Wettbewerbsergebnisse
Gestaltung der Ausstellungsbereiche im Humboldt-Forum
Zwei Preise: Arbeit 1027
Iglhaut + von Grote und Mila / Jakob Tigges, Berlin
Iglhaut + von Grote und Mila / Jakob Tigges, Berlin, Mesoamerika (Los 1)
Quelle: BBR
Beurteilung durch das Preisgericht
Der Entwurf zeichnet sich durch einen unkonventionell neuen Zugang aus. Er geht von der vorgegebenen Schlossarchitektur aus, er belässt sie sicht- und spürbar. Der Bezug nach außen und das Tageslicht werden genutzt.
Im Zentrum stehen die Objekte in einem modularen Vitrinensystem, das verschiedenste Erlebnisräume ermöglicht, die aber durchlässig bleiben, dem Besucher einen individuellen Zugang erlauben und ihn einladen, sich spontan niederzulassen. Dies schafft überraschende innenarchitektonische Lösungen, die zugleich als Fixpunkte dem Rundgang eine Struktur geben.
Positiv ist hervorzuheben, dass die mediale Inszenierung zugunsten der Objektwirkung zurücktritt. Kontextualisierende Medien dürfen jedoch nicht auf die historische Sicht beschränkt sein, sie müssen auch die Gegenwart der Gesellschaften miteinbeziehen.
Der Entwurf erlaubt diese positive Sicht jedoch nur im Ansatz oder als Möglichkeit. Im Detail erscheint die dargestellte Form nicht ausgereift. Vor allem die drei vorgegebenen Ausstellungsvarianten (Themenmodul, Schaumagazin, Treffpunkt) müssen deutlicher unterschieden werden. In der Überarbeitung müssen die positiven Grundlagen ausgearbeitet und veriziert werden. Dabei müssen die Bedienbarkeit des Schaumagazins, die barrierefreien Zugänge und die Sichthöhe von Objekten optimiert werden. Ein Zugewinn an atmosphärischer Qualität ohne Verlust an räumlicher Großzügigkeit wäre wünschenswert.
Für das Los 2 gilt darüber hinaus, dass die für diese Kunst angemessene Ruhe und Intimität gewährleistet sein muss. Die Position sammlungsfremder Objekte (Denkpunkte) muss mit den
Werken asiatischer Kunst besser ausbalanciert werden. Die Idee des Travelers zeigt, dass die Gestalter in der Lage sind, außergewöhnliche und kreative Ausstellungsideen zu entwickeln. Wenngleich eine Umsetzung aus konservatorischen Gründen zweifelhaft erscheint, so sind von diesen Gestaltern dennoch andere innovative, die Besucher überraschende Ausstellungsideen zu erwarten.
Iglhaut + von Grote und Mila / Jakob Tigges, Berlin, Ozeanien (Los1)
Quelle: BBR
Iglhaut + von Grote und Mila / Jakob Tigges, Berlin, Zentralasiatische Kunst (Los 2)
Quelle: BBR
Zwei Preise: Arbeit 1036
merz sauter zimmermann GmbH, Stuttgart
merz sauter zimmermann GmbH, Sabine Sauter, Stuttgart, Benin (Los 1)
Quelle: BBR
Beurteilung durch das Preisgericht
Die Verfasser dieser beiden Konzepte haben sich mit spürbarem Vergnügen an die Arbeit gemacht. Das Produkt ist ein Labor der fröhlichen Forschung.
Viele Ideen werden ausgebreitet: Zur Vermittlung des Humboldt-Forums nach außen, zum Zusammenwirken von Wissenschaft und Kunst, zu den Ansprüchen der Besucherinnen und Besucher, zum Universum medialer Vermittlungsmöglichkeiten. Überall und nach allen Seiten hin schießt die Phantasie ins Kraut.
Die glaubhafte Umsetzung selbst der relevanten Einfälle bleibt das Konzept jedoch schuldig. Pläne und Bilder sprechen wie Piktogramme, in starken Farben und Formen, aber ohne Konkretion. Die Museumsobjekte und Kunstwerke sind hier noch nicht eingezogen und auch die Räume bleiben seltsam unscharf.
Also muss in einer nächsten Phase ein intensiver Dialog einsetzen zwischen Szenograe und Museumskompetenz. Und es muss sich erweisen, was vom spielerischen Witz übrig bleiben kann im Wust der großen Aufgabe, aus einer Fülle von Einzelvorschlägen eine konsistente, die gesamten Museumspräsentationen im Schloss tragende Haltung zu entwickeln.
merz sauter zimmermann GmbH, Sabine Sauter, Stuttgart, Palau (Los 1)
Quelle: BBR
merz sauter zimmermann GmbH, Sabine Sauter, Stuttgart, Zentralasien (Los 2)
Quelle: BBR
Zwei Preise: Arbeit 1037
Ralph Appelbaum Associates, London
mit malsyteufel, Willich
Ralph Appelbaum Assoc., Phillip Tefft, London, Schaumagazin Benin (Los 1)
Quelle: BBR
Beurteilung durch das Preisgericht
Die Jury begrüßt die Rückbesinnung auf Alexander von Humboldt und lobt ausdrücklich die Absicht, das Humboldt-Zitat „Wir treten aus dem Kreis der Objekte in den Kreis der Empfindunge“ als einen Mapping-Prozess aufzufassen.
Unklar bleibt jedoch die gestalterische Umsetzung dieses Motivs. Unter Umständen könnte man den anti-kontemplativen Grundzug des gesamten Entwurfs als eine solche Umsetzung begreifen. Dieser Grundzug äußert sich vor allem darin, dass Exponate nur selten einfach „ausgestellt“ werden, sondern immer – etwa in Verbindung mit Tischen, Werkbänken etc. – durch Museumsbesucher aktiviert werden sollen.
In diesem Zusammenhang wird ausdrücklich die vorgeschlagene „Kreuzung“ von Schaumagazinen und Arbeitstischen als ein wertvoller Beitrag für ein „aktiviertes“ Museum gelobt. Das gleiche gilt für den hohen Detaillierungsgrad des Entwurfs. Es wird allerdings empfohlen, für einzelne Museumsbereiche die Strategie einer stärkeren Vereinzelung von Exponaten und Raumfolgen (Dichte/Lockerung) zu vertiefen. Die Systematik der Farbgebung wirkt noch ungeklärt.
Mit Ausnahme des Bereichs Zentralasien ist bei Los 2 ein insgesamt großzügigerer Raumeindruck positiv hervorzuheben. Kritisiert wird bei beiden Losen eine zu konventionelle Gesamthaltung, die dem selbstgestellten Anspruch nicht wirklich gerecht wird, aber Potential zur Vertiefung aufzeigt.
Ralph Appelbaum Assoc., Phillip Tefft, London, Zentralasien (Los 2)
Quelle: BBR
Ralph Appelbaum Assoc., Phillip Tefft, London, ostasiatische Malerei (Los 2)
Quelle: BBR
Zwei Preise: Arbeit 1040
raumkontor Innenarchitektur, Düsseldorf
mit Dr. Karl Müller, Meerbusch
raumkontor Innenarchitektur, Professor Jens Wendland, Düsseldorf, Schaumagazin Benin (Los 1)
Quelle: BBR
Beurteilung durch das Preisgericht (Auszug)
Die Leitidee „Schloss als Forum“, in dem die „Unruhe der Kultur“ gelebt wird, trifft den Kern der Idee des Humboldt-Forums.
Das Ausstellungskonzept lebt von „starken Wänden“ die mit ihren integrierten Vitrinen Klarheit und Übersichtlichkeit schaffen und eine fast filmische Abfolge der einzelnen Ausstellungsthemen ermöglicht. Damit erscheint ein ruhiges und sachliches Ausstellungsensemble möglich. Die Hochwertigkeit der Ausführung und die Wahl der Materialien bis in die Details lässt einen konsequenten und angemessenen Umgang mit Objekten und Räumen erkennen. Die Konzentration auf die Besonderheiten der Objekte erscheint als größte Qualität des Entwurfs. Das Spannungsverhältnis zwischen größeren Räumen und kleineren Kabinetten ermöglicht eine abwechslungsreiche Besucherführung.
Es müsste allerdings die labyrinthartige Raumanordnung im Hinblick auf die Vorgabe einer klaren Wegeführung besser geordnet werden. Die Verkleinerung der Räume durch Einbauten ist nicht unbedingt zielführend. Hier wäre ein ausgewogeneres Verhältnis wünschenswert.
Durch die Kleinteiligkeit der Räume ist eine Vielfalt der Inszenierung von Stimmungen, die sich auf verschiedene Sinne beziehen können, möglich. Der Entwurf lässt eine eingehende Beschäftigung mit Klangerlebnissen erkennen. Das Gesamtkonzept unter Einbeziehung von unterschiedlichen Sinneseindrücken überzeugt. Die Einbeziehung moderner Medien in die Ausstellung ist nicht explizit dargestellt, erscheint aber problemlos erfüllbar. Medialer Transfer wird an den einzelnen Stationen immer mitbedacht. Die Durcharbeitung des Entwurfes im Hinblick auf die architektonischen und konstruktiven Gegebenheiten des Gebäudes erscheint verbesserungswürdig. Museologische und konservatorische Anforderungen sind im Entwurf bestens bedacht. (...)
Das begehbare Schaumagazin hat große ästhetische Qualitäten. Zu prüfen ist die Raumanmutung jedoch hinsichtlich der ästhetischen Bedürfnisse jüngerer Besuchergruppen.
Im Los 2 bleiben die Entwurfsbilder noch zu oberächlich und beliebig.
Insgesamt überzeugt der Entwurf durch eine angemessene und unaufgeregte Ästhetik. Die Gesamtdramaturgie ist zielsicher entworfen, die Durcharbeitung und Detailtiefe (etwa Vitrinendetails) ist stimmig. Der Besucher erfährt in der Abfolge der Räume in einem direkten körperlichen Verhältnis Objektfaszination und Wissensvermittlung.
Mit Ausnahme des Bereichs Zentralasien ist bei Los 2 ein insgesamt großzügigerer Raumeindruck positiv hervorzuheben. Kritisiert wird bei beiden Losen eine zu konventionelle Gesamthaltung, die dem selbstgestellten Anspruch nicht wirklich gerecht wird, aber Potential zur Vertiefung aufzeigt.
raumkontor Innenarchitektur, Professor Jens Wendland, Düsseldorf, Palau-Haus (Los 1)
Quelle: BBR
raumkontor Innenarchitektur, Professor Jens Wendland, Düsseldorf, Zentralasien (Los 2)
Quelle: BBR
Auf Empfehlung des Preisgerichts werden alle Preisträger ihre Entwürfe noch einmal gestalterisch überarbeiten. Anschließend wird über die konkrete Auftragsvergabe entschieden.
