Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung

Bauprojekt Deutsche Botschaft in Eriwan, Armenien

Erdbebensicherung, Brandschutz, Neubau eines Pförtnergebäudes sowie Anbau und Neubau von Garagen

Das Bild zeigt die Kanzlei der Deutschen Botschaft in Eriwan, Armenien. Deutsche Botschaft Eriwan Ansicht der Kanzlei in der Tscharenzstrasse 29 Quelle: BBR

Projektdaten

  • Nutzer Deutsche Botschaft Eriwan
  • Adresse Tscharenzstraße 29, 375025 Eriwan, Armenien
  • Architektur Architekturbüro Georgi, Chemnitz
  • Projektleitung Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, Referat III A 3
  • Gesamtkosten rund 4,2 Millionen Euro
  • Baubeginn 2011
  • Fertigstellung 2013
  • Bruttogrundfläche rund 1.700 Quadratmeter
  • Nutzfläche rund 800 Quadratmeter

Projektbeschreibung

Das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung wurde 2006 mit der Erdbebenertüchtigung der Deutschen Botschaft in Eriwan beauftragt. Der Standort gehört weltweit zu den gefährdetsten Erdbebenregionen und wird nur von Standorten wie Taschkent, Aschgabat, Tokio oder San Francisco übertroffen. Das Niveau der Erdbebensicherheit der Botschaft in Eriwan lag unter 25 Prozent. Somit bestand eine akute Gefährdungslage.

Der Schwerpunkt der Planung lag auf der Herstellung der Erdbebensicherheit des Kanzleigebäudes und der Verbesserung des Sicherheitskonzeptes. Dieses schloss die Umsetzung von Brandschutzmaßnahmen sowie den Neubau des Pförtnergebäudes mit Kfz -Schleuse ein. Eine Besonderheit stellte die Erfordernis dar, die Baumaßnahmen im laufenden Botschaftsbetrieb durchzuführen, da keine alternative Unterbringung zur Verfügung stand. Lediglich die Visastelle zog für die Dauer der Baumaßnahmen in ein Nachbargebäude um. Dies bedeutete für die Planer - insbesondere die Tragwerksplaner - eine große Herausforderung.

In einem weiteren Bauabschnitt erfolgte die Erweiterung des Kanzleigebäudes aufgrund von erhöhtem Raumbedarf. Zudem wurden Garagen an das separate Technikgebäude angegliedert. Im Nachgang fand eine neue Herrichtung der gesamten Außenanlagen statt.

Zunächst erfolgte ein weiterer Planungsschritt mit umfangreichen Baugrund- und Gründungsuntersuchungen sowie Untersuchungen zum Tragverhalten der bestehenden Fassade und der Bestandsdecken.
Das Ziel einer erdbebensicheren Botschaft konnte mit einer Ertüchtigung der bestehenden Gebäudewände erreicht werden. Hierbei wird vor der vorhandenen Gebäudewand eine 15 cm starke Stahlbetonhülle mit hochduktilem Bewehrungsstahl errichtet. Diese Hülle wird anschließend mit den Fundamenten sowie mit allen Bestandsdecken durch Einbringen von Bewehrungsstählen verankert.

Für die Um- und Neubauarbeiten musste eine komplette Genehmigungsplanung mit Hilfe eines armenischen Partnerbüros erstellt und bei den örtlichen Behörden eingereicht werden. Die Baugenehmigung wurde im April 2011 erteilt, der Bau begann mit dem Aushub im selben Monat. Aus statischen Gründen wurden die Fundamenterweiterungen nur in jeweils 3 Etappen auf jeder Gebäudeseite durchgeführt.

Im nächsten Bauabschnitt wurde jede Gebäudeseite zunächst geschosshoch bewehrt und anschließend betoniert. In jeder Geschossdecke wurden im Durchschnitt 120 Bewehrungsstähle schräg in die Bestandsdecken auf einer Länge von 2,30 Meter hineingebohrt und eingeklebt. Diese wurden dann mit der Bewehrung der aufsteigenden Gebäudehülle verbunden und einbetoniert.

Die in Abschnitten durchgeführte Bauweise, die örtliche Bauabwicklung wie das Biegen aller Bewehrungsstäbe von Hand sowie die Notwendigkeit der besonderen Bauüberwachung der Baustelle zur Qualitätssicherung (B2 Baustelle) verlängerten die Bauphase. Es waren umfangreiche baubegleitende Materialuntersuchungen des Stahls sowie des Betons erforderlich, um die tatsächlich berechneten Sicherheitsfaktoren zur Erlangung der Erdbebensicherheit nachweisen zu können.

Bei der Lokalisierung der Bestandsdecken stellte sich heraus, dass die Decke über dem 2. Obergeschoss, entgegen der vorliegenden Bestandspläne, nur 7 cm stark ist. Dadurch war eine Verankerung der Stahlbetonhülle nicht möglich. Um dieses Defizit auszugleichen, entstand innerhalb des Dachgeschosses ein neues, auf den tragenden Wänden aufliegendes Stahlraumtragwerk.

Insgesamt wurden für die Ertüchtigungsschale 1480 Tonnen Stahl verbaut. Weitere 13 Tonnen fielen für das Dachgeschoss, 10 Tonnen für diverse Stützwände und zirka 12 Tonnen für die straßenseitige Außeneinfriedung an.

Die Fassade erhielt aus Wärmeschutzgründen ein Wärmedämmverbundsystem. Der sonst übliche Tuffstein konnte aufgrund seiner physikalischen Eigenschaften und recht inhomogenen Zusammensetzung nicht wieder als Fassadenverkleidung eingesetzt werden. Um jedoch das wesentliche farbliche Erscheinungsbild wieder herzustellen, wurde ein Putzsystem mit sandsteinfarbenem Bewurf verwendet.

Das Erscheinungsbild wirkt nun homogen und modern. Alle wesentlichen äußeren Gestaltungselemente der Fassade wie das Gesims wurden erhalten.

Der neue Baukörper des Pförtnergebäudes, welcher aufgrund der Höhenentwicklung auf dem Grundstück auf Höhe des Kellergeschosses liegt, bildet nun den zentralen Eingangspunkt für Botschafts- und Visabesucher.

Von dem Eingangsdrehtor gelangt man durch die Schleuse nach links über eine Treppenanlage zum Haupteingang der Botschaft und geradeaus zum Wartebereich der Visabesucher.

Der Vorplatz der Kanzlei wurde so umgestaltet, dass hier ein Platz für kleinere Empfänge und Begrüßungen möglich sind.

Das Übergabe und offizielle Eröffnung des erdbebensicheren Botschaftsgebäudes erfolgte im Oktober 2013. Es fand eine Einweihungsfeier mit dem Armenischen Außenminister Eduard Nalbandyan und dem zu dieser Zeit amtierenden Botschafter Reiner Morell statt.

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