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Laborgebäude für Medizinische Genomforschung Berlin

Ansicht von VorneAnsicht von Vorne

BAUHERR / ZUWENDUNGSEMPFÄNGERMax-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin und
Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie
BAUFACHLICHE BERATUNG AB 2004Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung,
Referat IV S 3, Projektentwicklung, Planung, Wettbewerbe, Zuwendungsmaßnahmen
Referat IV S 2, Gebäudetechnik
ARCHITEKTStaab Architekten, Berlin
Volker Staab, Alfred Nieuwenhuizen,
Projektleitung Planung Angelika Egner;
Bauleitung Birgit Knicker, Dirk Richter
LABORPLANERLCI Labor Concept Ingenieurgesellschaft mbH, Berlin
STATIKDierks, Babilon und Voigt, Beratende Ingenieure für Bauwesen, Berlin
HAUSTECHNIKScholzegruppe Ingenieure Consultants, Berlin
LANDSCHAFTSPLANERLevin Monsigny Landschaftsarchitekten, Berlin
LICHTKUNST AM BAUSchlotfeldt Licht, Berlin
VERGABE DER PLANUNGSLEISTUNGEN GEBÄUDEZweistufiges Auswahlverfahren nach VOF
GRUNDSTÜCKSGRÖSSE8.153
HAUPTNUTZFLÄCHE3.305
GEBÄUDEVOLUMEN27.979
GESAMTKOSTEN19,6 Mio. Euro
BAUBEGINN10/2003
FERTIGSTELLUNG03/2006

Das Laborgebäude für Medizinische Genomforschung auf dem Campus Berlin-Buch wurde am 30. Juni 2006 offiziell eröffnet. Das Gebäude wurde durch das Max-Delbrück-Centrum (MDC) für Molekulare Medizin Berlin-Buch und das Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie (FMP) gemeinsam errichtet. Hier werden die wissenschaftlichen Voraussetzungen geschaffen, um die Erforschung von Krankheitsgenen und die Erforschung der Funktion von Genen und ihren Produkten, den Proteinen, zusammenzuführen. Diese Forschung ist für die Entwicklung neuer Therapiekonzepte wichtig. Das Gebäude wurde nach dem russischen Genetiker Nikolai Wladimirowitsch Timoféeff-Ressovsky benannt, der von 1930 – 1945 am Kaiser-Wilhelm-Institut für Hirnforschung in Berlin-Buch gearbeitet hatte. Er gilt mit Max Delbrück, dem Namensgeber des MDC, als einer der Begründer der molekularen Genetik. Die Festvorträge am Eröffnungstag hielten Prof. Thomas Jentsch, Direktor des Instituts für Molekulare Neuropathobiologie Hamburg (HMNH) und Prof. Nikolaus Rajewsky, der von der New York University (New York, USA) an das MDC berufen worden ist. Beide werden in dem neuen Gebäude ihre Labore betreiben. Prof. Jentschs bisherige Forschungen trugen dazu bei, die Entstehung verschiedener Krankheiten zu verstehen. Prof. Rajewsky entwickelte eine Computermethode, mit der im Hochdurchsatz die Stellen im Genom identifiziert werden können, an die winzige RNA-Moleküle binden und dadurch die Produktion von Proteinen regulieren. Das vierstöckige Genomforschungszentrum wurde nach zweijähriger Bauzeit fertig gestellt. In ihm befindet sich das vom MDC gegründete Gene-Mapping-Center, in dem Wissenschaftler mit hochmoderner Ausstattung im Hochdurchsatzverfahren Gene identifizieren, die an der Entstehung von Krankheiten beteiligt sind. Diese Forschung ist eingebunden in das Nationale Genomforschungsnetzwerk 2 (NGFN2), anknüpfend an die für klinische und Grundlagenforschung bedeutsame Proteomforschung des MDC. Weiter befinden sich in dem Neubau die "Proteinstrukturfabrik" des Deutschen Humangenomprojekts (DHGP) und Berliner Strukturbiologen, an der auch MDC und FMP beteiligt sind. Eine Besonderheit des Projektes ergab sich aus der langen Zeitspanne zwischen Aufstellung des Raumprogramms im Jahre 1999 und Fertigstellung des Gebäudes im Frühjahr 2006. Für die moderne Wissenschaft sind dies Ewigkeiten. Zudem wurde über die endgültige personelle Besetzung durch die Berufungsverhandlungen mit Prof. Thomas Jentsch und Prof. Nikolaus Rajewsky erst im Jahr 2005 entschieden.
Raumprogramm und "Technische Gebäudeausrüstung" wurden fortlaufend entsprechend den konkreten Anforderungen angepasst. Dies erfolgte ohne unnötigen bürokratischen Aufwand. Als besonders hilfreich erwies sich dabei das mit den Architekten und der Bauverwaltung erarbeitete Grundrisskonzept mit innovativen Großraumlaboratorien. Zudem wurde ein Schachtkonzept erarbeitet, welches notwendige Anpassungen, Wartungen und Umbauten an der Technischen Gebäudeausrüstung im laufenden Betrieb ermöglicht. Hier wurden die Flächenfaktoren nicht um jeden Preis "optimiert". Auf abgehängte Decken wurde aus diesem Grund ebenfalls verzichtet. Dies ist umso wichtiger, da Umbauten in einem Laborgebäude für Spitzenforschung nicht die Ausnahme sondern die Regel sind. Durch die hohe Fluktuation der Mitarbeiter und befristete Projektlaufzeiten ergeben sich laufend Änderungen. Der Einsatz von Großforschungsgeräten und der Einsatz von rechnergesteuerten "Robotern" hat zugenommen. Diese benötigen verschiedene Medienanschlüsse mit wechselnden Anforderungen an die Umgebungstemperatur und Luftfeuchte an ihrem Aufstellungsort. Da aus Kostengründen nicht alles vorgehalten werden kann, ergeben sich durch die Aufstellung neuer Geräte meistens auch Umbauten an der Technik. Neben diesen eher "harten" Faktoren zeichnet sich das Gebäude aber auch durch seine hohe architektonische Qualität aus. Während der Projektphase wurden wir immer wieder vor die Frage gestellt, ob wir Funktionalität oder architektonische Qualität wollten. Dies schien nicht vereinbar zu sein. Durch MDC und FMP wurde immer darauf bestanden, dass selbstverständlich beides gewollt sei. Die jungen Wissenschaftler "arbeiten" nicht "Nine to Five"; sie verbringen einen Großteil ihrer Zeit in den Laboren. Neben der Arbeit an den Labortischen nehmen Aufenthaltsqualität und Kommunikationsmöglichkeiten einen immer höheren Stellenwert ein. Die Rechnung ist aufgegangen. Das Gebäude ist bei den Wissenschaftlern sehr beliebt und wird somit auch durch seine Architektur das Renommee des Berliner Wissenschaftsstandortes international stärken.


Artikel aus dem Bau und Raum Jahrbuch 2007/08, welches vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung herausgegeben wird. Artikel verfasst von Ralf Streckwall (Projektleiter im MDC).

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