbeit des 1. Preises mit der Realisierung zu beauftragen unter dem Hinweis, bei der Oberächenbehandlung die angegebene Alternative „Spachtelung der Wände“ auszuführen.

Foyer

Entscheidung und Empfehlung des Preisgerichts Das Preisgericht empehlt mit 7:1 Stimmen (pro/contra), den 1. Preis mit der Realisierung zu beauftragen unter dem Hinweis, dass die Auswahl der Bücher im Sinne einer „Buchkultur“ erfolgen soll, d.h. es dürfen keine weltanschaulichen und religiösen Gefühle verletzt werden.

Preisträger

Tunnel

1. Preis - 1301 Gunda Förster, Berlin

1. Preis Tunnel Tunnel 1. Preis Tunnel

Vertikale und horizontale LED-Lichtlinien an beiden Seiten des Tunnels und an der Decke bilden Torbögen mit einem gelb-orange farbenen Licht. Die architektonische Besonderheit des Tunnels – schlauchartig mit einem Knick ziemlich genau in der Mitte – soll mit der Arbeit Beachtung finden.
Die Lichtbögen sollen das Passieren des fensterlosen Tunnels zu einer positiven Erfahrung machen und eine positive Wahrnehmung ermöglichen und mit ihrer gelben Farbe an Sonnenlicht erinnern. Die spiegelbildliche Anordnung der Lichtlinien verdichten sich zur Mitte des Tunnels und öffnen sich wieder in größeren Abständen zu beiden Enden. Der Knick des Tunnels bildet die Spiegelachse, perspektivisch wird dort die Konzentration der Lichtlinien erhöht, ein Rhythmus wird erzeugt, der zu einer intensiveren Wahrnehmung der eigenen Bewegung führen soll. Die Farbe ist so gewählt, dass sie keinerlei politische Konnotationen hat.
Durch die geschliffenen, mit Lackfarbe versehenen Oberflächen der Wände und der dadurch entstehenden Spiegelung soll eine "optische Raumerweiterung" erzielt werden.

Beurteilung durch das Preisgericht
Gelbe Lichtlinien, die wie hintereinander liegende Torbögen angeordnet sind, strukturieren den Tunnel zwischen dem Abgeordnetengebäude in der Dorotheenstraße und dem Jakob-Kaiser-Haus. Auffallend ist, dass sich die Abstände zur Raummitte hin, zum "Knick", verjüngen. Die Arbeit überzeugt durch ihre raumgreifende klare Wirkung. Der Eindruck einer suggerierten Bewegung unterstützt die Funktion des Raumes, nämlich den Nutzer unterirdisch von einem Gebäude in das andere zu führen. Geschliffene lackierte Wände werden Wandflächen aus Acryl vorgezogen (Wandflächen aus Acrylglas oder Glas wurden von Anfang an einstimmig als kritisch bewertet).
Aufgrund des vorgelegten Modells und deren gezeichneten Plänen stellt sich die Frage, wie die Situation im "Knick" im Detail gelöst wird.

2. Preis - 1302 Bernhard Kahrmann, Stuttgart

2. Preis Tunnel Visualisierung 2. Preis Tunnel Visualisierung

Vorgeschlagen wird eine sichtbar auf der unverputzten Betonwand installierte und dimmbare Lichtwand über die gesamte Länge des Tunnels. Die Leuchtstoffröhren in unterschiedlicher Farbtemperatur sind mit einem an der Außenfassade angebrachten Sensor verbunden und simulieren die unterschiedlichen tageszeitlichen Lichtstimmungen des Außenraums. Das Changieren des Lichts wird in Echtzeit in den Tunnel übertragen.
"Der Gedanke der Transparenz, der sich auch an der Fassadengestaltung ablesen lässt, wird (...) als konzeptueller Leitfaden aufgegriffen. (...) Die minimale und einfache Ausführung, die Offenlegung der Technik soll dabei als ein Verweis auf die grundlegende Bedeutung von Werbe- und Botschaftsträgern dienen – auf die Botschaft, die immer wieder neu gestaltet werden muss."

Beurteilung durch das Preisgericht
Die Wettbewerbsarbeit 1302 verbindet auf eine Art und Weise die atmosphärische Befindlichkeit des Außenraumes mit dem besonderen Innenraum des Tunnels, indem über einen Sensor die sich beständig verändernde Lichtsituation des Außenraumes auf die Lichtsituation des Innenraumes übertragen wird – Helligkeit, Farbintensität und Farbstimmung der Neonleuchten – verschränken so beide Räume.
In der Bewertung der Arbeit, die mit dem 2. Preis ausgezeichnet wurde, wurde kontrovers diskutiert, ob die Anpassung der Lichtsituation gegebenenfalls nicht als solche wahrgenommen werden würde, da nicht eingeschaltete Neonleuchten unter Umständen als "kaputt" angesehen werden könnten. Auch gab es unterschiedliche Vorstellungen zur Dynamik der Veränderung. Diskutiert wurde wie variabel bzw. statisch die Arbeit beim Durchschreiten des Tunnels wahrnehmbar sei. Im Hinblick auf die Realisierung stellten sich die Fragen des technischen Aufwands sowie der scheinbar hohen Wartungsanforderungen, da die inhaltliche Komplexität des Werkes nur durch eine optimal funktionierende Technik deutlich werden wird.

Foyer

1. Preis - 1308 Peter Wüthrich, Bern (Schweiz)

Mitarbeiterin: Sandra Binoth

1. Preis Foyer Visualisierung 1. Preis Foyer

Das Parlament wird als ein Ort der politischen Entscheidungen betrachtet, deren Auswirkungen sich "auch im kulturellen Ausdruck der Gesellschaft..., wie zum Beispiel in der Literatur" niederschlagen. Vorgeschlagen werden zwei Wandinstallationen aus jeweils 300 geschlossenen, deutschsprachigen antiquarischen Büchern. Laut Verfasser ist das Buch ein "Medium, um geistigen Inhalt zu transportieren und zu speichern" und zieht die Verbindung zum Parlamentarier, der "sich durch und in den Büchern symbolisch widerspiegelt und sich somit in dieser Metapher selbst begegnet".
Die verschiedenen Farben und Inhalte der Bücher verweisen auf die Vielfalt der Parlamentarier.
Der Schutzumschlag der Hardcover-Bücher wird entfernt, übrig bleiben "monochrome Farbträger von geistigem Inhalt jedweder Couleur". Die geschlossenen Bücher "ergeben so eine Symbiose von Form, Farbe und Inhalt".
Die Anzahl der Bücher bezieht sich auf die Anzahl der Parlamentarier ("598 plus 2 zusätzliche Überhangmandate").

Beurteilung durch das Preisgericht
Im Foyer und im 1. OG schlägt der Verfasser für die Stirnwände zwei Wandinstallationen vor, die aus jeweils 300 realen Büchern bestehen. Mit Speziallack konserviert, werden sie in einer strengen geometrisch nahezu quadratischen Form angeordnet und direkt an der Wand angebracht.
Das Preisgericht sieht in diesem skulptural wirkenden, auf den ersten Blick abstrakt farbigen, aber bei näherem Hinsehen sehr differenzierten und vielschichtigen Entwurf eine gelungene Lösung der gestellten Aufgabe. Die Bücher, geradezu ein Monument der Buchkultur, transportieren ein kulturelles Erbe und ihre Materialität wird gerade im digitalisierten Zeitalter zunehmend an Bedeutung gewinnen. Der mit der Anzahl der Bücher gegebene symbolische Verweis auf die Individualität der Abgeordneten im Bundestag wurde als zusätzliche poetische Qualität gesehen.
Mit der Realisierungsempfehlung für diese Arbeit werden die Standorte im Eingangsbereich und im 1. Obergeschoss einen zeitgemäßen und vielschichtig lesbar künstlerischen Akzent bekommen, der den Betrachter immer wieder inspirieren wird.

2. Preis - Arbeit 1311 Maik und Dirk Löbbert, Köln und Münster

2. Preis Visualisierung 2. Preis Visualisierung

Die dreiteilige Arbeit besteht aus 5 m langen Aluminiumstäben in den Farben Schwarz - Rot – Gold.
Beim Betreten des Foyers nimmt man als erstes den goldfarbenen Stab wahr, der sich an die zentrale Wand des Foyers neben der Akkreditierungsstelle anlehnt. Vom Luftraum neben der Pförtnerloge sichtbar, lehnt sich im 1. Obergeschoss der zweite rote Stab in gleicher Größe an das Geländer der Galerie und ragt in die 2. Etage hinein. Auf der 2. Etage befindet sich ein dritter Stab mit schwarzer Oberfläche, der ebenfalls am Geländer der Galerie lehnt und in das 3. Obergeschoss hineinragt. Von der Galerie der 2. Obergeschosse sind alle drei Stäbe in einem Bild zu erfassen.
Es wird eine spannungsvolle visuelle Verbindung geschaffen über die Etagen und damit auch zwischen den öffentlichen und nichtöffentlichen Bereichen.
"Gold-Rot-Schwarz / Scharz-Rot-Gold, die Farben der Bundesflagge werden skulptural umgesetzt. Sie versinnbildlichen Dynamik, Aufwärtsbewegung und Kommunikation, sowie das konstruktive Zusammenwirken auf verschiedenen Ebenen."

Beurteilung durch das Preisgericht
Die mit dem 2. Preis ausgezeichnete Wettbewerbsarbeit Gold-Rot-Schwarz besteht aus drei Stelen in den Farben der deutschen Flagge. Ein goldener fünf Meter hoher, schlanker Stab lehnt sich im Erdgeschoss an die zentrale Wand des Foyers und ragt damit in den Luftraum der ersten Etage. Ein zweiter, roter Stab lehnt sich im 1. Obergeschoss ans Geländer und ragt in den Luftraum der 2. Etage. Der dritte, schwarze Stab befindet sich wiederum im 2. Obergeschoss und ragt damit bis hoch ins 3. Obergeschoss.
Die Arbeit schafft es, in einer formal überzeugenden Weise, den architektonischen Entwurf des versetzten Luftraumes zu bespielen und zu spiegeln. Von den verschiedenen Stockwerken aus gesehen eröffnet die Arbeit je unterschiedliche Blickbezüge. Steht man beim Betreten des Foyers erst einmal nur dem goldfarbenen Stab gegenüber, so hat der Besucher auf den zweiten Blick die Möglichkeit, alle drei Teile der Arbeit zu sehen und zusammen zu denken.
Dieses visuelle Zusammenspiel der einzelnen Teile spiegelt zum einen das architektonische Spiel der Durchblicke wieder und steht für die gewünschte Kommunikationsmöglichkeit über alle Stockwerke hinweg. Im Vergleich zu dem zur Realisierung empfohlenen Beitrag vermisst die Jury jedoch eine weitergehende Vielschichtigkeit in den Betrachtungsmöglichkeiten.

Informationen zum Wettbewerb

Auslober, Koordination und Durchführung

Bauherr / Auslober

Bundesrepublik Deutschland
vertreten durch das
Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS)
vertreten durch das
Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR)

Koordination und Durchführung

Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung
Referat A 2 - Projektentwicklung, Wettbewerbe, Zuwendungsbau, Landschafts- und Innenarchitektur, Kunst am Bau
Beate Hückelheim-Kaune (Referatsleitung)
Brigitte Feuerer (Projektleitung)

Wettbewerbsaufgabe

Aufgabe und Art des Wettbewerbs

Das prominent gelegene Dienstgebäude des Deutschen Bundestages, Dorotheenstraße 97 Ecke Wilhelmstraße 65/66, befindet sich in unmittelbarer Nähe zu den neu errichteten Parlamentsgebäuden. Dieses wird derzeit durch das, im Januar 2006 aus einem Architekturwettbewerb hervorgegangene, Büro Lieb + Lieb grundsaniert und erweitert sowie unterirdisch an das Jakob-Kaiser-Haus angeschlossen. Hier entstehen circa 210 Büroräume, ergänzt durch Besprechungs- und Konferenzräume, die nach Fertigstellung durch Abgeordnete und deren Mitarbeiter genutzt
werden. Im Erdgeschoss werden die Ausweisstelle und die Presseakkreditierung des Deutschen Bundestages untergebracht. Ein zentrales Element dieses Projektes wird die frei zugängliche Eingangshalle an der Ecke Dorotheen-/ Wilhelmstraße sein, die sich vom Erdgeschoss bis in das oberste Geschoss entwickelt und Sichtbeziehungen zu Straße und Hof gewährt. Ziel des Wettbewerbs war es, Entwürfe für die beiden Standorte Foyer und unterirdischer Erschließungsgang zu erhalten, die sowohl der Nutzung durch Abgeordnete, deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als auch allen funktionalen Anforderungen gerecht wird und gleichzeitig dem Anspruch dieses Standortes angemessen ist. Das Eingangsfoyer als öffentlich zugänglicher Teil des Gebäudes sollte bei der künstlerischen Ausgestaltung besondere Berücksichtigung finden.

Standort Tunnel

Das Dienstgebäude Dorotheenstraße wird durch einen unterirdischen Verbindungsgang an das Erschließungssystem des Jakob-Kaiser-Hauses (JKH) angebunden. Die unterirdische Anbindung wird u.a. von Parlamentariern genutzt, um ohne Sicherheitsüberprüfung vom Dienstgebäude Dorotheenstraße / Wilhelmstraße zum Jakob-Kaiser-Haus und von dort zum Reichstagsgebäude zu gelangen. Der Verbindungsgang wird im Gebäude Dorotheen-/Wilhelmstraße direkt an den dort konzipierten doppelten Personenaufzug, der alle Geschosse verbindet, angebunden.
In der Ebene der Wand- und Deckenflächen ist ein künstlerisches Konzept vorstellbar, welches das fehlende Tageslicht thematisiert oder aber den fehlenden optischen Außenraumbezug künstlerisch kompensiert.
Die Maßnahme sollte nicht als künstlerisch frei gestelltes Objekt, sondern in enger Einbindung mit der vorhandenen Architektur konzipiert werden.

Standort Foyer

Für den Eingangsbereich des Gebäudes sollte ein künstlerisches Konzept entwickelt werden, welches der Bedeutung des Hauses als öffentlich zugängiges Gebäude gerecht wird und zur Identifikation der Mitarbeiter mit dem Gebäude beiträgt.
^Für das Foyer wurde eine künstlerische Arbeit gewünscht, die als zwei- oder mehrteilige Arbeit entwickelt werden sollte. Diese konnte sich im Bereich des Foyers und dessen Übergangszone sowie in dem angrenzenden Luftraum verorten.
Der Foyerbereich, ausgenommen die Wartezone zur Wilhelmstraße, ist als Eingang und „Begrüßungsgeste“ zum gesamten Gebäude für eine künstlerische Bearbeitung besonders geeignet.

Wettbewerbsverfahren

Für die beiden Standorte Foyer und Tunnel wurde ein Kunst-am-Bau-Einladungswettbewerb ausgelobt. Es wurden je Standort acht Teilnehmer für die Bearbeitung des Kunst-am-Bau-Wettbewerbs durch die Mitglieder eines Auswahlgremiums ausgewählt.

Weitere Informationen

Deutscher Bundestag Herrichtung und Erweiterung des Dienstgebäudes Dorotheenstraße 97/Wilhelmstraße 65-66 Dokumenttyp Wettbewerb

Wettbewerbstyp: Planungswettbewerb Status: Abgeschlossen Ort: Berlin

Wilhelmstraße 65 Dokumenttyp Bauprojekt

Standort: Berlin Typ: Sanierung Nutzung: Politik

Deutscher Bundestag Dorotheenstraße 97 / Wilhelmstraße 65/66, Berlin Innenhof Dokumenttyp Wettbewerb

Wettbewerbstyp: Kunst-am-Bau-Wettbewerb Status: Abgeschlossen Ort: Berlin

Kontakt

  • Referat A2 - Projektentwicklung, Wettbewerbe, Zuwendungsbau,
    Landschafts- und Innenarchitektur, Kunst am Bau 
    Straße des 17. Juni 112
    10623 Berlin

    Tel.: +49 30 18401-9201
    Fax: +49 30 18401-9209
    E-Mail: Architektur@bbr.bund.de

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