Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung

Kunst-am-Bau-Wettbewerb Bundesarchiv Berlin Gestaltung des Innenhofes und Markierung des Haupteinganges

Offener, zweiphasiger Wettbewerb

  • Status Abgeschlossen
  • Veröffentlichung 30.07.2008
  • Entscheidung 29.04.2009

Preisträger

1.Preis - 1704 - Thomas Stricker, Künstler, Düsseldorf mit Pauli Landschaftsarchitekten BSLA, St. Gallen, Schweiz

1. Preis 1704 - Visualisierung des Innenhofes

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1. Preis 1704 - Visualisierung des Innenhofes 1. Preis 1704 - Visualisierung des Innenhofes Visualisierung des Innenhofes Quelle: Thomas Stricker, Künstler, Düsseldorf mit Pauli Landschaftsarchitekten BSLA, St. Gallen, Schweiz

Beurteilung durch das Preisgericht:

Der Entwurf versetzt mit skulptural-vegetativen Mitteln den Innenhof in eine surreale Welt, die fast urweltliche Assoziationen schafft. Diese Bezugnahmen zur Vergangenheit soll das „kollektive Gedächtnis Deutschlands“ verkörpern. Umriss und Dichte des Lärchenhains im Zusammenhang mit der Bodenmodellierung setzen einen kräftigen Akzent im Hof, der durch die urweltlich-fiktiven Skulpturen gut unterstrichen wird. Maßstäblichkeit und Ausformung der Skulpturen machen einen sehr eigenartig fremden Reiz aus ohne modisch zu sein.

Kritisch diskutiert wird inwieweit die Lärche als Baumart die in Plan und Modell dargestellte Intensität erreichen kann. Die Sinnhaftigkeit der Lärche auf dem Vorplatz wird hinterfragt.
Insgesamt besticht die Arbeit durch ihren gelungenen eigenständigen Ausdruck, der im bewussten atmosphärischen Kontrast zu den Gebäuden steht.

2. Preis - 1701 - Groen.landschaftsarchitektur mit Volker Andresen, Berlin

1. Preis 1704 - Perspektive 2. Preis 1701 - Perspektive Perspektive Quelle: Groen.landschaftsarchitektur mit Volker Andresen, Berlin

Beurteilung durch das Preisgericht:

Die Verfasser des Entwurfs „Zeit/Massiv“ schlagen für den Innenhof des Bundesarchivs die Installation eines maßstabsgetreuen Modells eines tatsächlich existierenden Bergmassivs aus dem Wettersteingebirge vor. Mit diesem Exponat, welches den höchsten Berg Deutschlands, die Zugspitze, darstellt, sollen die einschlägigen Archivtätigkeiten des Sammelns und Aufbewahrens von Vergangenem gespiegelt werden. Ein für den Eingang vorgesehenes Display soll die Zeit ab der Einweihung des Archivs rückwärts laufend, digital anzeigen und sowie den Zeitaspekt eines Archivs als auch die Vergänglichkeit von vermeintlich Unvergänglichem ablesbar machen. Auch wenn die Heterogenität der beiden Medien, Display und Berg- massiv anfangs irritierte - weil sie als nicht zu vereinbarende Formen und Elemente empfunden wurden - kommt die Jury zu der Einsicht, dass die beiden medial sehr unterschiedlichen Vorschläge sich sehr gut ergänzen und wertet sie positiv als ästhetische Kommentierung des alltäglichen Archivgeschehens.
Das Verhältnis von Bergmassiv zu vorhandener Architektur überzeugte die Jury, und die massive Präsenz des Modells stufte man als mutig und überzeugend ein. Einige Preisrichter sahen die Monumentalität und Metaphorik der Arbeit jedoch problematisch. Die Entstehungsgegensätzlichkeit von
Architekturen und Bergformationen wurde als willkommener Formengegensatz erkannt. Kontrovers wurden die z. T. hoch aufgehenden schroffen Schnittflächen des Bergmodells diskutiert, die einige Jurymitglieder insbesondere im Hinblick auf die Blickbeziehungen im Erdgeschoss negativ beurteilten,
während dieser Aspekt von anderen Jurymitgliedern als notwendiger Hinweis auf Archivalien eingestuft wurde, die im Prinzip immer aus einer anderen Realität kommen. Die Tatsache, dass das Modell nicht betreten werden soll - tragwerkstechnisch auch nicht betreten werden kann - wurde
anfangs bedauert, im Laufe der Diskussion jedoch als positiv und konsequent bewertet.
Die Lebensdauer und Nachhaltigkeit des Bergmodells wurde skeptisch kommentiert.

3. Preis: Arbeit 1706 Kai Schiemenz mit atelier le balto, Landschaftsarchitekten, Berlin

1. Preis 1704 - Visualisierung des Innenhofes 3. Preis 1706 - Visualisierung des Innenhofes Visualisierung des Innenhofes Quelle: Schiemenz mit atelier le balto, Landschaftsarchitekten, Berlin

Beurteilung durch das Preisgericht:

Diese Arbeit wurde besonders intensiv und kontrovers von der Jury diskutiert. Der kooperative, prozessuale Ansatz des Entwurfes wird umfassend gewürdigt, stellt aber zugleich für den Nutzer eine Herausforderung sowohl hinsichtlich der Logistik als auch der Ästhetik des Ortes dar. Immer wieder
stellt sich in der Diskussion die Frage nach der künstlerischen Form. Auch unter der Maßgabe, dass es sich um einen künstlerisch–gärtnerischen Ansatz handelt, der die Skepsis gegenüber der scheinbar genialen Setzungen eines einzelnen Autors zum Ausdruck bringt, stellt sich ohne Zweifel die Frage
nach der Vermittelbarkeit und Lesbarkeit. Die geneigte Bodenplatte benutzt das Motiv der Instabilität und Balance, die durchaus analog zur immer wieder notwendigen Neuinterpretation bestehender Fakten im Rahmen wissenschaftlichen Arbeitens im Archiv gelesen werden kann. Positiv wird der
gewählte Zeithorizont gesehen, der dem Entwurfscharakter künstlerischer und wissenschaftlicher Arbeit unter dem Stichwort „das Archiv braucht den Autor“ Platz einräumt. Die Gestalt der Bodenplatte aus schwarzem Asphalt und dem mäandrierenden Band aus Beeten hat den Charakter eines
abstrakten, grafischen Musters, das von der Hauptschauseite aus langsam ansteigt.
Welche tatsächliche Ästhetik die Bepflanzung innerhalb der verschiedenen Spielzeiten entwickeln wird, bleibt manchem Preisrichter zu offen. Das Projekt fordert den Auftraggeber gewissermaßen heraus, sich auf einen zeitbasierten, prozessualen und sozialen Ansatz einzulassen und erweitert so den Ansatz einer „Kunst am Bau“ zu einer „Kunst mit dem Ort“.

Informationen zum Wettbewerb

Auslober, Koordination und Durchführung

Bauherr / Auslober

Bundesrepublik Deutschland
vertreten durch das
Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung
vertreten durch das
Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung

Nutzer

Bundesarchiv, Berlin

Koordination und Durchführung

Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, Referat A 2 – Projektentwicklung, Wettbewerbe, Zuwendungsbau, Landschafts- und Innenarchitektur, Kunst am Bau

Beate Hückelheim-Kaune, Referatsleiterin
Birgit Jacke-Ziegert, Projektleiterin Kunst
Angela L. Kauls, Projektleiterin Landschaftsarchitektur

Wettbewerbsaufgabe

Aufgabe und Art des Wettbewerbs

Ziel des offenen, zweiphasigen interdisziplinären Realisierungswettbewerbs für Arbeitsgemeinschaften aus Künstlern und Landschaftsarchitekten war es, einen Entwurf für den von Magazinneubau und dem zukünftigen Dienstleistungszentrum Gebäude 906 gefassten Innenhof zu entwickeln. Darüber hinaus sollte ein künstlerischer Entwurf im Bereich des östlichen Vorplatzes den Hauptzugang zu diesen drei Gebäuden markieren.

Der Innenhof liegt im Zentrum der Liegenschaft der Bundesarchivs in Berlin Lichterfelde und wird von einem spannungsvollen Gebäudeensemble, das wesentliche Zeitschichten der Liegenschaft ablesbar macht, umgeben. Die zwei Kopfgebäude der ehemaligen Kadettenanstalt fassen den Hof gemeinsam mit den neu zu errichtenden gläsernen Verbindungsgängen im Osten und Westen, die nördliche Raumkante bildet das 1940 fertig gestellte Wirtschaftsgebäude, während der südliche Raumabschluss durch den Magazinneubau erfolgt. Die vorwiegend öffentlichen Nutzungen im Erdgeschoss, Empfangsbereiche, Leseräume und Erschließungsfunktionen, stehen durch weitgehend transparente Fassaden in enger Verbindung zum Innenhof. Gleichzeitig ist der Hofbereich durch seinen direkten Bezug zum Haupteingang des Bundesarchivs ein prägendes Element der Eingangssituation.

Downloads

Weitere Informationen

Masterplan für das Bundesarchiv in Berlin Dokumenttyp Wettbewerb

Wettbewerbstyp: Planungswettbewerb Status: Abgeschlossen Ort: Berlin

Kontakt

  • Referat A2 - Projektentwicklung, Wettbewerbe, Zuwendungsbau,
    Landschafts- und Innenarchitektur, Kunst am Bau 
    Straße des 17. Juni 112
    10623 Berlin

    Tel.: +49 30 18401-9201
    Fax: +49 30 18401-9209
    E-Mail: Architektur@bbr.bund.de

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