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Architekturwettbewerb Sanierung und Umbau Neustädtische Kirchstraße 14

Wettbewerbsergebnisse

Verwaltungsgebäude für den Deutschen Bundestag

1. Preis: Arbeit 1002
BHBVT Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin
Entwurfsverfasser: Bruno Vennes, Stefan Tebroke
Mitarbeiter: Ronny Huse, Michael Schulze

Ansicht Neustädtische Kirchstraße 14Neustädtische Kirchstraße 14 Ansicht Quelle: BHTV Gesellschaft von Architekten mbh, Berlin

Beurteilung durch das Preisgericht:
Die Lösung formuliert ein ruhiges kompaktes Ensemble aus Neu und Alt. Die Staffel des Altbaus interpretiert die Vertikalität der historischen Fassade. Daraus wird die Gestaltung für den gesamten Baukörper hergeleitet. Die Anordnung von Öffnungen im nördlichen Brandgiebel des Bestandes ist im Wesentlichen positiv. Die Öffnungen im Erdgeschoss sind hingegen in Anzahl und Größe zu hinterfragen. Bei der Erschließung besticht die Arbeit auf den ersten Blick durch die Lösung, das historische Haupttreppenhaus zu ersetzen. Ob hier der massive Eingriff in den Bestand freilich die Eingangssituation verbessert, wird vom Preisgericht unterschiedlich bewertet. Die Größe und Lage der Pförtnerloge werden kritisch gesehen. Die innere Organisation der Büros um ein zentrales Atrium ist schlüssig. Das nahezu quadratische Atrium bietet eine gute Belichtung und eine hohe räumliche Qualität, auch zwischen den Geschossebenen. Die Materialwahl, Beton und Holz, überzeugt.Die ermittelten Realisierungskosten liegen im hohen Preissegment. Die Arbeit muss deshalb hinsichtlich Konstruktion und Materialwahl optimiert werden.

Schnitt Neustädtische Kirchstraße 14Neustädtische Kirchstraße 14 Schnitt Quelle: BHTV Gesellschaft von Architekten mbh, Berlin


2. Preis: Arbeit 1014
Meixner Schlüter Wendt Architekten, Frankfurt a. M.
Entwurfsverfasser: Florian Schlüter
Mitarbeiter: Mark Etling, Elisabeth Klein, Joost Rebske,
Alexander Streck, Sabrina Pellini

Ansicht Neustädtische Kirchstraße 14Neustädtische Kirchstraße 14 Ansicht Quelle: Meixner Schlüter Wendt Architekten, Frankfurt a.M

Beurteilung durch das Preisgericht
In diesem Konzept wurde die erste Achse des Altbaus einschließlich des historischen Treppenhauses erhalten. Harmonisch schließt sich der Neubau rückwärtig an und legt sich im Dachgeschoss über den Bestand. Der Neubau ist als Grenzbebauung mit einem offenen tiefen Einschnitt an der Nordseite ab dem 1. Obergeschoss konzipiert. Die Büroräume sind vornehmlich im hinteren Neubauteil angeordnet und orientieren sich westlich zur Hofseite. Zwei Büroräume pro Geschoss werden über den Einschnitt belichtet. Der Einschnitt bietet eine große räumliche Qualität und löst die Kompaktheit des Gebäudes auf. Die innenräumlichen Verkehrszonen werden ab dem 1. Obergeschoss stark aufgewertet. Im Erdgeschoss sind aufgrund mangelhafter Belichtung nur untergeordnete Nutzungen möglich. Um einen Zugang zur Neustädtischen Kirchstraße 15 zu ermöglichen, müsste das zweite Treppenhaus gedreht werden. Der Anschluss einer möglichen nördlichen Nachbarbebauung ist problemlos umsetzbar. Die Westfassade erscheint durch starke Transparenz mit besonderer Leichtigkeit über der denkmalgeschützten Logenwand des Nachbargrundstücks zu schweben. Die Nordfassade bildet durch die Materialhaftigkeit und Vertikalbetonung der Fensterelemente einen klaren Kontrast zum Altbau. Die repräsentativen Nutzungen benden sich im vorderen Bereich (Altbau). Die Achsmaße der Büroräume westseitig erscheinen eher eng. Die Zugänglichkeit von der Neustädtischen Kirchstraße wird durch eine rollstuhlgerechte Hebebühne erweitert, die Ausgestaltung des Pförtnerbereichs erscheint optimierungsbedürftig. Das Raumprogramm ist weitgehend erfüllt. Unter Berücksichtigung des Bestandes erscheint das Verhältnis zwischen BGF + NF von 1,9 als angemessen wirtschaftlich. Insgesamt lässt der im niedrigen Preissegment liegende Entwurf eine wirtschaftliche Realisierung erwarten.

Schnitt Neustädtische Kirchstraße 14Neustädtische Kirchstraße 14 Schnitt Quelle: Meixner Schlüter Wendt Architekten, Frankfurt a.M.


3. Preis: Arbeit 1009
Schweger Associated Architects GmbH, Hamburg
Entwurfsverfasser: Prof. Peter P. Schweger, Jens-Peter Frahm,
Mark Schüler

Ansicht Neustädtische Kirchstraße 14Neustädtische Kirchstraße 14 Ansicht Quelle: Schweger Associated Architects GmbH, Hamburg

Beurteilung durch das Preisgericht
Die Arbeit überzeugt durch ihre klare analytische Auseinandersetzung mit der gestellten Aufgabe und ihrem einfachen wie klaren Lösungsansatz. So wird der Bestand mit seiner ersten Raumspur sowie dem Treppenhaus erhalten und um einen L-förmigen Neubau im Süden und Westen ergänzt. Die Schließung des L´s wird über ein Weiterbauen der Bestandsspur jenseits des vorhandenen Treppenhauses erreicht. Die Gesamtgebäudekonfiguration lässt so einen wohlproportionierten und gut nutzbaren Innenhof mit spannungsreichen Sichtbeziehungen über die Geschosse hinweg entstehen, an dem konsequent die Erschließung zu den angrenzenden Nutzräumen angeordnet ist. Diese sind in gut zu möblierenden Raumabmessungen nach Norden, Westen und im Bestand nach Osten orientiert. Der vorhandene Niveauunterschied des Haupteingangs wird behindertengerecht mittels Hebebühne zum Souterrain überwunden. Hier ist folgerichtig die Pförtnerloge untergebracht. Die behindertengerechte Erschließung der Obergeschosse erfolgt über einen Aufzug im Auge des Bestandstreppenhauses. Eine zweite Vertikalerschließung wird an der südlichen Brandwand angeordnet. Dieser fehlt im Erdgeschoss der unmittelbare Ausgang ins Freie. Beim Raumprogramm ist das Fehlen mehrerer Büroräume zu bemängeln. Die Fassade des Neubaus wird vom Verfasser als klar ablesbare verputzte Bürofassade angeboten. Die Ansichten und der Detailschnitt werden vom Verfasser sehr zurückhaltend dargestellt. Damit bleibt die Anmutung der Fassade im Vagen. Insgesamt stellt die Arbeit aufgrund des klaren Konzepts der gut nutzbar entwickelten Räume sowie des proportionierten Innenhofs einen wertvollen Beitrag zur Lösung der Aufgabe dar. Die Realisierungskosten liegen im höheren Preissegment.

Schnitt Neustädtische Kirchstraße 14Neustädtische Kirchstraße 14 Schnitt Quelle: Schweger Associated Architects GmbH, Hamburg


Anerkennung: Arbeit 1006
ludloff + ludloff Architekten, Berlin
Entwurfsverfasser: Jens Ludloff
Mitarbeiter: Dennis Hawner, Julian Seiffert
Fachberater: Karen Eisenloffel / Eisat GmbH [Tragwerksplaner]
Miriam Borowietz / ZWP Ingenieur AG [Haustechnik]
Heike Hämmerling / HHP Ingenieure für Brandschutz GmbH
Nikolai von Rosen [künstlerische Beratung]

Ansicht Neustädtische Kirchstraße 14Neustädtische Kirchstraße 14 Ansicht Quelle: ludloff+ludloff Architekten, Berlin

Beurteilung durch das Preisgericht
Städtebaulich wird der Bestand zu einem kompakten Baukörper ergänzt. Durch das optimierte Volumen sind eine wirtschaftliche Realisierung und ein kostengünstiger Betrieb zu erwarten. Die Abrundung der Ecke zum Bundespresseamt bleibt unverständlich. Der Verfasser erhält die straßenbegleitende Raumschicht des Altbaus und entfernt die historische Treppe. Eine parallel zur Straße angelegte Erschließungsfuge trennt konsequent den Altbau vom Neubau. Der Neubau wird mit optimierten Geschoßhöhen 6-geschossig hergestellt. Mit der einläufigen Treppenanlage werden die unterschiedlichen Geschosshöhen von Alt- und Neubau geschickt verknüpft. Auf Straßenniveau entsteht eine angemessene Eingangssituation. Im Neubauteil werden die Funktionen um einen ellipsoiden Luftraum gut organisiert, es werden trotz der Beengtheit des Grundstücks sehr gut geschnittene Räume angeboten. Die vorgeschlagene Konstruktion als Holzständerbauweise im Bereich der Hülle wird hinsichtlich des Einsatzes nachwachsender Rohstoffe gewürdigt. Die Haut aus in Teilen perforiertem Glasfasergewebe wird zur massiven Baumasse des Bestands als zu schwach und uneindeutig gewertet. Hinsichtlich der brandschutzrechtlichen Anforderungen ergeben sich erhebliche Mängel. Die durchgängige Erschließungsfuge entspricht als Fluchtweg weder den brandschutzrechtlichen noch den baurechtlichen Anforderungen. Die Defizite sind konzeptimmanent nur schwer zu beheben. Die grundsätzlichen Bemühungen um einen spannungsvollen Innenraum zwischen Alt und Neu und einen optimierten Neubau werden gewürdigt. Wirtschaftlich liegt die Arbeit zwar im niedrigen Preissegment, die erforderlichen Nachrüstungen lassen jedoch eine erhebliche Kostensteigerung erwarten.


Anerkennung: Arbeit 1010
h.s.d. architekten bda habermann.decker, Lemgo
Entwurfsverfasser: Christian Decker

Ansicht Neustädtische Kirchstraße 14Neustädtische Kirchstraße 14 Ansicht Quelle: h.s.d. architekten bda habermann.decker, Lemgo

Beurteilung durch das Preisgericht

Der Grundgedanke des Entwurfs ist der Erhalt der straßenseitigen Raumachse mit ihrem Treppenhaus und die Ergänzung durch den Neubaukörper. Es ergibt sich eine einfache und klar organisierte Grundrissstruktur mit einem zentral gelegenen, nicht überdachten Atrium. Die um den Innenhof angeordneten Büroräume sind klar gegliedert und liegen an dem halboffenen Gangbereich, der den Blick in den grünen Innenhof und den Himmel freigibt. Der großzügig verglaste mittlere Raum wird zum repräsentativen Entree mit Blick auf den begrünten Innenhof. Die Schleusen sind funktionsgerecht angeordnet, beeinträchtigen jedoch die Raumwirkung. Die Grundrisse sind klar und funktional. Der geschossweise Wechsel der Anordnung von Grün- und Teeküchenbereich ergibt ein interessantes Bild. Die Besprechungsräume sind über alle Geschosse an der nordwestlichen Ecke angeordnet. Durch Auflösung der angrenzenden Wand im Erdgeschossbereich wird eine gute Belichtung ermöglicht. Die klare Gliederung der Neubaufassade bietet den erwünschten Kontrast zur alten Fassade und nimmt gleichzeitig Bezug auf Proportion und Maßstab des alten Gebäudes. Es gibt eine klare Ablesbarkeit von Alt und Neu, gleichzeitig ergeben die beiden Teile ein Gesamtbild, wobei die weißgraue Betonfassade auch im Innenbereich die gewünschte Helligkeit ermöglicht. Wirtschaftlich liegt der Entwurf weitgehend im mittleren Preissegment bei durchschnittlicher Flächeneffizienz, wobei der geplante hohe technische und energetische Standard bedacht werden. Die Wirtschaftlichkeit der Stahlbetonskelettkonstruktion scheint gewährleistet, die verwendeten Baustoffe und Bauteile lassen Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit erkennen.

Schnitt Neustädtische Kirchstraße 14Neustädtische Kirchstraße 14 Schnitt Quelle: h.s.d. architekten bda habermann.decker, Lemgo

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