Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung

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Bauprojekt Deutsche Botschaft Madrid

Generalsanierung der Kanzlei

Das Bild zeigt die Kanzlei der Deutsche Botschaft in Madrid von der Straße aus. Kanzlei der Deutsche Botschaft in Madrid Straßenansicht der Kanzlei Quelle: BBR / Stefan Müller

Projektdaten

  • Nutzer Deutsche Botschaft Madrid
  • Adresse C/ Fortuny 8, 28010 Madrid
  • Architektur Architekturbüro Professor Baumewerd
  • Projektleitung Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, Referat III A 1
  • Gesamtkosten rund 10,5 Millionen Euro
  • Baubeginn 2005
  • Fertigstellung 2009
  • Bruttogrundfläche rund 4.100 Quadratmeter
  • Nutzfläche rund 1.400 Quadratmeter
  • Wettbewerb VOF-Verfahren

Projektbeschreibung

Von 2005 bis 2009 wurde die Kanzlei der Deutschen Botschaft Madrid unter der Leitung des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (BBR) instandgesetzt.

Die Deutsche Botschaft Madrid entstand 1963 bis 1966 nach Plänen des Münchner Architekten Alexander Freiherr von Branca. Das Grundstück liegt im zentralen Madrider Stadtbezirk Chanberí, der auf die Stadterweiterung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zurückgeht. Die viergeschossige Kanzlei reiht sich in die straßenbegleitende Bebauung der Calle Fortuny ein und säumt den dahinter liegenden Botschaftsgarten mit Residenz. Der Gebäudekomplex (einschließlich der ebenfalls auf dem Grundstück befindlichen Residenz) steht als wichtiges Zeugnis des Rationalismus in Madrid unter Ensembleschutz.

Auslöser für die Generalsanierung der Kanzlei war die notwendige Erneuerung der haustechnischen Anlagen. Neben der Anpassung der Klima-, Sanitär-, Elektro- und Telekommunikationstechnik waren Anpassungen an die aktuellen Brandschutz- und Sicherheitsanforderungen umzusetzen. Zudem erfolgten die Neuordnung der Eingangssituation und eine Anpassung der Verwaltungsflächen. Das Gebäude wurde barrierefrei ausgebildet.

Einzelheiten zum Bauprojekt

Beschreibung der Maßnahmen

Durch die Umgestaltung eines vorhandenen Treppenhauses zum Sicherheitstreppenhaus und das sorgsame Einfügen der notwendigen Rauchabschlüsse konnte der Charakter des Hauses im Rahmen der Umsetzung aktueller Brandschutzauflagen erhalten bleiben.

Die ursprünglich offene Eingangssituation der Kanzlei mit großzügiger Halle war aufgrund der Sicherheitslage in den 1980er-Jahren bereits durch den Einbau einer Personenschleuse verändert worden. Der seinerzeit einzige Zugang zum Gebäude war aufgegliedert worden, um neben dem Kanzleieingang einen zweiten Zugang für die Rechts- und Konsularabteilung zu schaffen. Im Zuge der Generalsanierung der Deutschen Botschaft Madrid wurde die Erschließung neu geordnet: Die beiden Eingänge zum Gebäude werden jetzt durch eine neue Eingangstreppenanlage mit gemeinsamem Treppenpodest und durch ein neues Vordach aus Stahl, das nun beide Zugänge erfasst, zu einem Haupteingang definiert.

Gleichzeitig wurde das Gebäude behindertengerecht ausgebildet, durch die Schaffung eines Hubliftes an der Eingangstreppe, den Einbau eines Behinderten-WC sowie das Fortführen des Kanzleiaufzuges bis ins 3. Obergeschoss.

Das ursprünglich für Wohnungen vorgesehene 3. Obergeschoss wurde in Gänze in Büronutzung umgewandelt. Zudem erfolgte die Sanierung der gesamten Dachfläche.

Geänderte Sicherheitsanforderungen erforderten zudem die Erneuerung der vorhandenen Einfriedung. Die nach unterschiedlichen Planungen im Ergebnis umgesetzte Zaunlösung wird den Sicherheitsanforderungen wie den Anforderungen des Denkmalschutzes auf eine uneingeschränkte Einsicht in die Gartenanlage und auf das Gebäudeensemble gleichermaßen gerecht.

Denkmalgerechte Sanierung

Der viergeschossige, langgestreckte Riegel der Kanzlei mit einer Grundfläche von 10x63 m ist durch Fensterbänder in horizontaler Richtung gegliedert. Die minimal dimensionierten Geschossdecken wirken „schwebend“, die Wände entmaterialisiert. Keinerlei Tragstruktur offenbart sich außer den Auflagern der aus massivem Granit gemauerten gebäudehohen stirnseitigen Wandschotten. Das ursprünglich für Dienstwohnungen vorgesehene 3. Obergeschoss kehrt die Logik der darunterliegenden Geschosse um, ist ausschließlich nach Norden oder Süden oder zu den innen liegenden Patios orientiert und zeigt sich an den Längsseiten als geschlossene Wandscheibe. Das außergewöhnlich schlanke einhüftige Kanzleigebäude orientiert sämtliche Büroräume nach Westen zur Calle de Fortuny. An der Ostseite befinden sich Nebenräume sowie aufgeweitete Flurbereiche mit offenen Treppen. Erscheinungsbild der West- und Ostfassade sind kontrapunktisch zueinander aufgebaut.

Die Westfassade wird lediglich durch ein eingestelltes Stahltragwerk mit vorgehängten Sonnenblenden gebildet. In der zweiten zurückgesetzten Schicht befindet sich eine raumabschließende Stahl-Glas-Fensterkonstruktion – eine klassisch elegante Vorhangfassade jener Zeit. An der Ostseite hingegen werden geschlossene und offene Raumzonen hinter einer vollflächigen Lochsteinwand verborgen, welche die Hüllfläche des Gebäudes optisch dominiert und vereinheitlicht. Diese vorgesetzte transluzente „Maschrabia“ dient als Sonnenschutz und gleichzeitig als Sichtschutz zur nebenstehenden Residenz. Die horizontale Gliederung des Gebäudes wird durch die umlaufenden Rollschichten aus keramischen Fassadenplatten auf Ebene der Deckenplatten zusätzlich verstärkt.

Trotz der strukturellen Natur der Eingriffe war es das oberste Ziel, das Erscheinungsbild des Gebäudes im Inneren und Äußeren zu erhalten. Die schlanke Stahl-Fensterkonstruktion der Westfassade konnte im Original erhalten werden. Aus energetischen Gründen wurde lediglich die Verglasung ausgetauscht. Sämtliche Spaltklinkerbeläge der Flurbereiche wurden erhalten oder in Teilen ausgebessert. Eine besondere Herausforderung stellte die Sanierung der mit keramischen Spaltplatten verkleideten Fassade dar. Alle Keramikplatten der Fassade wurden unter Rekonstruktion des vorgegebenen Fassadenrasters ausgetauscht, wobei es sich als notwendig erwies, Platten in Sonderanfertigung für dieses Bauwerk herstellen zu lassen.

Herausforderungen bei der Sanierung

Bei der Sanierung stieß man auf unerwartete baukonstruktive Schwierigkeiten. So war es nicht möglich, die Innenwände aus Hohlziegeln zu erhalten, da sich bei genauerer Untersuchung herausstellte, dass die Standsicherheit nicht mehr gegeben war. Alle nicht tragenden Innenwände wurden durch Gipskartonwände ersetzt, was in Folge die Erneuerung des Innenausbaus wie Deckenabhängungen, Einbauschränke und Sanitärräume nach sich zog. Des Weiteren musste der gesamte Fassadenunterbau erneuert werden.

Während der Bauausführung musste somit an vielen Stellen umgeplant werden, um Befund, Bausubstanz und die zusätzlich formulierten Anforderungen gerecht zu werden, was schlussendlich auch eine Verlängerung der Bauzeit und eine Steigerung der im Vorfeld ermittelten Baukosten zur Folge hatte.

Bauablauf und Zwischenunterbringung

Die Sanierung erfolgte in drei Bauphasen bei laufendem Betrieb, in deren Verlauf die Mitarbeiter jeweils in einer auf dem Grundstück erstellten Containeranlage untergebracht werden mussten, da kein geeignetes Ausweichquartier zur Verfügung stand.

Bildergalerie

Westfassade der Kanzlei der Deutschen Botschaft in Madrid

Bild / Video 1 von 6

Das Bild zeigt die Westfassade der Kanzlei der Deutschen Botschaft in Madrid. Westfassade der Kanzlei der Deutschen Botschaft in Madrid Die Westfassade der Kanzlei Quelle: BBR / Stefan Müller

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