Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung

„Statue of Limitations“

1. Preis - 1983 Kang Sunkoo, Berlin

Beurteilung der Jury

Der Entwurf „Statue of Limitations“ sieht eine zweiteilige, schwarz patinierte Bronzeplastik in Form einer Flagge auf Halbmast vor, die an zwei Orten in Berlin errichtet werden soll. Die obere Hälfte der Flagge und des Masts soll auf dem Nachtigalplatz des „Afrikanischen Viertels“ in Berlin-Wedding aufgestellt werden, die untere Hälfte im zentralen Treppenhaus des Humboldt Forums. Die Skulptur überzeugt die Jury als Metapher der Erinnerung an den Kolonialismus, ihr Titel spielt auf den juristischen Terminus der Verjährung an („Statute of Limitations“). Die Arbeit versteht sich als permanente Aufforderung, sich kritisch mit der Kolonialgeschichte auseinanderzusetzen. In einem dezentralen Konzept verbindet sie mehrere symbolisch aufgeladene Orte in Berlin und ihre Historie.

Der Künstler selbst versteht seine Arbeit als „Ausdruck von gemeinsamer Erinnerung“, die sich „auf den gleichberechtigten kulturellen Austausch zwischen Gruppen verschiedener nationaler Identität und die damit verknüpfte Bildung einer (zukünftigen) gemeinsamen Geschichte“ richte.

Nach kontroverser Diskussion überzeugt der Entwurf die Mehrheit der Jury als Vorschlag, der in Aussage und Reflexion inhaltlich und thematisch wie auch formal weit über die anderen eingereichten Vorschläge hinausragt. Er reflektiert die Geschichte der Kolonialisierungen wie auch deren Folgen bis in die Gegenwart und fungiert dergestalt als Denkmal, das über den Ort des Humboldt Forums programmatisch hinausweist. Indem der Entwurf den Nachtigalplatz in Berlin-Wedding in der Nähe des U-Bahnhofs „Afrikanische Straße“ miteinbezieht, stellt er eine direkte Verbindung her zu einem anderen Ort in der Stadt, an dem sich die Spätfolgen der Geschichte unmittelbar zu erkennen geben.

Jener Impuls einer kritischen Befassung teilt sich in der Gestalt einer durchgehend schwarzen Bronze mit, in der der Fahnenmast wie auch die Fahne selbst realisiert werden soll. Die Teilung des Objekts und seine Platzierung an zwei Standorten ist aus den erwähnten Motiven nicht nur überaus schlüssig, sie mag auch eine als neuralgisch empfundene Teilung der Welt überhaupt in unterschiedliche Einflusssphären mit unterschiedlichen politischen, ökonomischen und kultureller Gewichtungen symbolisieren. In diesem Sinne bleibt auch den Betrachtenden der Skulptur an beiden Orten die Anschauung einer Ganzheit vorenthalten. Die Skulptur verkörpert vielmehr in sich selbst ein fragmentarisches Ganzes, das sich für die Mehrheit der Jury wiederum ausgesprochen stimmig in die Architektur und den anderen vorgesehenen Ort einfügen dürfte.

Insgesamt sieht der Entwurf „Statue of Limitations“ keine dekorative, den Ort ausschmückende Lösung vor, vielmehr verpflichtet er zu einer hinterfragenden Haltung.

Kontakt

Referat A2 - Projektentwicklung, Wettbewerbe, Zuwendungsbau,
Landschafts- und Innenarchitektur, Kunst am Bau 
Straße des 17. Juni 112
10623 Berlin

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