Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung

Kunst-am-Bau-Wettbewerb Deutsche Botschaft Washington

Einladungswettbewerb

  • Status Abgeschlossen
  • Veröffentlichung 08.11.2011
  • Entscheidung 22.03.2012
  • Kunststandort(e) Rondellauge und Hain

Preisträger

1. Preis – 1901 Suse Weber, Berlin

Das Bild zeigt einenFahnenmast mit einer dreiteiligen Stahlkonstruktion. Der Entwurf von Suse Weber als dreiteilige Stahlkonstruktion.

Auszug aus dem Erläuterungsbericht

„Die Herleitung der einzelnen Bausteine und Elemente erfolgte aus den Plänen und Beschreibungen der Architektur von Egon Eiermann sowie aus dem politischen Kontext des Standortes. Lichtdurchflutete Transparenz und die Offenlegung seiner Bauprinzipien sowie die Anwendung von Sonnenblenden, Rohren und Profilen findet man in der Emblematischen Skulptur Figur mit Fahnenmast wieder.“

„Eine Farbanalyse der deutschen und amerikanischen Flagge und das Studium der architektonischen Pläne des Standortes führten zu einer Basisherleitung der Grundform und Farbkombination.“

„Durch Handlungen wie das Spiegeln, Verdoppeln, Falten, Rotieren und Löschen entstanden grafische Zeichen und abstrakte Außenformen. Diese Zeichnungen und Außenformen befinden sich in einem hybriden Zustand, in einer kurz innehaltenden Metamorphose und unterstreichen damit den sich immer wieder veränderten gesellschaftspolitischen Rahmen der Figur mit einer sichtbaren Konsequenz für die eigene Erscheinung.“

„Die Emblematische Skulptur Figur mit Fahnenmast ist veränderbar. [...] Die Elemente können zu einem Anlass wie Politikwechsel, Staatsbesuch etc. oder einem zeitlichem Rhythmus umgesetzt werden.“

Beurteilung des Preisgerichtes (Auszug)

Die Wettbewerbsarbeit 1901 besteht aus einem Fahnenmast mit einer dreiteiligen Stahlkonstruktion, in die verschieden farbige Einsteckbleche eingebracht werden können. Die Arbeit weist formale Bezüge zur amerikanischen Pop-Art zum Ready Made Marcell Duchamps und zur Architektur des Botschaftsgebäudes von Egon Eiermann auf, und formuliert zu dieser eine reizvolle Korrespondenz. Konkret spiegelt sich dabei die modulare und offene Bauweise der Architektur in der Skulptur und setzt dazu einen starken, eigenständigen Akzent. Die Möglichkeit einer jeweils unterschiedlichen, partizipatorischen Bespielung der Skulptur unterstreicht ihren flexiblen Charakter. Die unter anderem aus Formelementen der Architektur und aus den deutschen und amerikanischen Flaggenmotiven gebildeten Einsteckbleche spielen in subversiver und zu gleich autonomer Weise mit dem Motiv der Fahne und lassen dabei höchst unterschiedliche Deutungsmöglichkeiten zu.


2. Preis – 1904 Dr. Olaf Nicolai, Berlin

Abbildung einer Eiche

Auszug aus dem Erläuterungsbericht

„Der Vorschlag versucht, auf verschiedenen Ebenen die Beziehungen zwischen der ‚Alten‘ und ‚Neuen‘ Welt, insbesondere zwischen Deutschland und Amerika, zu evozieren. [...] Eine weiße Eiche soll auf dem Gelände der Botschaft als ein ‚symbolischer‘ Baum gepflanzt werden und diesem Baum soll das Eigentumsrecht an sich selbst übertragen werden.“

„Dadurch wird auch der Vorgang der emblematischen Identifikation von Baum und Nationalität (Eiche und Deutsch) konterkariert und auf eine andere Ebene überführt: Dieser Baum ist nicht nur ein Symbol für, sondern ein tatsächliches Beispiel von Unabhängigkeit.“

„Dies wird von einer Publikation in Form eines Künstlerbuches begleitet. [...] Die Publikation wird als ein Künstlerbuch gestaltet und besteht aus mehreren Elementen: Bild-Text-Essay (siehe Beispiel Materialheft); Essay zu künstlerischen Arbeit; Text zu den Aspekten Besiedlung, Landschaftsgestaltung unter der besonderen Berücksichtigung der deutsch-amerikanischen Wissenschaftsdiplomatie; Text zu Fragen der Besonderheit eines Botschaftsgeländes und der Exterritorialität; Einordnung in die landschaftsgestalterische Konzeption der Botschaft.
Den Gästen und Besuchern der Botschaft kann dieses Buch jeweils kostenlos überlassen werden.“

Beurteilung des Preisgerichtes

Die Arbeit schlägt als Konzept die Pflanzung einer amerikanischen Eiche – White Oak – auf dem Gelände der Deutschen Botschaft vor. Hierbei knüpft der Verfasser an ein historisches Beispiel in Athens/Georgia an, indem der Baum auf einer Flächen von 8x8 Fuß gesetzt und das Eigentumsrecht an den Baum selbst übertragen wird.

Überzeugend an der vorgelegten Konzeption ist die kluge, reflektierte Haltung, die viele Bedeutungsebenen aufruft. Dabei bleibt sie in der Form von einer bestechenden Einfachheit und Leichtigkeit, und vielleicht gerade darum ist sie von einer besonderen subversiven/untergrabenden Kraft. Sie unterläuft die verbreitete Erwartung an Kunst, dass diese nämlich von Menschenhand gemacht sei, und stellt die „juristische Fiktion“ des exterritorialen Botschaftsgeländes der „juristischen Fiktion“ des Eigentums an sich selbst gegenüber.

Besonders faszinierend ist der Aspekt der Zeitlichkeit: vom unscheinbaren Setzling zum alles dominierenden Baum, der möglicherweise 450 Jahre lang alle tagespolitischen Ereignisse überdauert und bis zu 25m hoch werden kann. Auch in dieser Hinsicht entfaltet sich ein besonderer Dialog mit der Architektur von Egon Eiermann. Integraler Teil des Konzeptes ist ein Künstlerbuch, das die mangelnde „Sichtbarkeit“ der Arbeit kompensiert, und in möglichst hoher Auflage Verbreitung finden soll.


3. Preis – 1905 Stefan Kern, Hamburg

Abbildung einer grünen zeltartigen Skulptur vor dem Botschaftsgebäude

Auszug aus dem Erläuterungsbericht

„Die Deutsche Botschaft in Washington dient dem bilateralen Dialog. Sie sucht und pflegt den gegenseitigen Austausch. Der Dialog ist das wichtigste Mittel zur Völkerverständigung. Die Skulptur signalisiert im übergeordneten Sinn die Bereitschaft zum Dialog...“

Die Form der Skulptur ist abgeleitet von einem klassischen Firstzelt. Der First häng in einem gleichförmigen Bogen durch, als wäre die Verankerung lose. Der Zeltstoff, der durch das Durchhängen locker geworden ist, liegt wie eine Schleppe rechts und links auf der Erde. [...] Bei Dunkelheit wird sie von Innen beleuchtet: So soll der Eindruck entstehen, dass das Zelt bewohnt ist. Es ist offen und kann betreten werden.

„Das Amtliche, Repräsentative sieht sich dem Provisorischen gegenüber gestellt. [...] Das Zelt ist aber nicht nur ein Symbol für Ungebundenheit, Freiheit und Beweglichkeit im physischen Sinn, sondern auch auf spiritueller Ebene. [...] In diesem Sinn verbildlicht das Zelt vor der Deutschen Botschaft unkonventionelle Lebens- und Denkweisen und stellt etablierte Wertesysteme in Frage.“

Beurteilung des Preisgerichtes

Für das Rondell schlagen die Wettbewerbsteilnehmer eine grüne zeltartige Skulptur vor. An drei Seiten geschlossen wird die formal schon eindeutige Zeltassoziation untermauert durch die Öffnung zur vierten Seite hin – zum Botschaftseingang hin: eindeutig ein Zelteingang. Der Wettbewerbsbeitrag ist als Skulptur von einem Zelt vor allem aufgrund seiner Dimensionierung zu unterscheiden (Faktor 2 – „Überlebensgroß“)

Das Vorfahrtsrondell wird durch diese Arbeit zu einem provisorischen „Zeltplatz“ – mithin zu einer potentiellen Übernachtungsstätte an einem Ort, an dem gerade dies nicht erwartet wird. Der Ort der Botschaft wird so erweitert auch als einer der potentiellen Behausung. So werden Assoziationen wachgerufen, die ein Botschaftsgebäude nicht nur als Ort der offiziellen Diplomatie ausweisen, sondern auch als einen der exterritorialen Zuflucht (und evtl. auch des Protestes sowie der staatlichen Obhutspflicht – siehe Zelte für die Obdachlosen in Paris).

Die Jury sieht diese Skulptur formal signifikant gerade im konfrontativen Zusammenspiel mit Eiermanns Architektur und sie stellt positiv den Kontext zwischen der in der Architektur untergebrachten Funktion mit den ihr immer auch obliegenden Aufgaben heraus.

Diese potentielle Funktionserweiterung der Botschaft wird vom Wettbewerbsteilnehmer mit frappierend einfachen skulpturalen Mitteln erreicht.

Informationen zum Wettbewerb

Wettbewerbsaufgabe

Aufgabe und Art des Wettbewerbs

Das bestehende Kanzleigebäude der Deutschen Botschaft in Washinton D.C. (Einweihung 1964; Architekt: Egon Eiermann) wird derzeit von dem Architekturbüro HPP International generalsaniert. Das Gebäude kann als eines der wichtigsten baukulturellen Beiträge in Amerika für die Nachkriegszeit bezeichnet werden.
Schon im ursprünglichen Entwurf von Egon Eiermann war die Aufstellung eines Kunstwerks auf dem Freigelände der Bot­schaft vorgesehen. Aufgrund der fehlenden finanziellen Mittel konnte dieses Vorhaben damals jedoch nicht umgesetzt werden.
Im Zuge der Sanierung der Liegenschaft soll nun für eine geeignete Stelle im Außenbereich ein Kunstwerk geschaffen werden. Dafür vorgesehen waren das sogenannte Rondellauge in mitten der repräsentativen Auffahrt vor dem Haupteingang der Kanzlei und/odrt der angrenzende Hain zwischen Vorfahrt und Chancery Annex (ehemalige Residenz).
Die Wahl des Standorts innerhalb des Bereichs der vorgeschlagenen Flächen war den Teilnehmern überlassen. Die Nutzung des Rondells sowie des Einfahrtsbereichs sollte durch das Kunstwerk nicht eingeschränkt werden.

Ziel des Wettbewerbs war es, künstlerische Vorschläge für die Standorte zu erhalten, die dem Anspruch dieses für Deutsch­land äußerst wichtigen Botschaftsstandortes ange­messen sind. Für die Kunst am Bau war hier besonders die bau­historisch hochrangige Architektur des Kanzlei­gebäudes des Architekten Egon Eiermann (1904-1970) zu berücksichtigen.
Durch die künstlerische Konzeption sollte der repräsentative Charakter der Hauptzufahrt aufgewertet und betont werden. Die Sichtbarkeit der künstlerischen Intervention von der Reservoir Road war erwünscht.

Wettbewerbsverfahren

Der Wettbewerb wurde als nichtoffener Realisierungs­wettbe­werb mit 8 Teilnehmern ausgelobt. Die Auswahl der 8 Teilnehmer erfolgte durch ein vom Preisgericht unabhängiges Auswahlgremium. Ein Wettbewerbsteilnehmer hatte keine Arbeit abgegeben.

Kontakt

  • Referat A2 - Projektentwicklung, Wettbewerbe, Zuwendungsbau,
    Landschafts- und Innenarchitektur, Kunst am Bau 
    Straße des 17. Juni 112
    10623 Berlin

    Tel.: +49 30 18401-9201
    Fax: +49 30 18401-9209
    E-Mail: Architektur@bbr.bund.de

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