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Ergebnisse des Kunst-am-Bau-Wettbewerbs

Um- und Neubau Goethe-Institut und DAAD Kairo/Ägypten

Aufgabe und Art des Wettbewerbs

Die bundeseigenen Liegenschaften an der Sharia Hussein Wassef Nummer 13 und 17 in Kairo, Ägypten werden für das Goethe-Institut und den DAAD umgebaut und durch einen Neubau erweitert. Aus einem Architektenwettbewerb im Jahre 2007 ging der Entwurf des Architekturbüros Worschech siegreich hervor, worauf das Büro mit dem Um- und Neubau beauftragt wurde. Die Landschaftsarchitekten Kokenge.Ritter aus Dresden sind vom Architekturbüro Worschech als Subunternehmer mit landschaftsplanerischen Leistungen beauftragt worden. Der Neubau wird voraussichtlich Anfang 2013 fertig gestellt sein.

Ziel des Wettbewerbs war es, einen künstlerischen Entwurf für den Neubau des Goethe-Instituts und des DAAD zu erhalten, der sowohl der Nutzung durch Besucher, Mitarbeiter als auch allen funktionalen Anforderungen gerecht wird und gleichzeitig dem Anspruch dieses Standortes angemessen ist.

Für die Kunst am Bau stehen eine Wand im Begegnungszentrum als Hauptstandort und eine Wand im Garten neben dem Foyer als zusätzliche Option zur Verfügung. Die Teilnehmer waren eingeladen, Vorschläge für die Gestaltung der entsprechenden  Wandflächen einzureichen.

Das Kunst-am-Bau-Verfahren wurde als nichtoffener Realisierungswettbewerb ausgelobt. Die acht eingeladenen Teilnehmer wurden zuvor von einem Auswahlgremium bestimmt, dessen Mitglieder nicht am weiteren Verfahren beteiligt waren. Der Wettbewerb wurde anonym durchgeführt. Insgesamt wurden sechs Arbeiten fristgerecht eingereicht und vom Preisgericht beurteilt.

Ergebnisse des Wettbewerbs

1. Preis: Arbeit 1793
J&K (Janne Schäfer & Kristine Agergaard), Berlin/Kopenhagen

J&K (Janne Schäfer & Kristine Agergaard), Foyer, ModellJ&K (Janne Schäfer & Kristine Agergaard), Foyer, Modell Quelle: BBR/Foto: Winfried Mateyka, Berlin

Abbildungen realer Orte, Objekte und Sehenswürdigkeiten werden durch erfundene, hybride Charaktere zu einer tableauartigen, narrativ lesbaren Collage zusammengefügt. Die auf Acrylglas kaschierten Fotografien werden in verschiedene Formen geschnitten und im Abstand von zwei bis zehn Zentimetern zur Wand im Foyer und im Garten befestigt. Die Fotografien werden von den Künstlerinnen im Rahmen einer Recherchereise vor Ort gemacht. Im Prozess werden lokale kulturelle, religiöse und politische Bildwelten untersucht und vorgefasste westliche Bilder von Ägypten selbstkritisch hinterfragt. Das Werk erzählt vom Zusammentreffen verschiedener Kulturen und möchte zu einem offenen und humorvollen interkultureller Dialog beitragen.

Beurteilung durch das Preisgericht
Das Preisgericht ist zu der Überzeugung gelangt, dass der Beitrag der geschichtlichen und kulturellen Vielschichtigkeit Ägyptens und des arabischen Kulturraums mit großer Offenheit begegnet. Dabei stellt die eingesetzte künstlerische Methode die großen Traditionen der ägyptischen Kultur und die Bildbestände der heutigen Alltagswelt gleichberechtigt nebeneinander. Die Jury war gerade von diesem Fusionsverfahren und seiner für verschiedenartige Einflüsse offenen Prozessualität positiv eingenommen. Sie entspricht den Prinzipien und der Arbeitsweise des Goethe-Instituts und seiner Funktion im internationalen Kulturaustausch.

Die Jury ist überzeugt, dass der Beitrag gerade kein abgeschlossenes Artefakt darstellt, sondern die Chance bietet, die Akteure vor Ort in einen interkulturellen Dialog einzubeziehen und den für das dargestellte Collage-Verfahren notwendigen Bildbestand interaktiv zu erarbeiten. Das Preisgericht wünscht explizit ein solches Verfahren und will seine Potentiale würdigen. Insofern soll die Kommunikation am Standort und mit der Institution Teil der künstlerischen Arbeit sein. Diese Öffnung der künstlerischen Arbeit ist ausdrücklich die Grundlage des Jury-Entscheids gewesen.

J&K (Janne Schäfer & Kristine Aagergaard), Garten, ModellJ&K (Janne Schäfer & Kristine Agergaard), Garten, Modelll Quelle: BBR/Foto: Winfried Mateyka, Berlin


Arbeit 1792
Susan Hefuna, Düsseldorf

Susan Hefuna, Foyer, ModellSusan Hefuna, Foyer, Modell Quelle: BBR/Foto: Winfried Mateyka, Berlin

Die zweiteilige Arbeit bespielt sowohl die Wand des Treppenhauses als auch die Außenwand. Sie setzt traditionelle Elemente der lokalen Architektur in Beziehung zu Zitaten Johann Wolfgang Goethes als Namensgeber des Goethe-Instituts und Vertreter der deutschen Kultur. Für die große Wand im Foyer ist eine Bildgestaltung aus einer Überlagerung des Goetheschen Farbenkreises und einer groß dimensionierten Abbildung einer Mashrabiya-Struktur vorgesehen. Die Gartenwand wird durch ein mehrere Meter langes Banner mit dem zweisprachigen Goethe-Zitat "Die Kunst ist eine Vermittlerin des Unaussprechlichen" gestaltet. Beide Bildgestaltungen werden in Glasmosaik ausgeführt.

Susan Hefuna, Garten, ModellSusan Hefuna, Garten, Modell Quelle: BBR/Foto: Winfried Mateyka, Berlin


Arbeit 1794
Pia Lanzinger, Berlin

Pia Lanzinger, Foyer, ModellPia Lanzinger, Foyer, Modell Quelle: BBR/Foto: Winfried Mateyka, Berlin

Die Wand im Foyer soll mit einem Begriffsfeld gestaltet werden, das kulturelle Zuordnungen adressiert und relativiert. Die Begriffe werden aus Metall hergestellt, an der Wand befestigt und mit einem Netz aus Drähten zueinander in Beziehung gesetzt. Dahinter sind die Begriffe "Nil" und "Rhein" als die die Nationen repräsentierenden Flüsse in Form einer Wandmalerei abgebildet. Die arabisch- und deutschsprachigen Begriffe sollen in einer moderierten Gesprächsveranstaltung am Goethe-Institut in Kairo ermittelt werden.


Arbeit 1795
Thomas Kilpper, Berlin

Thomas Klipper, Foyer, ModellThomas Klipper, Foyer, Modell Quelle: BBR/Foto: Winfried Mateyka, Berlin

Die Bilder der Arbeit greifen zentrale zeitgenössische soziale Fragen auf und verknüpfen sie mit Werken aus dem Alten Ägypten oder stellen sie diesen gegenüber. Die Motive werden in Sgraffitotechnik mit verschiedenen Werkzeugen in den mehrschichtigen Putz gekratzt. Die Pigmente für den Putz werden aus Steinen von Gebäuden gewonnen, die auf dem Grundstück des Goethe-Instituts zum Abriss bestimmt sind. Das Bild wird so mit dem Verweis auf die Vornutzung und die jüngere Geschichte des Ortes hinterlegt.

Arbeit 1796
Susanne Kriemann, Berlin

Susanne Kriemann, Foyer, ModellSusanne Kriemann, Foyer, Modell Quelle: BBR/Foto: Winfried Mateyka, Berlin

Ausgehend von einer Postkarte, auf der die Holzskulptur "Ka-aper, Sheik el-Balad" abgebildet ist, wird eine dreiteilige Arbeit entwickelt. Im Foyer wird eine Holztafel angebracht, die mit der arabischen Übersetzung der Beschreibung der Skulptur aus dem Katalog des Ägyptischen Museums zu Berlin beschriftet ist. Auf der Wand im Garten werden Bilder neuzeitlicher Objekte gezeigt, die auf die gestalterischen Merkmale der Skulptur verweisen. Der dritte Teil der Arbeit in Form eines Buches versammelt Abbildungen der Skulptur aus der Zeit von 1860 bis heute und ergänzende Texte, die die Arbeit in einen breiteren Zusammenhang stellen.

Susanne Kriemann, Garten, ModellSusanne Kriemann, Garten, Modell Quelle: BBR/Foto: Winfried Mateyka, Berlin

Arbeit 1797
Tarek Zaki, Kairo

Tarek Zaki, Foyer, ModellTarek Zaki, Foyer, Modell Quelle: BBR/Foto: Winfried Mateyka, Berlin

Zentrales Element der Arbeit ist der Text "Es gibt nichts, was nicht geändert werden kann." Der Text wird als Negativrelief in verschieden tiefe Polyesterharzblöcke eingelassen, die an der Wand im Foyer angebracht sind. Um die Blöcke farblich der Wandoberfläche anzupassen, wird dem Kunstharz entsprechendes Gesteinsmehl hinzugefügt. Die verschieden tiefen Blöcke sollen die Illusion einer tragenden Konstruktion hervorrufen, sowie auf die Themen Veränderbarkeit und Beweglichkeit, Wandel und Abgleich verweisen.


Zusatzinformationen

Kontakt

Zentrale Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung
Tel.: +49 228 99401-0
Fax: +49 228 99401-1270

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