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Nicht offener, einphasiger Wettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerberverfahren
Der von der Bundesregierung initiierte Architektenwettbewerb zum Umbau des Berliner Deutschlandhauses für das Ausstellungs-, Dokumentations- und Informationszentrum der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung (SFVV) ist entschieden. Es wurden zwei erste Preise vergeben. Nach Verhandlungsgesprächen mit den beiden erstplatzierten Architekturbüros am 29. November 2011 beabsichtigt das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) im Auftrag der Auslober (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung und dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien) den Umbau des Deutschlandhauses für die Bundesstiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung zusammen mit Marte.Marte Architekten ZT GmbH aus Feldkirch (Österreich) zu realisieren.
Das Preisgericht unter Vorsitz des Architekten Hanno Chef-Hendriks hatte in seiner Sitzung vom 4. November 2011 zunächst die beiden Entwürfe der Büros Marte.Marte Architekten ZT GmbH (Feldkirch, Österreich) und F29 Architekten GmbH (Dresden) einstimmig als qualitativ gleichwertig mit zwei ersten Preisen ausgezeichnet, von denen nun der Entwurf von Marte.Marte Architekten zur Ausführung kommen wird.
Auszug aus der Beurteilung durch das Preisgericht
Die Arbeit 1865 geht davon aus, dass die Struktur und Konstruktion des bestehenden, teilweise denkmalgeschützten Gebäudes nicht dem Ideal eines Museumsbaus entspricht. Sie reduziert dementsprechend konsequent den Bestand ausschließlich auf die historisch wertvolle Substanz im Bereich der Straßenfassaden Stresemannstraße und Anhalterstraße. Der Rest des Gebäudes weicht einem zeitgenössischen Museumsbau mit frei bespielbaren Ausstellungsflächen. Dies wird unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten kritisch gesehen, entspricht aber den Vorgaben der Auslobung.
Der Altbau wird in seiner Nutzung auf die Verwaltung, das Dokumentationszentrum und die externen Büroflächen reduziert. Der Neubau entwickelt sich auf einem Sockelgeschoss über einen folgerichtig zweigeschossigen zentralen Raum in die darüberliegenden Geschosse mit der bedeutenden Dauerausstellung. Das schmale viergeschossige Atrium zwischen Alt- und Neubau dient der Belichtung und der konsequenten räumlichen Zuordnung und Definition der Bereiche. Die funktionalen Anforderungen werden gut erfüllt. Der Eingang und Empfangsbereich lenkt den Besucher direkt in die Foyerhalle, von der er wesentliche Merkmale der Baustruktur und vor allem andere wichtige Orientierungshilfen erfährt, die eine gelenkte aber auch eine autonom gewählte Wegführung ermöglichen sollen - für die Museumsbesucher zur Dauerausstellung oder zum aktuellen Museumsgeschehen in der Wechselausstellung. (...)
Zu überlegen ist, ob diesem Anliegen die Erschließung und ein Haupteingang von der Anhalterstraße noch besser gerecht werden würde.
Die Gestalt des Baukörpers stellt sich unter diesen Vorgaben konsequent und idealtypisch dar. Die Konstruktion und Materialwahl ist dem Anspruch angemessen. (...)
Die Arbeit 1865 ist ein sehr guter Beitrag zur Lösung der beschriebenen Aufgabe.
Auszug aus der Beurteilung durch das Preisgericht
Die Arbeit 1857 zeichnet sich aus durch eine große Schlichtheit, mit bescheidenen Eingriffen in den denkmalgeschützten Bestand.
Die neue Nutzung sucht keine zeichenhafte Präsenz im Stadtraum und erhält den Solitärcharakter von Europa- und Deutschlandhaus. (...)
Der Bürobereich über dem nur zweigeschossig überbauten Innenhof ist einfach zu organisieren und zu belichten. Die Erschließung über das zweigeschossige Foyer an der Anhalterstraße ist großzügig und unprätentiös. Beginnend mit der Erschließungstreppe entwickelt sich ausgehend im 1. Obergeschoss der Ausstellungsrundgang, der großzügige neutrale Flächen mit den Themenübersichten in der Passage zum Altbau verknüpft. Am Ende des Rundgangs im 1. Obergeschoss und Übergang zum Erdgeschoss bietet ein turmartiger Raum Ausblick zur Topographie des Terrors und zur Stadt. Im Erdgeschoss führt der Rundgang folgerichtig zurück zum Eingangsfoyer. Der vermietbare Bürobereich und der separat bespielbare Vortragsraum im ersten Obergeschoss sind unter Erhalt der Treppenanlage aus den fünfziger Jahren von der Stresemannstraße erschlossen. (...)
Auszug aus der Beurteilung durch das Preisgericht
Die Verfasser legen den Eingang an die Anhalter Straße. Das Eingangselement verleiht dem neuen Eingang zusätzlich Gewicht. (...) Das Foyer öffnet sich folgerichtig zu den Ausstellungsbereichen; das Café Stresemann ist gut angebunden.
Auf dem Weg zur Dauerausstellung wird durch die deutliche Ablösung des eingestellten Kubus vom Altbau ein spannendes und ablesbares Raumkonzept inszeniert. Die Anordnung der unterschiedlichen Räume für die Besucher ist insgesamt funktional gut gelöst. Das Foyer findet mit der Wechselausstellungsfläche im Erdgeschoss seine sinnvolle Ergänzung. Der Weg zur Dauerausstellung wird über einen gläsernen Aufzug angeboten, der nochmals die Raumfuge inszeniert. Die beiden Geschosse für die Dauerausstellung sind durch die differenzierte Wegeführung gut bespielbar. Die Räume der Stiftung und des Dokumentationszentrums sind erlebbar eingebunden in das Konzept der Ausstellung.
Die durch die Verspringung der Baukörper entstehenden Resträume und -flächen wirken etwas beliebig und sind nicht für das Verständnis des eingefügten Volumens notwendig. (...) notwendig gewesen.
Das um 1930 in Berlin erbaute und um 1960 nach Kriegszerstörungen wieder errichtete sogenannte Deutschlandhaus an der Ecke Stresemannstraße/Anhalterstraße soll saniert und umgebaut werden, um eine Nutzungsmischung aus Ausstellung und Büroetagen aufnehmen zu können. Das Ausstellungs-, Dokumentations- und Informationszentrum der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung (SFVV) soll mit einer Nutzfläche von circa 3.300 Quadratmeter im Erdgeschoss bis 2. Obergeschoss untergebracht werden.
Der Schwerpunkt der Dauerausstellung liegt auf der Darstellung von Flucht, Vertreibung und Zwangsmigration im 20. Jahrhundert. Daneben sind Räume für Wechselausstellungen, Veranstaltungen und ein Dokumentationszentrum vorgesehen.
Büros mit einer Nutzfläche von circa 2.400 Quadratmeter sollen in den oberen Etagen untergebracht werden.
Verfahren
Nichtoffener, anonymer Wettbewerb nach §3 (2) RPW 2008. Auswahl von 20 bis 25 Teilnehmern in einem vorgeschalteten offenen Bewerbungsverfahren nach VOF.
Referat A2 – Projektentwicklung, Wettbewerbe, Zuwendungsbau,
Landschafts- und Innenarchitektur, Kunst am Bau
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