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Bundesarchiv in Berlin-Lichterfelde

Bundesarchiv BerlinGelände des Bundesarchivs in einer Computersimulation aus der Vogelperspektive. Links und rechts außen die zu sanierenden Altbauten 903 und 906 sowie der Magazin-Neubau in der rechten Bildmitte Quelle: Braunfels Architekten

NutzerBundesarchiv
AdresseFinckensteinallee 63, 12205 Berlin Lichterfelde
Architekt

Magazinneubau: Stephan Braunfels Architekten, Berlin

Gebäude 903 und 906: Maedebach & Redeleit Architekten

ProjektleitungBundesamt für Bauwesen und Raumordnung, Referat V A 5
Gesamtkosten*rd. 47 Mio. EURO
Wettbewerb und ErgebnisseMasterplan
Baubeginn / FertigstellungOktober 2007 / März 2016
Bruttogrundfläche49.400
Nutzfläche35.750

*Stand der haushaltsrechtlich anerkannten Kosten einschließlich der Honorare, Aufschläge für allgemeine Risiken und zwischenzeitliche Preisindexsteigerungen sind nicht enthalten.

Das Bundesarchiv ist eine obere Bundesbehörde im Geschäftsbereich des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Es wurde 1952 begründet und arbeitet seit 1988 auf der Grundlage des Bundesarchivgesetzes.
Das Bundesarchiv sichert die Überlieferung zentraler Organe des Staates, sofern ihnen bleibender Wert für die Erforschung der deutschen Geschichte, für die Sicherung von Bürgerrechten oder als Informationen für Gesetzgebung, Verwaltung oder Rechtsprechung zukommt.

Neben dem Hauptsitz in Koblenz betreibt das Bundesarchiv aktuell neun weitere Standorte in Deutschland. Die Altbausanierungen und der Neubau eines Magazingebäudes in Berlin-Lichterfelde dienen dem langfristigen Ziel einer Zentralisierung der Berliner Dienststellen des Bundesarchivs und sollen Raum für bisher provisorisch untergebrachte Akten und Bücher schaffen.

Bundesarchiv BerlinLuftbild des vormaligen Kasernengeländes in Berlin-Lichterfelde, aufgenommen im Jahre 1910 aus einem Zeppelin in 500 Meter Höhe. Der Eingang lag damals noch an der Waldstraße (heutige Altdorfer Straße)

Der Standort weist eine wechselvolle Geschichte vom Kaiserreich bis heute auf und war bis zum Fall des Eisernen Vorhangs überwiegend militärisch genutzt. Ursprünglich verteilten sich im 19. Jahrhundert auf dem circa 23 Hektar große Gelände über 20 Gebäude der preußischen Hauptkadettenanstalt. Von diesem Ensemble ist als repräsentatives Unterkunftsgebäude nur noch das Gebäude 903 erhalten. Während der NS-Zeit war in dem Komplex die "Leibstandarte SS Adolf Hitler" stationiert, woraus bis heute die baulich-räumliche Zufahrtssituation an der Finckensteinallee mit den Torhäusern, der Schwimmhalle sowie das dem Eingangsportal gegenüberliegende Gebäude (Haus 906) resultiert. Die durchnummerierten Gebäudebezeichnungen stammen aus der Zeit der Nutzung durch die amerikanischen Streitkräfte von 1945 bis 1994, welche ihrerseits wiederum markante bauliche Spuren hinterließen, wie die Mannschaftsunterkünfte und die "Andrews Chapel".

Das Erbe und die Brüche in der Geschichte des Areals machten die Planungen für den Magazinneubau zu einer besonders anspruchsvollen Aufgabe. So wurde die Haupterschließung des Gebäudes über Eck gelegt, um eine Inszenierung der nationalsozialistischen Architektur zu vermeiden. Ein noch zu erarbeitender Masterplan für das Gesamtareal wird sich insbesondere dieser Thematik stellen müssen. Im Jahr 2009 wurde unter dem Titel "Masterplan für das Bundesarchiv" ein Wettbewerb durchgeführt. Die Arbeit der ersten Preisträger Schweger Associated Architects GmbH zusammen mit Hager Landschaftsarchitekten AG bildet nun eine hervorragende Grundlage für die weitere Entwicklung der Liegenschaft, weitere Schritte werden folgen: Die Überarbeitung der Arbeit der Preisträger und die Umsetzung in eine verbindliche Bauleitplanung in Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden der Stadt Berlin.

Bundesarchiv BerlinLageplan der Gesamtliegenschaft des Bundesarchivs in Berlin-Lichterfelde mit dem nach dem bedeutenden Archivar Ernst Posner benannten neuen Magazingebäude in der Mitte sowie den zu sanierenden Altbauten 903 (Mitte rechts) und 906 (ebenfalls Bildmitte)

Der mit dem Neubau beauftragte Architekt Prof. Stephan Braunfels zu seiner Aufgabe: "Da die meisten Gebäude der Kadettenanstalt im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden, die für die Leibstandarte SS Adolf Hitler errichteten Gebäude aber weitgehend erhalten blieben, kommt dem Neubau die wichtige Aufgabe zu, der Gesamtanlage des Bundesarchivs einen neuen Geist einzuhauchen. Der gläserne transparente neue Haupteingang soll sich nicht nur frei auf die weite Parkanlage öffnen, sondern auch die bestehenden Altbauten über einen offenen Innenhof funktional sinnvoll miteinander verbinden. Der Werkstoff Glas steht für den Anspruch, dass ein Archiv in einem demokratischen Staat und damit das Bundesarchiv im besonderen Transparenz schafft."

Bundesarchiv BerlinComputersimulation des Magazin-Neubaus, des Ernst-Posner-Baus Quelle: Braunfels Architekten

Der Magazinneubau schiebt sich als geschlossener Quader zwischen die Bestandsgebäude und nimmt somit eine Schlüsselstelle auf dem Gelände ein. Gebäudehöhen und –fluchten nehmen harmonisch Bezug auf die Altbausubstanz. Gleichzeitig bietet der Baukörper die Möglichkeit, typologisch eine weitere Entwicklung des Areals anzudeuten. Durch den doppelgeschossig verglasten Empfangsbereich ist es gelungen, die geschlossene Gebäudehülle aufzubrechen und dem Gebäude einen offenen Charakter zu geben. Insgesamt wird das Bundesarchiv im Neubau 110 laufende Kilometer Archivgut unterbringen. Die Gebäude 903 und 906 werden für Verwaltungszwecke beziehungsweise als öffentliches Dienstleistungszentrum für Benutzer des Bundesarchivs um- und ausgebaut.

Bundesarchiv BerlinModellphoto mit Ernst-Posner-Bau in der Bildmitte und den beiden Altbauten 903 (links) und 906 (rechts)

Die besondere Herausforderung für Archivbauten stellt die Sicherung eines relativ konstanten Innenraumklimas dar, da hier schützenswertes Kulturgut aufbewahrt wird. Die Toleranzen für die relative Luftfeuchte in den Archivräumen sind entsprechend gering, um die überwiegend aus Papier bestehenden Bestände möglichst keinen schädlichen Einflüssen auszusetzen. Die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte haben gezeigt, dass eine Kombination aus natürlicher und technisch unterstützter Belüftung die besten Ergebnisse erzielt. Für die natürliche Raumklimakomponente wurde eine massive Betonbauweise gewählt mit einem mehrschichtigen Wandaufbau und einer hinterlüfteten Vormauerschale aus Klinkermauerwerk. Unterstützend wird eine einfache Lüftungsanlage verwendet mit einem sehr geringen Luftwechsel. Langfristig wird sich das Raumklima innerhalb des Magazins einpendeln und die technischen Einrichtungen werden nur noch für temporäre Korrekturen benötigt, geben aber die nötige Sicherheit.

Bundesarchiv BerlinErdgeschoss-Grundriss der Gesamtbaumaßnahme

Die Sanierung der Altbaubestände des Bundesarchivs in Berlin wird durch das "Energieeinsparprogramm Bundesliegenschaften" gefördert. Mit dem Programm werden bauliche und anlagentechnische Maßnahmen in bestehenden Bundesgebäuden mitfinanziert, die deutlich über die Mindestanforderungen der Energieeinsparverordnung hinausgehen. Das Bundesarchiv sieht unter anderem mit diesen Fördermitteln eine umfassende Sanierung der Fassaden, Fenster und der Heiztechnik und eine Photovoltaikanlage auf ausgewählten Dachflächen vor.

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