Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung

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Bauprojekt Neues Museum

Wiederaufbau

Blick auf die Ostfassade des Neuen Museums in Berlin Neues Museum Blick auf die Ostfassade vom Kolonnadenhof im Frühjahr 2010 Quelle: Johannes Kramer

Projektdaten

  • Nutzer Staatliche Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Adresse Bodestraße 1-3, 10178 Berlin
  • Architektur David Chipperfield Architects, London/Berlin
  • Projektleitung Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, Referat IV 2
  • Gesamtkosten rund 194 Millionen Euro
  • Baubeginn 2003
  • Fertigstellung 2009
  • Bruttogrundfläche rund 19.600 Quadratmeter
  • Nutzfläche rund 9.200 Quadratmeter
  • Wettbewerb 1993-1997, Beschränkter Realisierungswettbewerb mit anschließendem Gutachterverfahren
  • Restaurierungsberatung Julian Harrap Architects, London
  • Ausstellungsplanung architetto Michele De Lucchi S.r.l., Mailand

Projektbeschreibung

Mit der Wiedereröffnung am 16. Oktober 2009 präsentieren das Ägyptische Museum, das Museum für Vor- und Frühgeschichte und die Antikensammlung ihre Sammlungen im Neuen Museum. Hinzu kommen sammlungsübergreifende, themenbezogene Ausstellungsbereiche, die in der Archäologischen Promenade auf Ebene 0 des Gebäudes ihren Platz finden.

Das Neue Museum wurde von Friedrich August Stüler im Zeitraum von 1841 bis 1855 errichtet. Es ist Bestandteil des historisch gewachsenen Ensembles von Museumsbauten auf der Museumsinsel Berlin, die im Dezember 1999 in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO eingetragen wurde.

Das Neue Museum wurde im 2. Weltkrieg stark beschädigt. Das gesamte Haupttreppenhaus brannte aus, der Nordwestquadrant und das Südostrisalit wurden nahezu vollständig zerstört. In der Folgezeit wurden einzelne, erhalten gebliebene Räume als Depots und Werkstätten weiter genutzt. Die zerstörten Gebäudeteile waren bis 1989 ungeschützt der Witterung ausgesetzt und mussten abgerissen werden.

1985 begann die Entwicklung eines technischen Verfahrens für die Ersatzgründung sowie für Sicherungsarbeiten an der Teilruine. Die Ersatzgründung wurde von 1989 bis 1993 ausgeführt, bis zum Baubeginn im November 2003 erfolgten weitere Sicherungsmaßnahmen und umfangreiche Maßnahmen zur Substanzerhaltung.

1997 wurde David Chipperfield in einem Gutachterverfahren, das sich an den Realisierungswettbewerb von 1993/1994 anschloss, mit dem Wiederaufbau des Neuen Museums beauftragt. Ab Mitte 1998 entwickelte er gemeinsam mit den Architekten, die für die Grundinstandsetzungen der anderen Häuser der Museumsinsel beauftragt waren, den Masterplan Museumsinsel, der 1999 vom Stiftungsrat der Stiftung Preußischer Kulturbesitz als Grundlage für alle weiteren Planungen auf der Museumsinsel festgesetzt wurde.

Wiederaufbau- und Restaurierungsplanung für das Neue Museum wurden auf der Grundlage wissenschaftlich fundierter Untersuchungen nach den Grundsätzen der ICOMOS-Charta von Venedig entwickelt. Bereits 1992 waren von einer Expertenkommission grundlegende Erhaltungsziele in einem Plädoyer zur ergänzenden Wiederherstellung des Neuen Museums formuliert worden. Ausgehend davon legten David Chipperfield und der ihm in konservatorisch-restauratorischen Fragen zur Seite stehende Julien Harrap 1999 einen denkmalpflegerischen Leitfaden vor, der in der weiteren Planung fortlaufend präzisiert und konkretisiert wurde.

Der Wiederaufbau des Neuen Museums umfasste die bauliche und restauratorische Wiederherstellung der Kriegsruine sowie deren Ergänzung durch die Neubauteile des Nordwestquadranten und des Südostrisalits. Die Ergänzungsbauteile wurden in enger Anlehnung an das historische Gebäudevolumen und die ursprünglichen Raumfolgen errichtet. Beide Innenhöfe wurden wiederhergestellt und mit Glasdächern überdacht. Die eingelagerten Bauteile der Süd-, Ost- und Querkolonnade wurden wieder aufgebaut.

Bestand- und Ergänzungsbauteile wurden in klassischer Mauerwerksbauweise instandgesetzt beziehungsweise neu errichtet. Als geeignetes Ergänzungsmaterial für die verloren gegangenen Bauteile und Fassaden bestätigte sich der Einsatz von Handstrichziegeln. Aufgrund ihres Formats und ihrer Farbigkeit wurden Altziegel aus bauzeitlichen Gebäudebeständen gewählt. Die aus Leichtziegeln und Hohltöpfen errichteten Kassettendecken, Gewölbe und Kuppeln wurden durch Nachbrände in alter Werktechnik repariert beziehungsweise wiederhergestellt. Im Südflügel ruhen die Decken, Gewölbe und Kuppeln auf Stützenstellungen, im Nordflügel überspannen Bogen-Sehnen-Träger die gesamte Raumbreite. Großformatige Wand- und Deckentafeln aus Betonwerkstein höchster Oberflächengüte und Präzision bilden die Bekleidung der wiederhergestellten Räume im Nordwestquadranten.

Die heutigen Anforderungen an eine museale Nutzung erforderten eine Klimatisierung und eine konservatorisch geeignete Tages- und Kunstlichtplanung für sämtliche Ausstellungsbereiche sowie eine Vielzahl an elektro- und sicherheitstechnischen Anlagen. Die Ergänzungsbauteile übernahmen dabei die Funktion die zusätzlich benötigten Fluchttreppen und Aufzüge sowie die Technikbereiche mit Schachtführungen und Unterverteilungen aufzunehmen.

Das architektonisch-restauratorische Konzept des Wiederaufbaus ist weniger dem Kontrast als vielmehr der Kontinuität verpflichtet. Die noch vorhandene historische Bausubstanz wurde gesichert, konserviert und wo erforderlich restauriert und mit den baulichen Ergänzungen zu einem Gesamtbild vervollständigt. Der Gebäudekontext wurde sowohl außen- als auch innenräumlich wiederhergestellt. Die Geschichte des Hauses bleibt ablesbar ohne sie vordergründig zu inszenieren.

Haupttreppenhaus

Bild / Video 1 von 11

Haupttreppenhaus Haupttreppenhaus Quelle: Foto: Johannes Kramer / 2009

Weitere Informationen

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