Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung

Bauprojekt Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße

Grundinstandsetzung

Das Bild zeigt die von Hans Scharoun entworfene Staatsbibliothek zu Berlin in der Potsdamer Straße. Die Aufnahme ist vom Kulturforum aus aufgenommen. Grundinstandsetzung Staatsbibliothek Potsdamer Straße Die Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße, 2017 Quelle: BBR / Jens Andreae

Projektdaten

  • Nutzer Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Adresse Potsdamer Straße 33, 10785 Berlin, Deutschland
  • Architektur gmp Generalplanungsgesellschaft mbH
  • Projektleitung Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, Referat IV 3
  • Gesamtkosten Die Kosten des Bauvorhabens können erst nach den Bestandsuntersuchungen, dem dabei ermittelten Sanierungsumfang und der auf dieser Grundlage erstellten Entwurfsplanung ermittelt beziehungsweise prognostiziert werden.
  • Wettbewerb nichtoffener Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerberverfahren
  • Planungsbeginn 2020
  • Baubeginn geplant 2025 (1. Bauabschnitt)
  • Fertigstellung abschnittsweise (je nach Ergebnis der Bestandsuntersuchungen, dem dabei festgestellten Sanierungsumfang und der Bauabschnittsbildung zur Aufrechterhaltung eines Teilbetriebes)
  • Bruttogrundfläche rund 110.000 Quadratmeter, inklusive drei Untergeschosse
  • Nutzfläche rund 67.000 Quadratmeter

Projektbeschreibung

Unter der Leitung des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung wird das Haus der Staatsbibliothek zu Berlin in der Potsdamer Straße in den kommenden Jahren einer Grundinstandsetzung unterzogen. Die nach Plänen von Hans Scharoun gebaute Architekturikone ist wesentliches Element des Kulturforums in Berlin-Mitte und wurde 1978 eröffnet.

Nach mehr als 40 Jahren intensiver Nutzung ist die Sanierung der Bausubstanz unumgänglich. Insbesondere müssen nahezu sämtliche technischen Anlagen erneuert werden. Weiterer wesentlicher Aspekt der Grundinstandsetzung ist eine umfassende Schadstoffsanierung. Im Zuge der umfangreichen Sanierungsarbeiten sollen außerdem einige Anpassungen des Gebäudes an den heutigen Bedarf erfolgen. Insbesondere soll es künftig einen Zugang vom Marlene-Dietrich-Platz geben und einige öffentliche Nutzungen, wie Cafeteria und Bibliotheksladen im Foyer ergänzt werden.

Die geplanten Nutzungsänderungen im Haus Potsdamer Straße bilden den letzten Baustein der Umsetzung des sogenannten Drei-Häuser-Modells der Staatsbibliothek. Dessen erste Bestandteile, der Neubau des Magazingebäudes in Friedrichshagen und die Grundinstandsetzung und Erweiterung des Hauses Unter den Linden sind nahezu komplett umgesetzt.

Im September 2019 wurde der Planungswettbewerb für die Grundinstandsetzung entschieden.

Projektverlauf

Ausgangssituation

In der 1978 eröffneten Staatsbibliothek in der Potsdamer Straße ist nach Jahrzehnten der intensiven Nutzung nicht nur die Sanierung der Bausubstanz sondern auch die Erneuerung der technischen Anlagen erforderlich geworden. Letztere betrifft unter anderem die Klimatechnik, die Elektrotechnik und die Buchtransportanlage, weiterhin die Beleuchtung, Datentechnik, alle sicherheitstechnischen Anlagen und sämtliche Aufzüge.

Weiterer wesentlicher Aspekt der Grundinstandsetzung ist eine umfassende Schadstoffsanierung. Der in den Jahren 2004 bis 2016 erfolgte Ausbau asbesthaltiger Baustoffe umfasste lediglich die asbestkontaminierten Bauteile der Gefährdungsklassen 1 und 2 mit Sanierungsgebot nach der Asbestrichtlinie. In vielen verhältnismäßig kleinen Bauabschnitten konnten diese Bauteile bei laufendem Bibliotheksbetrieb entfernt werden.

Es gibt damit noch immer asbesthaltige Baustoffe im Gebäude, die bei Instandhaltungs- oder Erneuerungsmaßnahmen oder durch vergleichbare physische Einwirkungen gesundheitsgefährdende Fasern freisetzen würden. Daher muss die Grundinstandsetzung zwangsläufig von einer nunmehr vollständigen Beseitigung von Schadstoffen begleitet sein.

Die Untersuchungen der Bausubstanz betreffen nicht zuletzt die tragenden Bauteile, unter anderem Spannbetonträger und weit gespannte Dachkonstruktionen. Anspruchsvoll und arbeitsintensiv werden voraussichtlich die erforderlichen Maßnahmen zum Erhalt oder zur Instandsetzung der denkmalgeschützten Bauteile, Oberflächen und Einbauten.

Vorab sind zwischen 2010 und 2016 Teile der Bauwerksabdichtung und einige Außenanlagen bereits saniert worden. Aufgrund des schlechten Zustands der Natursteinfassaden findet aktuell, ebenfalls vorgezogen, eine Fassadensanierung statt.

Nicht zuletzt soll die nun geplante Grundinstandsetzung für einige weitere sinnvolle Ergänzungen oder Korrekturen am Gebäude genutzt werden:

  • Barrierefreiheit: Die Bibliothek soll möglichst auf allen Ebenen barrierefrei zugänglich werden. Das ist ein nicht ganz triviales Ziel, da der nachträgliche Einbau von Aufzügen konstruktiv problematisch zu werden verspricht und einige Kompromisse mit denkmalpflegerischen Belangen gefunden werden müssen. Dennoch ist es erklärtes Ziel der Staatsbibliothek und des BBR, das Gebäude für alle potentiellen Besucher möglichst angenehm nutzbar zu gestalten.
  • Buchrückgabe: Künftig soll es rund um die Uhr zugängliche Rückgabeautomaten geben.
  • Nutzung: Im internen Bereich wird sich das Iberoamerikanische Institut etwas erweitern und auch die Hauptverwaltung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz wird einige Räume nutzen.
  • Denkmalpflege: Im Zuge der Grundinstandsetzung werden auch einige nachträgliche Änderungen denkmalgerecht korrigiert. Das betrifft vor allem den Rückbau störender Einbauten im Foyer und die Wiederinbetriebnahme der Südtreppe.

Wettbewerb

Der Sanierungsbedarf bietet über die bloße Instandsetzung des Gebäudes hinaus die Gelegenheit, auf inzwischen geänderte Anforderungen einzugehen und einige denkmalpflegerische Korrekturen früherer provisorischer Veränderungen vorzunehmen.

Insbesondere soll der veränderten städtebaulichen Situation rund um das Kulturforum Rechnung getragen werden: Die zur ursprünglichen Planungszeit zu berücksichtigende Stadtautobahnplanung an der Ostseite des Gebäudes ist spätestens mit dem Wegfall der Grenze überflüssig. Damit steht einer Öffnung des Hauses in dieser Richtung, die seinem offenen Charakter weit mehr entsprechen würde als die tatsächlich gebaute Zäsur, nichts mehr im Wege. Ein Eingang am Marlene-Dietrich-Platz ist in den 1990er-Jahren in der Gestaltung des Platzes bereits berücksichtigt worden. Für die Besucher der Staatsbibliothek wird es mit dem zusätzlichen Eingang neben der verbesserten Erreichbarkeit vom Bahnhof Potsdamer Platz sehr viel einfacher, die Infrastruktur des Marlene-Dietrich-Platzes zu nutzen, beispielsweise Gastronomie und Veranstaltungsorte.

Weiterhin ist es Ziel des Wettbewerbs, einige öffentliche Nutzungen der Staatsbibliothek, insbesondere die Cafeteria, in den frei zugänglichen Bereich des Gebäudes zu verlegen. Damit ist sie auch für Besucher der anderen Einrichtungen des Kulturforums nutzbar.

Nächste Schritte: Planungen

Der Wettbewerb für die Grundinstandsetzung der Staatsbibliothek in der Potsdamer Straße wird voraussichtlich Anfang September 2019 entschieden, so dass Ende des Jahres die Planungen beginnen können. Im laufenden Jahr werden Bausubstanzuntersuchungen und Schadstoffgutachten beauftragt, deren Ergebnisse Grundlage weiterer Planungen sein werden. Ebenfalls in diesem Jahr werden erste Auswahlverfahren zur Beauftragung von Projektsteuerung und Fachplanungsbüros durchgeführt.

Fakten zur Grundinstandsetzung

Das Gebäude

Das 1978 fertiggestellte Gebäude der Staatsbibliothek in der Potsdamer Straße gilt in der Baugeschichte als gesellschaftspolitischer, architektonischer und städtebaulicher Meilenstein. Es ist wesentlicher Bestandteil des in den 1960er-Jahren als Ort der Begegnung von Kunst und Wissenschaft konzipierten Kulturforums. Das Gebäude erstreckt sich über 229 Meter Länge und ist an seinem markanten goldglänzenden Bücherturm 42 Meter hoch. Mit zwölf Stockwerken und zwei, teilweise drei Untergeschossen beherbergt das Haus mehr als 5 Millionen Bände und ist Arbeitsplatz für mehr als 400 Beschäftigte. Den Lesesaal nutzen täglich etwa 800 Leser.

Seine städtebauliche Gestalt ist Zeugnis der Nähe zur damaligen Berliner Mauer und damit ein wichtiges Zeugnis der Stadtgeschichte. Gleichzeitig ist das Haus markanter Bezugspunkt für die städtebauliche Entwicklung im Bereich von Kulturforum und Potsdamer Platz. Der große, mit goldeloxierten Aluminiumplatten verkleidete Magazintrakt bildet das verbindende Rückgrat des stark gegliederten Gebäudes, das außerdem das Kulturforum zur damals geplanten rückseitigen Autobahn abschirmen sollte. Die östliche Seite, wo sich heute Spielbank und Musicaltheater befinden, hat deshalb einen vergleichsweise geschlossenen Charakter. Westlich, zum Kulturforum bietet sich ein gänzlich anderes Bild: Das Gebäude ist stark in verschiedene Baukörper und Terrassen gegliedert, die in drei Staffelungen zur neuen Potsdamer Straße abgestuft sind.

Ein von Hans Scharoun geplantes aber nie gebautes Gästehaus des Kulturforums auf der gegenüberliegenden Straßenseite sollte diese Terrassierung aufnehmen und die Straße wie ein Tal erscheinen lassen. Der so formulierte Gedanke einer Stadtlandschaft ist unter anderem Ausdruck der Abkehr Scharouns von dem dominierenden Repräsentationscharakter früherer öffentlicher Gebäude, wie insbesondere eben auch des Stammhauses der Staatsbibliothek Unter den Linden. Trotz der ausgedehnten Dimensionen wirkt das Gebäude an Kulturforum nicht durch seine Größe. Der Haupteingang an der Potsdamer Straße und das Foyer wirken bescheiden und orientieren sich allein am menschlichen Maßstab.

Die sehr großzügige und vielfältig nutzbare Eingangshalle war und ist öffentlich ohne Kontrolle zugänglich und hält die Schwelle zur eigentlichen Bibliotheksnutzung sehr gering. Das weitläufige Erdgeschoss gibt den Bibliotheksbesuchern einen Eindruck von der Großzügigkeit des Hauses. Auch im Inneren des Gebäudes gibt es trotz der Dimension keine ehrfurchtgebietende Monumentalität. Die Bewegung im Gebäude folgt keiner vorgegebenen Achse; vom Foyer gehen zwei gleichwertige, sehr einladend gestaltete Treppenanlagen ab, die zunächst zu dem als Wandelhalle und beruhigender Übergangsbereich konzipierten Ostfoyer führen.

Von beiden Enden des Ostfoyers erreicht man über weitere Treppenläufe den lichtdurchfluteten, bandartigen Lesesaal, der in Analogie zum Städtebau als "Binnenlandschaft" gestaltet ist. Das weitläufige Raumkontinuum, gegliedert durch Treppen und Galerien, die balkonartigen Zwischenebenen und die Positionierung von Möbeln und Einbauten, sorgt für ein überwältigendes Raumerlebnis. Wie schon das Äußere des Gebäudes ist auch die innere Lesesaal-Landschaft in ihrer Staffelung zum Kulturforum hin ausgerichtet.

Zur Erbauungszeit neuartig war die Idee, die Handbibliotheken und Leseplätze ohne räumliche Trennung anzuordnen. Die Sonderlesesäle wurden nicht, wie bisher üblich, räumlich abgetrennt, sondern in den fließenden Raum integriert. Die Arbeitsplätze und Handapparate sind über alle Ebenen verteilt.

Herausforderungen bei der Projektdurchführung

Die Sanierung eines derart großen Gebäudes bringt einige Besonderheiten mit sich, welche die Planung und Umsetzung äußerst anspruchsvoll werden lassen: So ist es für das Funktionieren der Institution Staatsbibliothek erforderlich, mehr als 400 Arbeitsplätze entweder zu verlagern oder, soweit möglich, vor Ort in friedlicher Koexistenz mit einer Großbaustelle zu erhalten. Nach Möglichkeit soll auch ein Teilbetrieb für die Nutzer der Bibliothek und die Besucher des Iberoamerikanischen Instituts aufrechterhalten werden.

Die damit unumgängliche Unterteilung des Bauvorhabens in mehrere Bauabschnitte wird infolge der offenen Raumstruktur großer Teile des Hauses zur Herausforderung und im Zusammenspiel mit Planung und Herstellung aller nötigen Provisorien zur ersten großen Planungsaufgabe nach der Wettbewerbsentscheidung.

Kosten, Termine, Risiken

Etwa 2023 werden die Planungen einen Stand erreicht haben, der eine erste Kostenberechnung sowie eine fundierte Termin- und Gesamtkostenprognose erlauben wird. Auf dieser Grundlage werden die erforderlichen Maßnahmen und das dafür erforderliche Budget als Entwurfsunterlage-Bau nach dem Prozedere der Richtlinien zur Durchführung der Baumaßnahmen des Bundes (RBBau) genehmigt. In dem darin festgeschriebenen Budget sind künftige Preissteigerungen und unvorhersehbare Maßnahmen noch nicht enthalten. Beides wird erst danach in einer auf dieser Grundlage zu erstellenden Gesamtkostenprognose berücksichtigt.

Gleiches gilt auch für Aussagen zum terminlichen Ablauf: Die Entwurfsunterlage wird Terminpläne enthalten, die die geplanten Maßnahmen strukturieren. Es ist bei einem Sanierungsvorhaben dieser Größenordnung jedoch immer mit Unvorhergesehenem und damit mit Fortschreibungen der Terminpläne zu rechnen. Das naheliegende und selbstverständlich auch praktizierte Einplanen von Pufferzeiträumen kann allein nicht genügen, um größere Änderungen oder Störungen in einem laufenden Großprojekt auszugleichen (siehe zum Vergleich auch Grundinstandsetzung Unter den Linden). Terminprognosen, die diesen Umstand berücksichtigen, werden ebenfalls erst mit Aufstellung der Entwurfsunterlage möglich.

Weitere Informationen

Staatsbibliothek zu Berlin Dokumenttyp Artikel

Staatsbibliothek Potsdamer Straße - Abdichtungs- und Fassadenarbeiten Dokumenttyp Bauprojekt

Nutzung: Kultur und Bildung

Staatsbibliothek Potsdamer Straße - Sanierungsarbeiten Dokumenttyp Bauprojekt

Standort: Berlin Typ: Sanierung Nutzung: Kultur und Bildung

Staatsbibliothek Unter den Linden Dokumenttyp Bauprojekt

Standort: Berlin Typ: Sanierung Nutzung: Kultur und Bildung

Staatsbibliothek zu Berlin - Friedrichshagen Dokumenttyp Bauprojekt

Standort: Berlin Typ: Neubau Nutzung: Kultur und Bildung

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