Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung

1. Preis – 1162

gmp Generalplanungsgesellschaft mbH, Berlin

Beurteilung durch das Preisgericht (Auszug):

Die Staatsbibliothek von Scharoun ist originär als großzügiger fließender Raum konzipiert. Sie lädt ein einzutreten, zu verweilen und sich frei zu bewegen. Die ursprüngliche städtebauliche Ausrichtung des Gebäudes ist durch den Wandel des unmittelbaren städtischen Kontextes verändert. Die hinterlassenen Spuren wechselnder Nutzungsanforderungen haben die Bibliothek über die Jahre der Nutzung überformt.

Der Wunsch nach einer Orientierung zu zwei Seiten bildet sich im Erdgeschoss überzeugend ab. Der Zugang zum Westfoyer wird in seiner Position erhalten und bestätigt die originäre Zugangssituation. Die südliche Zugangstreppe wird sinnvoll reaktiviert.

Ein rückwärtiger Eingang wird vom Marlene-Dietrich-Platz geschaffen. Die dezidiert öffentliche Nutzung der ehemaligen Bürolandschaft wird positiv bewertet. Die Treppe im neuen Ostfoyer wird sinnvoll für die Öffentlichkeit aktiviert und erschließt die Wandelhalle im 1. Obergeschoss mit weiteren öffentlichen Nutzungen.

Die Positionierung der Cafeteria im diesen Bereich wird kontrovers diskutiert. Die Lage im Westfoyer mit seiner größeren Tageslichtausbeute, höheren Frequentierung und direkten Verbindung zum bestehenden Lesegarten wird vom Bauherrn bevorzugt.

Vor dem Zugang zum Ostfoyer entwickeln sich sogenannte Leseterrassen. Die aufwändige Außengestaltung der Terrasse ist mit einem großen baulichen Aufwand verbunden. Mit Blick auf die bei aller Aufwertung untergeordnete Bedeutung des Zugangs wirkt die Geste nicht angemessen. Das vor dem Zugang platzierte Vordach wirkt gestalterisch fremd.

Im Westfoyer werden die Wegeführungen und die Setzung der Möbel und Tresen analog zu der ursprünglichen räumlichen Konzeption sinnvoll gestaltet. Die neu entwickelten, festen Elemente der Ausstellungsvitrinen werden kontrovers diskutiert; bevorzugt würden hier flexible Elemente, die eine variable Bespielbarkeit der Flächen zulassen.

Prägende funktionale Elemente der originären Substanz wie die Ausleihe, die Lesegarderobe, Schließfächer oder Sanitärbereiche werden angemessen auf die bauzeitliche Fassung zurückgeführt. Die Bestätigung und funktionale Reaktivierung ebenso wie die interne Organisation dieser Flächen wird als sehr gelungen gewertet.
Der Dietrich-Bonhoeffer-Saal wird in seiner historischen Materialität und Funktion als freigestelltes Element erhalten. Die vorgeschlagene Zweigeschossigkeit wird dagegen kritisch gesehen, ebenso die Verlegung der Zugänge.

Die Positionierung der Zugangskontrolle im 1. Obergeschoss ist eine wichtige und richtige Entscheidung dieser Arbeit. Über die südliche und nördliche Zugangstreppe gelangt der Besucher in die Wandelhalle des 1. Obergeschosses. Vor dem Zugang zum Lesesaal realisieren zwei Rundtresen die Sicherheitskontrolle. Diese Elemente werden in Anlehnung an den bestehenden Informationstresen im Erdgeschoss gestaltet. Die räumliche Begrenzung der ehemaligen Cafeteria wird dazu verändert.

Die Raumfolge im Obergeschoss wird im Sinne von Scharoun wiederhergestellt. Die Wandelhalle wird als öffentlicher Raum zurückgewonnen. Letztere wird über Veranstaltungsräume konsequent öffentlich bespielt. Die Verlegung der Zugangskontrolle in das 1. Obergeschoss bestärkt die Zielsetzung eines offenen inneren Stadtraumes im Erdgeschoss. Der räumliche Gewinn durch die Ausweitung frei zugänglicher Flächen wird als große Stärke des Entwurfes gewertet. Sie entspricht der originären Konzeption Scharouns in gleichem Maße, wie sie die Anforderung an eine neue, offene Bibliothek umsetzt.

Beurteilung der Denkmalpflege:

Der Entwurf wahrt im Wesentlichen die bestehenden Raum-gefüge und -bezüge, greift allerdings im erheblichen Maße in die bauzeitliche Substanz ein. Dies wird insbesondere vor dem Hintergrund einer nicht plausiblen Notwendigkeit als kritisch gesehen. Hierzu gehören unter anderem die Veränderungen des Dietrich-Bonhoeffer-Saals, im Ostfoyer und an der östlichen Fassade im Erdgeschoss. Das neue Vordach wird aus denkmalfachlicher Sicht als ein das Denkmal beeinträchtigender Fremdkörper wahrgenommen.

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Staatsbibliothek zu Berlin, Haus 2, Potsdamer Straße Dokumenttyp Wettbewerb

Im September 2019 wurde der Architektenwettbewerb für die Grundinstandsetzung des Hauses der Staatsbibliothek zu Berlin am Kulturforum entschieden. In dem vom BBR geleiteten Verfahren konnte sich die gmp Generalplanungsgesellschaft mit ihrem Entwurf durchsetzen. Die nach Plänen von Hans Scharoun errichtete Staatsbibliothek zu Berlin soll von Grund auf instandgesetzt werden.

Wettbewerbstyp: Planungswettbewerb Status: Abgeschlossen Ort: Berlin

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