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Karlsruhe: "Unternehmen Mühlburg"

Quartiers-Impulse: Neue Wege zur Stärkung der lokalen Wirtschaft

Lokale Wirtschaft

1. Ausgangssituation, Gebietskulisse

Das ausgewählte ExWoSt-Forschungsgebiet, der Stadtteil Mühlburg, liegt im Westen der Stadt Karlsruhe und umfasst rund 21 ha. Es ist eines von zwei historisch gewachsenen B-Zentren der Stadt, die sich neben der City etabliert haben. Der Einzelhandel im Stadtteil konzentriert sich entlang der breiten Einkaufsstraße Rheinstraße und auf einige wenige Seitenstraßen. Im Gebiet sind zahlreiche Freiberufler und Handwerksbetriebe angesiedelt, außerdem viele alteingesessene, inhabergeführte Unternehmen bzw. Geschäfte (Bekleidung, Schreibwaren, Schmuck). In den letzten Jahren haben sich die Reputation der Geschäfte und deren Warensortiment eher negativ entwickelt. Allerdings stellen Leerstände noch kein großes Problem dar. Vielmehr kam die vermehrte Ansiedlung von Geschäften mit einem gering diversifizierten Warenangebot wie Imbissen, Billiganbietern, Wettbüros, Spielhallen und Erotikshops dazu. Das Forschungsgebiet liegt zentral im SSP Mühlburg, einem Sanierungsgebiet im Rahmen des Sozial-Stadt-Programms. Zu Beginn des Förderrahmens war es als Antrag in das Förderprogramm ab 2007 intendiert.

2. Ziele und Maßnahmen

Im Vordergrund des Modellvorhabens stand die Identitätsbildung des Stadtteils und die Profilschärfung des gewerblichen Angebotes unter Einsatz des Mediums Internet (Internetportal) für Mühlburger Unternehmen (unter www.muehlburg-live.de).

Die Einzelmaßnahmen waren:

  • (a) Aufbau des interaktiven Portals Mühlburg Live; Netzwerk bildend und -fördernd,
  • (b) Entwicklung des Tempel-Areals zu einem soziokulturellen und kreativwirtschaftlichen Zentrum (clusterähnlicher Ansatz),
  • (c) Einrichtung einer örtlichen Beratungsstelle für Existenzgründungen mit kulturwirtschaftlichem Fokus; gezielte Förderung und Ansiedlung von Existenzgründungen im Stadtteil,
  • (d) Begleitung der Entwicklungen und Maßnahmen hinsichtlich lokal-ökonomischer Fördermöglichkeiten durch das stadtentwicklungspolitische Instrument des Quartiersmanagements (hier: Stadtteilmanagement),
  • (e) Einbindung des Rheinhafens und seiner Unternehmen und Aufbau weiterer Netzwerkstrukturen mit diesem Stadtteil.

3. Projektverlauf und -ergebnisse

  • (a) Aufbau des interaktiven Portals "Mühlburg Live"

    Zu Beginn des Forschungsfeldes stand die Identitätsbildung des Stadtteils Mühlburg und Profilschärfung des gewerblichen Angebots unter Einsatz neuer Medien (Internetportal) im Vordergrund. Die Online-Schaltung des Portals erfolgte unterstützt durch Quartiers-Impulse im Juli 2007. Das Sekretariat ist mit einem Portalteam, das wichtige Anfragen an die richtigen Stellen weiterleitet, bereits eingerichtet. Im interaktiven Portal sind 900 gewerbliche Adressen gelistet und aktualisiert, inklusive der Adressen des Rheinhafens. Durch die Bewerbung des Portals auf den Internetseiten von KA-News haben sich die Clicks verdoppelt. Momentan erreicht das Portal 140 Clicks pro Tag. Damit es sich jedoch wirtschaftlich tragen kann, muss eine kritische Masse von 150 bis 160 Clicks pro Tag erzielt werden. Durch weitgehende Vernetzungsaktivitäten, u.a. mit Unternehmen aus dem Rheinhafen, sind die Akteure optimistisch, die nötige Anzahl von Usern zu Beginn 2009 zu erreichen.

    Das Portal präsentiert sich in Form einer Wissensdatenbank, zielgerichtet mit dem Anspruch einer stetig steigenden Besucheranzahl. Hinsichtlich der Clusterbildung kristallisieren sich gewisse Branchenschwerpunkte aus der IT-, Event- sowie Gesundheitsbranche heraus, in Kooperation mit dem Rheinhafen auch der Automobilbranche. Für diese Branchen ist die Gründung von Arbeitskreisen vorgesehen, um Wertschöpfungsketten sowohl in vertikaler als auch in horizontaler Hinsicht aufzubauen. Ob dies nachhaltig gelingt, ist heute noch nicht absehbar. Die Herausbildung kleiner Unternehmens- bzw. Handelscluster im Quartier, mit denen eine ökonomische Profilierung über die Quartiersgrenzen hinaus denkbar ist, wird durch Bewerbung vorangetrieben.

  • (b) Tempel-Areal

    Die Einbeziehung des Tempel-Areals in das Modellvorhaben war nicht wie geplant möglich. Ein Teil des Gebäudekomplexes wurde an einen Privatinvestor verkauft. Bei der Planung des Konzepts ging man jedoch davon aus, dass dieser Teilkomplex durch die Stadt Karlsruhe erworben würde. Zurzeit ist nicht klar, ob die Tempel-Gestaltung wie geplant durchgeführt werden kann. Da die mit der Gestaltung des Tempel-Areals zusammenhängenden Bausteine nicht zu den finanziell geförderten Maßnahmen des ExWoSt-Modellvorhabens gehören, wirkte sich die Ungewissheit in Bezug auf den Tempel nicht direkt auf die Umsetzbarkeit des Forschungsfelds in Karlsruhe aus. Wichtige Ansätze des Konzepts der Quartiers-Impulse in Mühlburg – die Förderung der Ansiedelung und Gründung kleiner Unternehmen im Bereich der Kreativwirtschaft hängen aber von der Nutzung des Tempels ab. Daher wird die Abstimmung mit dem Käufer des Teilkomplexes in den nächsten Monaten, über die Aktivitäten des ExWoSt-Projekts hinaus, eine wichtige Aufgabe der Projektträger, d.h. der Stadt Karlsruhe, darstellen.

  • (c) Gründerforen

    Insgesamt wurden vier Gründerforen durchgeführt. Die Wirtschaftsförderung - in Kooperation mit anderen Instanzen, z.B. der Verein Gründer helfen Gründer – möchte Gründungswillige bzw. Existenzgründer im Stadtteil behalten. Parallel dazu soll ein Netzwerk von Gründern aufgebaut und über das Internetportal www.muehlburg-live.de bekannt gemacht werden und Verbreitung finden. Darüber sollen die potenziellen Gründer in einen Dialog treten und nach weiteren Gründern suchen. Ergänzend möchten die Projektbeteiligten mit Beschäftigungs- und Qualifizierungsträgern zusammenarbeiten, gleiches gilt für Kooperation mit der Agentur für Arbeit und ALG I-Empfängern. Bezüglich des Themas Mikrofinanzierung im Stadtteil bestehen weiterhin Kontakte zu dem Mikrofinanzier MONEX sowie zu dem Gründerverein Gründer helfen Gründer. Diese unterschiedlichen Institutionen und Instanzen sollen sich vereint auf den Stadtteil fokussieren und ein Gesamtangebot für potenzielle Existenzgründer anbieten.

  • (d) Quartiersverfahren SSP Mühlburg

    Das Forschungsgebiet liegt zentral im Soziale-Stadt-Sanierungsgebiet "SSP Mühlburg". Dieses Gebiet mit einer Größe von 72 ha wurde im Jahr 2007 in das Förderprogramm aufgenommen. Dem Sanierungsgebiet stehen ausschließlich finanzielle Mittel für investive Maßnahmen zur Verfügung, die mit dem Ziel der Bürgerbeteiligung verbunden sind. Hinsichtlich nicht-investiver Maßnahmen, beispielsweise zur Förderung der lokalen Ökonomie kann auf andere Fördertöpfe (z.B. LOS) zurückgegriffen werden. Das Stadtteilmanagement-Büro ist in den Räumen der IG Mühlburg verortet. Es erfolgte die Bildung eines AKs Einzelhandel, Gewerbe und Image mit verschiedenen Arbeitsgruppen.

  • (e) Vernetzung mit dem Rheinhafen

    Im Verlauf des Forschungsfeldes kristallisierte sich immer mehr heraus, dass sich mit der Einbindung des Rheinhafens und der dort ansässigen Gewerbebetriebe ein qualitativ spürbarer Zusatznutzen sowohl für den Rheinhafen als auch für das Modellvorhaben Karlsruhe-Mühlburg erzielen ließe (Steigerung der Wertschöpfung im Gebiet, Generierung von Beschäftigung und Ausbildung, CSR-Aktivitäten). In dem erweiterten Gewerbestammtisch am 7. Mai 2008, der erste Schritte einer erweiterten Vernetzung der Unternehmen und Geschäftleute aus dem Rheinhafen und Mühlburg ebnen sollte, waren ca. 100 Teilnehmer anwesend. Weitere Maßnahmen schlossen sich an.

4. Fazit

Der Rheinhafen ist als Starker Partner gewonnen worden und zukünftig – insbesondere durch die Begleitung der IG Mühlburg - werden gemeinsame Maßnahmen und Projekte erarbeitet.

Die einzelnen Fachressorts der Verwaltung, Stadtteilmanagement, beteiligte Projektpartner, intermediäre Organisationen und Vereine, arbeiten vereint auf der Stadtteilebene. Die Kommunikationsstrukturen sind fließend und haben sich seit Beginn des Forschungsfelds mehr als positiv entwickelt. Als besonderes positives Beispiel auf lokaler Ebene sind die Zusammenarbeit von latinstudio und der IG Mühlburg zu nennen, sowie der Austausch mit den Verantwortlichen des Rheinhafens.

Rheinstraße: Geschäftszentrum von Karlsruhe-MühlburgRheinstraße: Geschäftszentrum von Karlsruhe-Mühlburg

Einzelhandel auf der Rheinstraße in Karlsruhe-MühlburgEinzelhandel auf der Rheinstraße in Karlsruhe-Mühlburg

Eingangsbereich der neu gegründeten BarNeugründung einer Bar in Karlsruhe-Mühlburg

Bild vom Gewerbestammtisch auf dem SchiffGemeinsamer Gewerbestammtisch Mühlburg/Rheinhafen auf der MS Karlsruhe

Zusatzinformationen

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Kontakt

Dr. Peter Jakubowski
Referat I 5 - Verkehr und Umwelt

Tel: +49 228 99401-2150
peter.jakubowski@bbr.bund.de

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