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Wettbewerbsergebnisse Erweiterungsneubau

Kunst-am-Bau-Wettbewerb für das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) - Erweiterungsneubau

Zwei Kunststandorte wurden für den Erweiterungsneubau ausgewählt:

Standort 1: Erdgeschoss

1. Preis: Arbeit 1639
Prof. Katharina Hinsberg, Neuss

Prof. Katharina Hinsberg, NeussProf. Katharina Hinsberg, Neuss Quelle: BBR

Erläuterung der Künstlerin
Diskrete Stetigkeit
"Die vorgeschlagenen Werke sollen sich dem Ort nicht anlagern, sondern inkorporieren, indem die künstlerische Arbeit während der Realisierung von der architektonischen Situation mitgeprägt wird."
Dem Ort wird nichts hinzugefügt. Die Arbeit schreibt sich in den Baukörper ein. Dabei werden vor Ort Vorzeichnungen mit Graphitstiften auf Papier angefertigt. Die Linien werden anschließend mit verschieden dicken Bohrern in den Putz 2 bis10 mm tief übertragen. Je dunkler die Linien, desto dichter werden die Lochabstände (5 bis 50 mm) und je breiter die Linien, desto stärker werden die Bohrdurchmesser. Die Zeichnungen reagieren jeweils auf den Ort, die Maße des Raums, die Sichtachsen, mögliche Bewegungen im Raum und auf verschiedene Durchblicke.
"Das Verfahren folgt einer Kopiertechnik der Renaissance." Die Bereiche A.) und B.) werden gleich bearbeitet.

Prof. Katharina Hinsberg, NeussProf. Katharina Hinsberg, Neuss Quelle: BBR

Beurteilung durch das Preisgericht
Für das Erdgeschoss (Konferenzbereich) entschied sich das Preisgericht für die Arbeit "Diskrete Stetigkeit". In situ angefertigte, vertikale Graphit-Zeichnungen auf Papier verlaufen von Decke zum Boden und werden je nach Dicke mit einem Schlagbohrer punktuell in die Wand übertragen. Das Papier wird entfernt.
Die Arbeit überzeugt durch ihren performativen Herstellungsakt der kraftvollen Einschreibung in die Architektur bei gleichzeitiger sensibler, zarter und leicht wirkender Erscheinung wie ein Schleier oder Wassertropfen. Nichts wird hinzugefügt, eine symbiotische Einheit von Kunst und Architektur, die der Passage zur Caféteria eine optische Lebendigkeit zwischen Licht und Schatten gibt. Die Setzung löst zahlreiche Assoziationen aus, die mannigfaltige Verbindungen in die Natur und den benachbarten Rankengewächsen bereit hält.



Standort 2: Obergeschosse

2. Obergeschoss

1. Preis: Arbeit 1631
Werner Huthmacher, Berlin

Werner Huthmacher, BerlinWerner Huthmacher, Berlin Quelle: BBR

Erläuterung des Künstlers
"Ausgehend von den Inhalten des Ministeriums und der von Farben und Formen dominierten Architektur, stelle ich mir eine Fotoinstallation vor, die den Raum aufnimmt, diesen erweitert und ihn mit den Inhalten des Ministeriums erfüllt." Fotos kultivierter Nutzpanzen und Tiere beziehungsweise tierische Produkte sollen den Bezug zu den Aufgaben des Ministeriums herstellen. Diese sollen vor Ort fotografiert werden, vor den Wänden an denen später die Arbeiten montiert werden. Dies führt zu einer optischen Irritation und zugleich zu einer Raumerweiterung. Die Mitarbeiter werden angeregt durch die Bewegungen im Raum verschiedene Bildperspektiven zu erfahren. Das Zuchtferkel wird vor Ort in verschiedenen Positionen fotografiert. In der Fotomontage wird dann der Eindruck erweckt, dass viele Ferkel vor Ort waren. " Man kann das mehrfache Kopieren des Schweines und/oder der Pflanzen auf das Klonen und Genmanipulieren" beziehen. Die Fotoinstallationen, bestehend jeweils aus 3 raumhohen 90 cm breiten Elementen, sollen sich dem Raum farblich anpassen und möglichst putzbündig eingefügt werden.

Auszug aus der Beurteilung durch das Preisgericht
Im 2. Obergeschoss nimmt eine wandfüllende Fotografie Bezug auf die vorhandene Architektur und spielt mit der Räumlichkeit dieser in einer vermeintlichen Spiegelung und Fortführung des Raumes. Abgebildet werden Tiere und Zimmerpflanzen. Sind erstere aus der Tierhaltung außerhalb problematisiert, stehen zweitere als Zuchtpflanzen für eine künstliche Natur innerhalb des Ministeriums. Das Preisgericht überzeugte die Ironie der Zusammenstellung disparater Elemente, der damit erzielte Überraschungseffekt in der Raumillusion, der direkte Bezug zur Kultivierung der Natur.
Das Preisgericht schlägt vor, dass nur eine von beiden Arbeiten realisiert wird. Die Verdopplung wird als nicht zwingend angesehen, jedoch ist bei vorliegendem Entwurf definitiv eine präzise Umsetzung der Fotografie und Realisierung vor Ort erforderlich.


3. Obergeschoss

1. Preis: Arbeit 1628
Claudia Fährenkemper, Werne

Claudia FährenkemperClaudia Fährenkemper Quelle: BBR

Erläuterung der Künstlerin
Pflanzensamen
"Pflanzensamen bilden die Grundlage unserer Ernährung und prägen die Vielfalt unserer Kulturlandschaft."
Der Gestaltungsvorschlag bezieht sich sowohl auf die Funktion als auch auf die Architektur des Ministeriums. Die kleinen, ruhigen Bilder, die organische Formen darstellen, werden der großzügigen, dynamischen Architektur gegenübergestellt.
Die im Rastermikroskop entstandenen Mikrofotografien von Pflanzensamen sollen einen Einblick in die Vielfalt und Schönheit des pflanzlichen Lebens geben.
Die Bilder zeigen Samen von Nutzpflanzen, Wildpflanzen, Kräutern, Gewürzen und Heilpflanzen in einer 20 100 fachen Vergrößerung. An vier Standorten werden jeweils mehrere Bilder in Tableauform präsentiert.
Aus unmittelbarer Nähe betrachtet erkennt man feinste Binnenstrukturen der Pflanzensamen. Die am Rasterelektronenmikroskop entstandenen analogen schwarz-weißen Fotografien werden auf klassischem, altersbeständigem Barytpapier im Format 40 x 50 mit einem weißen Passepartout gezeigt.

Auszug aus der Beurteilung durch das Preisgericht
Im 3. Obergeschoss finden sich 21 mikroskopische Aufnahmen von Samen. Wie ein Einblick in unbekannte Galaxien schauen wir auf mit dem menschlichen Auge so nicht sichtbare Gebilde, auf "Urformen der Natur". Die Keimzelle des Lebens fasziniert über die Anmutung des wissenschaftlichen Bildes mit ihren Strukturen. Die s/w-Fotografien auf Barytpapier stehen in der Tradition einer Natur-Fotografie in der Zeit der klassischen Moderne und überzeugen durch die faszinierende Formenvielfalt einer erlebbaren Mikrowelt, die das Geheimnis des Lebens birgt.
Das Preisgericht empfiehlt dringend eine klassische schwarze Holzrahmung und zweireihige Blockhängung im Sinne einer alten "Neuen Sachlichkeit".


4. Obergeschoss

1. Preis: Arbeit 1632
Frank Stürmer, München

Frank Stürmer, MünchenFrank Stürmer, München Quelle: BBR

Erläuterung des Künstlers
"Die fotografische Serie, die ich für das BMELV zusammengestellt habe, sind im bayrischen Wald in der Glashütte der Familie Eisch in Frauenau entstanden."
In einer Serie von 6 Bildern (106,5 x 71 cm) und einem Großfoto (161 x 107 cm) werden der Arbeitsalltag in der Glasbläserei und die Landschaft dieses Ortes dargestellt.
Die Fotos werden als Spiegelglanzabzüge auf 4mm Alu-Dibond aufgezogen. Das große Foto wird im Cromasec-Glas-Verfahren hergestellt (Glas und Bildträger werden verklebt) und die sechs kleineren Fotos werden hinter Glas mit einem Abstand von 5 mm zwischen Glas und Bild präsentiert und in Eichenholzrahmen gefasst.

Frank Stürmer, MünchenFrank Stürmer, München Quelle: BBR

Auszug aus der Beurteilung durch das Preisgericht
Im 4. Obergeschoss werden eine große und sechs kleinere Farbfotografien aus einer Serie einander gegenübergestellt. Stellt das große Bild einen unspektakulären Ausschnitt aus einem Bachlauf dar, zeigen die kleineren Natur und Menschen unter dem Thema des traditionellen Handwerks der Glasbläserei. Im Dialog von Natur und Mensch öffnet die Bildreihe ein Moment, welches narrative Elemente enthält ohne (heroisch) pathetisch oder kitschig zu sein, sondern allein auf die Grundelemente der Natur (Wasser) und menschliche Kultur (Feuer) zurückführt. Die Qualität liegt unter anderem der auf den ersten Blick profan erscheinenden Bildmotive, in der fortlaufenden Verknüpfung einzelner Bildelemente. Trotz ihrer Geschlossenheit werden vielschichtige Deutungsmöglichkeiten eröffnet.


5. Obergeschoss

1. Preis: Arbeit 1633
Thomas Wrede, Münster

Thomas Wrede, MünsterThomas Wrede, Münster Quelle: BBR

Erläuterung des Künstlers
Real Landscapes
Wüstenartige Einöde auf dem einen Bild steht der frischen grünen Wiesen auf dem zweiten Bild gegenüber.
Die im Kreuzungspunkt der Flure am Standort D und E präsentierten großformatigen Fotos beziehen sich formal auf das Gebäude und inhaltlich auf das Ministerium. Sie sollen Akzente setzen und den Blick nach draußen öffnen. Die dargestellten Bilder greifen das Erdhafte des glatten Lehmputzes auf und setzen dem eine zerfurchte Erde gegenüber.
Die Bilder lassen beim näheren Betrachten die Frage offen, wo die reale Welt endet und die künstliche beginnt.
"In der Real Landscapes setze ich kleine Requisiten aus der Welt der Modelleisenbahn in die reale Welt. Sand und Lehmhaufen werden zu Bergen, aus Pfützen werden Seen. Nähe und Ferne werden untrennbar miteinander verwoben. Spielerisch bewege ich mich zwischen Idylle und Katastrophe." Hier ist der inhaltliche Bezug zu den Aufgaben des Ministeriums zu erkennen: die Frage nach dem Umgang mit der Natur und ihren Ressourcen.

Auszug aus der Beurteilung durch das Preisgericht
Im 5. Obergeschoss hängen sich zwei großformatige farbige Landschaftsdarstellungen gegenüber. Die wüstenartig kargen Einöden entstanden in dem stillgelegten Kohletagebau in der Lausitz. Dominiert auf einem Bild die zerfurchte Landschaft, steht eine frische grüne Wiese in der unteren Bildhälfte auf dem zweiten Bild dieser gegenüber.
Die bewusste angelegte Künstlichkeit entsteht durch die Verzerrung der Dimensionen, das Einbringen von Requisiten aus der Modelleisenbahnwelt und die Diskrepanz von Ödnis und künstlichem Grün. Glaubt man sich einer gewaltigen Landschaft gegenüber, wird man bei Studium der Bilder irritiert und desillusioniert.

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