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Kunst-am-Bau-Wettbewerb Deutscher Bundestag - Wilhelmstraße 64

Wettbewerbsergebnisse

Das historische Gebäude in der Wilhelmstraße 64 in Berlin-Mitte wurde 1910-1911 als Hotel "Der Königshof" errichtet. In den 1970er Jahren wurde das Haus umgebaut und in der Folgezeit durch Botschaften verschiedener Länder genutzt. Die derzeitige Baumaßnahme, die nach der Planung des Architekturbüros Abelmann, Vielain, Pock umgesetzt wird, umfasst eine Grundsanierung, eine Aufstockung sowie einen Teilabriss und Teilneubau zur Nutzung als Dienstgebäude für den Deutschen Bundestag.


Wettbewerbsverfahren

Der Wettbewerb wurde als nichtoffener Kunst-am-Bau-Wettbewerb für zwei Standorte im Gebäude – Foyer im Erdgeschoss und Innenhof sowie Foyerzonen in den Obergeschossen – ausgelobt. Die Ausschreibung erfolgte in Anlehnung an die Richtlinien für Planungswettbewerbe (RPW 2013). Sie folgte den Empfehlungen des Leitfadens Kunst am Bau (BMVBS 2013).
Pro Standort wurden durch ein vom Preisgericht unabhängiges Auswahlgremium jeweils zehn Künstler/innen bzw. Künstlergruppen ausgewählt, die am 10.09.2014 vom Kunstbeirat des Deutschen Bundestags bestätigt wurden.

Standort Foyer mit Innenhof im Erdgeschoss und Aufgabe

Vom Haupteingang betritt man über den Eingangsbereich mit Pforte, Ein- und Ausgangsschleuse eine Eingangshalle mit einer historischen Treppe und neuen Aufzügen. Rechtsseitig trennt eine Glaswand das weiterführende Foyer von dieser Halle ab. Hier liegt das Foyer zwischen einem Konferenzbereich und einem kleinen begrünten Innenhof, der für Aufenthaltszwecke zur Verfügung stehen soll. Für das Foyer an den Konferenzräumen sollte eine künstlerische Intervention als ein- oder mehrteilige Arbeit entwickelt werden, die den Innenhof und/oder die Eingangshalle miteinbeziehen konnte.

Standort Foyerzonen in den Obergeschossen und Aufgabe

In den fünf Obergeschossen gibt es jeweils großzügige Foyerzonen, die direkt an das historische Treppenhaus grenzen und das Zentrum des Hauses bilden. Betritt man das Foyer in den Obergeschossen über das Haupttreppenhaus befindet sich in Blickrichtung eine großflächige Wand mit seitlicher Tagesbelichtung, die als Wandfläche künstlerisch gestaltet werden sollte.

Das Preisgericht tagte am 19. Februar 2015 in folgender Zusammensetzung:

Stimmberechtigte Preisrichter

Dr. Söke Dinkla, Wilhelm Lehmbruck Museum Duisburg
Prof. Dr. Eugen Blume, Hamburger Bahnhof
Roswitha Josefine Pape, Künstlerin Heidelberg
Prof. Norbert Radermacher, Künstler Kassel/Berlin
Antje Schiffers, Künstlerin Berlin
Renate Abelmann, Abelmann Vielain Pock Architekten
Claudia Roth, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags, Mitglied des Kunstbeirats des Deutschen Bundestags
Günther Hoffmann, BMUB
Eva Jedelhauser, BBR

Preisträger

Kunststandort Foyerzonen in den Obergeschossen

1. Preis - 1232 Michael van Ofen, Düsseldorf
Mitarbeiter: Peter Karpinski


1. Preis - Standort Foyerzonen in den Obergeschossen Kunst am Bau Wilhelmstraße 64Quelle: Michael van Ofen, Düsseldorf



Beurteilung durch das Preisgericht
Inspiration für den Entwurf ist die Hofmalerei der Jahrhundertwende. Über die 5 Geschosse des Gebäudes erstrecken sich 5 Motive, die direkt auf die Wand aufgebracht werden. Die Künstlerin/der Künstler bezieht sich explizit auf Berlin und die Malerei Anton von Werners. Wir sehen tänzerisch anmutende Farbchiffren, die sich bei näherer Betrachtung als Dekorapplikationen der Uniformen von Würdenträgern zu erkennen geben.
Die Jury überzeugte die spielerische Leichtigkeit, mit der Motivelemente wie Manschetten, Epauletten, Bordüren, Schärpen und Hutbänder, damals Auszeichnungen der herrschenden Klasse, aus ihrem ursprünglichen Bildkontext gelöst werden und nun ein Eigenleben entwickeln. Die freigestellten Motivelemente fügen sich im direkten Gegenüber mit den Betrachtern auf Augenhöhe zu figurativen Arrangements, die unser Bildgedächtnis aktivieren.
Die Jury besticht vor allem der konzeptuelle Ansatz des Entwurfs: In der Befreiung von historischen Bezügen wird zugleich auch die Zeit des 19. Jahrhunderts in Erinnerung gerufen, in der das Gebäude in der Wilhelmstraße entstanden ist.

2. Preis - 1240 Hannes Michanek, Frankfurt/Main
Sonderfachleute: Aman, Estrichterrazzo
Prosign Lasertechnik

We have been contemplating, poles apart

2. Preis - Standort Foyerzonen in den Obergeschossen Kunst am Bau Wilhelmstraße 64Quelle: Hannes Michanek, Frankfurt/Main





Beurteilung durch das Preisgericht
Die mehrteilige Arbeit „We have been contemplating, poles apart“ handelt von der ständigen Bewegung der Welt, auch im Hinblick auf Entscheidungen und deren Revision. Diese Ambivalenz von Zuständen symbolisiert die Künstlerin/der Künstler in unterschiedlich geformten, Puzzleteilen verwandten Wandecken, die das statuarisch in die Mitte gesetzte Bild (Gemälde) in gewisser Hinsicht in Frage stellen, zumindest seine mögliche Auflösung vorbereiten.
Diese Wandelemente zeichnen als wiedererkennbare Formen die einzelnen Etagen aus, so dass der Betrachter sie als einem Gesamtbild zugehörig begreift. Das bewusst konventionell platzierte Bild in der Mitte der Wand wird auf diese Weise von den dunklen abstrakten Formen in einen Diskurs über Stabilität und Auflösung geführt. Das obere und das untere Gemälde greifen zudem das Thema des Horizonts in gegensätzlichen, konvexen und konkaven Formen auf und suggerieren auf eine sich durch das gesamte Gebäude ziehende Kreisform. Dem Betrachter wird durch diese Bilder nicht nur abermals die Zusammengehörigkeit aller fünf Etagen deutlich, sondern auch das Thema verdeutlicht, dass sich den Grundfragen des Seins zuwendet.
Die disparate und rätselhafte Gestalt dieser Arbeit könnte zu einer vitalen und dauerhaften Auseinandersetzung mit dem Werk führen. Diese dem Werk inhärente Spannung hat die Jury überzeugt, es für preiswürdig zu halten.


Kunststandort Foyer im Erdgeschoss und Innenhof


1. Preis - 1230 Norvin Leineweber, Aachen

Lichtung


1. Preis - Standort Foyer im Erdgeschoss und Innenhof Kunst am Bau Wilhelmstraße 64Quelle: Norvin Leineweber, Aachen




Beurteilung durch das Preisgericht
Der Entwurf besticht durch eine große Klarheit und Eleganz, die dem Eingangsbereich und Foyer tatsächlich ein besonderes „Licht“ verleiht. Bearbeitet werden der gesamte Boden und die Stirnwand. Die farblich abgestimmten Materialien – Terrazzo für den Boden und Marmorputz für die Stirnwand – reflektieren, ja spiegeln das Licht auf ihren geschliffenen bzw. polierten Oberflächen. Die Stirnwand ist dabei als ein flächendeckendes Relief gearbeitet, das einen fließenden Flächenverlauf von konvex nach konkav zeigt. Allein das ebenfalls mit Marmorputz überzogene Türblatt bleibt plan und erscheint dadurch als herausgehobenes, plastisches Element in der Wand. Zwei separat aufgehängte Reliefs „spiegeln“ dieses Raumelement, da sie exakt Tür groß und jeweils einmal konvex horizontal bzw. vertikal geformt sind. Wie ein Kontrapunkt ergänzt ein ovales kopfgroßes Relief das Raumensemble. Die Arbeit überzeugt in ihrer Konsequenz und Reduktion auf nur
wenige Materialien und eine Farbigkeit. Sie verbindet sich untrennbar mit dem Raum und gibt ihm auf eine unaufdringliche Weise etwas ganz Eigenes. Zudem wird die Verbindung von Innenraum und Außenraum als Qualität des Entwurfs gesehen. Dies wird durch ein in die Freifläche auskragendes Kreissegment des Bodens erzielt. Insbesondere überzeugt die Jury, dass der Entwurf den Raum nicht besetzt, ihn vielmehr öffnet wie eine „Lichtung“.

2. Preis - 1229 Heike Weber
Sonderfachleute: Aman, Estrichterrazzo
Prosign Lasertechnik

Órganon

2. Preis - Standort Foyer im Erdgeschoss und Innenhof Kunst am Bau Wilhelmstraße 64Quelle: Heike Weber, Köln

Beurteilung durch das Preisgericht
Der Wettbewerbsvorschlag Órganon konzentriert sich auf die Gestaltung des Fußbodens von Besprechungsraum und Foyer, die in ihrer großen Eindringlichkeit und gleichzeitigen Zurückhaltung den beiden engen architektonischen Räumen Großzügigkeit und Weite verleiht.
Die Arbeit greift den von den Architekten eingebrachten Vorschlag des Terrazzobodens als historischen Verweis auf, transponiert dabei jedoch die vorgesehenen Verkehrs- und Aufenthaltsflächen in eine einheitliche Zone von subtiler Dynamik und virulenter Bewegung.
In der klassischen Anmutung von Kreidezeichnungen auf dunkler Tafel formuliert die Künstlerin/der Künstler in Form weißer konzentrischer Kreise auf schwarzem Grund ein Diagramm von Punkten und ihren Interferenzen, die sich am Rande vereinzelt verorten und zur Mitte hin als Sammelbecken der Argumente „im Fluss“ verdichten.
Überlagerung und Abgrenzung der unterschiedlichen Standpunkte erscheinen gleichsam als Spiegel demokratischer Entscheidungsfindung. Sinnfällig wird der Nutzer beim Betreten der Fläche mitten in den Prozess der Diskussion gestellt.
Die intelligente Reflektion der kommunikativen Funktion des Raums und der architektonischen Situation in ihrer Ambivalenz von Strenge und spielerischer Leichtigkeit hat die Jury überzeugt.



Zusatzinformationen

Kontakt

Birgit Jacke-Ziegert
Referat A 2 - , Projektentwicklung, Wettbewerbe und Zuwendungsmaßnahmen im Inland 
Straße des 17. Juni 112
10623 Berlin
Tel.: +49 30 18401-8108
Fax: +49 30 18401-7209

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