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Berlin: Finanzwerk Pankow

Quartiers-Impulse: Neue Wege zur Stärkung der lokalen Wirtschaft

Mikrofinanzierung

1. Gebietskulisse

Der Bezirk Pankow ist mit 354.000 Einwohnern der bevölkerungsreichste und flächenmäßig zweitgrößte Bezirk Berlins. Das Modellgebiet des Bezirksamtes Pankow umfasst als Kulisse insgesamt sieben Sanierungsgebiete des Bezirks inklusive zwei Fördergebiete des Bundesprogramms "Soziale Stadt": Falkplatz und Helmholzplatz.

Das Förderungsgebiet Falkplatz umfasst 62 ha. Es ist ein dicht bebautes gründerzeitliches Altbauquartier mit überwiegender Wohnnutzung und einem geringen Anteil an Gewerbeflächen. Die ca. 5.800 Wohnungen werden von etwa 8.600 Menschen bewohnt. Das Fördergebiet Helmholzplatz ist rund 86 ha groß. Es zählt zu den am dichtesten bebauten Gebieten Berlins mit einer weitgehend geschlossenen gründerzeitlichen Wohnbebauung und eingestreuten Standorten der sozialen Infrastruktur.

Das Bezirksamt hat in Pankow in den vergangenen Jahren bereits eine Anzahl von Modellprojekten zur Beschäftigungsförderung sowie zur Entwicklung und Stärkung der lokalen Ökonomie durch integrative Handlungsansätze mit verschiedenen Partnerorganisationen durchgeführt. Auf diese Erfahrungen konnte das ExWoSt-Modellvorhaben aufbauen. Ferner konnte auf ein bereits existierendes Service- und Beratungs-Büro für Wirtschaft und Beschäftigung im Quartier zurückgegriffen werden.

2. Ziele des Modellvorhabens

Ziel des Berliner Modellvorhabens war es, die lokalen Potentiale der Wirtschaft zu stabilisieren, zu vernetzen und weiter zu entwickeln. Insbesondere sollte für Gründerinnen und Gründer und Kleinunternehmer bzw. Kleinunternehmerinnen ein Zugang zu Finanzierung sichergestellt werden. Ein wesentlicher Aspekt hierbei war die Weiterentwicklung von bereits vorhandenen Kooperationsbeziehungen zwischen lokalen Gründungsintermediären und Unternehmensverbänden sowie innovativen wie auch traditionellen Finanzinstitutionen. In diesen Prozess sollten auch (erfolgreiche) Unternehmen eingebunden werden, die ein eigenes vitales Interesse an der Entwicklung des Quartiers haben. Gemeinsam mit diesen Akteuren, wie auch mit Vertreterinnen und Vertretern der Kommune, sollten im Rahmen des Vorhabens Maßnahmen zur Stärkung der lokalen Ökonomie entwickelt werden. Insbesondere mit einer Vernetzung der Gewerbetreibenden und der Entwicklung gemeinsamer Strategien sollte zu einer Stabilisierung der Auftragssituation beigetragen werden. Ferner war es das Ziel, neue Formen der Unterstützung und Finanzierung von Gründerinnen und Gründern sowie Kleinstunternehmen zu entwickeln.

3. Ergebnisse

Wie alle Modellvorhaben stand Berlin zu Beginn der Arbeit vor der Herausforderung, dass es vor Ort zwar ein etabliertes Quartiersmanagement gab, aber noch keine etablierte Mikrofinanzierung.

Daher galt es, zunächst im Quartier Partner für einen lokalen Mikrofinanzansatz zu gewinnen, ein spezifisches Mikrofinanzsystem aufzubauen, ein passendes Kreditprodukt zu etablieren, und dieses Kreditprodukt im Quartier einzusetzen.

Ergebnis des Berliner Modellvorhabens war, dass Partner für die Arbeit im Quartier gefunden, ein Mikrofinanzsystem etabliert und zunächst zwei Kredite vergeben werden konnten.

Im Berliner Modellvorhaben wurden zudem so genannte Fokusgruppen sowie "Unternehmerfrühstücke" durchgeführt. Dort kamen Vertreter von Bürgerinitiativen, Unternehmen, Banken und der Öffentlichen Verwaltung zusammen und haben über Probleme und Lösungsmöglichkeiten der Finanzierung kleiner und mittlerer Unternehmen im Quartier diskutiert. Hier ergab sich ein neues gemeinsames Bewusstsein über die Situation im Quartier. Ein solches Bewusstsein ist wesentliche Voraussetzung für ein bürgerschaftliches Engagement und als positives Ergebnis zu werten.

4. Kooperationsmodell

Eine Besonderheit des Berliner "finanzwerk"-Modells ist, dass es auf die mögliche Haftungsübernahme des Mikrofinanzfonds Deutschland im Rahmen des DMI-Kooperationsmodells verzichtet hat und stattdessen auf einen voll haftenden Risikofonds setzte. Gegen die Nutzung des Mikrofinanzfonds Deutschland sprach das First-Loss-Prinzip, nach dem der Mikrofinanzierer zunächst voll für alle Kreditausfälle haftet und der Mikrofinanzfonds Deutschland erst nach Ausfall der ersten 20% des Gesamtkreditportfolios in die Haftung einsteigt. Dies erschien den lokalen Akteuren nicht geeignet.

Im Rahmen des Modellvorhabens gelang es nicht, einen alternativen Fonds, der 100% der Risiken übernommen hätte, nachhaltig zu akquirieren. Es gelang aber, einen bereits bestehenden Fonds für das Modellvorhaben nutzbar zu machen, so dass Kredite ausgegeben werden konnten. Dieser Fonds stand aber nicht dauerhaft zur Verfügung. Eine weitere Kreditvergabe nach Ende des Modellvorhabens war daher zunächst nicht möglich.

Kurze Skizze zur Struktur des Mikrofinanzsystems "finanzwerk"Struktur des Mikrofinanzsystems "finanzwerk"

5. Kreditprodukt

  • Grundvoraussetzung für Kreditvergabe: Unternehmerische Tätigkeit
  • Mindestkreditbetrag: 1.000,-- €
  • Maximaler Kreditbetrag bei Erstkredit: 5.000,-- €
  • Laufzeit: Max. 12 Monate
  • Tilgungsfreie Zeit: Nach Vereinbarung
  • Zinssatz: 5% p.a.
  • Bearbeitungsgebühren: 75,-- €/Std., max. 300 €
  • weitere Kosten: Keine
  • Einzureichende Unterlagen: Kreditantrag, Bürgschaft(en), Schufa-Selbstauskunft
  • Sicherheiten: Wenn möglich Bürgschaften
  • Wesentliche Parameter für positive Kreditempfehlung: persönlich beurteilte Kreditwürdigkeit, keine ungeklärten finanziellen Altlasten, Qualität der Bürgen, Plausibilität des Geschäfts- und Investitionskonzeptes
  • Verpflichtung zur betriebswirtschaftlichen Beratung: nein

6. Risikohaftungsfonds

Im Berliner Modell "finanzwerk" übernimmt ein Risikohaftungsfonds die Besicherung des Kredites in voller Höhe. Der Mikrofinanzierer, der die Kreditempfehlung an die Bank abgibt, ist von der Haftung ausgenommen und muss die Folgen einer ggf. falschen Einschätzung der Kreditwürdigkeit eines Kunden oder Vorhabens nicht tragen.

Haftung im Modell "finanzwerk"Haftung im Modell "finanzwerk"

Ein Vorteil dieses Ansatzes ist, dass er sehr übersichtlich und einfach in der Handhabung ist. Ein Nachteil ist, dass der Mikrofinanzierer keinen kurzfristigen Anreiz hat, einen Kreditantrag bestmöglich zu prüfen, denn er trägt nicht die Folgen einer Fehlbewertung. Dies kann dazu führen, dass leichtfertig Kredite befürwortet werden und die Ausfallraten entsprechend hoch werden. Zudem ist es grundsätzlich schwierig, einen dauerhaften Träger für diesen Fonds zu finden. In Berlin ist dies nur als Interimslösung gelungen.

Zusatzinformationen

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Kontakt

Dr. Peter Jakubowski
Referat I 5 - Verkehr und Umwelt

Tel: +49 228 99401-2150
peter.jakubowski@bbr.bund.de

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