Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung

1. Preis - 1263

kleyer.koblitz.letzel.freivogel gesellschaft von architekten mbH, Berlin

Beurteilung durch das Preisgericht (Auszug):

Städtebaulich ist die Arbeit in einen klaren, 6-geschossigen Riegel entlang des Boulevards „Unter den Linden“ und einen abgestuften 5-geschossigen, etwas schmaleren Baukörper entlang der Schadowstraße gegliedert. Die eindeutige Hierarchisierung in Bezug auf die beiden sehr unterschiedlichen Straßen wird vom Preisgericht positiv bewertet. Dass die in der Abfolge unterschiedlichen Gebäudeteile an die für die Dorotheenstadt typische Parzellenstruktur erinnern, spricht für die Arbeit. Die Eckausbildung in der Erdgeschosszone wird jedoch hinterfragt.

Der Eingang zum Deutschen Bundestag an der Ecke zwischen beiden Gebäudeteilen liegt richtig und ist für Beschäftigte und Besucher leicht auffindbar. Die Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung belegt das vollständige Erdgeschoss zu „Unter den Linden“. Der Boulevard kann von der publikumswirksamen Nutzung profitieren.

[...] Die innere Erschließungsstruktur wird geprägt durch die repräsentative Wendeltreppe an der Schnittstelle der beiden Gebäudeflügel. Hier befindet sich ein großes Fenster mit Ausblick auf den Boulevard und viel natürlichem Licht. Folgerichtig befinden sich hier Treffpunkte und Kommunikationsflächen für die Beschäftigten.

Der Gebäudeflügel entlang des Boulevards „Unter den Linden“ ist 3-hüftig organisiert. In der mittleren Zone befinden sich dienende Funktionen Treppe, WC-, Archiv-, Kopier- und Besprechungsräume, aber auch ein gut proportioniertes, alle Obergeschosse umfassendes Atrium. Dieses bringt viel natürliches Licht in die Erschließungsräume und bietet Gelegenheit zur Förderung der Kommunikation innerhalb des Gebäudes, was sehr positiv bewertet wird.

Der 2. Gebäuderiegel entlang der Schadowstraße wird über einen Mittelflur und gleichzeitig über einen „Bypass“, einem außenliegenden Flur, erschlossen. Die Besprechungsräume sind dadurch innenliegend, was kritisch gesehen wird.

Die barrierefreie Anbindung der Erschließung an den Altbau erfolgt lediglich von der Durchfahrt im Erdgeschoss über einen Aufzug und innerhalb des Gebäudes im 4. OG und ist zu überarbeiten.

Die Anbindung und Erschließung an den Innenhof von der Schadowstraße aus ist folgerichtig. In der Konsequenz fehlt aufgrund der Durchfahrt die Möglichkeit der Anbindung der repräsentativen Flächen an das Schadowhaus.

Die Integration der Fernwärme ist möglich, wenngleich es im UG eine Anpassung geben müsste, da die Trasse den Fluchtweg quert.

Es fehlen ca. 300 Quadratmeter Technikfläche. Die Bürogrößen sind mit 17,7 Quadratmeter etwas zu gering dimensioniert. Für die BWBS fehlt bislang eine Möglichkeit zur Anlieferung. Für den KunstRaum wurden keine Ersatzflächen in dem Neubau vorgesehen.

Die Anordnung der Pförtnerloge und Schleusen ist grundsätzlich funktional gelöst, jedoch ist die Dimensionierung insbesondere der Röntgenstrecke augenscheinlich zu gering.

Die Fassade ist aus Kunststein und Betonwerkstein gefertigt. Sie wirkt auf dem bei Nacht angedeuteten Rendering etwas dunkel.

Die gut proportionierten Fensteröffnungen binden ausgewogen an die Polnische Botschaft an. Die Fenster innerhalb des einzelnen Fassadenelementes erscheinen zwar in einem quadratischen Format, was durch die Unterteilung der Fensterflügel jedoch ausbalanciert wird. Die Fensterformate an der Stirnseite des Gebäudeflügels an den „Linden“ bilden, zusammengefasst und durch die vertikale Treppenführung verstärkt, insgesamt einen vertikalen Eindruck. Nach Erklärung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen ist „der Entwurf im Hinblick auf die Gestaltungsverordnung Unter den Linden vom 21.09.2009 als auch aus denkmalpflegerischer Sicht genehmigungsfähig. Das Erscheinungsbild der Fassaden steht im Einklang mit der gestalterischen Intention der Verordnung, auch mit § 4 – Fenster und sonstige Öffnungen. In der Begründung wird ausgeführt, dass in Anlehnung an das historische Vorbild stehende Fensterformate und ein Anteil der geschlossenen Fläche von mindestens 50 Prozent der Obergeschosse anzustreben sind. Dieser Intention wird die Arbeit 1263 gerecht.“

Die kommunikationsfördernde Qualität des Erschließungssystems wird positiv bewertet, auch und insbesondere die natürliche Belichtung der Flure im Innern und an den Flurenden.

Um den vorbeugenden Brandschutz zu ermöglichen, werden anlagentechnische Maßnahmen am mehrgeschossigen Atrium und an der Treppe notwendig. Der Bedarf an ein zusätzliches Treppenhaus sowie zusätzliche gebäudetechnische Maßnahmen zum Brandschutz scheint gegeben.

Kritisch gesehen wird die zwingende Lüftungsnotwendigkeit bei den Besprechungsräumen im seitlichen Flügel, entlang der Schadowstraße.

Die Fenster sind mit Jalousien mit Lichtlenkfunktion ausgestattet. Die Lichtlenkung unterstützen Deckensegel in den Büroräumen.

Die Gebäudekennwerte lassen eine wirtschaftliche Lösung erwarten.

Insgesamt handelt es sich bei der Arbeit um einen angemessenen „Auftritt“ an dem Boulevard, gerade auch unter Berücksichtigung der besonderen Nutzung für den Deutschen Bundestag.

[…]

Kontakt

Birgit Jacke-Ziegert
Referat A 2 – Projektentwicklung, Wettbewerbe, Zuwendungsbau, Landschafts- und Innenarchitektur, Kunst am Bau
Straße des 17. Juni 112
10623 Berlin

Dokumenttyp: Kontaktinformationen

Zum Thema

Neubau Elisabeth-Selbert-Haus - Unter den Linden 62-68 Dokumenttyp Wettbewerb

Wettbewerbstyp: Planungswettbewerb Status: Abgeschlossen Ort: Berlin

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