Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung

Kunst-am-Bau-Wettbewerb Humboldt Forum im Berliner Schloss – Zentrale Treppenhalle

Offener, zweiphasiger Wettbewerb

  • Status Abgeschlossen
  • Veröffentlichung 01.08.2017
  • Entscheidung 06.03.2018

Bauprojekt

  • Kunststandort(e) Zentrale Treppenhalle

Entscheidung des Preisgerichts

Das Preisgericht der 1. Phase unter Vorsitz von Professor Dr. Georg Imdahl, Kunstakademie Münster tagte am 27.11.2017 und wählte aus 136 eingereichten Wettbewerbsarbeiten 18 Künstlerinnen und Künstler für die die zweite Phase aus. In der Preisgerichtssitzung der 2. Phase am 06.03.2018 wurden ein 1. Preis, ein zweiter und ein dritter Preis vergeben.

Preisträger

1. Preis - 1983 Kang Sunkoo, Berlin

"Statue of Limitations"


Berater: Hermann Noack Jr., Bildgiesserei Hermann Noack Berlin

Entwurf 1. Preis - Standort Zentrale Treppenhalle und Nachtigalplatz in Berlin Statue of Limitations Entwurf 1. Preis - Standort Zentrale Treppenhalle und Nachtigalplatz in Berlin



Entwurf 1. Preis - Standort Zentrale Treppenhalle - Rendering Statue of Limitations 1. Preis - "Statue of Limitations" für die zentrale Treppenhalle (Rendering)

Beurteilung der Jury

Der Entwurf „Statue of Limitations“ sieht eine zweiteilige, schwarz patinierte Bronzeplastik in Form einer Flagge auf Halbmast vor, die an zwei Orten in Berlin errichtet werden soll. Die obere Hälfte der Flagge und des Masts soll auf dem Nachtigalplatz des „Afrikanischen Viertels“ in Berlin-Wedding aufgestellt werden, die untere Hälfte im zentralen Treppenhaus des Humboldt Forums. Die Skulptur überzeugt die Jury als Metapher der Erinnerung an den Kolonialismus, ihr Titel spielt auf den juristischen Terminus der Verjährung an („Statute of Limitations“). Die Arbeit versteht sich als permanente Aufforderung, sich kritisch mit der Kolonialgeschichte auseinanderzusetzen. In einem dezentralen Konzept verbindet sie mehrere symbolisch aufgeladene Orte in Berlin und ihre Historie.

Der Künstler selbst versteht seine Arbeit als „Ausdruck von gemeinsamer Erinnerung“, die sich „auf den gleichberechtigten kulturellen Austausch zwischen Gruppen verschiedener nationaler Identität und die damit verknüpfte Bildung einer (zukünftigen) gemeinsamen Geschichte“ richte.

Nach kontroverser Diskussion überzeugt der Entwurf die Mehrheit der Jury als Vorschlag, der in Aussage und Reflexion inhaltlich und thematisch wie auch formal weit über die anderen eingereichten Vorschläge hinausragt. Er reflektiert die Geschichte der Kolonialisierungen wie auch deren Folgen bis in die Gegenwart und fungiert dergestalt als Denkmal, das über den Ort des Humboldt Forums programmatisch hinausweist. Indem der Entwurf den Nachtigalplatz in Berlin-Wedding in der Nähe des U-Bahnhofs „Afrikanische Straße“ miteinbezieht, stellt er eine direkte Verbindung her zu einem anderen Ort in der Stadt, an dem sich die Spätfolgen der Geschichte unmittelbar zu erkennen geben.

Jener Impuls einer kritischen Befassung teilt sich in der Gestalt einer durchgehend schwarzen Bronze mit, in der der Fahnenmast wie auch die Fahne selbst realisiert werden soll. Die Teilung des Objekts und seine Platzierung an zwei Standorten ist aus den erwähnten Motiven nicht nur überaus schlüssig, sie mag auch eine als neuralgisch empfundene Teilung der Welt überhaupt in unterschiedliche Einflusssphären mit unterschiedlichen politischen, ökonomischen und kulturellen Gewichtungen symbolisieren. In diesem Sinne bleibt auch den Betrachtenden der Skulptur an beiden Orten die Anschauung einer Ganzheit vorenthalten. Die Skulptur verkörpert vielmehr in sich selbst ein fragmentarisches Ganzes, das sich für die Mehrheit der Jury wiederum ausgesprochen stimmig in die Architektur und den anderen vorgesehenen Ort einfügen dürfte.

Insgesamt sieht der Entwurf „Statue of Limitations“ keine dekorative, den Ort ausschmückende Lösung vor, vielmehr verpflichtet er zu einer hinterfragenden Haltung.

2. Preis - 1975 Horst Gläsker, Düsseldorf

"KOSMOS"

Berater: P 18 Architekten, Düsseldorf
Sonderfachleute: Kerstin Wieler, Raumkonzepte, Barrisol

Entwurf 2. Preis "KOSMOS" "KOSMOS" Entwurf 2. Preis "KOSMOS"



Entwurf 2. Preis "KOSMOS" - Rendering "KOSMOS" Entwurf 2. Preis "KOSMOS" - Rendering

Beurteilung der Jury

Die Arbeit „Kosmos“ steht in ihrer Farbigkeit in der Tradition barocker Deckenmalereien. Dabei handelt es sich hier um eine moderne Arbeit mit modernen Materialien und Technologien. Die Arbeit fügt sich gut in die Architektur ein und spannt einen lichtdurchfluteten Sternenhimmel über die gesamte Treppenhalle. Die Stärke der Arbeit liegt in ihrer Leichtigkeit und Harmonie mit dem Raum.

Das gewählte Thema Kosmos passt nicht nur zum Thema des Hauses im Sinne der Humboldt-Brüder, sondern soll die Besucher auch inspirieren neue Welten im 2. und 3. Obergeschoss zu erkunden. Die raumfüllende Installation wird schon von Weitem sichtbar sein und neugierig machen. Sowohl das Werk als auch der Raum kann als Gesamtkunstwerk wahrgenommen werden.

3. Preis - 1973 Prof. Renata Stih und Prof. Dr. Frieder Schnock, Berlin

" Memory Maps"

Entwurf 3. Preis "Memory Maps" Entwurf 3. Preis



Entwurf 3. Preis - Rendering "Memory Maps" Entwurf 3. Preis - Rendering

Beurteilung der Jury

Das Kunstwerk „Memory Maps“ nimmt Bezug auf historische Stabkarten, wie sie im 19. Jahrhundert im Südpazifik in Gebrauch waren. Die Berliner Sammlung im Ethnologischen Museum verfügt über herausragende Beispiele, weshalb sich für den Besucher eine unmittelbare Verbindung zur Ausstellung im Humboldtforum ergeben dürfte.

Das Kunstwerk ist dreigeteilt und hängt frei im Luftraum, füllt diesen großflächig ohne erdrückend zu wirken. Der filigrane Charakter des Kunstwerkes führt einen interessanten Dialog mit der klaren, orthogonalen Struktur der Architektur des Hauses.

Aus der reinen Seitenansicht des Hauses entfaltet das Kunstwerk aufgrund seiner linearen Hängung nicht seine volle Wirkung, sollte aber trotzdem von Treppe und Rolltreppe aus einsehbar sein, man muss sich die Arbeit in seiner Gänze erschließen. Die Farbgebung – blau, rot, gelb – wirkt überraschend. Insgesamt stellt das Kunstwerk einen inspirierenden Beitrag zur Wettbewerbsaufgabe dar.


Informationen zum Wettbewerb

Wettbewerbsaufgabe

Mit dem Humboldt Forum im Berliner Schloss entsteht nach Plänen des italienischen Architekten Franco Stella in der historischen Mitte Berlins ein einzigartiges Kulturhaus von nationaler und internationaler Bedeutung.

Anlass und Ziel

Die Treppenhalle ist der zentrale Verteilerraum im Humboldtforum. Sie liegt zwischen der Eingangshalle, in dem das Ticketing erfolgt, und der öffentlichen Nord-Süd Passage, die die Straße Unter den Linden mit dem Schlossplatz verbindet. Mit einer Länge von mehr als 60 Metern und einer Breite von etwa 12 Metern schließt die Treppenhalle direkt an die nördlichen und südlichen Schlossflügel an. Als vertikale Verteilerzone verbindet sie über Treppen, Rolltreppen und Aufzüge das Erdgeschoss mit den drei Obergeschossen.

Kunst am Bau

Als Teil der Baumaßnahme, die das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) im Auftrag der Bauherrin, der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss, betreut, werden vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR), Referat A 2, insgesamt vier Kunst-am-Bau-Wettbewerbe ausgelobt.

Das Humboldt Forum will als ein kosmopolitischer Ort das Zusammenleben von Kulturen und Nationen in besonderer Weise ansprechen. In diesem Sinne dienen die Brüder Alexander und Wilhelm von Humboldt als Leitfiguren für dieses Konzept. Das zentrale Thema der Kunst-am-Bau in diesem Wettbewerb war es, das Humboldtforum als „Ort der Welt“ zu reflektieren. Als Kunststandort waren dafür zwei Bereiche in der zentralen Treppenhalle vorgegeben: die Decke über dem 3. Obergeschoss und / oder der zentrale mittlere Luftraum im 2. und 3. Obergeschoss.

Ziel des Wettbewerbs war es, für die definierten Bereiche in der Treppenhalle des Humboldtforums eine künstlerische Intervention zu entwickeln, die sich thematisch mit den Humboldt‘schen Ideen – „die kosmopolitische Weltsicht, die auf der Gleichberechtigung der Weltkulturen basierte“ – auseinandersetzt, dabei gleichzeitig die Aufenthaltsqualität erhöht sowie über eine hohe künstlerische Qualität und Aussagekraft verfügt.

Die Realisierungskosten betragen maximal 300.000 Euro brutto.

Wettbewerbsverfahren

Das Verfahren wurde als offener, zweiphasiger Realisierungswettbewerb in deutscher und englischer Sprache ausgelobt. Die Ausschreibung erfolgte in Anlehnung an die Richtlinie für Planungswettbewerbe (RPW 2013) und gemäß „Leitfaden Kunst am Bau“ (BMUB 2012). Teilnahmeberechtigt waren professionelle nationale und internationale Künstler/-gruppen. Das Verfahren war bis zum Abschluss anonym. Tag der Auslobung war der 1. August 2017.

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Zum Thema

Kontakt

  • Referat A2 – Projektentwicklung, Wettbewerbe, Zuwendungsbau,
    Landschafts- und Innenarchitektur, Kunst am Bau 
    Straße des 17. Juni 112
    10623 Berlin

    Tel.: +49 30 18401-9202
    Fax: +49 30 18401-9209
    E-Mail: architektur@bbr.bund.de

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