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Bundesministerium für Bildung und Forschung

Grundsanierung und Herrichtung des Bundesministerium für Bildung und Forschung, das Eisenbahnbundesamt, das Streitkräfteamt und das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung

Liegenschaft Heinemannstraße 2-10, 53175 Bonn (Kreuzbauten)

GesamtansichtGesamtansicht Quelle: BBR/ H.G. Esch

NUTZER
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
Eisenbahn-Bundesamt (EBA)
Streitkräfteamt (SKA)
Deutsches Institut für Erwachsenenbildung (DIE)
GENERALPLANERReichel Ingenieurgesellschaft für Projektmanagement mbH)
Projektbüro, Bonn
BAUKOSTENcirca 112 Mio. Euro
GUNDSTÜCKSGRÖSSE60.148
HAUPTNUTZFLÄCHE 41.359 HNF
BRUTTOGRUNDFLÄCHE 131.862 BGF
BRUTTORAUMINHALT 479.414 BRI
PLANUNG08/2002 bis 06/2004
REALISIERUNG01/2003 bis 04/2010
PROJEKTLEITUNGBBR Referat III B 3
FACHINGENIEUREBBR Referat III S 2

Die 1969 bis 1975 errichteten "Kreuzbauten" waren eine der ersten Gebäude der Bundesrepublik Deutschland nach Aufheben des "Vorbehalts des Provisoriums" Bundeshauptstadt Bonn. Sie läuteten eine neue Epoche für Bonn ein, nachdem in den 1960er Jahren bereits alle Verfassungsorgane - mit Ausnahme des Bundesverfassungsgerichts - in Bonn ihren Sitz erhalten hatten. Der Entwurf für die "Kreuzbauten" stammte von der Planungsgruppe Stieldorf, zu der die Architekten M. Adams, R. Glatzer, G. Hornschuh, G. Pollich, P. Türler gehörten. Die Gesamtleitung des damals 182 Mio. DM teuren Projekts hatte bereits die Vorgängerinstitution des Bundesamtes, die Bundesbaudirektion.

Neben den beiden Hochhäusern besteht die Gesamtanlage aus vier niedrigen Basisgebäuden, drei kleinen beieinander liegenden Pavillions, einer Pförtnerloge und aus der die Einzelbauten in ein Gesamtkonzept einbindenden Platzanlage, die dreigeschossig unterkellert ist. Zu dem seit 2004 unter Denkmalschutz stehenden Gebäudeensemble gehören die zahlreichen in den Bauten aufgestellten und in die freiraumplanerisch entwickelten Außenanlagen integrierten Kunstwerke.

Bei der grundlegenden Erneuerung der technisch und energetisch veralteten Gebäudesysteme wurde darauf Wert gelegt, dass die markanten Charakteristika der Architektur der 70er Jahre erhalten bleiben. Dabei wurden die signifikanten städtebaulichen Figuren durch eine freundliche, helle Farbgebung und eine veränderte Geometrie der Fenster neu interpretiert und in ihrem Umfeld aufgewertet. Im Bereich der technischen Modernisierung der Gebäude ermöglicht das neue Energiekonzept, das auf eine Vollklimatisierung verzichtet, zukünftig einen wirtschaftlicheren Betrieb. Gleichzeitig konnte der Komfort zur Bedienung der Anlagen und Nutzung der Räume deutlich erhöht werden.

Gesamtansicht Turmgebäude mit angrenzender FreiflächeGesamtansicht Turmgebäude mit angrenzender Freifläche

Alt und Neu gestalterisch verbinden

Die Gebäude werden so transformiert, dass der Wert des Vorhandenen nicht verloren geht und dennoch eine zeitgemäße Architektur entsteht. Vorgefundene Qualitäten der Bauten wie die kräftige Materialität des Betons werden in das Gestaltungskonzept eingebunden und gehen eine Verbindung mit neuen, technisch präzisen Details ein.

Hochhaus Gebäude A 2, perspektivische Zeichnung der ausführenden Architekten Beckmann WenzelHochhaus Gebäude A 2, perspektivische Zeichnung der ausführenden Architekten Beckmann Wenzel

Benutzerfreundliche Gebäudesysteme

Die starren Systeme der vorhandenen Gebäudetechnik zwangen den Nutzer bisher zur Passivität. Zukünftig wird er in die Lage versetzt, sein persönliches Arbeitsumfeld individuell zu regeln. Natürliche Lüftung über öffenbare Fenster, Sonnen- und Blendschutz sowie die Temperatur sind raumweise einstellbar. Gleichzeitig unterstützen übergeordnete Regulierungen die Optimierung des Energieeinsatzes. 

Lebendiger Campus

Der Zusammenhang des Ensembles wird durch ein übergeordnetes Gestaltungskonzept zum Ausdruck gebracht. Vor allem die durchgängige Abstimmung von Farben und Materialien wird diese Bezüge beleben. Die Qualität der umgebenden Freiflächen mit Höfen, Grün und Kunstwerken wird durch restaurierende und ergänzende Maßnahmen erhöht. 

Energie und Nachhaltigkeit

Im Umgang mit der Energie wird ein Kurswechsel vollzogen. Die auf günstige, jederzeit verfügbare Energie bauende Auffassung der frühen 70er Jahre führt heute zu immensen Energiekosten beim Gebäudebetrieb, die zukünftig nicht mehr tragbar sein werden. Um den Komfort der bisher vollklimatisierten Hochhäuser auf neue Weise herzustellen, bedienen sich die Planer natürlicher, nachhaltig verfügbarer Ressourcen. Neben der natürlichen Lüftung über öffenbare Fenster werden Klimadecken eingebaut, die über Wärmetauscher mit Wasser aus einem auf dem Gelände vorhandenen Brunnen betrieben werden.

Planmanagement im virtuellen Projektraum

Neue Techniken werden im interdisziplinären Austausch zwischen Bauherr, Planern und Gutachtern eingesetzt. Das Plan- und Dokumentenmanagement erfolgt bis hin zur Vervielfältigung im Reprobetrieb über das Internet. Im virtuellen Projektraum stehen den Beteiligten alle benötigten Unterlagen jederzeit zur Verfügung. Veranlassung zu dieser Baumaßnahme waren die großen Defizite im Bereich des Brandschutzes, erhebliche energetische Mängel an den Fassaden, die erforderliche Verbesserung im Bereich des Wärme- und Kälteschutzes, die Erneuerung der Nachrichtentechnik und der Gebäudeleittechnik sowie erforderliche Sanierungen bei den Abwasser-, Wasser- und Lüftungsanlagen.

Auf einen Blick: Geschichte, Gegenwart und Zukunft

LageplanLageplan

Das Gebäudeensemble der Kreuzbauten ist als Ministerienbau bedeutend für die Geschichte der Bundesrepublik und für die Geschichte der Stadt Bonn. Das Ensemble ist als Teil des Regierungssitzes sowohl in der Funktion als auch in der Architektursprache ein bedeutendes Dokument der Geschichte und der Architektur in der Zeit der "Bonner Republik" zwischen 1949 und 1999.

Die Anlage der Kreuzbauten ist als Ministerienkomplex Teil des Regierungsviertels, Teil des städtebaulichen Konzeptes und gebauter Ausdruck des sich wandelnden Selbstverständnisses der Republik. Sie sind Teil des Geflechts der Regierungsbauten, die sich über die Aue bereiten und und als bauliches Zeugnis der 70er Jahre in der Reihe der Ministerienbauten stehen.
Die Konstruktion, funktionsbestimmt und auf statische Notwendigkeit reduziert, zeigt sich als klar hervortretende Stahlbetonskelettkonzeption. Die durchgehenden Balkonplatten verleihen den Bauten im Zusammenspiel mit den zurückliegenden dunklen Glasflächen von Ferne den Charakter geschichteter, schwebender, im Grundriss kreuzförmiger Platten. Durch die klare Struktur der Anlage und konsequente Konzeption bis ins Detail erhält die Anlage eine besondere architektonische Qualität.

Hochhaus A115geschossig/13 Bürogeschosse
Hochhaus A212geschossig/10 Bürogeschosse
Kasinogebäudeeingeschossig
3 Basisgebäudezwei- bzw. dreigeschossig
Tiefgaragecirca 900 Pkw-Stellplätze
Raumprogramm1.500 Büroarbeitsplätze, Bibliothek, Registratur,
Konferenzsäle, Großraumbüros, Besprechungsräume,
Pförtnerlogen, Technikräume

Von städtebaulichem Wert ist die Lage der Objekte. Die Kreuzbauten sind innerhalb des Regierungsviertels, an der Hauptverbindungsstraße zwischen Bonn und Bad Godesberg, Orientierungs- und Identifikationspunkte.
Das gelungene Miteinander von qualitätvoller Architektur und bedeutenden Kunstwerken aus den 1970er und 80er Jahren ist außergewöhnlich, zumal schon allein das Einbeziehen einer Vielzahl von Kunstwerken den Architekturentwurf in einem besonderen Maße auszeichnet. In der Wechselwirkung von Architektur und Kunst wurde mit der Anlage der Kreuzbauten ein Gesamtkunstwerk geschaffen, das nach den Kriterien des Denkmalschutzes als Denkmal erhaltenswert ist.

Plastische Kreuzung von Ansgar Nierhoff, 1977Plastische Kreuzung von Ansgar Nierhoff, 1977

Die Sanierung wird bis zum Jahr 2009 in 3 Bauabschnitten durchgeführt. Dabei bleiben rund  700 Mitarbeiter des BMBF während der Bautätigkeiten auf der Liegenschaft beschäftigt. Der Generalplaner REICHEL Projektmanagement arbeitet mit einem Team, das alle erforderlichen Planungsdisziplinen abdeckt. Darin übernehmen die Architekten Beckmann Wenzel die Entwurfs- und Ausführungsplanung. Die Grundsanierung schafft für den Dienstsitz des BMBF und den neuen Nutzer, das Eisenbahnbundesamt, zukunftsorientierte und architektonisch aufgewertete Gebäude, die auf Grund ihrer vorzüglichen städtebaulichen Lage an der Rheinaue und inmitten neuer hochwertiger Verwaltungsbauten eine hohe Nutzungsqualität besitzen.

Im Detail 1 - Baulogistik

Eine besondere Herausforderung an  die Organisation der Baudurchführung ergab sich aus der Forderung des Nutzers, den Dienstbetrieb auch während der umfangreichen Sanierung mit so wenig Einschränkungen wie möglich aufrecht erhalten zu können. Zudem waren die Sicherheitsbedürfnisse des Ministeriums vollumfänglich zu beachten. Beschränkte Zufahrts- und Baustelleneinrichtungsflächen erhöhten den Schwierigkeitsgrad der gestellten Aufgabe.

Blick von Süden auf die beiden TurmhäuserBlick von Süden auf die beiden Turmhäuser


Die Lösung bestand in der Entwicklung und Anwendung eines speziellen Baulogistikkonzeptes. Auf der Grundlage dieses Konzeptes werden unter anderem die Baustellenzu- und -abfahrten durch Vergabe von Zeitfenstern gesteuert, das Baustellenpersonal registriert und kontrolliert, das Flächenmanagement für die Nutzung der Baustellenlager- und Transportflächen organisiert, die Zurverfügungstellung der Bauaufzüge koordiniert und letztlich die zentrale Abfallentsorgung, fraktioniert gemäß der Vorgaben des Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzes, wahrgenommen.

Im Detail 2 - Neue Fenstertechnik

Ansicht der Fassade einer der Hochhäuser vor ihrer Sanierung. Markant: die horizontale und vertikale Trägerstruktur, die zugleich ein möglichst großes Blickfeld für die Fenster lässtAnsicht der Fassade einer der Hochhäuser vor ihrer Sanierung. Markant: die horizontale und vertikale Trägerstruktur, die zugleich ein möglichst großes Blickfeld für die Fenster lässt Quelle: BBR/ H.G. Esch

Der Entwurf zu einer neuen Fassade war, neben den funktionalen Anforderungen, mit den technischen Bedingungen am Hochhaus und den Belangen des Denkmalschutzes zu vereinbaren. Ganzglasfassaden und außenliegende Sonnenschutzvorrichtungen schieden aus diesen Gründen aus.

Zeichnung eines Fassadenelements mit den markanten vorgesetzten horizontalen und vertikalen Stahlträgern, Ausschnitt eines BürosZeichnung eines Fassadenelements mit den markanten vorgesetzten horizontalen und vertikalen Stahlträgern, Ausschnitt eines Büros

Ein vom Planungsteam neu entwickeltes Fenster mit einem vorgeschalteten äußeren Verbundflügel nimmt eine konventionelle Sonnenschutzjalousie in einer eigenen Ebene auf. Damit sind sowohl Witterungsschutz als auch Zugänglichkeit für die Wartung gewährleistet. Der für das Gesamtbild der Fassaden wichtige ausgewogene Anteil von gläsernen und geschlossenen Anteilen bleibt gewahrt.
Das hoch wärmegedämmte Fenster kann trotz seiner größeren Bautiefe in den Bestand aus Betonelementen eingesetzt werden. Die Formgebung der neuen Lüftungsflügel als schmale vertikale Elemente ermöglicht eine komfortable Nutzung und belässt eine großzügige Glasfläche für einen Panoramablick bis ins Siebengebirge und zum Kölner Dom.

Gesamtansicht der beiden Hochhäuser und des westlichen Pavillions, die die ursprüngliche Konzeption deutlich machen, wonach die Erdgeschosszone von jeglicher Nutzung mit Ausnahme der notwendigen Eingangshallen freigehalten werden sollteGesamtansicht der beiden Hochhäuser und des westlichen Pavillions, die die ursprüngliche Konzeption deutlich machen, wonach die Erdgeschosszone von jeglicher Nutzung mit Ausnahme der notwendigen Eingangshallen freigehalten werden sollte

Fachlich Beteiligte/Akteure

Architekten GrundsanierungBeckmann Wenzel Architekten BDA
Köln
Fachplaner HaustechnikKlett-Ingenieur-GmbH – Niederlassung Köln
elweg GmbH und Ingenieurbüro Nöhl, Projektbüro Bonn
TragweksplanerLWS Ingenierugesellschaft für Tragwerksplanung, Duisburg
BetonsanierungRoxeler Ingenieur-Gesellschaft mbH, Münster
KantinentechnikHermann Baschang GmbH, Karlsruhe
FassadentechnikKFF GmbH, Kaarst
SchadstoffberatungSachverständigenbüro Dr. Zwiener, Köln
BauphysikBASIC GmbH, Gundelsheim
BrandschutzKempen Krause Ingenieurgesellschaft mbH, Aachen
Sicherheits- und GesundheitsschutzkoordinationMplus GmbH, Sankt Augustin
ProjektkommunikationssystemConetics AG, Köln

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