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Offener, zweiphasiger Wettbewerb
Nach zwei nicht realisierten Wettbewerbsentwürfen zur Gestaltung des Geländes (1983) beziehungsweise für ein Besucher- und Dokumentationszentrum (1993) der mittlerweile in eine Stiftung öffentlichen Rechts überführten Ausstellungs- und Dokumentationsinitiative, hat das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung im Auftrag der Bundesregierung im Frühjahr 2005 einen Wettbewerb ausgelobt mit dem Ziel, das Gelände mit seinen Bodenzeugnissen als Dokumentationsort neu zu gestalten und ein Gebäude für Ausstellungen und wissenschaftliche Arbeiten zu errichten.
Bei dem international ausgeschriebenen Wettbewerb konnte sich die Arbeitsgemeinschaft Ursula Wilms (Heinle, Wischer und Partner), Freie Architekten, Berlin, und Professor Heinz W. Hallmann, Landschaftsarchitekt, Aachen, gegen 308 Mitbewerber durchsetzen:
Am 24. Januar 2006 wählte ein Preisgericht unter Vorsitz der Architektin Frau Prof. Julia Bolles-Wilson, Münster, den Entwurf der Arbeitsgemeinschaft zum Sieger des Realisierungswettbewerbs Topographie des Terrors in Berlin-Kreuzberg. Der Entwurf korrespondiert in der Kubatur – wenn auch wesentlich niedriger – mit dem Martin-Gropius-Bau. Durch einen zurückspringenden kurzen Sockel und eine deutlich über dem Boden endende vorgehängte Fassade aus Glas und verschiebbaren Stahllamellen, wirkt der Ausstellungspavillon leichtfüßig, ja fast schwebend.
Zur Ausstellung ist ein Katalog mit 272 Seiten erschienen.
Auszug aus der Beurteilung des Preisgerichtes:
"Das Dokumentationszentrum liegt als klarer kubischer Baukörper in der Nachbarschaft des Gropiusbaus. Er zitiert dessen Grundrissform, nimmt sich aber in der Höhe und Außenwirkung dezidiert zurück. Dennoch entwickelt er Eigenständigkeit und Großzügigkeit.
Grundsätzlich positiv bewertet wird, dass durch die Ablösung des Baukörpers vom Boden trotz der großen Grundrissfläche ein Eindruck von Leichtigkeit entsteht und dass in die umgebende Landschaft nur wenig eingegriffen wird.
Das Freiraumkonzept interpretiert die Situation richtig, der Ausstellungsgraben, die Zellen und die Relikte des Küchenkellers werden angemessen hervorgehoben und in das Wegenetz integriert. (…) Insgesamt stellt die Arbeit trotz einiger Mängel im Detail einen sehr interessanten und angemessenen Beitrag zur Lösung der schwierigen Aufgabe dar."
Modell
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Auszug aus der Beurteilung des Preisgerichtes:
"Der Standort des Dokumentations- und Besucherzentrums ist gut gewählt, da er einerseits die Hauptbesucherströme aus Richtung Martin-Gropius-Bau aufnimmt, andererseits sich gegenüber dem Gesamtgelände an den Rand zurücknimmt. (…)
Durch die materialidentische Ausbildung der Gebäude und Einhausungen wird eine Familie unterschiedlich proportionierter Raumkörper erstellt. (…) Die Anordnung der unterschiedlichen Funktionsbereiche ist gut gelöst, insbesondere wird die Innenorientierung des Cafés mit zugeordnetem Innenhof als richtig erachtet. (…)
Die gleichartige Behandlung der Spuren wie z. B. historischer Bürgersteig, Ausstellungsgraben etc. und ihre Erschließung werden positiv gesehen. (…)
Das Gesamtkonzept bildet eine schlüssige und überzeugende Lösung für die gestellte schwierige Aufgabe, die deutlich innerhalb des finanziellen Rahmens zu realisieren wäre."
Modell
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Auszug aus der Beurteilung des Preisgerichtes:
"Der Entwurf ist städtebaulich recht überzeugend, weil er sich der Bauflucht und dem Martin-Gropius-Bau gegenüber angemessen verhält, in Größe und Lage nicht dominiert. (…) Der außen streng geometrisch und im Detail reduzierte Baukörper hat im Inneren vielfältige hohe, niedrige, breite und schmale Raumfolgen. Die Fassaden sind elegant proportioniert und komponiert. Zum Freiflächenkonzept fehlt nahezu jede Aussage.
Insgesamt ist eine gewisse Konventionalität des Entwurfs nicht zu übersehen."
Modell
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Auszug aus der Beurteilung des Preisgerichtes:
"Die Arbeit besticht durch Ihre klare Positionierung auf dem Gelände, bei der sich die Ausstellung im Untergeschoss zum Graben und die Instituts-, Bibliothek- und repräsentativen Funktionen in Hochparterre und Obergeschoss zum Gelände hin orientieren. (…)
Interessant wirkt (…) der Vorschlag des Umgangs mit den ausgegrabenen Fundamenten durch die Anordnung von Wandscheiben, Dächern, Treppen und Böschungen.
Nachteilig wirkt bei dieser Arbeit, wie sich das Gebäude von der Niederkirchnerstraße aus präsentiert: Hinter den Relikten der Berliner Mauer baut sich eine zweite Betonwand auf. (…) Die innere Organisation und die räumlichen Zusammenhänge sind gut gelöst. (…) Insgesamt bleibt festzuhalten, dass sich der prägnanten städtebaulichen Idee Aspekte der Proportion, des Höhenschnitts und der Aufteilung unterordnen mussten."
Modell
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Auszug aus der Beurteilung des Preisgerichtes:
"Die Entwurfsidee des Verfassers, das Dokumentationszentrum sehr eng mit den Bodenrelikten im Ausstellungsgraben entlang der Wilhelmstraße zu verweben, wird als eigenständige, jedoch vom Nutzer als fragwürdige Lösung beurteilt. Die Relikte könnten als Bestandteil des neuen Gebäudes gelesen werden und damit ihre Authentizität teilweise verlieren. (…)
Die Grundrissorganisation überzeugt durch ihre Klarheit und konsequente Sortierung nach Nutzungsbereichen. (…)
Die Zurückhaltung in der Ausprägung des "Schutzbaus" setzt sich konsequent in der Landschaftsgestaltung fort. Die unprätentiösen Maßnahmen im Gelände und der Vegetation werden als adäquat für diesen Ort erachtet."
Modell
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Auszug aus der Beurteilung des Preisgerichtes:
"Der Beitrag nimmt zunächst durch seine klare städtebauliche Positionierung an der Wilhelmstraße ein. Es wird ein positives Spannungsverhältnis zum Gropiusbau hergestellt und zugleich ein klarer Raum aufgespannt.
Das Gebäude ist funktional sinnvoll auf drei Obergeschossebenen gegliedert. Die Ausstellungsebene gestattet eine variable Bespielung und eröffnet zugleich Ausblicke auf das Gelände. Die Büros sind funktional eingeteilt und gut belichtet. (…)
Der Anspruch des Verfassers, zurückhaltend und respektvoll mit dem Gelände umzugehen, wird besonders gewürdigt, allerdings ist nicht zu übersehen, dass die Oberflächengestaltung mit Granitstreifen bis zum überdies verbreiterten Ausstellungsgraben diesen Anspruch konterkariert."
Modell
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Auszug aus der Beurteilung des Preisgerichtes:
"Die Positionierung des neuen Baukörpers an der nord-östlichen Ecke des Grundstückes überzeugt. Dadurch wird ein wirkungsvolles Spannungsfeld zwischen dem Martin-Gropius-Bau und dem kompakten, neu gebauten Kubus erzeugt, von dem auch die in Pavillons eingehausten Bodenfunde in ihrer Wahrnehmung profitieren.
Die Orientierung der Eingänge zum Kreuzungsbereich Niederkirchnerstraße erscheint aus diesem Grund plausibel und folgerichtig. Positiv wird bewertet, dass das Haus von jeder Ebene aus und über den Ausstellungsgraben erschlossen werden kann. (…)
Das Freiraumkonzept sieht einen markant geführten Rundweg vor, der es ermöglicht alle Stationen der Ausstellung zu erreichen. Allerdings überzeugt die Wahl der Mittel für die Gestaltung der Freiräume (Heidekraut und Ziegelstein) nicht.
Die Jury würdigt bei dieser Arbeit eher den städtebaulichen Ansatz als das hochbauliche Konzept eines Ausstellungs- und Dokumentationszentrums der Topographie des Terrors."
Modell
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Auszug aus der Beurteilung des Preisgerichtes:
"Das als Grundstückseinfriedung, öffentliche Ausstellungsfläche und Teil eines Rundweges entwickelte Pult ist ein interessanter Beitrag zur behutsamen Annäherung an das Gelände. Der Steg durch das Robinienwäldchen wird kritisch bewertet, da er eine unnötige Distanz zur Erfahrung des Geländes aufbaut. Der Umgang mit den Freiflächen ist sehr behutsam und entspricht den in der Auslobung formulierten Vorstellungen.
Das Dokumentationszentrum ist städtebaulich sehr gut platziert, das Raumprogramm gut in einen kompakten und schlichten Baukörper übersetzt, der sich sowohl räumlich als auch gestalterisch zurücknimmt. (...)
Kontrovers diskutiert wird die zentrale Lage und der inszenatorische Charakter durch die Verglasung des Bodendenkmals 'Zellenböden'. Die Anordnung der Ausstellungsflächen auf zwei Ebenen wird kritisch bewertet, die innere Transparenz des Gebäudes jedoch als positiv angesehen."
Modell
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Auszug aus der Beurteilung des Preisgerichtes:
"Das Projekt wird als stadträumlich interessant eingestuft, da es sich auf die Wilhelmstraße ausrichtet und dadurch den Freiraum respektiert. Vom eigentlichen Haupteingang wird der Blick auf das Gebäude, die Bodendenkmäler und das Dokumentationszentrum gelenkt.
Die Reste der Grenzmauer werden von zwei Ebenen erlebbar. Die anderen Bodenfunde werden über freie Rundwege zugänglich. Die Erschließung des Gebäudes geschieht über das Dach der Ausstellungsbereiche über die im Erdgeschoss liegende Cafeteria. (…)
Die Fassade hat einen eigenständigen Ausdruck ohne nachvollziehbaren Bezug zur innenräumlichen Organisation."
Fotos: Torsten Seidel, Berlin
Referat A2 – Projektentwicklung, Wettbewerbe, Zuwendungsbau,
Landschafts- und Innenarchitektur, Kunst am Bau
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