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Gesamtfertigstellung der Grundinstandsetzung und Ergänzung
Mit Abschluss der Baumaßnahmen des Bauabschnitts B wird das Gesamtkonzept zur Grundinstandsetzung und Ergänzung des Pergamonmuseums Realität.
Das Pergamonmuseum auf der Museumsinsel Berlin wird unter Leitung des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (BBR) – Referat IV 2 – von Grund auf instandgesetzt und ergänzt. Das Gesamtvorhaben teilt sich in zwei Bauabschnitte, die aufgrund des erheblichen Umfangs als zwei separate Projekte in den Zeiträumen von 2013 bis 2025 (Bauabschnitt A) und 2024 bis 2036 (Bauabschnitt B) durchgeführt werden.
Das nach Plänen des Architekten Alfred Messel errichtete, 1930 in Betrieb genommene Pergamonmuseum erlitt im zweiten Weltkrieg starke Beschädigungen. Das Gebäude wurde schrittweise repariert und die ersten Säle 1951 wiedereröffnet. Grundlegende Sanierungen blieben jedoch aus. Untersuchungen des baulichen und gebäudetechnischen Bestands, mit denen in den 1990er-Jahren begonnen wurde, attestierten einen sehr schlechten Bauzustand, der eine umfassende Instandsetzung des Gebäudes erforderte. Im Architekturwettbewerb überzeugte Oswald Mathias Ungers mit seinem Konzept.
Die Grundinstandsetzung und Ergänzung des Pergamonmuseums wird auf der Grundlage dieses Entwurfs aus dem Jahr 2007 umgesetzt. Mit der Bauausführung des ersten Bauabschnitts wurde 2013 begonnen.
Im März 2019 erhielt das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung den Planungsauftrag für Bauabschnitt B und die Gesamtfertigstellung des Pergamonmuseums. Hierzu zählen:
Konzept für die Grundinstandsetzung und Ergänzung
In dem im Jahr 2000 ausgelobten Wettbewerb für die Grundinstandsetzung und Ergänzung des Pergamonmuseums konnte der Architekt O. M. Ungers mit einem Entwurf überzeugen. Sein Vorschlag für die Vervollständigung des Pergamonmuseums geht zurück auf den ursprünglichen Entwurfsgedanken Alfred Messels: Unter Hinzufügung eines Tempiettos als Eingang der Antikensammlung und eines vierten Flügels zum Kupfergraben wird die Idee des Museumsforums wiederaufgenommen und weiterentwickelt. Es entsteht ein städtischer Raum, der durch das offene Erdgeschoss des vierten Flügels vom Kupfergraben aus zugänglich ist. Mit dieser Maßnahme erhält der Hof des Pergamonmuseums seine ursprünglich intendierte räumliche Proportion. Es ist das geeignete Mittel, die heute ziellos anmutende Monumentalität des Ehrenhofs zu relativieren, ohne den Gesamtcharakter des Baus zu beeinträchtigen.
Die Entwurfsplanung aus dem Jahr 2007 musste für den Bauabschnitt B neu aufgestellt werden, um zwischenzeitlich geänderten Anforderungen und Standards gerecht zu werden.
Das Ausstellungskonzept des Vorderasiatischen Museum wurde auf der Grundlage neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse verändert. Gegenüber der ursprünglichen Planung soll die originale Raumaufteilung in der Hauptausstellungsebene (Ebene 20) beibehalten werden. Außerdem müssen neue restauratorische Erkenntnisse, insbesondere zu den glasierten Keramiken des Ischtar-Tors und der Prozessionsstraße, sowie zeitgemäße Methoden im Bereich der Bildung und Vermittlung berücksichtigt werden. Auch die Anforderungen an die Barrierefreiheit sind in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen. Nicht zuletzt war eine Neuplanung hinsichtlich der Umsetzung aktueller technischer Standards, wie z. B. LED-Beleuchtung und WLAN, notwendig.
Ausgangssituation und allgemeiner baulicher Zustand
In den 1990er-Jahren wurden zu allen Gebäuden der Museumsinsel, so auch zum Pergamonmuseum, erste Fachgutachten zu Bausubstanz, Baugrund, Tragwerk und Gründung, Brandschutz sowie Technischer Ausrüstung erstellt. Grundsätzlich festgestellt wurde, dass alle Häuser dringend einer Grundinstandsetzung bedürfen.
Im Pergamonmuseum waren insbesondere an der Stahlkonstruktion des Dachs und an den Lichtdecken, den Fassaden und den Gesimsen umfangreiche Schäden sowie insgesamt eine völlig veraltete Technische Ausrüstung zu konstatieren.
Im Bauabschnitt A konnte ab 2013 mit den Sanierungsarbeiten begonnen werden, während im Bereich des Bauabschnitts B der progressiven Schadensentwicklung lediglich mit Notmaßnahmen zur Aufrechterhaltung des Museumsbetriebs entgegengewirkt werden konnte. Mittelbau Süd, Südflügel und Südkopf, die im Rahmen des Bauabschnitts B saniert werden, befinden sich in extrem schlechtem Zustand. Dies betrifft in besonderem Maße das Untergeschoss und das Dachgeschoss, wie auch die Gründung und die Außenhülle (Fassaden und Fenster) des Gebäudes.
Baulicher Zustand: Untergeschoss
Wegen unzureichender Abdichtung sind die tragenden Außenwände des Untergeschosses und Bereiche im Erdgeschoss (Ebene 10) durchfeuchtet. Die Durchfeuchtung nimmt stetig zu. Dementsprechend erhöht sich auch der Sanierungsaufwand kontinuierlich. Es ist nicht auszuschließen, dass bei zunehmender Durchfeuchtung eine Sanierung des Mauerwerks nach einem Austrocknen durch Injektionen zur Abdichtung gegen aufsteigende Feuchtigkeit nicht mehr ausreicht und ein teilweiser Austausch der historischen Bausubstanz erfolgen muss.
Das Mauerwerk im Untergeschoss des Pergamonmuseums ist stark durchfeuchtet (Zustand 2022).
Im Untergeschoss sind an vielen Stellen keine funktionstüchtigen Brandschutzabschottungen mehr vorhanden (Zustand 2022).
Baulicher Zustand: Dachgeschoss
Die historische Dachkonstruktion gliedert sich konstruktiv in die Dachebene und die Ebene der Lichtdecken. Beide Ebenen sind im Bestand über Zugelemente miteinander verbunden. Sowohl das Glasdach als auch die Lichtdecken verfügen nur über eine Einfachverglasung. Durch Kriegseinwirkungen und Feuchteeintrag sind die Glasdächer und die Lichtdecken stark geschädigt. In den 1950er-Jahren wurden teilweise Ausbesserungsarbeiten beziehungsweise Notreparaturen durchgeführt. Durch diese Arbeiten konnten aber weder das Problem der Dichtigkeit noch das Problem der geringen Tragfähigkeit des Glasdachs gelöst werden.
An den Glasdächern und den Lichtdecken treten immer wieder an neuen Stellen Undichtigkeiten auf. An den akut gefährdeten Stellen mussten im Dachraum Hilfskonstruktionen unter den Glasdächern errichtet werden, um eindringendes Wasser und an den Innenseiten der Dachverglasung kondensierendes Wasser zu sammeln und abzuführen. Durch diese einfachen, behelfsmäßigen Notmaßnahmen konnte zunächst sichergestellt werden, dass die ausgestellten Kunst- und Kulturobjekte durch das eintretende Wasser nicht geschädigt werden.
Baulicher Zustand: Gründung
Unterhalb des Südflügels überbrückt eine Stahlbetonbrücke aus den 1920er-Jahren den nicht tragfähigen Baugrund im Bereich eines sogenannten Kolks (daher auch die Bezeichnung Kolkbrücke). Die Brücke wurde aus Beton unterschiedlicher Qualitäten mit einer bereichsweisen Estrichüberdeckung ausgeführt. Im Rahmen der Entwurfsplanung wurde der Zustand der Kolkbrücke weiter erkundet und dabei Risse unterschiedlicher Größe und Tiefe festgestellt. Eine vollständige Bewertung der Brückenkonstruktion mit einer Aussage zu dem möglichen zukünftigen Setzungsverhalten kann erst nach Beräumung des Museums und dem nichtkonstruktiven Abbruch erfolgen. Direkt über der Kolkbrücke befinden sich der Miletsaal, der Ischtar-Tor-Saal und die Prozessionsstraße mit den bedeutenden, fest mit dem Gebäude verbundenen Großarchitekturen.
Baulicher Zustand: Fassaden und Fenster
Die historische Putzfassade ist stark geschädigt. Neben großflächigen Fehlstellen gibt es eine Vielzahl von gravierenden Rissen, Abplatzungen und Hohllagen. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass Putzteile herabfallen. Bauwerksbezogene Kenntnisse zum Schadensfortschritt lassen den Schluss zu, dass der Zustand der Fassade sich mit zunehmender Geschwindigkeit immer weiter verschlechtert.
Insbesondere durch Umwelteinwirkungen verursachte Korrosionsprozesse an den bereits beschädigten Fassadenoberflächen, sowohl in den Kalkstein- als auch in den Steinputzbereichen, führen zu einer stetigen Verschlechterung des Zustands der historischen Fassade.
Die Holzfenster aus der Errichtungszeit 1930 wurden teilweise im Zuge der Sanierung in den 1950er-Jahren ausgetauscht. Die Bestandsfenster sind fast vollständig nur mit einer Einfachverglasung ausgestattet. Insgesamt sind die Fenster in unterschiedlichem, jedoch überwiegend sehr schlechtem Zustand. Beschichtungen sind großflächig abgeblättert, so dass das Holz an vielen Stellen freiliegt ist.
Zahlreiche Fenster sind undicht, was bei Starkregenfällen regelmäßig zu Wassereintritt führt. Teilweise sind Fensterflügel verzogen; viele Fenster sind schwer gangbar. Im Winter kommt es innenseitig an Fenstern und Leibungen zu Tauwasserausfall. Wassereintritt und Feuchte schädigen die Fenster sowie die angrenzenden Boden- und Wandbereiche und beeinträchtigen das Raumklima in den Ausstellungsräumen.
Baulicher Zustand: Brandschutz
Die technischen Vorrichtungen (Brandmeldeanlage) sind unzureichend. Der bauliche Brandschutz entspricht nicht den heutigen Standards. Daraus resultierende Defizite müssen aktuell organisatorisch mit einem zusätzlichen hohen Personalaufwand kompensiert werden.
Brandschutzschotts und Raumabschlüsse sind teilweise unwirksam, wie beispielsweise hier im Untergeschoss des Südflügels (Zustand 2022).
Baulicher Zustand: Schadstoffbelastung
Im Rahmen der Entwurfsplanung wurde für den Bauabschnitt B eine prognostizierende Schadstoffkartierung durchgeführt. Diese basiert zum einen auf umfangreichen Beprobungen und zum anderen auf den Erfahrungen, die bei der Bauausführung des Bauabschnitts A gemacht wurden.
In allen Ebenen wurden Schadstoffe unterschiedlicher Schutzstufen festgestellt. Bis auf die schwermetallhaltigen Liegestäube, insbesondere in der Ebene 40 und im Dachraum, sind die Schadstoffe in der Regel gebunden. In der Ebene 0 und im Dachraum besteht aufgrund des dort besonders stark fortschreitenden baulichen Verfalls die Gefahr, dass die Schadstoffe (zum Beispiel asbesthaltige Heizungsisolierungen, KMF-haltige Rohrleitungen, bleihaltige Farb- und Putzoberflächen) freigelegt werden. In diesem Fall müssten, über das bereits geräumte Untergeschoss hinaus, gegebenenfalls weitere Räume einer Nutzung entzogen werden.
Baulicher Zustand: Anlagentechnik
Als Sofortmaßnahmen zur Beseitigung defekter TGA-Installationen mussten in einem internen Treppenhaus provisorisch Rohrleitungen für Heizung, Kälte und Schmutzwasser verlegt werden.
Die Technische Gebäudeausrüstung (TGA) des Pergamonmuseums ist geprägt von Anlagen, Rohrleitungen und Installationen unterschiedlichsten Alters, von partiellen Reparaturen und Ausbesserungen sowie einzelnen Umbauten und Ergänzungen von Anlagen. Bestandsdokumentationen beziehungsweise eine Übersicht zu den Technischen Anlagen und deren Zusammenwirken liegen in vielen Fällen nicht vollständig vor.
Baulicher Zustand: Abwasser- und Wasseranlagen
Leitungsführungen von Wasser und Abwasser sind vielfach und aus den unterschiedlichsten Materialen gestückelt. Die Trinkwasseranlage mit Warmwasserbereitung weist diverse Mängel auf.
Das Mauerwerk ist an vielen Stellen stark durchfeuchtet. Dadurch wird die Bausubstanz immer weiter beschädigt und die Standsicherheit des Gebäudes geschwächt.
Baulicher Zustand: Heizungsanlagen
Die Heizungsanlage stammt zu großen Teilen noch aus der Zeit des Wiederaufbaus; auch das Rohrsystem ist weitestgehend Altbestand. Diverse Anlagenteile wie Pumpen, Absperrventile und Fernwärmeübergabestation wurden nach und nach erneuert.
Im Untergeschoss ist noch ein Teil der historischen Lüftungsanlage erhalten, wie der hier abgebildete Ventilator, der jedoch mittlerweile außer Betrieb ist.
Baulicher Zustand: Raumlufttechnische Anlagen
Im Pergamonmuseum gibt es keine Klimatisierung. In einzelnen Ausstellungsräumen wird lediglich eine Temperierung in einem relativ großen Temperaturkorridor überwacht.
Baulicher Zustand: elektrotechnische Anlagen und Blitzschutz
Auch bei den Elektroinstallationen ist das über die Nutzungsdauer seit dem Wiederaufbau entstandene Stückwerk sichtbar. In Treppenhäusern und Fluren finden sich Leitungen, die nicht zur Versorgung der jeweiligen Räumlichkeiten gehören. Leitungsdurchführungen durch brandschutztechnisch klassifizierte Decken und Wände sind in zahlreichen Fällen defizitär.
Die Kennzeichnung von Leitungen fehlt. Auch nicht mehr verwendete und im Gebäude verbliebene Leitungen sind feststellbar.
Baulicher Zustand: Brand- und Einbruchmeldeanlage sowie Sicherheitsbeleuchtung
Eine Brandmeldeanlage ist installiert, überwacht jedoch nicht das gesamte Gebäude. Eine Sprachalarmierungsanlage, kurz ELA, ist ebenfalls nicht flächendeckend vorhanden. Sowohl für die vorhandene Brandmeldeanlage als auch für die Einbruchmeldeanlage (EMA) wird es nach Herstellerangaben ab Ende 2026 keine Ersatzteile mehr geben. Für die bestehende Videoüberwachung sind bereits jetzt keine analogen Kameras mehr erhältlich.
Für den Einsatz der Feuerwehr gibt es keine BOS-Gebäudefunkanlage, so dass eine ausreichende Funkkommunikation der Einsatzkräfte nicht sichergestellt ist. Im Bestand fehlt partiell eine dem heutigen Standard entsprechende Sicherheitsbeleuchtung in den Rettungswegen und öffentlich zugänglichen Räumen.
Ausgangslage
Oswald Mathias Ungers ging als Sieger aus dem im Jahr 2000 ausgelobten Architektenwettbewerb hervor und wurde im ersten Schritt mit der Programmfindung beauftragt. 2004 folgte der Auftrag zur Erstellung einer Vorplanung in drei Varianten. Auf Grundlage der Variantenentscheidung erteilten die Träger der Stiftung Preußischer Kulturbesitz im Februar 2006 der Planungsauftrag zur Aufstellung einer Haushaltsunterlage-Bau zur Grundinstandsetzung und Ergänzung des Pergamonmuseums.
Im März 2009 bestätigte der Stiftungsrat die Haushaltsunterlage für die Grundinstandsetzung und Ergänzung und erteilte die Genehmigung für den Bauabschnitt A, mit dessen Bauausführung 2013 begonnen wurde.
Der Bauabschnitt B der Grundinstandsetzung und Ergänzung einschließlich aller Maßnahmen zur Gesamtfertigstellung des Pergamonmuseums wird als eigenes Bauprojekt bearbeitet.
Um zwischenzeitlich geänderten, aktuellen Anforderungen und Standards gerecht zu werden, musste unter Zugrundelegung der Unger’schen Konzeption für den Bauabschnitt B eine Neuplanung aufgestellt werden. Im März 2019 erhielt das Bundesamt für Bauwesen den Planungsauftrag zur Aufstellung einer Entwurfsunterlage-Bau für den Bauabschnitt B der Grundinstandsetzung und Ergänzung sowie aller Maßnahmen, die darüber hinaus zur Gesamtfertigstellung des Pergamonmuseums erforderlich sind.
Der Bauabschnitt B umfasst den südlichen Bereich des Pergamonmuseums, den Neubau des vierten Flügels sowie zwei Verbindungsbauwerke.
Vorgezogene Maßnahme Verbindungsbauwerk
Der Rohbau des unterirdischen Verbindungsbaus zwischen dem Pergamonmuseum und dem Bode-Museum wird als vorgezogene Maßnahme realisiert. Die besonders erschütterungs- und schwingungsrelevante Tiefbauarbeiten werden noch während der Bauausführung des unmittelbar angrenzenden Bauabschnitts A durchgeführt, um sie vor Einbringung der empfindlichen Ausstellungsexponate in den Nordflügel abschließen zu können.
Im Sommer 2021 wurde mit den umfangreichen Leitungsumlegungen im Bereich zwischen Pergamonmuseum und Bode-Museum begonnen, die zu Schaffung von Baufreiheit erforderlich waren. Im Sommer 2022 starteten die Tiefbauarbeiten zur Erstellung der Baugrube und der Gründung, die in der extrem beengten Situation unterhalb der Stadtbahntrasse ausgeführt werden.
Nächste Schritte: Ausführungsplanung
Im März 2023 genehmigte die Arbeitsgruppe Bau der Stiftung Preußischer Kulturbesitz die Entwurfsunterlage. Im nächsten Schritt beginnt die Ausführungsplanung. Der Baubeginn ist für Oktober 2024 geplant.
Interimsnutzungsbereiche
Die Realisierung der Grundinstandsetzung und Ergänzung des Pergamonmuseums in zwei Bauabschnitten, Bauabschnitt A und Bauabschnitt B, erfordert eine interimistische Nutzung von Raumbereichen im Bauabschnitt A, die erst im Zusammenhang mit der Bauausführung des Bauabschnitts B in den endgültigen Nutzungszustand versetzt werden können.
Der Bauabschnitt A wird nach seiner Fertigstellung temporär von Osten auf der Spreeseite erschlossen. Der Weg führt über die Spreekolonnaden und einen vorgelagerten Windfangbereich in die Eingangshalle im Mittelbau Mitte. Hier befinden sich die Einrichtungen der Besucherinfrastruktur, wie Kassen, Garderoben, Gruppengarderoben, WC-Anlagen (Interim) und Museumsshop (Interim). Mit Fertigstellung des Bauabschnitts erfolgt der endgültige Zugang von Westen über das Tempietto in die Eingangshalle.
Der Hauptrundgang wird mit dem Neubau des vierten Flügels, der den Nordkopf (Bauabschnitt A) mit dem Südkopf verbindet, im Rahmen des Bauabschnitts B realisiert. Nach Eröffnung des Bauabschnitts A wird im Schlütersaal (Nordkopf, Ebene 20) zunächst das Vorderasiatische Museum mit einer temporären Ausstellung präsent sein (Interim).
Während allein der fertiggestellte Bauabschnitt A für den Museumsbetrieb geöffnet ist wird das Erdgeschoss (Ebene 10) von Nordkopf und Nordflügel interimistisch für Gastronomie sowie Zwecke der Bildung und Vermittlung genutzt. Auch in diesen Raumbereichen sind umfangreiche Umbauarbeiten zur Gesamtfertigstellung des Pergamonmuseums erforderlich.
Die Räume der Archäologischen Promenade, die im Bauabschnitt A liegen, werden mit dessen Fertigstellung noch nicht für den Museumsbesucher geöffnet, sondern interimistisch für Lagerzwecke genutzt. Erst mit den Baumaßnahmen zur Gesamtfertigstellung wird die Museumsnutzung der Archäologischen Promenade realisiert.
Grundrisse von Untergeschoss, Erdgeschoss und Hauptausstellungsebene des Pergamonmuseums mit den Interimsnutzungsbereichen (rot markiert)
Mit der Gesamtfertigstellung des Pergamonmuseums sind die nachfolgenden Raumbereiche final herzustellen (im Plan v. l. n. r.):
Untergeschoss:
Erdgeschoss:
Hauptausstellungsebene:
Außenanlagen
Nach Instandsetzung und Ergänzung der Museen auf Basis des „Masterplans Museumsinsel“ wird die Vision König Friedrich Wilhelms VI endlich Realität: Die alte Spree-Insel mit ihren bedeutenden Sammlungen entwickelt sich zu einer „Freistätte für Kunst und Wissenschaften“. Ihre Freiräume werden vollständig öffentlich begehbar sein. Inmitten der Metropole Berlin entsteht ein Areal mit vielen Orten, die zum Verweilen und Flanieren einladen.
Zwischen den Häusern der Museumsinsel, dem Bode-Museum (A) und Pergamonmuseum (B), der Alten Nationalgalerie (C), dem Neuen Museum (D), der James-Simon-Galerie (E) und dem Alten Museum (F) entstehen Freiräume mit hoher Aufenthaltsqualität.
Die Außenanlagen werden in zwei Kategorien gegliedert, die unterschiedlichen gestalterischen Regeln folgen: Straßenräume als funktionale Elemente des Stadtraums sowie Freiräume der Insel als „Ort der Entrückung“. Der Straßenraum wird in Geometrie, Material und Ausstattung ortsüblich und funktional hergestellt. Die Freiräume der Insel jedoch werden mit einem einheitlichen Naturstein belegt – dem Grundstein der Insel.
Diese Differenzierung gewährleistet einen klar wahrnehmbaren Zusammenhalt der unterschiedlichen Freiräume auf der Insel. Der einheitliche Belag aus Naturstein bildet eine ruhige und neutrale Grundfläche, auf der die unterschiedlichen Museumsarchitekturen mit ihrer jeweiligen Intention und Ausrichtung in ungestörter Individualität zur Geltung kommen.
Darüber hinaus entsteht aber gerade durch diese eindeutige Differenzierung mit oben aufgeführten Regeln genügend Gestaltungsspielraum, um dem Charakter und der Bedeutung des einzelnen Freiraums gerecht zu werden und so für den Kolonnadenhof der Alten Nationalgalerie, den Neuen Hof zwischen James-Simon-Galerie und Neuem Museum, den Platz an der Spree, hinter dem Pergamonmuseum, sowie den Bereich unter dem Stadtbahnviadukt eine angemessene individuelle Lösung entwickeln zu können.
Pergamonsteg
Mit Eröffnung des Museums nach Fertigstellung des Bauabschnitts B stehen die für den Endzustand geplanten Erschließungs- und Zugangswege in das Pergamonmuseum zur Verfügung. Über den Pergamonsteg am Kupfergraben und das Forum werden die Besucher im Tempietto im Erdgeschoss (Ebene 10) des Hauses empfangen. Im Untergeschoss (Ebene 0) wird das Pergamonmuseum über die Archäologische Promenade erschlossen und ist auf dieser Ebene direkt mit der James-Simon-Galerie, dem Neuen Museum und dem Bode-Museum verbunden. Den Hauptrundgang auf der Ebene 20 erreichen die Besucher direkt über die James-Simon-Galerie.
Alle zukünftigen Erschließungswege, auch der über den Pergamonsteg in das Forum, werden barrierefrei hergestellt. Hierzu werden im Brückenkopf des Pergamonstegs zwei barrierefreie Aufzüge als Selbstfahrer vorgehalten.
Der Pergamonsteg mit seiner großzügigen Treppenanlage und zwei Aufzügen führt die Besucherinnen und Besucher über die Spree auf das Forum.
Energiekonzept und Nachhaltigkeit
Die Wärmeversorgung des Pergamonmuseums erfolgt über Fernwärme. Da im Bereich der Museumsinsel keine Fernkälte zur Verfügung steht, erfolgt die Kühlung über Kältemaschinen. Der Einsatz von regenerativen Energien im Pergamonmuseum wurde untersucht. Es musste jedoch festgestellt werden, dass der Einsatz von Erdwärme nicht möglich ist, da für erforderliche Geothermie-Sonden außerhalb des Gebäudes auf der Museumsinsel kein Platz vorhanden ist. Auch im Museum wäre darüber hinaus kein Platz für Anlagen, die die Erdwärme umwandeln könnten.
Im Bauabschnitt B sind Photovoltaikmodule auf dem Glasdach des Südflügels und auf der Neubaudachfläche des vierten Flügels vorgesehen. Damit wird der Gesamtstrombedarf um etwa 13 Prozent reduziert. Der Dachraum im Pergamonmuseum wird temperiert. Würde dies nicht erfolgen, wäre für die Klimatisierung der Ausstellungsräume unter den Lichtdecken aufgrund der erhöhten Wärmelast sehr viel zusätzliche Energie nötig. Darüber hinaus sind im Dachraum Technikzentralen untergebracht, für deren Funktionsfähigkeit eine Höchsttemperatur von maximal 40 Grad Celsius zulässig ist.
Die im Bauabschnitt B in das Glasdach integrierten Solarpaneele erzeugen nicht nur zusätzliche Energie, sondern reduzieren auch die eingebrachte Wärme im Sommer.
Mit der abgeschlossenen Entwurfsplanung für das Pergamonmuseum Bauabschnitt B werden die Vorgaben aus den Energieeffizienzfestlegungen des Bundes (EEFB) 2021 erfüllt.
Der Zielwert für Bestandsgebäude EffizienzgebäudeBund 55 (EGB 55) wird erreicht. Im Bereich des neuen, vierten Flügels wird auch der Neubauzielwert EffizienzgebäudeBund 40 (EGB 40) gewährleistet.
Messmonitoring
Eine Besonderheit des Pergamonmuseums sind die fest mit dem Gebäude verbundenen Großarchitekturen. Im Rahmen von Bauabschnitt B werden zum Schutz dieser unersetzlichen Exponate im Miletsaal, im Ischtar-Tor-Saal und in der Prozessionsstraße hochsensible Messtechniken eingesetzt, die Setzungen und Erschütterungen registrieren. Bei Erreichen jeweils festgelegter Grenzwerte im einstelligen Millimeterbereich werden die Bauarbeiten komplett gestoppt, um Beschädigungen zu verhindern.
Zudem wurde im Rahmen der Beweissicherung und zum Schutz der Bahntrasse für die Zeit der Errichtung des Verbindungsbauwerks zwischen dem Pergamonmuseum und dem Bode-Museum unterhalb der Stadtbahntrasse ein Messmonitoring installiert. Dieses dient der permanenten Überwachung der Höhenverschiebung, der Pfeilerkopfauslenkung und Querverschiebung der Stützpfeiler sowie der Messung von Distanzänderungen zwischen den Brückenpfeilern.
Archäologische Promenade
Die Archäologische Promenade stellt die Gesamtidee der Museumsinsel dar, indem sie die umfassenden archäologischen Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin räumlich wie inhaltlich vernetzt und für den Besucher erlebbar macht. Sie bewahrt die Autonomie der einzelnen Museumsgebäude als Solitärbauten und zeichnet sich zudem durch Raumsequenzen mit unterschiedlichen Qualitäten und Charakteren aus.
Die historischen Museumsgebäude – vom Alten über das Neue Museum (C) und das Pergamonmuseum (B) bis zum Bode-Museum (A) – und die darin präsentierten archäologischen Sammlungen werden räumlich wie inhaltlich miteinander verbunden. Die Archäologische Promenade, die auch von der James-Simon-Galerie (D) direkt erreichbar ist, ermöglicht kurze, barrierefreie Wege und veranschaulicht sammlungsübergreifende Themenstellungen.
Herausforderungen eines komplexen Bauvorhabens
Die Baumaßnahme zur Grundinstandsetzung und Ergänzung des Pergamonmuseums ist durch eine Reihe von Besonderheiten geprägt, die für das Projektmanagement, die Planung und die Baudurchführung außergewöhnliche Herausforderungen mit sich bringen.
Herausforderungen ergeben sich unter anderem durch
Details dazu sind in der Projektdarstellung zum Bauabschnitt A zusammengestellt.
Weitere Projektbeteiligte
| Leistung | Ausführung |
|---|---|
| Objektplanung Gebäude Leistungsphasen 2 bis 5 sowie künstlerische Oberleitung | Kleihues + Kleihues Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin |
| Objektplanung Gebäude Leistungsphasen 6 bis 8 | rw+ Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin |
| Objektplanung Ingenieurbauwerke | GuD Geotechnik und Dynamik Consult GmbH, Berlin |
| Tragwerksplanung Gebäude | Wetzel & von Seht Ingenieurbüro für Bauwesen, Beratende Ingenieure, Prüfingenieure für Bautechnik VPI, Hamburg |
| Tragwerksplanung Ingenieurbauwerke | GuD Geotechnik und Dynamik Consult GmbH, Berlin |
| Technische Gebäudeausrüstung Anlagengruppe 1, 2, 3, 6, 7 | RMN Ingenieure GmbH, Hamburg |
| Technische Gebäudeausrüstung Anlagengruppe 4, 5 | RMN Ingenieure GmbH, Hamburg |
| Technische Gebäudeausrüstung Anlagengruppe 8 | bri bernd richter ingenieurgesellschaft berlin mbH |
| Technische Gebäudeausrüstung Lichtplanung Innen und Außen | Lichtvision Design GmbH, Berlin |
| Freianlagen | Levin Monsigny Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH, Berlin |
| Brandschutzplanung | Brandschutz Planung Klingsch GmbH, Berlin |
| Bauakustik, Raumakustik, Erschütterungsmonitoring | BeSB GmbH Berlin Schalltechnisches Büro, Berlin |
| Bauphysik | Codema International GmbH, Berlin |
| Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinator | DEGAS Deutsche Gesellschaft für Anlagensicherheit und Projektmanagement mbH, Berlin |
| Abfallmanagement | GSU Gesellschaft für Sicherheits- und Umwelttechniken mbH, Berlin |
| Bodenmechanik, Erd- und Grundbau | GuD Geotechnik und Dynamik Consult GmbH, Berlin |
| Medienleitungen in Außenanlagen | Ingenieurbüro RINGK, Berlin |
| Hydraulischer Nachweis Brücke Kupfergraben | hpl Hypro Paulu & Lettner Ingenieurgesellschaft mbH, Berlin |
| Denkmalpflegerische Beratung und Baubetreuung | Hübner+Oehmig, Berlin |
| Fachberatungsleistungen Fassade | MKP GmbH, Weimar |
| Vermesser | Vermessungsbüro Pech, Berlin |
| Beweissicherung | WETZEL & von SEHT, Berlin |
| Fotodokumentation und Grafische Gestaltung | Arbeitsgemeinschaft Peter Thieme und Stefan Berg, Berlin |
| Beratung Erbe O. M. Ungers | Erbengemeinschaft O. M. Ungers, Neu-Wulmstorf |
| Prüfingenieur Brandschutz | KLW Ingenieure GmbH, Berlin |
| Prüfingenieur Tragwerksplanung | KREBS+KIEFER Service GmbH, Berlin |