Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung

Masterplan für das Bundesarchiv in Berlin

Aufgabe und Art des Wettbewerbs
Das Bundesarchiv ist eine moderne Dienstleistungseinrichtung für Öffentlichkeit, Forschung und Verwaltung, die Zeugnisse zur neueren und neuesten deutschen Geschichte dauerhaft aufbewahrt und zugänglich macht. Es sichert für die Bundesrepublik Deutschland auf der Grundlage des Bundesarchivgesetzes das zivile und militärische Archivgut des Bundes und seiner Vorgänger, des Deutschen Bundes, des Deutschen Reiches sowie das der Deutschen Demokratischen Republik und ergänzt es um Archivgut privater Herkunft.
Die provisorische Unterbringung des Bundesarchivs auf dem Gelände der 1878 erbauten Kadettenanstalt in Berlin-Lichterfelde im Jahr 1994 ist eng verknüpft mit dem Ziel der Zentralisierung der Berliner Dienststellen dieser Behörde und der Schaffung eines öffentlichen "Vordereingangs" in der Bundeshauptstadt. Der Ausbau der circa 12 Hektar großen Liegenschaft erfolgt derzeit mit der Errichtung des Magazinneubaus von Stephan Braunfels Architekten und der Sanierung der denkmalgeschützten Gebäude.
Nach Fertigstellung der Bau- und Sanierungsmaßnahmen werden rund 300 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen neue Arbeitsplätze gefunden haben und circa 120.000 laufende Meter Archiv- und Bibliotheksgut im Ernst-Posner-Bau untergebracht sein. Ab dem Jahr 2011 wird das Bundesarchiv die Berliner Bereiche des Archivs in den neuen Räumlichkeiten präsentieren und für die Öffentlichkeit bessere Benutzungsbedingungen bieten. Dies ist aber nur ein erster Schritt auf dem Weg der Zentralisierung und Erweiterung. Zum Einen muss in absehbarer Zeit mit der Übernahme bestehender Institutionen gerechnet werden, zum Anderen werden Bundesbehörden, private Nachlassgeber, Vereine und Verbände ihr Schriftgut weiterhin an das Bundesarchiv abgeben.
Damit ist das Bundesarchiv, wie alle Archive, eine Institution, deren Wachstum vorprogrammiert ist. Ziel des interdisziplinären Nichtoffenen Wettbewerbs war es daher, in Arbeitsgemeinschaften aus Landschaftsarchitekten und Architekten bzw. Stadtplanern, einen Masterplan als Grundlage für einen Bebauungsplan zu erhalten. Im Rahmen eines Gesamtkonzeptes war ein Leitbild für die Liegenschaft zu entwickeln, das der Geschichte des Ortes, seiner derzeitigen und zukünftigen Nutzung sowie der geschichtspolitischen Bedeutung des Bundesarchivs gerecht wird.
In einem vorgeschalteten Bewerberverfahren wurden von einem Auswahlgremium sechs Arbeitsgemeinschaften für die Bearbeitung der Wettbewerbsaufgabe ausgewählt. Ihre Aufgabe war es einen Masterplan zu erarbeiten, der die maximal für die Liegenschaft verträglichen Baumassen in einer starken freiraumplanerischen Struktur positioniert, um zukünftige Planungen im Sinne des Gesamtkonzeptes lenken und gleichzeitig flexibel auf sich verändernde Rahmenbedingungen reagieren zu können.

Preisgericht

Stimmberechtigte Preisrichter
Juliane Schonauer, Stadtplanerin, Berlin (Vorsitz)
Irene Lohaus, Landschaftsarchitektin und Stadtplanerin, Hannover
Ursula Hochrein, Landschaftsarchitektin und Stadtplanerin, München
Prof. Leonhard Schenk, Architekt und Stadtplaner, Konstanz
J. Miller Stevens, Stadtplaner, Berlin
Prof. Dr. Hartmut Weber, Präsident Bundesarchiv
Sabine Lappe, Fachbereichsleiterin Stadtplanung,
Bezirksamt Steglitz Zehlendorf
Klaus Fudickar, Referatsleiter, Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung
Wolfgang Wölk, Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien, Referat K 13
Stellvertretende Preisrichter
Johannes Grothaus, Landschaftsarchitekt und Stadtplaner, Potsdam
Dr. Sebastian Barteleit, Bundesarchiv Berlin
Christoph Noack, Stadtplanung, Bezirksamt Steglitz Zehlendorf
Sachverständige
Dr. Jörg Rüter, Untere Denkmalschutzbehörde,
Bezirksamt Steglitz Zehlendorf, Sachverständiger für Denkmalschutz
Rainer Härtle, BBR, Sachverständiger für Bauordnungsrecht
Entscheidung und Empfehlung des Preisgerichts
Das Preisgericht empfahl einstimmig die Arbeit des 1. Preisträgers unter Berücksichtigung der Hinweise in der schriftlichen Beurteilung als Masterplan weiter zu entwickeln und dem Bebauungsplan zugrunde zu legen.

1. Preis: Arbeit 1721


Schweger Associated Architects GmbH, Hamburg
Entwurfsverfasser: Peter P. Schweger
Mitarbeit: Jens-Peter Frahm, Hannah Jonas und Markus Schlosser mit
Hager Landschaftsarchitektur AG, Zürich / CH
Entwurfsverfasser: Guido Hager
Mitarbeit: Kerstin Marx, Pascal Posset und Karol Kruk (Visualisierung)
Auszug aus dem Erläuterungsbericht der Verfasser


Leitidee
Zentraler Gedanke ist die Arrondierung des Areals zu einer eigenständigen, sich verortenden Parklandschaft, indem die vorhandenen Charakteristika herausgearbeitet und gestärkt werden. Die künftigen Bauvolumen werden unter Beibehaltung der Maßstäblichkeit des Bestands im Südwesten des Areals konzentriert. Die dadurch gewonnenen offenen baumüberstandenen Rasenfelder bilden zusammen mit ihrem gliedernden Wegenetz einen öffentlich zugänglichen 'Parkraum'. Dieser stellt die Identität des Bundesarchivs als Institution der Allgemeinheit in den Vordergrund. Eine klare Wegestruktur bietet optimale Orientierung und definiert eindeutige Freiräume, mit schlüssigen Anbindungen an die Umgebung. Das gesamte Areal erfährt im Zusammenspiel von Gebäuden und Außenanlagen eine neue Ordnung und Klärung. Die Berliner Dienststelle des Bundesarchivs wird mit einer öffentlichen und repräsentativen Adresse im Bezirk Lichterfelde verortet.

Beurteilung durch das Preisgericht
Aufbauend auf der Axialität des ehemaligen Kasernengeländes stellen die neuen Baukörper eine konsequente und flexible Ergänzung der vorhandenen Bebauung dar. Das strenge Raster der Baufelder bietet eine hohe Flexibilität bezüglich Nutzungsverteilung und zeitlicher Entwicklung. Die Solitärbaukörper unterstützen in ihrer Anordnung die Idee einer öffentlichen Durchwegung. Mit zwei großzügigen Grünflächen, im südlichen und nordöstlichen Geländebereich, entstehen für die Öffentlichkeit gut nutzbare Freiräume.
Das vorgeschlagene Kantinengebäude überzeugt in seiner Lage vor dem Gebäude 903 jedoch nicht.
Die gesamte Freiraumgestaltung erscheint überinszeniert, insbesondere durch den Einsatz des nicht nachvollziehbaren Gestaltungsthemas der Bänder. Die lineare Betonung der Nord-Süd-Achse und somit die deutliche Herausarbeitung des Hauptgebäudes, auch in der Höhe gegenüber den neuen Baukörpern, wird positiv bewertet.
Die Anordnung der Besucherstellplätze auf dem denkmalgeschützten Vorplatz an der Finckensteinallee ist schlüssig, aber vom Auslober in dieser Konzentration nicht gewünscht. Kontrovers diskutiert wurde die Lage des neuen Bürogebäudes bezüglich der Adressbildung an der Altdorferstrasse.
Die Verteilung der Baukörper auf dem Gelände weist eine durchschnittliche wirtschaftliche Flächenausnutzung auf. Die Möglichkeit des flexibel modularen Ausbaus kommt den zeitlich nicht vorhersehbaren Entwicklungsstufen des Bundesarchivs in besonderer Weise entgegen. Das trifft auch für die Unterstützung der internen Abläufe des Bundesarchivs zu.
Das klare Planungskonzept bietet für die Öffentlichkeit und das Bundesarchiv gleichermaßen gute Lösungsansätze für eine breite Akzeptanz.

3. Preis: Arbeit 1720


St raum a. Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH, Berlin
Entwurfsverfasser: Tobias Micke
Mitarbeit: Kolja Wischnewski, Philip Zapf und Janne Gums
mit
Kleihues + Kleihues Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin
Entwurfsverfasser: Jan Kleihues
Mitarbeit: Liliane Blankenburg, Johannes Kressner, Kristin Lindenstruth,
Roman Schallon und Philipp Zora


Beurteilung durch das Preisgericht
Der Entwurf besticht durch die klare Gliederung der Baufelder und eine entsprechende Zuordnung der Freiräume.
Der nördliche Teil der Liegenschaft wird durch die deutliche Strukturierung von Platz und Park klar als öffentlicher Bereich erlebbar. Die Besucherparkplätze am Platz und die daraus resultierende Zuordnung zum Eingang unterstützen eine klare Adressbildung. Das Gebäude entlang der Theklastraße wird in der Straßenflucht ergänzt, dazwischen entsteht eine selbstverständliche Torsituation als Nebeneingang.
Eine zweite Leitidee bildet die zentrale Freiraum-Achse, die jedoch kritisch bewertet wird. Diesem Grünraum fehlt eine schlüssige Zuordnung zu den umgebenden Wohnquartieren, zudem suggeriert er, dass er innerhalb einer lebendigen Stadtlandschaft liegt, tatsächlich jedoch bewegt er sich zwischen weitgehend geschlossenen Magazingebäuden und Mitarbeiterparkplätzen.
Anliefer- und Parkverkehr durchschneiden die Grünachse. Eine bessere Verknüpfung wäre zudem erst nach einer Neuordnung und Bebauung des östlichen Baufeldes außerhalb des Wettbewerbgebietes möglich, wie die Verfasser in einer Skizze 2100 darlegen. Kritisch gesehen wird, dass die durch die Grünachse getrennten Baukörper des Bundesarchivs weite Wege für Mitarbeiter und Archivgut entstehen lassen.
Zusammenfassend ist anzumerken, dass den Stärken des Entwurfs im nördlichen Teilareal erhebliche Schwächen im südlichen Bereich entgegenstehen.

3. Preis: Arbeit 1724


Station C23, Büro für Architektur, Landschaftsarchitektur und Städtebau, Leipzig

Entwurfsverfasser: Sigrun Langner und Michael Rudolph
Mitarbeit: Beatrice Puscharski und Matthias Seidel


Beurteilung durch das Preisgericht
Das städtebauliche Leitbild mit der Gliederung der Nutzungen baut auf dem Bestand auf und entwickelt ihn sinnvoll weiter. Das Konzept der drei Bänder ist im Einzelnen näher zu betrachten.
Das Campus-Band bringt einen starken Gestaltungswillen zum Ausdruck und ist sowohl als räumliche Einfassung als auch als Erschließungsweg zu verstehen. Als letzterer ist die Verbindung der verschiedenen Nutzungen untereinander sinnvoll, aber als Erschließung von der Finckensteinallee erscheint das Band zu gewollt in der Wegeführung. Ab dem Punkt südlich von Gebäude 915 ist die Erschließungsfunktion richtig und nachvollziehbar und bietet eine angemessene Führung zum Haupteingang des Bundesarchivs.
Das Waldband fungiert als grüne Einrahmung für die Neubauten in Weiterentwicklung des Baumbestands. Die Nutzung des Archivwäldchens erscheint jedoch nicht ausreichend definiert. Die fehlende öffentliche Zugänglichkeit dieses Bereichs wird von der Jury kritisch beurteilt.
Die kompakte Anordnung der neuen Baumassen wird positiv bewertet. Die bauliche Trennung (Fuge) zwischen den Archivgebäuden, insbesondere in Ost-West Richtung wird hinsichtlich der Funktionalität und Wirtschaftlichkeit in Frage gestellt. Die angebotenen Neubauflächen im Verwaltungsgebäude scheinen den Bedarf zu übersteigen. Die Abböschung des Geländes ist zwar ein interessanter Ansatz, ein zusätzliches Geschoss zu gewinnen, führt aber zu schwierigen Situationen im Außenraum.
Die vorgeschlagenen Bauabschnitte sind klar gegliedert und flexibel. Im 2. Bauabschnitt ist jedoch der Neubau des südlichen anstatt des westlichen Magazingebäudes zu befürworten.
Der Entwurf bietet gute Ansätze sowohl zum Energiekonzept als auch zum ökologischen Konzept.

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