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Wettbewerb

Wettbewerbsergebnisse für den Umbau des Dienstgebäudes des Umweltbundesamtes am Bismarckplatz in Berlin

Anlass und Ziel des Wettbewerbs
Das Umweltbundesamt (UBA) ist die zentrale wissenschaftliche Behörde des Bundes für den Umweltschutz. Es gehört zusammen mit den Bundesämtern für Naturschutz und für Strahlenschutz zum Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU). Es arbeitet für den Schutz von Wasser, Boden und Luft und kümmert sich um umweltbedingte Gesundheitsgefahren.
Im Mittelpunkt stehen derzeit die Bereiche Klimaschutz/Energie, Verkehr, Konsum, Abfall und Chemikalien. Ferner ist das UBA am Vollzug wichtiger Umweltgesetze beteiligt.

Das ehemalige Dienstgebäude des Reichsarbeitsdienstes am Bismarckplatz (erbaut 1935-39) ist heute Berliner Dienstsitz des Umweltbundesamts und steht unter Denkmalschutz. Im Zuge der Umstrukturierung der Liegenschaften des UBA werden bauliche Änderungen notwendig.

Die Aufgabe umfasst die Sanierung, den Umbau und bauliche Ergänzung des Bestandsgebäudes mit circa 28.900 Quadratmeter Brutto-Grundfläche und die Gestaltung der circa 15.000 Quadratmeter umfassenden Außenanlagen. Folgende Flächen sind dabei unterzubringen: Insgesamt rund 12.500 Quadratmeter Nutzfläche, mit circa 6.300 Quadratmeter Büro- und 2.200 Quadratmeter Laborflächen (Laboratorien bis zur Schutzstufe S2) und weiteren Sonderflächen (Bibliothek, Ausstellung, Kantine).

Dem Aufgabenverständnis des Umweltbundesamtes entsprechend sollte von den Wettbewerbsteilnehmern ein Konzept für ein nachhaltiges insbesondere energieoptimiertes Gebäude samt Außenanlagen erarbeitet werden.

Ergebnis des Wettbewerbs
Das Preisgericht empfiehlt dem Auslober einstimmig (9:0) den Entwurf mit der Tarnzahl 1020 unter Berücksichtigung der schriftlichen Beurteilung und der von der Denkmalpflege formulierten Bedenken zu realisieren.

Das Preisgericht hält den Entwurf insgesamt für einen Beitrag, der sehr schonend mit dem Bestand umgeht, es zugleich schafft eine sehr hohe Qualität in den Innen- und Außenbereichen herzustellen und dabei außerdem eine hohe BNB-Bewertung zu erreichen.

Die bestehenden Bedenken der Denkmalpflege gegen das Gaubenband im Dachgeschoss des Westflügels werden als lösbar angesehen. Die straßenseitige Anordnung von Photo-Voltaik-Elementen wird hingegen auch von der Jury kritisch gesehen und eine Anordnung zum Innenhof empfohlen. Das Preisgericht plädiert klar für die Herstellung der vergrößerten Öffnungen in der Ostfassade des Westflügels.

Auf der Westseite ist eine eindeutige und funktional wesentlich verbesserte Zugangssituation zu schaffen, die dem Umweltbundesamt gerecht wird.


1. Preis: Arbeit 1020
gmp Generalplanungsgesellschaft mbH, Berlin
mit
Bernard und Sattler Landschaftsarchitekten, Berlin

gmp Generalplanungsgesellschaft mbH, Innenhofperspektivegmp Generalplanungsgesellschaft mbH, Innenhofperspektive Quelle: BBR

Beurteilung durch das Preisgericht
Der Entwurf respektiert das bestehende Gebäude und fügt lediglich an der zur Königsallee ausgerichteten Seite des Westflügels zweigeschossige Neubauten hinzu. Im Bereich des Westflügels werden die öffentlichen Nutzungen konzentriert und durch einen separaten Eingang von der Königsallee erschlossen.
Im Erdgeschoss sind Bibliothek und Kantine angeordnet, die durch bodentiefe Fenster mit einer Außenterrasse im Innenhof verbunden sind. Durch diese einfache und minimale Geste wird die Ostfassade des Westflügels zum Innenhof geöffnet. Die bauzeitlich und auch heute noch wichtigste Fassade wird so die Öffentlichkeit in besonderer Weise ansprechen und kommuniziert das Erscheinungsbild des Umweltbundesamtes nach außen.
Unterstützt wird diese Wirkung durch ein durchgehend verglastes Gaubenband im Dachgeschoss, das allerdings hinsichtlich des Denkmalschutzes und der Anschlusspunkte offene Fragen aufweist. Kritisch wird die Fassade des Neubaus gesehen, sowohl in ihrer Materialität als auch in der mangelnden Differenzierung des Eingangsbereiches. Vermisst wird auch ein angemessener Empfangsraum.

Die Landschaftsarchitektur unterstützt die Gesamtkonzeption auf selbstverständliche Weise, scheint aber im Innenhof hinsichtlich der Wegeführung etwas formal.

Die Arbeit weist eine sehr hohe Effizienz bei der Umsetzung des Raumprogramms auf, die Kostenobergrenze ist eingehalten, die energetische Durcharbeitung ist sehr gut. Sommerlicher und winterlicher Wärmeschutz sind gut gelöst. Die energetischen Anforderungen werden erfüllt.

Die Bewertung nach BNB liegt im oberen Bereich.
Der Entwurf stellt insgesamt eine funktional gute Lösung dar, die mit einfachen und zurückhaltenden Mitteln im Respekt vor dem historischen Gebäudebestand realisiert werden könnte.
Die Arbeit trägt sowohl den Anforderungen des UBA wie auch den Belangen des Denkmalschutzes Rechnung.

gmp Planungsgesellschaft mbH, Lageplangmp Planungsgesellschaft mbH, Lageplan Quelle: BBR

ein 3. Preis: Arbeit 1019
Schweger Associated Architects GmbH, Hamburg
mit
WES & Partner Landschaftsarchitekten, Hamburg

Schweger Associated Architects, InnenhofperspektiveSchweger Associated Architects, Innenhofperspektive Quelle: BBR

Beurteilung durch das Preisgericht
Die Arbeit besticht durch die klare Öffnung der Westfassade mit dem vorgelagerten, öffentlich zugänglichen Park. Dadurch entsteht eine neue Eingangssituation mit einem großzügigen Foyer- und Ausstellungsbereich. Die Westfassade ist durch ihre architektonisch zurückhaltende Ausgestaltung sehr gelungen und identitätsstiftend.
Der bestehende Haupteingang der Ostfassade bleibt mit der Pförtnerloge erhalten. Der darüber erschlossene Innenhof wird durch die umlaufende Wegeführung insgesamt aufgewertet und zu einem zentralen Element der Erschließung für alle öffentlichen Nutzungen. Damit wird der Entwurf seinem Anspruch der "Aufwertung der Außenraumgestaltung" gerecht, obgleich diese sehr zurückhaltend ausformuliert ist.

Der im Innenhof des Ensembles axial eingestellte, gläserne Neubau beherbergt den Bibliotheksbereich, wobei oberirdisch die Büros und unterirdisch ein sich aufweitender Lesesaal angeordnet ist. Sowohl die etwas spannungslose und funktional fragwürdige Anordnung in der Achse des Mittelrisalits als auch die Zuordnung der Nutzungen werden kritisch gesehen. Speziell der Lesebereich erfährt dadurch keine natürliche Belichtung und der Anspruch des UBA in Bezug auf die Öffentlichkeit dieses Bereichs ist eingeschränkt. Überdies korrespondiert der oberirdische Baukörper nicht mit dem unterirdischen Raum.

Die Barrierefreiheit der öffentlichen Nutzung ist nicht überall gegeben, die interne Logistik ist zu optimieren.
Die Effizienz bei der Umsetzung des Raumprogramms ist gering, die Überschreitung der Kostenobergrenze liegt noch im steuerbaren Bereich.
Die Erfüllung der energetischen Anforderungen ist nur bedingt nachgewiesen, der winterliche Wärmeschutz nicht prüfbar.
Die Bewertung nach BNB liegt im mittleren Bereich.
Insgesamt stellt dieser Entwurf einen Lösungsvorschlag dar, der den Anforderungen und Vorgaben des UBA und den Belangen des Denkmalschutzes in großen Teilen Rechnung trägt.

Schweger Associated Architects, LageplanSchweger Associated Architects, Lageplan Quelle: BBR

ein 3. Preis: Arbeit 1022
wulf & partner Freie Architekten BDA, Stuttgart
mit
lohrer.hochrein landschaftsarcharchitekten BDLA, München

wulf & partner Freie Architekten, Innenhofperspektivewulf & partner Freie Architekten, Innenhofperspektive Quelle: BBR

Beurteilung durch das Preisgericht
Der Entwurf leitet sich aus einer Analyse der Geschichte des Gebäudes ab.
Städtebaulich wird die bisherige Konfiguration beibehalten. Der Haupteingang liegt zum Bismarckplatz hin, verschiedene Eingänge zu den Abteilungen befinden sich an der Caspar-Theyß- und der Schinkelstrasse. Wirtschaftshof und Stellplätze sind an der Königsallee angeordnet.
Der Bestandsbau wird von seinen in der Zeit geschehenen Anbauten befreit, die Fassade und das Dach behutsam saniert. Besonderes Augenmerk liegt auf einem besonderen Aufbau der Fassadenisolierung. Es entsteht eine sehr klare Ablesbarkeit der Baukörperfigur der 30er-Jahre, die sowohl aus dem Stadtraum heraus wie auch im Innenhof erfahrbar wird.
In diesem Innenhof, belegt von einer großen Blumenwiese, befindet sich auf der Ebene des Untergeschosses (UG) die sogenannte "Neue Mitte" der Institution, bestehend aus Cafeteria, Mensa, Hörsaal und Bibliothek. Belichtet werden diese Räume über sechs geneigte Lichthöfe.
Dieser zentrale Bereich kann jedoch weder über den Innenhof noch direkt aus dem Erdgeschoss erreicht werden. Fünf dezentral gelegene Stellen im UG des Bestandsgebäudes bilden die "Andockstellen" zur "Neuen Mitte".
Ein weiterer Schwachpunkt des Entwurfs ist die Tatsache, dass die Anlieferung nur über einen Punkt im Wirtschaftshof erfolgt. Ansonsten ist die Erschließung klar, die Funktionsbereiche sind klar gegliedert und strukturiert.

Das landschaftsarchitektonische Konzept verbindet die Erhaltung und Wiederherstellung der ursprünglich intendierten Raumstruktur mit einer modernen, innovativen Formensprache. Der Innenhof ist klar gegliedert, wodurch die Besucherführung zu den oberirdischen Gebäudeeingängen eindeutig ist. Das Motiv der die Vegetationsfläche rahmenden Umfahrt wurde beibehalten und lediglich zugunsten von barrierefreien Zugängen und einer großzügigeren Gestaltung modifiziert. Die Blumenwiese schafft eine ruhige Mitte und steht sowohl in Korrespondenz mit als auch im Gegensatz zu dem jetzt wieder erlebbaren architektonischen Rahmen. Die großen Lichthöfe stören vermutlich gewollt die sonst sehr homogen wirkende Freifläche.

Die geringe Überschreitung der Kostenobergrenze liegt im steuerbaren Bereich.
Das Energiekonzept ist sehr gut durchgearbeitet und lässt die Erfüllung der energetischen Anforderungen erwarten. Der vorgeschlagene Wandaufbau erscheint nicht auf Anhieb plausibel und wäre unter bauphysikalischen Gesichtspunkten eingehender zu prüfen.
Die Bewertung nach BNB liegt im oberen Bereich.
Dieser Entwurf stellt einen besonderen Lösungsvorschlag dar, der allerdings den Vorgaben des UBA nach sichtbaren öffentlichen Bereichen nur bedingt gerecht wird.

wulf & partner, Lageplanwulf & partner, Lageplan Quelle: BBR

Anerkennung: Arbeit 1013
Staab Architekten GmbH, Berlin
mit
sinai.Faust.Schroll.Schwarz. Freiraumplanung und Objektsteuerung GmbH, Berlin

Staab Architekten, InnenhofperspektiveStaab Architekten, Innenhofperspektive Quelle: BBR

Beurteilung durch das Preisgericht
Die Arbeit führt das bestehende Gebäude des UBA auf seine ursprüngliche Kubatur zurück und plant Ergänzungsbauten ausschließlich im Bereich des Westflügels, die allerdings sehr dominant. Die westlichen Anbauten ergänzen die bestehende Einbunderschließung sinnvoll zu einer Dreibundanlage, die in den Obergeschossen konzentriert die Laboreinheiten aufnehmen.
Im Erdgeschoss des Westflügels werden alle öffentlichen Bereiche konzentriert, die sich durch vorgelagerte eingeschossige Glaskörper (Kantine, Bibliothek) zum Innenhof öffnen und die erwünschte Offenheit des UBA herstellen, deren architektonischer Ausdruck aber hinterfragt wird.
Der Mittelrisalit des Westflügels wird als öffentlicher Haupteingang definiert, betont durch die linearen mittigen Wegachsen des grünen Innenhofs, der verkehrsarm der fußläufigen Erschließung dient. Die innere Erschließung erfolgt horizontal und vertikal nur über den Ostflügel.
In den Bürotrakten des Altbaus sind nur minimale Eingriffe geplant. An geeigneten Stellen werden Aufweitungen vorgesehen, die der Kommunikation dienen sollen. Festverglasungen in der historischen Außenfassade betonen diese Bereiche, fügen sich aber in das Ensemble kaum ein.

Die Gestaltung des Innenhofs erscheint etwas formal, berücksichtigt in der Struktur jedoch die verschiedenen Eingangsbereiche. Durch die Konzentration der Stellplätze und "bikeports" im Bereich des Wirtschaftshofs wird der Baumbestand geschont. Die Gartenebene und die Wassertische sind nicht angemessen und lassen einen hohen pflegerischen Aufwand erwarten.

Funktionalität und flexible Nutzbarkeit der Bürogeschosse sind eingeschränkt, unter anderem durch die Erschließungswege.
Die Umsetzung des Raumprogramms ist effizient gelöst, die Kostenobergrenze ist eingehalten.
Der Entwurf ist in energetischer Hinsicht sehr gut durchgearbeitet und lässt die Erfüllung der energetischen Anforderungen erwarten.
Die Bewertung nach BNB liegt im oberen Bereich.
Insgesamt stellt die Arbeit einen Lösungsvorschlag dar, der den Anforderungen und Vorgaben des UBA in weiten Teilen gerecht werden kann.

Staab Architekten, LageplanStaab Architekten, Lageplan Quelle: BBR

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