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Wettbewerb Erweiterung Bundesamt für Justiz

Aufgabe und Ziel

Das Bundesamt für Justiz ist eine junge und dynamische Institution. Seit ihrer Gründung im Jahr 2007 hat die Dienstleistungsbehörde des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz ihren Sitz auf der Bonner Liegenschaft des Auswärtigen Amtes. Aufgrund zunehmender Aufgaben mussten inzwischen einige Bereiche auslagert werden. Um die die Behörde am Hauptsitz zu konzentrieren, wurde entschieden, den bestehenden Gebäudekomplex zu erweitern.

Als Standorte für die Erweiterung mit einer Nutzfläche von insgesamt 3.510 wurden ein Bereich an der Adenauerallee (Baufeld 1) sowie ein im teilweise bereits bebauter Garten zum Rhein (Baufeld 2) festgelegt. Auf Beiden war ein dezidiertes Raumprogramm für 212 Arbeitsplätze unterzubringen unter Berücksichtigung des Baudenkmals Adenauerallee 91 a. Ein besonderes Augenmerk war auf den Freiraum zu legen, der sich durch z. T. wertvollen Baumbestand auszeichnet.

Ergänzend zum Entwurf für die Erweiterung sollten für eine eventuelle künftige Bebauung ein Masterplan im Sinne einer städtebaulichen Zielplanung erarbeitet werden, der die gesamte Liegenschaft umfasst.

Ziel des Wettbewerbs war ein geeignetes Architektenteam sowie einen Vorentwurf für Hochbau und Freiraum zu erhalten, der den funktionalen, architektonischen und landschaftsarchitektonischen, in allen Belangen nachhaltigen, ökologischen und ökonomischen Anforderungen Rechnung trägt und im Anschluss an den Wettbewerb Grundlage für die weitere Planung sein soll.

Die neuen Gebäudeteile werden im Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) zertifiziert werden; der Bauherr strebt das Zertifikat GOLD an. Es wurde deshalb ein Entwurf erwartet, der insbesondere in den Anforderungen den drei Dimensionen "Ökologische Qualität", "Ökonomische Qualität" und "Soziokulturelle und funktionale Qualität" sowie dem Querschnittskriterium "Technische Qualität" Rechnung trägt.

Die Kostenobergrenzen lag bei 15,21 Mio. Euro für die Kostengruppen 300 bis 500.

Art des Wettbewerbs

Der Wettbewerb wurde als nichtoffener, anonymer, interdisziplinärer Planungswettbewerb nach RPW 2013 für Architekten und Landschaftsarchitekten mit vorgeschaltetem offenem Auswahlverfahren nach VOF 2009 durchgeführt.

Entscheidung des Preisgerichts

Es wurden drei Preise und vier Anerkennungen vergeben. Das Preisgericht unter Vorsitz des Kölner Architekten Prof. Johannes Schilling hat unten stehende Wettbewerbsarbeiten am 7. November 2014 prämiert. Das Preisgericht empfahl einstimmig, unter Berücksichtigung der schriftlichen Beurteilung und ergänzender Empfehlungen den ersten Preisträger mit der Realisierung zu beauftragen.

1. Preis - 1286

kadawittfeldarchitektur, Aachen
Entwurfsverfasser: Gerhard Wittfeld
Mitarbeiter: Kilian Kada, Angie Müller, Simona Czysch, Keva Zeynalova, Tim Witte, Andrea Blaschke
Hilfskräfte: Maximilian Hörchens, Benjamin Grab
Fachberater: COSANNE INGENIEURE, Dorsten-Lembeck [TGA]; WSK Ingenieure, Düsseldorf [TGA]

mit
greenbox Landschaftsarchitekten Schäfer & Tuczek, Köln
Entwurfsverfasser: Hubertus Schäfer
Mitarbeiter: Hannes Banzhaf, Eva Schiemann

1. Preis - Modell AQuelle: kadawittfeldarchitektur, Aachen mit greenbox Landschaftsarchitekten, Köln

1. Preis - Modell BQuelle: kadawittfeldarchitektur, Aachen mit greenbox Landschaftsarchitekten, Köln

1. Preis - LageplanQuelle: kadawittfeldarchitektur, Aachen mit greenbox Landschaftsarchitekten, Köln

Beurteilung des Preisgerichts

Das städtebauliche Konzept der Arbeit überzeugt durch eine klare Haltung sowohl zur städtischen als auch zur landschaftlichen Lage der Bestandsbauten. Zwei ruhige, eigenständige Baukörper sind präzise in die Außenräume eingefügt und durch leicht wirkende Brücken mit dem Bestand verbunden. Die Baukörper sind gut proportioniert und stellen rücksichtsvolle räumliche Beziehungen zu ihrer Umgebung her, ohne eine eigene Identität zu verleugnen. Diese gekonnte Balance artikuliert sich in der feinen Sockelfuge des rheinseitigen Baukörpers ebenso wie in der sorgfältig ausgearbeiteten Attikagestaltung und nicht zuletzt in den würdevollen und eleganten Fassaden der Gebäude.
An der Stichstraße gelingt es trotz des barrierefreien Anschlusses an die Villa Scheitgen auf allen Geschossen, dieser einen einladenden Vorplatz zur Adenauerallee zu geben. Hier kann die öffentlich zugängliche Eilauskunft in der Villa außerhalb des Sicherheitsbereichs einfach erschlossen werden. Die Pforte zum Gelände befindet sich folgerichtig an der Ostseite der Villa, die PKW-, Radfahrer-, und Fußgängerströme sind sehr gut organisiert, könnten allerdings hinsichtlich der gemeinsamen Nutzung der Tiefgaragenrampe von PKW und Fußgänger sowie der Position der Eingänge vor allem des nördlichen Gebäudes verbessert werden.
Architektonisch besticht das Projekt durch eine effiziente Organisation der gut gestalteten Büroflächen, denen durch die geschickte Anordnung der Teeküchen an die Innenhöfe informelle Kommunikationszonen von großer Qualität hinzugefügt werden. Die Orientierung innerhalb der Gebäude fällt leicht, die Anschlüsse an den Altbau sind gut gewählt, die Lage der Besprechungsräume zum Rhein ist hervorragend.
Die Außenraumgestaltung ist grundsätzlich gelungen, wirkt allerdings mit einer Pergola über die gesamte Rheinfront und dem raumgreifenden Holzdeck im Garten überfrachtet. Das Projekt benötigt nur eine geringe zusätzliche Bodenversiegelung und hat einen geringen Flächenverbrauch.
Energetisch sollte hinsichtlich der thermischen Qualitäten der Fassade deren Fensterflächenanteil geprüft werden, wie diese ohne Beeinträchtigung der architektonischen Qualitäten verbessert werden könnten. Die Gebäude besitzen ein günstiges Verhältnis von Brutto- zu Nutzflächen, auch die anderen Aspekte der Nachhaltigkeit des Projekts sind überzeugend.
Der selbstgestellte Anspruch der Arbeit, den Übergang zwischen Großbauten und Villenbebauung herzustellen, gelingt mit hoher städtebaulicher und architektonischer Qualität.
Die erwarteten Investitionskosten überschreiten die Vorgabe um ca. 9 %. Die Lebenszykluskosten werden im Vergleich als "mittel" eingeschätzt.

2. Preis 1293

BLK2 Böge Lindner K2 Architekten, Hamburg
Entwurfsverfasser: Jürgen Böge, Ingeborg Böge-Lindner, Lutz-Matthias Keßling, Detlev Kozian
Mitarbeiter: Josep Vilardaga, Stefan Wälder
Hilfskraft: Martyna Wyrwas

mit

schoppe + partner freiraumplanung
Entwurfsverfasser: Jochen Meyer

2. Preis - Modell AQuelle: BLK2 Böge Lindner K2 Architekten Hamburg mit schoppe + partner freiraumplanung

2. Preis - Modell BQuelle: BLK2 Böge Lindner K2 Architekten Hamburg mit schoppe + partner freiraumplanung

2. Preis - LageplanQuelle: BLK2 Böge Lindner K2 Architekten Hamburg mit schoppe + partner freiraumplanung

Beurteilung des Preisgerichts

Die Verfasser nützen die Lagegunst des Grundstückes direkt am Rhein weidlich aus. An der Adenauerallee wird der kleinere Teil des Raumprogramms positioniert, insbesondere der Bereich der Eilanträge, der der Öffentlichkeit zugänglich ist, ist hier sehr günstig gelegen. Im Garten dagegen werden alle Register gezogen: Eine neue Terrasse versteckt die unattraktiven Sockelgeschosse des Bestands und ermöglicht einen attraktiven Zugang zum Neubau. Auf der Gartenebene darunter liegt, höchst vorteilhaft, der Tagungsbereich dem Rhein und Garten zugewendet. Planungsrechtlich ist ein Gebäude dieser Dimension gerade noch nach §34 zu genehmigen, indem es wie ein Solitär im Garten erscheint. Die sich in der Folge dieser erhöhten Terrasse ergebenden Senkgärten vor den Sockelgeschossen der Altbauten werden jedoch im Preisgericht kritisch diskutiert. Auch gälte es, eine Position weiter nördlich zugunsten des südlichen Gartenteils zu prüfen.
Die Villa Scheidgen ist zur Adenauerallee hin freigestellt, sie bleibt über einen tiefen Vorgarten sichtbar, da das Baufeld 1 nur senkrecht zu Adenauerallee genutzt wird. Leider nimmt sie keine Sondernutzung auf, vermutliche der nicht vorhandenen Barrierefreiheit geschuldet; das dafür Potential wäre jedoch gegeben. Zufahrt und Pforte liegen funktional sinnvoll hinter der Villa. Dadurch wirkt das ganze Ensemble freundlich und offen zur Stadt. Auch die Feuerwehrzufahrt zwischen Alt- und Neubau ist als mit Platten belegte Fuge nicht auf diese Funktion reduziert.
Die Höhe des Neubaus in Baufeld 1 orientiert sich an der Umgebung. Das Haus wirkt ehr zurückhaltend in seiner Dimension, die Drehung zu Adenauerallee erzielt für viele Büros eine ruhige Lage.
Die Grundrisse sind gut organisiert und weisen insbesondere im Baufeld 2 große Qualitäten auf. Ein abgestufter Innenhof bedient dort auch Nebenräume und Treppen mit Licht und Ausblick. Alle Flure weisen Tageslicht auf und führen teilweise zu schönen Ausblicken. Allerdings fehlen acht 12-m2-Räume, insgesamt fehlen 62 m2, obwohl das Baufeld 2 ausgereizt ist.
Die Besonderheit liegt in der Ausformulierung des Gartens und der Terrassenanlage, die den vorhandenen Charakter deutlich überformen wird. Diese wird kontrovers diskutiert: Die Terrasse verschmälert das Gartenparterre und könnte den Charakter einer Umfahrt bekommen. Andererseits bietet der Entwurf die Chance, aus dieser besonderen Situation am Rhein eine ganz besondere architektonische Qualität für die Nutzer zu entwickeln.
Die erwarteten Investitionskosten überschreiten die Vorgaben um ca. 6 %. Die Lebenszykluskosten werden als vergleichsweise niedrig eingeschätzt.

3. Preis 1291

MGF Architekten, Stuttgart
Entwurfsverfasser: Josef Hämmerl
Hilfskraft: Jonas Faber

mit
Wiedemann + Schweizer Landschaftsarchitekten, Stuttgart
Mitarbeiter: Florian Kirsten

3. Preis - Modell AQuelle: MGF Architekten, Stuttgart mit Wiedemann + Schweizer Landschaftsarchitekten, Stuttgart

3. Preis - Modell BQuelle: MGF Architekten, Stuttgart mit Wiedemann + Schweizer Landschaftsarchitekten, Stuttgart

3. Preis - LageplanQuelle: MGF Architekten, Stuttgart mit Wiedemann + Schweizer Landschaftsarchitekten, Stuttgart

Beurteilung des Preisgerichts

Durch den direkten Anbau an die Bestandsgebäude in nördlicher und östlicher Richtung wird eine überragende funktionale Verknüpfung geschaffen. Die Übernahme der jeweiligen Gebäudehöhen sowie die versetzten Gebäudefluchten spiegeln eine klare architektonische Haltung wieder, wenn auch die dadurch bedingte Gebäudehöhe des rheinseitigen Riegels als zu hoch empfunden wird.
Dabei wird an dieser Stelle auch die Nähe des weit zum Rhein hin vorgeschobenen Baukörpers zur Nachbarbebauung negativ bewertet.
Die freigestellte Villa Scheidgen wird in sinnvoller Weise durch den Besucherdienst genutzt, die Pforte ist angegliedert.
Zwischen den beiden Neubauten und deren jeweiligen Eingangshallen spannt sich ein Platzbereich auf, dessen Qualität jedoch durch die Querung der Anlieferung sowie die Einfahrt der Tiefgarage beeinträchtigt wird.
Die dreibündige innere Organisation der Neubauten mit großzügiger tagesbelichteter Mitteltreppe ist gut strukturiert, funktional und flexibel gegliedert. Positiv ist auch die Lage der Tagungsräume mit direktem Zugang in den Park. Die großzügigen Foyers sind zwar räumlich reizvoll, funktional jedoch nicht unbedingt notwendig.
Es handelt sich um ein interessantes, selbstbewusstes Konzept, dessen Reaktion auf die unterschiedlichen Umgebungssituationen mit denselben Baukörperausprägungen allerdings auch als etwas schematisch empfunden wird.
Die erwarteten Investitionskosten überschreiten die Vorgaben mit ca. 15 % deutlich. Die Lebenszykluskosten werden als vergleichsweise niedrig eingeschätzt.

Anerkennung – 1281

pape + pape architekten, Kassel, in Arbeitsgemeinschaft mit Bauwerkstadt Architekten, Bonn, und 5b Bau- und Projektmanagement, Bonn
Entwurfsverfasser: Ulrike Pape, Tore Pape
Hilfskraft: Victor Tuschick
Fachberater: Reitz und Pristl, Kassel [Tragwerksplanung]; Deerns, Köln [Energieplanung]

mit
Planorama Landschaftsarchitektur, Berlin
Entwurfsverfasser: Maik Böhmer
Mitarbeiter: Ulf Schrader

Anerkennung 1281 - Modell AQuelle: pape + pape architekten, Kassel mit Bauwerkstadt Architekten, Bonn und 5b Bau- und Projektmanagement, Bonn

Anerkennung 1281 - Modell BQuelle: pape + pape architekten, Kassel mit Bauwerkstadt Architekten, Bonn und 5b Bau- und Projektmanagement, Bonn

Anerkennung 1281 - LageplanQuelle: pape + pape architekten, Kassel mit Bauwerkstadt Architekten, Bonn und 5b Bau- und Projektmanagement, Bonn

Anerkennung – 1287

Glass Kramer Löbbert, Berlin
Entwurfsverfasser: Johannes Löbbert, Johan Kramer
Mitarbeiter: Ekaterina Förster, Michal Plonczak
Fachberater: BLS Energieplan Büro für technische Gebäudeausrüstung, Berlin

mit
Stefan Bernard Landschaftsarchitekten, Berlin
Entwurfsverfasser: Stefan Bernhard
Mitarbeiter: Fabian Lux

Anerkennung 1287 - Modell AQuelle: Glass Kramer Löbbert, Berlin mit Stefan Bernard Landschaftsarchitekten, Berlin

Anerkennung 1287 - Modell BQuelle: Glass Kramer Löbbert, Berlin mit Stefan Bernard Landschaftsarchitekten, Berlin

Anerkennung 1287 - LageplanQuelle: Glass Kramer Löbbert, Berlin mit Stefan Bernard Landschaftsarchitekten, Berlin

Anerkennung – 1296

harris + kurle architekten, Stuttgart
Entwurfsverfasser: Volker Kurrle, Joel Harris
Mitarbeiter: Hasan Tosun
Hilfskraft: Cornelius Bram
Fachberater: Dr. Thomas Dippel, Vaihingen/Enz [Energiekonzept]; IB Heimann, Berlin [TGA]

mit
Jetter Landschaftsarchitekten, Stuttgart

Anerkennung 1296 - Modell AQuelle: harris + kurrle architekten, Stuttgart mit Jetter Landschaftsarchitekten, Stuttgart

Anerkennung 1296 - Modell BQuelle: harris + kurrle architekten, Stuttgart mit Jetter Landschaftsarchitekten, Stuttgart

Anerkennung 1296 - LageplanQuelle: harris + kurrle architekten, Stuttgart mit Jetter Landschaftsarchitekten, Stuttgart

Anerkennung – 1297

GATERMANN + SCHOSSIG, Köln
Entwurfsverfasserin: Prof. Dörte Gatermann
Mitarbeiter: Simon Kortemeier
Hilfskraft: Burhan Demirci
Fachberater: Corall, Meerbusch [Brandschutz]; ZWP Ingenieur AG, Köln [TGA], HIG Hempel, Köln [Statik], BSV, Aachen [Verkehr]

mit
FWSLA, Düsseldorf
Entwurfsverfasser: Prof. Thomas Fenner
Mitarbeiter: Simon Quindel

Anerkennung 1297 - Modell AQuelle: GATERMANN + SCHOSSIG, Köln mit FWSLA, Düsseldorf

Anerkennung 1297 - Modell BQuelle: GATERMANN + SCHOSSIG, Köln mit FWSLA, Düsseldorf

Anerkennung 1297 - LageplanQuelle: GATERMANN + SCHOSSIG, Köln mit FWSLA, Düsseldorf



Alle Modellfotos: Winfried Mateyka, Berlin

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