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Buchvorstellung
"Kunst am Bau. Projekte des Bundes 2006–2013"
23. Juni 2014

Am 23. Juni 2014 wurde im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit die Vorstellung der Buchpublikation "Kunst am Bau. Projekte des Bundes 2006–2013" feierlich begangen. Vor einem mit über 220 Personen voll besetzten Saal erläuterte Staatssekretär Gunther Adler die besondere baukulturelle Bedeutung der Kunst am Bau sowie die gesamtstaatliche Verantwortung für die Beauftragung von Kunst-am-Bau-Werken und würdigte die künstlerische Vielfalt und hervorragende Qualität der entstandenen Kunstwerke.

Es folgte die feierliche Übergabe des Buches "Kunst am Bau. Projekte des Bundes 2006–2013" an Staatssekretär Gunther Adler durch den Leitenden Regierungsdirektor und Vertreter der Präsidentin des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (BBR), Lothar Fehn Krestas, und die Referentin für Kunst am Bau im BBR, Dr. Ute Chibidziura.


Kunst am Bau ist seit 1950 integraler Bestandteil des baukulturellen Engagements des Bundes. Damals beschloss der erste Deutsche Bundestag, bei allen Baumaßnahmen des Bundes einen Teil der Baukosten für die Beteiligung bildender Künstler einzusetzen. Seither sind im In- und Ausland zahlreiche herausragende Kunstwerke in öffentlichem Auftrag entstanden.
Knapp 60 hervorragende Kunstwerke aus jüngster Zeit, die für Neu- und Umbaumaßnahmen von Gebäuden der Verfassungsorgane und der Bundesregierung in Berlin und Bonn, für Bundeseinrichtungen in den Ländern und politisch wichtige Auslandsbauten entstanden sind, werden in der bereits dritten Publikation des Bundes zu Kunst am Bau vorgestellt. Das Buch "Kunst am Bau. Projekte des Bundes 2006–2013" möchte dazu einladen, neue Kunst kennen zu lernen und sich von den besonderen Potentialen von Kunst am Bau überzeugen zu lassen.

Eine Ausstellung im Veranstaltungshof des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit präsentierte eine repräsentative Auswahl von 18 Kunstprojekten in unterschiedlichen künstlerischen Medien und Herangehensweisen sowie in der Bandbreite unterschiedlicher Institutionen und geografischer Standorte in Deutschland und im Ausland.

Durch den Abend führte Ministerialrat Hans-Dieter Hegner vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit. Seine fachkundige Moderation verknüpfte das vielfältige Programm des Abends, das die seit Jahrzehnten ausgeübte Praxis des Bundes, Künstler zur Mitgestaltung von Bundesbauten einzuladen, würdigte.

Den Festvortrag hielt der Bonner Kunsthistoriker und Publizist Dr. Martin Seidel. Vor dem Hintergrund seiner langjährigen Forschungstätigkeit zu Kunst am Bau stellte er besonders herausragende Beispiele der Kunst am Bau aus jüngster Zeit vor. Vielfalt und Qualität sind seit jeher die Stärken der Kunst am Bau. Auch die in den letzten Jahren hinzugekommenen Arbeiten stehen für den Reichtum der Ausdrucksformen. Nahezu alle Gattungen, Techniken, Medien und künstlerische Haltungen sind vertreten. Das Spektrum umfasst: Objekte, die den Stadtraum einbeziehen, Fassadengestaltungen, Videoinstallationen, Lichträume und Kunst, die man gar nicht sieht, wie eine Klanginstallation. Selbst eine Graphic Novel hat inzwischen Eingang in die Kunst am Bau gefunden.

Download Festvortrag von Martin Seidel

Auf den Festvortrag folgte ein angeregtes Podiumsgespräch zwischen der Künstlerin Christiane Dellbrügge, Lothar Fehn Krestas vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, dem Architekten Michael Frielinghaus und der Kunstjournalistin Nicola Kuhn, die auch Mitglied im Sachverständigenkreis Kunst am Bau beim Bauministerium ist. Eloquent und fachkundig moderiert wurde das Gespräch von der Architekturhistorikerin Dr. Anne Schmedding vom Büro Schmedding.vonMarlin.

Christiane Dellbrügge arbeitet seit 1984 kontextbezogen und medienübergreifend gemeinsam mit Ralf de Moll. Die Wandzeichnung „Spuren von Leben“ des Künstlerduos Dellbrügge & de Moll für das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Köln von 2011, zeigt eindrücklich ihren Gestaltungsansatz für Kunst am Bau, in dessen Mittelpunkt die Beschäftigung mit den Mitarbeitern sowie den Inhalten und Funktionen von Institutionen steht. Sie verwies darauf, dass sinnvollerweise inzwischen eine Vorgabe bei fast allen Kunst-am-Bau-Wettbewerben die künstlerische Auseinandersetzung mit der Architektur, aber auch den Funktionen und Aufgaben der jeweiligen Institutionen sei. Frau Dellbrügge würdigte ausdrücklich das staatliche Engagement für Kunst am Bau angesichts immer kleiner werdender Ankaufsetats von Museen, das es Künstlern ermögliche, in Konvergenz zur eigenen künstlerischen Arbeit große Projekte zu realisieren. Für die Zukunft wünschte sie sich eine verstärkte Vermittlungsarbeit, die das Wissen um die Kunstwerke lebendig hält und betonte auch die Pflicht der Künstler, zur Informationsvermittlung beizutragen. Zukünftig wünschte sie sich seitens der Architekten und Nutzer mehr Mut und Gelassenheit bei der Realisierung von Kunst am Bau. Von den Wettbewerbsjurys forderte sie mehr Mut, Entscheidungen zugunsten einer Kunst zu fällen, die eine Verschärfung und Präzisierung der räumlichen und kontextuellen Situation hervorrufe.

Lothar Fehn Krestas leitet seit Januar 2014 das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, das für die Baumaßnahmen des Bundes in Berlin, Bonn und im Ausland zuständig ist und sowohl die Wettbewerbe durchführt als auch die Realisierung von Kunst am Bau betreut. Eine wesentliche Funktion der Kunst am Bau bestehe seiner Meinung nach in der Repräsentation einer Institution. Hierbei spielten insbesondere bildgebende Kunstwerke eine Rolle, die in den Medien und bei Mitarbeitern als Identifikationsfaktor für die entsprechende Institution dienen könnten. Dabei verlöre die Kunst keineswegs die Möglichkeit einer kritischen und autonomen Haltung. Im besten Fall hielte die Kunst am Bau der Architektur einen Spiegel vor. Je später sie in den Planungs- und Bauprozess hinzukomme, desto besser könne sie ihre Rolle zu reflektieren und zu kommentieren erfüllen. Ferner betonte er, dass eine wichtige Voraussetzung für gelungene Ergebnisse die Offenheit der Nutzer und Auslober während des Wettbewerbsverfahrens sei. Dazu beitragen könne ein partnerschaftliches Verhältnis zwischen Nutzern, Architekten und Künstlern, in dem alle Beteiligten selbstbewusst und auf Augenhöhe miteinander kommunizierten. Lothar Fehn Krestas erklärte, dass sich die Wahl des geeigneten Wettbewerbsverfahrens nach der Aufgabenstellung sowie einem ausgewogenen Verhältnis von Gesamtetat zu den Verfahrenskosten richte. Ein weiteres wichtiges Thema nach über 60 Jahren Kunst-am-Bau-Praxis des Bundes sei die Nachhaltigkeit der Kunst bei der Umnutzung eines Gebäudes. Nicht zwangsläufig entstehe daraus ein Problem, wenn die Kunst am Bau autonome Gestaltungsqualitäten habe oder in Auseinandersetzung mit der Architektur oder Funktion eines Gebäudes ein historisches Dokument darstelle. Neben dem Unterhalt komme deshalb der Vermittlung eine besondere Bedeutung zu, die am verlässlichsten geleistet werden könne, wenn sich ein Treuhänder vor Ort um die Kunst kümmere und das Wissen weitergebe.

Michael Frielinghaus zeichnet mit seinem Büro verantwortlich für den Neubau der Zentrale des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach, für den Kunst-am-Bau-Werke von Thomas Bayrle und Rebecca Horn realisiert wurden. Schon als Präsident des Bundes Deutscher Architekten lag ihm das Wettbewerbswesen am Herzen, so dass er konkurrierende Verfahren auch für künstlerische Aufgabenstellungen grundsätzlich sehr begrüßt. Dabei müsse das Verhältnis zwischen Architekten und Künstlern seiner Meinung nach autonom sein, damit alle Beteiligten zu einer Haltung kämen, die dazu führe, den ganzen Raum in Einklang zu bringen. Bedingung dafür sei eine größtmögliche Freiheit im Gestaltungsprozess des Zusammenspiels aus Kunst und Architektur sowie die Offenheit für Änderungen mit dem Ziel eines optimalen Ergebnisses. Für ihn sei ein früher Einstieg von Künstler in den Planungsprozess durchaus wünschenswert, um eine gemeinsame Gestaltung des Raums zu erreichen. Ein solcher Ablauf ließe sich jedoch schlecht in die bewährten Wettbewerbsverfahren integrieren. Für die Realisierung sei daher der Leitfaden Kunst am Bau von 2012 ein bemerkenswerter Ratgeber.

Nicola Kuhn ist Kunsthistorikerin und seit 1991 als Redakteurin für bildende Kunst beim "Tagesspiegel" tätig. Auf dem Podium plädierte sie für eine Kunst am Bau, die keine bloße Dekoration für die Architektur sein solle, sondern Imagefaktor und Denkanstoß. Ein später Einbezug der Kunst in den architektonischen Planungsprozess ermögliche spannungsreiche und reflektierte Ergebnisse, die im besten Fall einen Kommentar des Gebäudes und seiner Funktion darstellten. Auf diese Weise praktiziere der Bund als Bauherr schon seit 1950 eine verfeinerte Form der Selbstdarstellung. Kunst am Bau stelle hohe Ansprüche an die die Vermittlung, deshalb könne und solle eine Zusammenarbeit mit Kulturinstitutionen und universitären Einrichtungen vor Ort angestrebt werden. Als besonders wichtige Aufgabe hob sie freilich der Vermittlung von Kunst am Bau hervor, damit sowohl die Nutzer als auch die Öffentlichkeit über die Leistungen des Bundes informiert würden. In diesem Zusammenhang verwies sie auch auf die künstlerische Praxis der partizipativen Teilnahme von Betrachtern, die im Sinne der Vielfalt an Formen der Kunst am Bau begrüßenswert sei, jedoch insbesondere einen sehr unmittelbaren und nachhaltigen Vermittlungseinsatz benötige, um zu funktionieren. Für die Zukunft wünschte sie sich mehr Neugier unter Journalisten für diese hochkarätige und öffentliche Kunstform.

Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von dem Quartett "The Art of Jazz". Chris Hirson, Saxophon, Daniel Schaub, Gitarre, Ben Hiesinger, Kontrabass und Luca Marini, Schlagwerk, spielten Kompositionen von Michael Villmow, die den Raum des Veranstaltungshofes zum Klingen brachten.

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