Hinweis zur Verwendung von Cookies
Wir verwenden auf unserem Internetangebot nur technisch notwendige Cookies, beispielsweise bei Login-Feldern. Weitere Informationen zum Datenschutz finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Neubau auf der Berliner Schlossfreiheit
Die Schale des Freiheits- und Einheitsdenkmals wird auf dem historischen Sockelbauwerk stehen und wie eine Waage beweglich gelagert sein.
Seit Mai 2020 entsteht in Berlin-Mitte ein Denkmal für die Friedliche Revolution in der DDR im Herbst 1989 und die deutsche Wiedervereinigung 1990. Am ehemaligen Standort des Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmals vor dem Humboldt Forum soll eine 50 Meter lange und 18 Meter breite begehbare Schale an diese zentralen Ereignisse der jüngeren deutschen Geschichte erinnern. Das ähnlich einer Waage bewegliche Denkmal verdeutlicht, dass Freiheit und Einheit nicht selbstverständlich, sondern von den Menschen abhängig und auf deren stetiges Engagement angewiesen sind.
Am 9. November 2007 beschloss der Deutsche Bundestag den Bau eines Denkmals für die Freiheit und Einheit Deutschlands. In einem ersten, 2008 bis 2009 vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) durchgeführten Wettbewerbsverfahren konnte kein geeigneter Entwurf für das Denkmal ermittelt werden. Den zweiten, im Jahr 2010 durchgeführten Gestaltungswettbewerb konnte das Stuttgarter Büro Milla & Partner in Arbeitsgemeinschaft mit der Künstlerin Sasha Waltz für sich entscheiden. Ihr Entwurf „Bürger in Bewegung“ stellt die Bürgerinnen und Bürger der Friedlichen Revolution von 1989 in den Mittelpunkt und lädt Besucherinnen und Besucher dazu ein, selbst aktiver Teil des Denkmals zu sein.
Das Büro Milla & Partner verantwortet als sogenannter Generalübernehmer alle Planungs- und Bauleistungen für das Denkmal. Trägerin der Maßnahme ist die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, in deren Etat die Haushaltsmittel für den Bau veranschlagt sind. Als Bauherrenvertretung des Bundes übernimmt das BBR die baufachliche Leitung des Projektes. Während der Planungsphase, die bis einschließlich 2018 dauerte, wurde das Projekt vom BBR-Referat IV 4 betreut, ab 2019 vom BBR-Referat IV S 3. Das Bundesbauministerium (BMWSB) begleitet das Projekt als baufachlich oberste Fachaufsichtsbehörde.
Im Mai 2020 wurde mit dem Bau des Freiheits- und Einheitsdenkmals begonnen. Auf dem rund 3.000 Quadratmeter großen historischen Sockel entsteht die knapp 6 Meter hohe und etwa 700 Quadratmeter große bewegliche Schale.
Ausgangspunkt: Ein Denkmal für die Deutsche Einheit
Die Idee eines Bürgerdenkmals auf der Berliner Schlossfreiheit zur Erinnerung an die deutsche Wiedervereinigung geht auf die Initiative „Denkmal Deutsche Einheit“ zurück, die das namensgebende Unterfangen 1998 in einem Brief an die damaligen Amtsinhaber, Bundeskanzler Helmut Kohl, die Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth, den Bundesratsvorsitzenden Gerhard Schröder und den Regierenden Bürgermeister von Berlin, Eberhard Diepgen, forderte.
Nachdem der Kulturausschuss des Deutschen Bundestages die Idee im Jahr 2000 zunächst ablehnte, wurde sie 2005 von dem Bürgerverein Deutsche Gesellschaft und der Bundesstiftung Aufarbeitung wieder aufgegriffen. 2007 beschloss der Bundestag den Bau eines Denkmals in der Mitte Berlins, 2008 wurde konkret die Berliner Schlossfreiheit als Standort vorgesehen.
Am Standort des Freiheits- und Einheitsdenkmals befand sich bis 1950 das Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmal, das von der SED-Führung abgebrochen wurde.
Wettbewerbe
Für die Gestaltung des Denkmals wurde 2009 ein erster Wettbewerb ausgelobt. Im Zuge des offenen, zweistufigen Verfahrens wurden 532 Vorschläge eingereicht, aus denen ein Preisgericht im April 2009 Teilnehmer für die 2. Stufe auswählte. Die Jury einigte sich im Vorfeld auf eine Entscheidung unter Voraussetzung der absoluten Mehrheit ihrer Stimmen. Da keine Einreichung diese Mehrheit erhielt, musste der Wettbewerb abgebrochen werden.
Noch im selben Jahr wurde ein zweiter Wettbewerb ausgelobt. Diesem wurde ein Bewerberverfahren vorangestellt, in dem auch Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem vorangegangenen Wettbewerbsverfahren berücksichtigt wurden. Unter den 28 Entwürfen, die in den Wettbewerb gelangten, vergab das Preisgericht drei gleichrangige Preise sowie zwei Anerkennungen. Die Ergebnisse des Verfahrens wurden am 3. Oktober 2010 vom damaligen Kulturstaatsminister Bernd Neumann präsentiert.
Nach einer von der Jury empfohlenen Überarbeitung der drei Siegerentwürfe fiel die Wahl der Auslober, des damaligen Kulturstaatsministers Bernd Neumann in Zusammenarbeit mit dem damals zuständigen Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, auf den Entwurf „Bürger in Bewegung“ von Milla & Partner in Arbeitsgemeinschaft mit Sasha Waltz.
Konzept und Technik
Das Freiheits- und Einheitsdenkmal ist als begehbare Waage in Form einer Schale konzipiert. Um eine durch Feder- und Dämpfsysteme gesicherte Bewegung der etwa 150 Tonnen schweren Installation hervorzurufen, müssen Besucherinnen und Besucher sich auf ein gemeinsames Vorgehen verständigen: Erst wenn sich deutlich mehr Menschen auf derselben Seite der Schale befinden, beginnt diese, sich langsam zu neigen. „Freiheit und Einheit sind keine dauerhaften Zustände, sondern müssen stets neu gestärkt und definiert werden, sie erfordern ständiges Engagement. Dieses Prinzip bildet die gedankliche Basis des Denkmals und begründet seinen performativen und veränderlichen Charakter“, erläuterten die Verfasserinnen und Verfasser bereits im Wettbewerb ihren Entwurf.
Auf der Oberfläche des Entwurfs ist in goldener Schrift ein Leitsatz der Friedlichen Revolution von 1989 festgehalten: „Wir sind das Volk. Wir sind ein Volk“.
Die Schale besteht aus einer komplexen Stahlstruktur und ist über Rampen barrierefrei zugänglich. Das Gewicht der Schale wird nicht vom historischen Sockel, sondern von sieben Gründungspfählen aus Stahlbeton und einer darauf lagernden Kopfplatte getragen.
Milla & Partner führten im Zuge der Planungen Tests anhand eines Teilmodells in realer Größe durch, um die Proportionen und die maximale Neigung der Schale zu prüfen.
Planung und Bauvorbereitung
Bei der 2012 begonnenen und vom BBR-Referat IV 4 geleiteten Sanierung des historischen Denkmalsockels wurden – in erheblich größerem Umfang und besserem Erhaltungszustand als zu erwarten war – Mosaike aus der Zeit Kaiser Wilhelms I. freigelegt. Diese mussten zunächst umfassend untersucht und vom Landesdenkmalamt begutachtet werden. Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien und das Land Berlin verständigten sich Ende 2014 darauf, das aus restauratorischen Gründen demontierte und eingelagerte Mosaik nicht wieder auf dem Denkmalsockel zu verlegen. Ferner wurde vereinbart, dass für den weiteren Umgang mit dem Mosaik und gegebenenfalls seine Sichtbarmachung an anderer Stelle das Land Berlin zuständig ist.
Im Oktober 2015 wurde die Baugenehmigung für das Freiheits- und Einheitsdenkmal erteilt. Aufgrund der im Zuge der Vertiefung der Planung erheblich gestiegenen Kosten stoppte der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages zwischenzeitlich das Projekt. Am 1. Juni 2017 machte ein Plenarbeschluss des Deutschen Bundestages schließlich den Weg für das Bauvorhaben frei. Auf dieser Grundlage bestätigte der Haushaltsausschuss des Bundestages die erforderlichen Mittel, und das Finanzministerium erteilte die haushaltsmäßige Anerkennung im Oktober 2018.
Im Rahmen des Projektes stieß die Bauvorbereitung in den Jahren 2019 und 2020 auf unvorhergesehene Komplikationen. In dem Gewölbe des historischen Sockels, dem künftigen Standort des Denkmals, waren schon länger die Quartiere von Fledermäusen bekannt, die nach dem Bundesnaturschutzgesetz artgeschützt sind. Zum Schutz der Tiere und ihrer Nist- und Ruheplätze war ein Ausgleichskonzept zu entwickeln und von der Obersten Naturschutzbehörde zu genehmigen. Dieses Verfahren erwies sich als äußerst komplex und zeitaufwändig.
Der ehemalige Bundestagspräsident Norbert Lammert, die damalige Staatsministerin für Kultur und Medien Monika Grütters und der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (v. l. n. r.) beim symbolischen Spatenstich für das Freiheits- und Einheitsdenkmal.
Der Bau des Freiheits- und Einheitsdenkmals begann schließlich im Mai 2020.
Vorbereitung des Denkmalsockels und Gründungsarbeiten
Für die Gründung des Freiheits- und Einheitsdenkmals waren verschiedene Arbeiten innerhalb des Sockels des ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmals notwendig. Die betroffenen Gewölbeteile des Sockels wurden zunächst vorübergehend verfüllt und Teile der Gewölbe mit leichtem Gerät abgebrochen. Anschließend wurden ein Bohrgerät und weitere Hilfsgeräte eingesetzt, um die insgesamt sieben Bohrpfähle für die Gründung des Freiheits- und Einheitsdenkmals herzustellen. Der Durchmesser der Bohrpfähle beträgt etwa 1,20 Meter, die Pfahltiefe rund 40 Meter.
Die Gründungsarbeiten für das Freiheits- und Einheitsdenkmal konnten ohne Probleme durchgeführt werden. Erfreulicherweise konnten Gewölbebereiche erhalten werden, die nach ursprünglicher Planung abgebrochen werden sollten, weil die historische Mauerwerkskonstruktion massiver und damit stabiler ist, als aus den Bestandsunterlagen ersichtlich war.
Im September 2021 war die sogenannte Pfahlkopfplatte (Mitte) nahezu fertiggestellt, die für die Gründungsarbeiten zurückgebauten Gewölbe (links) in weiten Teilen wiederhergestellt.
Das Gewölbe des Denkmalsockels über dem Mühlengraben, das für die Gründungsarbeiten zurückgebaut worden war, wurde in der zweiten Jahreshälfte 2021 wiederhergestellt. Zudem wurde die sogenannte Pfahlkopfplatte, eine Stahlbetonplatte, auf der die bewegliche Schale montiert wird, fertiggestellt.
Anschließend entstehen Rampen als neue barrierefreie Zugänge zum Denkmal. Zudem erhält die obere Ebene des Sockelbauwerkes einen neuen Belag.
Herstellung der Schalen-Elemente
Seit Anfang 2021 wird die Denkmalschale in insgesamt 32 Teilsegmenten in einem Werk in Stemwede (Nordrhein-Westfalen) produziert.
Die einzelnen Schalenelemente entstehen in der Werkshalle eines auf anspruchsvolle Stahlkonstruktionen spezialisierten Unternehmens.
Im Inneren der Schalenelemente ist während der Herstellung die komplexe Struktur der Konstruktion erkennbar.