Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung

Bauprojekt Pergamonmuseum – Bauabschnitt A

Grundinstandsetzung und Ergänzung

Die Fotografie zeigt eine beigefarbene Natursteinfassade mit vorgestellten Halbsäulen, de teilweise eingerüstet ist. Pergamonmuseum - Bauabschnitt A Teile der Natursteinfassaden des Pergamonmuseums waren bereits im September 2020 wieder sichtbar.

Projektdaten

  • Nutzer Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
  • Adresse Bodestraße 1–3, 10178 Berlin, Deutschland
  • Architektur Entwurfsplanung: Prof. O. M. Ungers († 2007), Ausführungsplanung und Ausführung: Werkgemeinschaft Pergamonmuseum, bestehend aus: Kleihues + Kleihues Gesellschaft von Architekten mbH / Prof. Walter A. Noebel († 2012) / BAL Bauplanungs und Steuerungs GmbH
  • Projektleitung Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, Referat IV 2
  • Gesamtkosten rund 477 Millionen Euro für Bauabschnitt A zuzüglich rund 12 Millionen Euro anteilige Planungskosten für Bauabschnitt B
  • Baubeginn 2013
  • Fertigstellung Geplant 2025
  • Eröffnung 1 Jahr nach baulicher Fertigstellung
  • Bruttogrundfläche rund 37.500 Quadratmeter
  • Nutzfläche rund 10.700 Quadratmeter
  • Wettbewerb beschränkter Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerberauswahlverfahren

Projektbeschreibung

Das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung – Referat IV 2 – leitet das umfangreiche Bauvorhaben zur Grundinstandsetzung und Ergänzung des weltberühmten Pergamonmuseums auf der Museumsinsel Berlin.

Das Museum wurde nach Plänen von Alfred Messel und nach dessen Tod durch Ludwig Hoffmann als fünftes Haus auf der Museumsinsel erbaut und 1930 fertiggestellt. Im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt, erfolgten die Reparaturen am Gebäude schrittweise, die ersten Säle wurden 1951 wieder für Besucherinnen und Besucher geöffnet. In den 1990er-Jahren begonnene Untersuchungen zeigten große Schäden an der Stahlkonstruktion des Daches und an den Lichtdecken, den Fassaden und Gesimsen bis hin zur Gründung unter dem Ehrenhof. Die technische Ausrüstung war veraltet und die Funktionalität für einen zeitgemäßen, besucherstarken Museumsbetrieb nicht mehr gegeben. Der schlechte Bauzustand erfordert eine umfassende Grundinstandsetzung des Gebäudes.

Innerhalb des Gebäudes werden die Grundinstandsetzung und die Ergänzung in zwei Bauabschnitten bei laufendem Museumsbetrieb realisiert. Der aktuelle Bauabschnitt A umfasst den gesamten Nordflügel, den Mittelbau mit dem Pergamonsaal und den Neubau eines Tempiettos. Die Bauarbeiten begannen im Januar 2013 im leer geräumten Nordflügel. Der Pergamonsaal wurde im Herbst des Folgejahres für den Besucherverkehr geschlossen. Nach Fertigstellung des Bauabschnittes A und bis zur Fertigstellung des Bauabschnittes B betreten die Besucherinnen und Besucher das Museum über einen provisorischen Eingang auf der Ostseite des Mittelbaus. Der Zugang über den Ehrenhof bleibt geschlossen, da dieser für beide Bauabschnitte als Baustelleneinrichtungsfläche benötigt wird.

Im März 2019 erhielt das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung den Planungsauftrag für den Bauabschnitt B, der sich an die aktuellen Maßnahmen anschließen wird. Mit Fertigstellung des Bauabschnittes B ist dann die gesamte Grundinstandsetzung und Ergänzung des Pergamonmuseums abgeschlossen. Am 3. Mai 2019 wurde auf der Baustelle das Richtfest für Bauabschnitt A der Grundinstandsetzung und Ergänzung gefeiert.

Projektverlauf

Konzept für die Grundinstandsetzung und Ergänzung

Im Ergebnis eines Architektenwettbewerbes wurde im Jahr 2000 der Architekt O. M. Ungers mit der Programmfindung für das Pergamonmuseum beauftragt. Er legte diese im Februar des Folgejahres vor. Rund drei Jahre später erteilten die Träger der Stiftung Preußischer Kulturbesitz den Auftrag zur Erstellung der Vorplanung in drei Varianten. Auf Grundlage dieser Vorplanung wurde im Februar 2006 ein Planungsauftrag zur Aufstellung der Haushaltsunterlage-Bau (HU-Bau) zur Grundinstandsetzung und Ergänzung des Museums erteilt.

Der Entwurf des Büros O. M. Ungers sieht im Rückgriff auf den Entwurf von Alfred Messel die Ergänzung der Dreiflügelanlage um einen vierten Flügel vor. Damit wird erstmalig ein durchgängiger Rundgang geschaffen und gleichzeitig die Idee des Museumsforums wiederbelebt.

Der Neubau des vierten Flügels verbindet die Kopfbauten des Nord- und Südflügels auf der Hauptausstellungsebene (Ebene 2) als „gläserne Vitrine“. Hier werden künftig die Großarchitekturen des Ägyptischen Museums präsentiert, die sich derzeit noch im östlichen Stülerbau in Berlin-Charlottenburg befinden. Der Rundgang durch die Großarchitekturen wird außerdem durch die Mschatta-Fassade des Museums für Islamische Kunst vervollständigt, die dazu von der oberen Ausstellungsebene (Ebene 3) im Kopfbau des Südflügels in die Hauptausstellungsebene des Nordflügels versetzt wird.

Der Entwurf greift das ursprüngliche Prinzip auf, jeden Gebäudeflügel einer Sammlung zuzuordnen. Gemäß dieser Neuordnung wird das Vorderasiatische Museum beide Ausstellungsebenen (Ebene 2 und 3) des Südflügels und das Museum für Islamische Kunst die des Nordflügels belegen. In den großen Architektursälen im Mittelbau finden sich unverändert die Antikensammlung. Das Ägyptische Museum wird im vierten Flügel als vierte Sammlung im Pergamonmuseum vertreten sein.

Der zentrale Eingang in den Mittelbau des Museums bleibt erhalten. Der 1982 errichtete Eingangspavillon wird jedoch durch ein gläsernes Tempietto ersetzt. Von hier aus ist auch eine direkte Verbindung zur Archäologischen Promenade im Untergeschoss (Ebene 0) vorgesehen. Ergänzend zum mittigen Eingang, über den unmittelbar die Antikensammlung erschlossen wird, erhalten das Vorderasiatische Museum und das Museum für Islamische Kunst jeweils in den Kopfbauten von Süd- und Nordflügel zusätzliche Eingänge. Auf dieser Eingangsebene (Ebene 1) ist der vierte Flügel als offene Stützenhalle ausgebildet. Eine neue, barrierefreie Brücke über den Kupfergraben führt in diese Halle und weiter auf das öffentlich zugängliche Forum. In den bisher vorwiegend intern genutzten Flächen der Ebene 1 gliedern sich im Nordflügel Café und Restaurant sowie im Südflügel Räume des museumspädagogischen Dienstes zur Betreuung von Schülerinnen und Schülern an. Öffentliche Durchgänge, die an der Nahtstelle von Mittelbau und Nord- bzw. Südflügel angeordnet werden, schaffen eine Verbindung zwischen dem Forum und den Freiflächen der Museumsinsel. Damit wird die Einbindung des Pergamonmuseums in den Gesamtkontext der Museumsinsel gestärkt.

Am 9. März 2009 bestätigte der Stiftungsrat die Haushaltsunterlage-Bau für die Grundinstandsetzung und Ergänzung des Museums. Zur Umsetzung des Entwurfes von O. M. Ungers († 2007) wurde über ein VOF-Verfahren die „Werkgemeinschaft Pergamonmuseum“ ausgewählt und mit den weiteren Architekturleistungen beauftragt. Im Juli 2009 begann die Ausführungsplanung.

Vorgezogene Maßnahmen

Als vorgezogene Maßnahme wurden die Gesimse bis 2010 saniert. Vorbereitende Baumaßnahmen außerhalb des Gebäudes erfolgten ab 2011. Neben Leitungsverlegungen zur Baufeldfreimachung wurde ein Interimsbau hinter dem Pergamonmuseum errichtet, in dem während der Bauzeit die Technikzentrale und der Sicherheitsleitstand betrieben werden. Dieser wird nach Abschluss der Grundinstandsetzung wieder rückgebaut. Im Folgejahr wurde mit dem Neubau des sogenannten Spreekellers begonnen. Dieser Keller erstreckt sich von der Rückseite des Museums bis zur Spree. Hier werden im Wesentlichen die neuen gebäudetechnischen Zentralen für den künftigen Betrieb untergebracht.

Baubeginn und Vorbereitung einer neuen Gründung

2013 starteten die Bauarbeiten mit dem Rückbau und den Abbrucharbeiten im leergeräumten Nordflügel. Bei laufendem Betrieb wurde die vorhandene Sohle abgebrochen und anschließend fanden Aushubarbeiten als erste Schritte zur Vorbereitung einer neuen Gründung für das gesamte Pergamonmuseum statt.

Durchbruch vom Pergamonmuseum zur James-Simon-Galerie

Der 30. Juli 2015 markiert einen wichtigen Meilenstein im Bauverlauf der Grundinstandsetzung: Der Durchbruch von der Baustelle der James-Simon-Galerie zum Pergamonmuseum wurde feierlich geöffnet.

Das neue Eingangsgebäude wurde drei Jahre später baulich fertiggestellt. Seit der feierlichen Eröffnung der James-Simon-Galerie am 12. Juli 2019 gelangen Besucherinnen und Besucher auch über diesen Durchgang in die Säle des Museums. Gleichzeitig markiert der Durchbruch als Übergang von neuer Architektur zu altem Bestand eine wichtige Etappe im langfristig angelegten Masterplan Museumsinsel.

Anbringen der Wetterschutzdächer

Die umfangreichen Sanierungsarbeiten an den Bestandsdächern des Pergamonmuseums sollen auch bei schlechtem Wetter stattfinden können. Um dies zu ermöglichen, wurden Sonderkonstruktionen angefertigt und montiert. Diese Wetterschutzdächer schützen die laufenden Arbeiten am Bestandsdach und den gesamten historischen Bau vor Witterungseinflüssen.

Die Fotografie zeigt ein schräges Glasdach und Baubehelfe. Glasdächer des Pergamonmuseums Nachdem im Mittelbau und im Nordflügel die Glasdächer fertiggestellt worden sind, wurden die Wetterschutzdächer in diesen Bereichen im 1. Quartal 2021 bereits wieder zurückgebaut.

Baubehelfe stabilisieren das Pergamonmuseum

Im Zuge der Grundinstandsetzung und Ergänzung wurden auch neue Treppenhäuser und Aufzüge innerhalb des Museums eingebaut. Dafür wichen massive Mauerwerkswände, welche die bisherigen Ausstellungsräume voneinander trennten.

Diese Umstrukturierung der Raumaufteilung ist besonders für den „Rundgang antiker Architekturen“ bedeutsam: Damit dieser künftig auch als einladende und verbindende Flaniermeile funktioniert, wurden im Nordflügel tragende Wände zurückgebaut. Für diese weitreichenden Maßnahmen innerhalb der Bauaufgabe mussten aufwändige Stahlkonstruktionen, sogenannte Baubehelfe, eingerichtet werden. Diese stabilisieren das gesamte Gebäude und ermöglichen den gefahrenfreien Rückbau der tragenden Wände. Nach deren Abriss erfolgt der Einbau einer neuen Tragkonstruktion für das Gebäude.

Raumgerüste im Hellenistischen Saal und im Pergamonsaal

Während der umfangreichen Grundinstandsetzung werden auch die Stahl-Glasdächer in den Museumssälen saniert und neue Dachtragwerke ergänzt. Da die wertvollen Großarchitekturen, wie der Pergamonaltar im Mittelbau Mitte, während der Bauarbeiten größtenteils in den Sälen bleiben, benötigen sie besonderen Schutz.

Die für die Arbeiten erforderlichen Raumgerüste in den 18 Meter hohen Architektursälen wurden im Hellenistischen Saal und im Pergamonsaal aufgebaut. Sie schaffen zum einen in 15 Metern Höhe eine Arbeitsplattform für die ausführenden Gewerke und zum anderen schützen sie auch die im Gebäude verbliebene Kunst der Antike.

Beginn der Rohbauarbeiten

Die Rohbaufirma konnte im Frühjahr 2016 mit den Stahlbetonarbeiten im Pergamonmuseum beginnen. Das bedeutet auch, dass die Spezialtiefbauarbeiten im Nordkopf, im Nordflügel, im Mittelbau Nord und im ersten Abschnitt des vierten Flügels abgeschlossen sind. Die Betonagen der Bodenkanäle und Betonsohlen wurden vorbereitet, die ersten wasserundurchlässigen Sohlen und Treppenhauswände betoniert.

Fassadensanierung

Im September 2016 begann die Sanierung der Fassade des Pergamonmuseums. Dabei galt es, in Abstimmung mit dem denkmalpflegerischen Leitfaden des Landesdenkmalamtes Berlin (LDA), möglichst große Bereiche der originalen Natursteinfassade mit ihren Spuren der Alterung zu bewahren und neue Elemente optimal an den Bestand anzupassen.

Ebenso wichtig ist der Umgang mit noch vorhandenen Kriegsschäden an den Fassaden: Wo es technisch und statisch möglich ist, sollen Kriegsschäden als historisches Zeugnis in ihrem Erscheinungsbild erhalten bleiben. Dagegen werden Fassadenschäden, wie Steinausbrüche oder Abplatzungen, die nicht im Zweiten Weltkrieg entstanden sind, durch Ersatzelemente aus Stein oder Restauriermörtel beseitigt.

Die Fotografie zeigt die Fassade eines Museums. Die Fassade des Mittelbaus des Pergamonmuseums Die ersten Fassaden des Mittelbaus und Nordkopfes wurden Ende 2020 fertig gestellt und präsentieren sich abgerüstet in ihrer vollen Schönheit der Öffentlichkeit.

Montage der Glasdächer und Lichtdeckenkonstruktion im Mittelbau Nord

Das Pergamonmuseum zählt seit seiner Eröffnung im Jahr 1930 zu den weltweit bedeutendsten Tageslichtmuseen und präsentiert seine Architektur-Großexponate unter nahezu durchgehender natürlicher Beleuchtung. Lichtdecke und Glasdach, die zentralen Elemente für das Tageslichtkonzept, sind im ersten Bauteil nun vollständig erneuert. Die Montage der neuen Stahlträger sowie der Lichtdecken- und Glasdachkonstruktion dauerte inklusive der notwendigen Vorbereitungsschritte über zwei Jahre.

Tempietto im Rohbau fertiggestellt

Anfang 2019 wurde der Tempietto, der künftig als zentraler Zugang zum Pergamonmuseum dient, im Rohbau fertiggestellt. Er ist wesentlicher Bestandteil der Planungen des Architekten O. M. Ungers zur Ergänzung des Museums.

Montage denkmalgeschützter Fenster und Verschluss der Gebäudehülle

Die Fenster des Museums stehen ebenfalls unter Denkmalschutz und wurden von der Denkmalpflege damit beauflagt, so weit wie möglich im Original erhalten zu werden. Die Originalfenster mussten vorsichtig und zerstörungsfrei demontiert, in der Werkstatt restauriert und, wo erforderlich, defekte Teile ausgetauscht und ergänzt werden.

Fakten zur Grundinstandsetzung

Das Gebäude

Das Pergamonmuseum wurde als fünftes Haus auf der Museumsinsel Berlin in den Jahren 1907 bis 1930 realisiert. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude stark zerstört. Die Reparaturen erfolgten schrittweise, die ersten Säle wurden 1951 wiedereröffnet.

In den 1990er-Jahren begonnene Untersuchungen zeigten große Schäden an der Stahlkonstruktion des Daches und den Lichtdecken, an den Fassaden und Gesimsen bis hin zur Gründung unter dem Ehrenhof. Die technische Ausrüstung war veraltet und die Funktionalität für einen zeitgemäßen, besucherstarken Museumsbetrieb nicht mehr gegeben. Der schlechte Bauzustand erfordert eine umfassende Grundinstandsetzung des Gebäudes.

Zahlen zur Baustelle

  • 7.000 Quadratmeter Wetterschutzdächer
  • 5.300 Quadratmeter Glasdächer
  • 2.500 Quadratmeter Lichtdecken
  • 730 Mikropfähle, die aneinandergelegt eine Länge von 14 Kilometern ergeben würden
  • 50 Hochbaugewerke
  • 15 Gewerke der Technischen Gebäudeausrüstung
  • 20 Planungsbüros
  • 15 Gutachterinnen und Gutachter sowie Sachverständige

Messmonitoring

Zum Schutz der fest mit dem Gebäude verbundenen Exponate der Antikensammlung im Pergamonsaal und im Hellenistischen Saal wurde hochsensible Messtechnik eingesetzt. Bei Erreichen von jeweils festgelegten Grenzwerten für Setzungen und Erschütterungen im einstelligen Millimeterbereich wurden die Bauarbeiten komplett gestoppt, um Beschädigungen der wertvollen Ausstellungsstücke zu verhindern.

Da die erschütterungs- und setzungsrelevanten Arbeiten im Bauabschnitt A (Spezialtiefbau und Abbrucharbeiten) abgeschlossen sind, wurde das Echtzeit-Messmonitoring 2020 abgebaut.

Lange Projektlaufzeit

Bei der Grundinstandsetzung und Ergänzung des Pergamonmuseums handelt es sich um ein Großprojekt mit außergewöhnlich langer Projektlaufzeit. Bereits mit dem Planungsstand 2007 war eine Laufzeit von insgesamt 27 Jahren ausgewiesen. Solch langjährige Projekte bedürfen dauernder Anpassungen und Fortschreibungen der Planungen. Es bestehen erhebliche Änderungserfordernisse etwa in Bezug auf rechtliche Anforderungen, wie Brandschutz und Barrierefreiheit. Ebenso entwickeln sich technische Standards weiter und es ändern sich auch die Anforderungen der Nutzer. Bei sehr langen Projektlaufzeiten steigt zudem die Wahrscheinlichkeit, dass sich Auftragnehmerinnen und Auftragnehmer ändern, etwa durch Kündigungen oder Insolvenzen. Neuvergaben haben wiederum Auswirkungen auf Termine und Kosten.

Bauen im historischen Bestand

Sowohl beim ursprünglichen Bau als auch bei der Reparatur der kriegsbedingten Schäden des Pergamonmuseums wurde selten einheitlich vorgegangen. Sogenannte Regeldetails sind die Ausnahme, weshalb der Bestand sehr inhomogen ist. Zudem konnten Untersuchungen des Bestandes bei der Planung der Baumaßnahme aufgrund des laufenden Museumsbetriebes nur punktuell vorgenommen werden. Erst nach Freizug des Gebäudes waren ergänzende Untersuchungen möglich. Bisher wurden in erheblichem Maße Abweichungen im Bestand, Schäden in der Bausubstanz und Schadstoffe festgestellt, die Umplanungen und Änderungen erforderlich machten. Mit weiteren Bestandsabweichungen ist zu rechnen.

Bauen in Bauabschnitten und bei laufendem Betrieb

Die Baumaßnahme wird in zwei Bauabschnitten bei laufendem Museumsbetrieb durchgeführt. Die damit verbundenen Verlegungen der Besuchereingänge sowie die Erstellung von technischen Provisorien zur Sicherstellung des Betriebes des Hauses sind Bestandteil der Baumaßnahme. Der Bauabschnitt A nimmt räumlich und technisch eine zentrale Rolle für den Betrieb des Südflügels sowie anderer Museen auf der Museumsinsel ein. Der Südflügel wird zum Teil über neue, im Spreekeller errichtete Technikzentralen versorgt. Versorgungsleitungen und -kanäle verlaufen quer durch die Baustelle und müssen je nach Bauablauf immer wieder verlegt werden. Unter der Maßgabe, den Museumsbetrieb aufrechtzuerhalten, sind die Infrastrukturlösungen aufwändig zu planen und laufend anzupassen.

Bauen mit eingebauten Kunst- und Kulturobjekten

Das Pergamonmuseum ist geprägt durch die Großarchitekturen in den Architektursälen der Antikensammlung sowie die Großarchitekturen des Vorderasiatischen Museums und des Museums für Islamische Kunst. Diese unersetzlichen, fest eingebauten Objekte verbleiben während der Baudurchführung im Gebäude. Zu ihrem Schutz ist eine besonders vorsichtige Bauweise unter Einhaltung sehr niedriger Erschütterungs- und Setzungsgrenzwerte nötig. Das Baugeschehen wurde deshalb aufwändig durch ein Monitoringsystem begleitet, das Setzungen, Verformungen und Erschütterungen teilweise in Echtzeit ermittelt.

Denkmalschutz und Weltkulturerbe

Die Baumaßnahme Pergamonmuseum findet im UNESCO-Weltkulturerbe Museumsinsel statt, das Museum steht unter Denkmalschutz, die Arbeiten sind eng mit dem zuständigen Landesdenkmalamt abzustimmen.

Bauen auf engstem Raum als logistische Herausforderung

Die Baustelle Pergamonmuseum liegt in der Mitte der Museumsinsel. Südlich schließt die Baustelle direkt an den weiterhin geöffneten Südflügel an. Nur sechs Meter neben dem Nordflügel verläuft eine hoch frequentierte Bahntrasse. Im Osten wird die Baustelle von der Spree begrenzt, im Westen vom Kupfergraben. Baustelleneinrichtungsflächen sind nur in äußerst begrenztem Umfang vorhanden. Die räumliche Situation stellt eine enorme logistische Herausforderung dar: Lagerflächen gibt es nur wenige und sie müssen je nach Bauphase umgeräumt, von bisherigen Firmen freigezogen und neuen Firmen zugewiesen werden. Sehr beschränkt sind ebenso die Kran-Kapazitäten, da statt der eigentlich nötigen vier Kräne lediglich zwei Platz finden. Sämtliche Baumaßnahmen können erst nach Zuweisung von Lagerflächen und Kran-Nutzungszeiten durchgeführt werden. Änderungen im Bauablauf haben deshalb erhebliche Auswirkungen.

Pergamonmuseum - Bauabschnitt A

Bild / Video 1 von 5

Verlegung von Leerrohren im Außenbereich des Pergamonmuseums Pergamonmuseum - Bauabschnitt A Verlegung von Leerrohren im Außenbereich des Pergamonmuseums

Weitere Informationen

Alte Nationalgalerie Dokumenttyp Bauprojekt

Standort: Berlin Typ: Sanierung Nutzung: Kultur und Bildung

Bode-Museum Dokumenttyp Bauprojekt

Standort: Berlin Typ: Sanierung Nutzung: Kultur und Bildung

Neues Museum Dokumenttyp Bauprojekt

Standort: Berlin Typ: Wiederaufbau Nutzung: Kultur und Bildung

Altes Museum Dokumenttyp Bauprojekt

Standort: Berlin Typ: Sanierung Nutzung: Kultur und Bildung

James-Simon-Galerie Dokumenttyp Bauprojekt

Standort: Berlin Typ: Neubau Nutzung: Kultur und Bildung

Kolonnadenhof Dokumenttyp Bauprojekt

Standort: Berlin Typ: Sanierung Nutzung: Kultur und Bildung

Weblinks

Pressemeldungen

Pergamonmuseum: Baustelle mit besonderen Herausforderungen Dokumenttyp: Pressemitteilung

Berlin. Nach Abschluss wichtiger Tiefbaumaßnahmen haben die Arbeiten an der Grundinstandsetzung des Pergamonmuseums auf der Berliner Museumsinsel eine maßgebliche und kritische Etappe überwunden, die von großen Herausforderungen und auch verschiedenen massiven Störungen geprägt war. Damit ist nach dreieinhalb Jahren Bauzeit des auf mehr als zwei Jahrzehnte angelegten Großunternehmens ein Zwischenstand erreicht, der erstmals eine valide Gesamtprognose zu Bauzeit und Kosten des ersten Bauabschnittes erlaubt. Unter Berücksichtigung der einzigartigen Komplexität der Baumaßnahme ist die Fertigstellung des zentralen ersten Bauabschnittes für 2023 geplant; ursprünglich war diese für das Jahr 2021 vorgesehen.

Pergamonmuseum: Die Winterpause ist vorbei - die Fassadensanierung hat wieder begonnen Dokumenttyp: Pressemitteilung

Die eigentlichen Sanierungsarbeiten an der Fassade des Pergamonmuseums hatten bereits im September 2016 angefangen. Witterungsbedingt musste von Anfang Dezember 2016 bis Anfang März 2017 eine Winterpause eingelegt werden. Seit März werden die Arbeiten fortgesetzt. Die Sanierung der Natursteinfassade wird voraussichtlich im Mai 2019 abgeschlossen sein.

Kontakt

Diese Seite